Komm, süßer Tod von Wolf Haas

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2000 bei Rowohlt. 222 Seiten. ISBN-10: 3-499-22814-9, ISBN-13: 978-3-499-22814-8.
Ort & Zeit der Handlung: Österreich / Wien, 1990 - heute.

'Komm, süßer Tod' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Der Rettungsfahrer Hansi Munz kann es nicht fassen, wie gierig das Liebespaar vor dem Krankenhaus übereinander herfällt. Doch die Küssenden sinken nicht vor Leidenschaft zu Boden, sondern weil sie das Opfer eines wahren Kunstschusses geworden sind. Den neuen Kollegen bei den Kreuzrettern, Brenner, lässt dieser Mord kalt – er hat den Privatdetektiv an den Nagel gehängt. Doch sein Chef ist froh, dass er einen ehemaligen Schnüffler in seinen Reihen hat. Im erbitterten Kampf um die Nummer eins im Wiener Rettungswesen will er den üblen Machenschaften der Konkurrenz ein für allemal einen Riegel vorschieben …

Das meint Krimi-Couch.de: »Ärmel hoch und dings« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Wolf Haas mag man, oder man mag ihn nicht. Der Schreibstil von Wolf Haas ist ja eigentlich auch gar kein Schreibstil, sondern ein Redstil, weil er genau so artikuliert, wie man das in jedem Wiener Beisel zu hören bekommt, wenn einer groß zu erzählen anfängt. Da herrscht das Dings, du weißt schon, und dann kommst du vom Hundertsten ins Tausendste, aber bis die Geschichte endlich auf den Punkt kommt, falls überhaupt, schlafen die Zuhörer schon über ihren Bierkrügen. Weil Männer am Wirtshaustisch fast immer monologisieren und im Endeffekt aber trotzdem Rezension.

Rettungsfahrer bei den Kreuzrettern ist ein schöner Beruf, viel besser als Detektiv und der Brenner hat zusätzlich noch eine gesicherte Schlafstelle, auch wenn die Scheißhäuseltour nicht angenehm ist, aber so eine Spenderleber bei der Rosi wiegt das alles auf. Bloß, dass die Krankenschwester mitten im Schmusen voll eine Kugel in der Mundhöhle erwischt hat, die vorher schon durchs Genick vom Küsserkönig gefahren ist, da schaust aber. Und dann schnappen dir die Kerle vom Rettungsbund noch die Fuhren weg und jetzt reden alle drüber, vor allem die Männer. Und eine Frau, die Angelika, die Tochter vom alten Lanz und bei der möchte ohnehin jeder landen, aber sicher ist nur, dass der Bimbo mit ihr gevögelt hat und das macht eine Leiche mehr, also seine.

Einmal Detektiv, du das hängt dir nach. Weil es darf nichts an die Öffentlichkeit, aber der Brenner hört sowieso die Flöhe husten. Also Ärmel hoch und dings.

Alles verstanden? Wenn nicht, dann unbedingt Wolf Haas lesen. »Komm, süßer Tod«, 1999 mit dem Deutschen Krimi-Preis ausgezeichnet, zeigt Haas in Perfektion, wenn er die Umgangssprache zur Kunstform erhebt. Dabei verwendet er jenen morbiden Wiener Humor, der von Andeutungen und Abschweifungen lebt, und das »Goldene Wienerherz« zu Recht als Mittel zum Selbstzweck entlarvt.

Für Anfänger dauert es eine Weile, bis sie hinter die Syntax seiner Sätze kommen, falls Haas nicht ohnehin bestreitet, dass es eine solche gibt. Der studierte Linguist schreibt, wie dem Volk der Schnabel gewachsen ist und das kann für Unkundige zum gewöhnungsbedürftigen Idiom werden. Es ist eigentlich völlig egal, dass es sich bei dieser Geschichte um einen Kriminalfall handelt. Der Fall an und für sich ist nicht gerade ein Highlight am österreichischen Krimihimmel, aber wie sich Haas in unzähligen Gedankensplittern mit Gott und der Welt durchwurschtelt, gehört zum Witzigsten und Eigenständigsten, was das deutschsprachige Verlagswesen in den letzten Jahren unters Volk gebracht hat. Die ganze Story erinnert an eine Spickzettelsammlung voller Ideen, die durch den Autor mit einer Rahmenhandlung versehen wurde.

Auch die Reaktionen der Leser auf der Krimi-Couch zeigen deutlich, dass hier sämtliche Prädikate von sprachlicher Erstklassigkeit bis zum totalen Unverständnis gleichmäßig verteilt sind. Von mir bekommt Haas eine absolute Höchstnote und ich kann »Komm, süßer Tod« nur jedem ans Herz legen. Aber ich bin mir bewusst, dass die sprachliche Akzeptanz hier in jedem Fall kontroverse Beurteilungen hervor rufen muss.

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Olaf zu »Wolf Haas: Komm, süßer Tod« 28.09.2009
Ich bin aus Norddeutschland. Trotzdem liebe ich dieses dings. Es ist wie so oft im Leben. Entweder du magst den Stil oder du findest nie in dieses dings.

Wiener Schmäh at its best!

Ich muss jetzt die 300 Zeichen vollkriegen: Ich geb zu, ich bin vorbelastet: Mein Großvater ist Wiener. Ich glaube daher rührt meine Affinität zu Österreich.
alex zu »Wolf Haas: Komm, süßer Tod« 13.04.2009
Jetzt ists schon wieder passiert. Ich hab das Buch schon wieder mal gelesen.
Man muss sich zwar beim Lesen konzentrieren, da dich sonst die vielen Protagonisten verwirren, aber der Schmäh und die prägnante Schreibweise, ich sag dir, einfacht toll.

Wem Komm, süßer Tod gefallen hat, soll auch die andren Dings lesen.
Das ewige Leben, z.B, sehr empfehlenswert für einen Haas-Liebhaber.
hallo zu »Wolf Haas: Komm, süßer Tod« 23.02.2009
Wir haben das Buch in der Schule gelesen(endlich mal keine langweilige klassische Lektüre) und ich war sofort vom Alltagsnahen Schreibstil mitgerissen.
Ein spannende Geschichte und unklar bis zum Schluss, [(blabla ich hab gesagt was ich sagen wollte, blöde 300 zeichen, 200 hätten gereicht)trotzdem tolle Seite]
meine Absolute empfehlung

lg
ein netter Jünge
ChriiZii zu »Wolf Haas: Komm, süßer Tod« 22.01.2009
wir haben das buch in der schule gelesen.. hab nach den ersten 10 seiten aufgehört, weil es mich nicht interessiert hat und ich mich bei dieser schreibweise nicht auf den inhalt des buches konzentrieren konnte ;-)

ich denke, entweder man mag solche bücher, oder man mag sie gar nicht. ich gehöre eher zur zweiten gruppe.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
ceegee zu »Wolf Haas: Komm, süßer Tod« 30.10.2008
Ich habe das Buch in einer bayerischen Buchhandlung nahe der österreichischen Grenze empfohlen bekommen ... da ich deutschsprachige Autoren den anglo-amerikanischen nun einmal vorziehe habe ich auch zugeschlagen und das Buch nach nur 50 Seiten Schmerz wieder zu. Sorry. Aber sowas geht für mich gar nicht. Mag sein, dass sich dies für ein Nordlicht (ohne pedagogisches Studium und trotzdem weit und individual bereist ;) die sprachliche Feinheit nicht erschliesst ...
Ich habe Wolf Haas Buch wirklichen Sinn auf jeden Fall für mich gefunden. Als Fensterkeil im Flur ...
cottonfix zu »Wolf Haas: Komm, süßer Tod« 19.09.2008
Da kannst Du denken was Du willst, obs Dir gefällt entscheidet Deine Vorgeschichte als Leser. Weil wenn Du eher ein Oberlehrer bist, der gerne anstreicht, dann hast Du auch eine ganz andere Dings als ein Leser, der seine Protagonisten wirklich beim Lesen hört.
Der eine halt in seinem Lehrerzimmer und natürlich absolut auf Dings bedacht und der andere in der ganzen Welt unterwegs, also zum Beispiel in Österreich. So wie der eine alles so macht wie immer schon, freut sich der andere über endlich wieder mal was anderes, das halt völlig Dings ist
2 von 5 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
tedesca zu »Wolf Haas: Komm, süßer Tod« 12.06.2008
Aus zuverlässiger Quelle habe ich mir sagen lassen, dass alles, was in diesem Buch passiert, auf der Realität beruht. Naja. traurig genug, finde ich.

Noch trauriger ist nur die Langeweile, die beim Lesen aufkam, da muss ich "Maieriisli" zustimmen, mir ging es genauso.

Auch dieses Buch hat mich nicht zum Wolf-Haas-Fan gemacht.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Kathrin zu »Wolf Haas: Komm, süßer Tod« 08.05.2008
Mich fasziniert Wolf Haas` Schreibstil auch sehr. Er ist absolut eigenwillig und mal ganz was Neues. Verglichen mit anderen Autoren, die einen Krimi nach Schema F schreiben (zB Andreas Franz) ist Wolf Haas ein Genie.

Anfangs ist das Buch schwer zu lesen, doch mit der Zeit gewöhnt man sich an Haas Sprache. Aber für mich ist es vielleicht auch leichter, weil ich Österreicherin bin.

Noch etwas: Wer nichts über menschliche Abgründe wissen will, darf keine Krimis lesen. Ein Krimi beschreibt bekanntlich immer irgendwelche menschlichen Abgründe.
Maieriisli zu »Wolf Haas: Komm, süßer Tod« 07.05.2008
Sorry, aber ich kann mit diesem Buch und mit der Schreibe von Wolf Haas so überhaupt nichts anfangen. Beim Lesen bin ich ständig eingeschlafen und die Sprache ging mir dermassen auf den Geist, dass ich das Buch nach 100 Seiten weglegen musste. Ich finde, dieses Buch ist total überbewertet. Die menschlichen Abgründe dieser Rettungssanitäter sind so bedauernswert, da brauch ich nur die Zeitung aufschlagen und es kommt dasselbe darin vor, einfach in einer besseren Sprache geschrieben.
Die Welt braucht keine Abgründe, die gibts schon genug. Und die Realität hat gerade kürzlich bewiesen, dass die Abgründe noch viel krasser sind, als wir sie überhaupt denken können.
Die Welt braucht Vorbilder und Vordenker. Integre Menschen die verantwortungsbewusst handeln, andere respektieren, tolerant sind und ein Gewinn für unsere Weltgesellschaft.
ina zu »Wolf Haas: Komm, süßer Tod« 21.02.2008
Auch ich habe das Buch in der Schule zu lesen bekommen. Aber gleich nach dem ersten Kapitel, hab ich es zu Hause fertiggelesen. Der Schreibstil ist mir noch nie untergekommen und fasziniert mich total. ICh bin schwer begeistert von dem Buch und darf mich zu jenen zählen, die Wolf Haas "lieben" ^^lg

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