Das ewige Leben von Wolf Haas

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2003 bei Hoffmann & Campe.
Ort & Zeit der Handlung: Österreich / Graz, 1990 - 2009.
Folge 6 der Simon-Brenner-Serie.

  • Hamburg: Hoffmann & Campe, 2003. ISBN: 3-455-02559-5. 222 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2004. ISBN: 3828974171. 220 Seiten.
  • Hamburg: Hoffmann & Campe, 2005. ISBN: 3-455-02563-3. 204 Seiten.
  • Hamburg: Hoffmann & Campe, 2006. ISBN: 978-3-455-40003-8. 204 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2006. ISBN: 978-3-492-26160-9. 220 Seiten.

'Das ewige Leben' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Große Aufregung in der Sigmund-Freud-Nervenklinik in Graz: Einer der Hoffnungslosen, ein Selbstmörder, ist aus dem Koma noch einmal zum Leben erwacht. Doch warum weigert sich dieser Simon Brenner, ein Privatdetektiv, so stur, der Wirklichkeit ins Auge zu sehen? Warum behauptet er steif und fest, die Kripo wollte ihn ermorden? Und das, obwohl die Tage vor dem Kopfschuss restlos aus seinem Gedächtnis gestrichen sind? Für den Psychiater liegt der Fall ganz klar: akute Depressionen, ausgelöst durch die Rückkehr in die Heimatstadt Graz. Als sich Brenner am Faschingsdienstag aus dem Hospital stiehlt, um seinen eigenen Fall aufzuklären, hält man ihn für vollends verrückt. Doch Brenner hat eine wichtige Spur aus seinem Gedächtnis gefischt. Diese führt ihn nicht nur zu einer Jugendsünde aus seiner Vergangenheit: einem kleinen Banküberfall mit Polizeischulfreunden, sondern auch direkt zum Arnold-Schwarzenegger-Stadion. Vielleicht kann ihm der Stadionwart, ein ehemaliger Polizeischulfreund, helfen, den Mordanschlag aufzuklären. Und er könnte das tatsächlich – läge er nicht mit einem sauberen Kopfschuss tot auf dem Boden. Wird Brenner nun der Nächste sein?

Das meint Krimi-Couch.de: »Nicht für jeden was, aber von allem was drin« 84°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Krimi-Couch-Volltreffer April 2003

Ja, der Wolf Haas, mit der Sprache so seine Schwierigkeiten, weil Prädikat geht halt öfter mal vergessen. Da muß man sich schon erst mal gewöhnen dran. Wenn Du einen Haas liest, das nicht so wie ein gewöhnlicher Krimi. Nein, so ein Haas hat schon was eigenes. Da muß man schon ein wenig ding sein im Kopf. Und ich bin sicher ziemlich ding im Kopf, doch ging mir das Buch wirklich nicht leicht von der Hand, will sagen, von den Augen in Kopf rein.

Doch will ich Euch erst mal erzählen, was in dem Wolf Haas seinem »ewigen Leben« überhaupt so vorkommt, weil erst dann kann man den Brenner so richtig kennen. Der Detektiv Simon Brenner früher mal bei der Polizei gewesen. Jetzt wacht er am Neujahrsmorgen in der Klinik auf und lebt noch. Das mag ja an und für sich noch nichts ungewöhnliches sein, wirst Du sagen, dass einer am Neujahrsmorgen aufwacht und noch lebt. Der Brenner aber war ein ganz Hoffnungsloser gewesen, weil er hat eine Kugel im Kopf gehabt. Nun hat jeder geglaubt, der Brenner wollte sich selber umbringen, weil Abschiedsbrief und so, nur der Brenner selber hat das nicht geglaubt, weil er hat so eine Erinnerung, und da hat er den Aschenbrenner mit einer Pistole gesehen.

Ein Kripo-Chef, der Banken überfällt

Der Heinz Aschenbrenner jetzt der Kripochef von Graz. Früher auf der Polizeischule, da waren sie alle Kumpels. Der Brenner, der Aschenbrenner, der Köck und der Saarinen. Und aus Jux haben sie damals zusammen eine Bank überfallen. Als sich da beim Saarinen ein Schuß gelöst hat, in der ganzen Hektik auf der Flucht haben sie dann das Geld gleich wieder verloren und der Saarinen mit seinem Motorrad sogar sein Leben, weil die Ampel. Der Aschenbrenner, weil er heute der Kripochef, will natürlich jetzt von der ganzen Sache nichts mehr wissen. Alle vier haben sie Walther-Pistolen gehabt, und so eine Kugel aus so einer Walther haben sie beim Brenner aus dem Kopf rausgeholt. Und mit dem Köck hat er vorher noch blöd dahergeredet, dass sie den Kripochef mit der Geschichte fertig machen könnten. Und dann hat der Kripochef ihn fertig gemacht.

Als es dem Brenner dann langsam wieder besser gegangen ist, hat er sich am Faschingsdienstag aus der Klinik davon gemacht, weil da ist er beim Faschingsumzug mit seinem Verband nicht so aufgefallen. Mit dem Sehen hat er noch Probleme gehabt, weil mit einem Auge alles grün, mit dem anderen alles rot. Der Köck jetzt der Hausmeister vom Schwarzenegger-Stadion. Und den Köck hat er dann auch gleich gefunden. Doch der hat jetzt auch ein Loch im Kopf gehabt. Und wie der Brenner ihm gerade die Kugel aus dem Kopf rausoperieren will, da ist einer gekommen und der Brenner musste flüchten.

Kugel aus Brenners Kopf – Schlaganfall

Dann ist er zum Aschenbrenner gefahren und hat dem die Kugel aus dem Köck seinem Kopf gezeigt. Hat der Aschenbrenner jedenfalls gedacht, weil in Wirklichkeit die Kugel aus dem Brenner seinem eigenen Kopf. Das ist dem Aschenbrenner nun überhaupt nicht bekommen, weil er darauf gleich einen Schlaganfall gekriegt.

Das Buch wird von einem fiktiven Erzähler erzählt, der den Leser zwischendurch immer wieder direkt anspricht. Obwohl doch der Erzähler immer nahe beim Brenner dran ist, bleibt er doch unbekannt. Bis zur letzten Seite. Und als das Buch aufhört – nicht als es zu Ende ist -, weil es hört einfach so auf, da erfährt man dann auch, wer der Erzähler ist.

Von was das Buch am allermeisten hat, ist das sogenannte Lokalkolorit. Weil davon gibts in Puntigam, was ein Stadtteil von Graz ist, jede Menge, weil »lustig samma, Puntigamer«.

Wolf Haas und der verschnupfte Erfolgstrainer

Und auch vor Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens machte der Haas nicht halt. So war da »...dieser Trainer, der seine blauen Augen derart aufgerissen hat, dass man glauben hätte können, seine roten Haare und sein roter Schnurrbart sind nicht von Natur aus rot, sondern vor Schreck. Weil der hat immer noch viele Haare gehabt, obwohl der Köck dem Brenner letztes Mal erzählt hat, dass der arme Mensch aus einem inneren Zwang heraus dauernd seine Haare den Drogentestern hinterherträgt.« Und wenn man wissen will, warum dieser Fußballtrainer dann doch nicht nach Graz gekommen ist, sondern nach Wien, der muß dieses Buch unbedingt lesen, weil die Haarwuchsmittel.

Doch man erfährt noch viele andere wichtige Sachen. Was der Brenner mit dem Schwarzenegger zu tun hat und warum das Schläge austeilen auch nicht ungefährlich ist. »Über Schläge kann man natürlich viel diskutieren [...] Nicht nur das Einstecken tut weh, man kann sich auch beim Austeilen verletzen. Der eine verstaucht sich das Handgelenk, der andere bricht sich die Finger, das hängt dir noch nach, wenn die klaffende Schädelwunde vom Opfer schon längst tadellos verheilt ist.«

Sprachwitz, Lokalkolorit, Satire

So hat man beim Haas von allem was. Vom Sprachwitz hat man ein ganze Menge, eigentlich ja durchgehend was. Vom Lokalkolorit hat man viel, vom Humor hat man noch viel mehr, was man Satire nennt. Und dann hat man natürlich noch eine Handlung, weil ohne ja keine Spannung. Und von der Spannung ist reichlich vorhanden. Wie dann der Brenner die ganze Geschichte aufklärt, das ist schon alles recht durchschaubar gemacht. Und auch recht geschickt konstruiert mit den dauernden Wendungen, weil wenn Du glaubst, Dir ist jetzt endlich alles klar geworden, dann glaubst Du falsch, weil alles doch ganz anders. Ob ich jetzt sagen soll, dass es auch logisch ist, das ist so eine Sache, weil irgendwie logisch, aber mehr so eine Art Haas-eigener Logik.

Weil aber so ein Roman vom Wolf Haas sicherlich nicht für jeden was ist, hab ich Dir vom »ewigen Leben« jetzt genauso erzählt, wie der Haas seine Geschichten erzählt, so daß Du jetzt vielleicht schon selber weißt, ob Du so ein Buch überhaupt lesen willst.

Was aber das Fatale an dem Roman ausmacht, ist, dass es der letzte Brenner-Krimi gewesen sein soll, weil es kommt dann nichts mehr.

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hans franz zu »Wolf Haas: Das ewige Leben« 05.01.2014
Für mich als 14 Jähriger Schüler ist das leider nichts. Meine Verwandten finden das Buch zwar super aber der schreibstiel ist nichts für mich. ich sage aber trotzdem, ihr solltet es lesen denn der Inhalt ist doch spannend ich gebe diesen buch eine Punktzahl zwischen eins und 10 wobei 10 super ist.
Punktzahl:4,5
frank buschmann zu »Wolf Haas: Das ewige Leben« 09.06.2013
Ich bin ehrlich - ich konnte mit dem 200seitigen Schmäh nix anfangen. Ich hab mich wacker durchgekämpft, wollte das Buch regelmäßig in die Ecke donnern, fand die eine oder andere Formulierung tatsächlich auch ganz witzig, auf die Dauer aber ging mir der ganze gestelzte Quark total auf den Keks. Von allen Haas-Krimis der mit Abstand unlesbarste!
-rpr- zu »Wolf Haas: Das ewige Leben« 25.04.2012
So eine Rückkehr in die Heimatstadt ist, ob du es glaubst oder nicht, nicht immer zu empfehlen, weil das kann ganz schön ungesund sein, vor allem wenn die Vergangenheit dann plötzlich auf einen wartet und bevor du dich versiehst hast du ein Loch im Kopf und 3 Wochen Koma. Normalerweise würdest ja jetzt im Krankenhaus liegen bleiben, weil kostenloses Essen, nette Gesellschaft, anregende Gespräche mit dem Psychiater und fürs Aufschütteln vom Kopfkissen musst ja auch nichts bezahlen.
Aber nicht so der Brenner, und das ist ja dann eigentlich auch wieder normal, weil merke, Brenner ist immer irgendwie anders normal als die Normalen.
Mit dem Satz "Lustig samma, Puntigamer" im Kopf, ungefähr da wo das Loch ist; dafür ohne Erinnerung an die Zeit vor dem Koma, raus aus dem Krankenhaus und rein erstmal nach Graz. Ihr wisst schon Graz = Heimatstadt = Vergangenheit = Löcher.
Aber der Brenner schert sich nicht drum und ermittelt. Muss man betonen er ermittelt wie immer? - also während er sucht, finden ihn die Lösungen.

Ob das Buch empfehlenswert ist? Also wem Wolf Haas bisher nicht gefallen hat, der braucht auch dieses nicht zu lesen. Wolf Haas Fans werden auch bei diesem Buch gut aufgehoben sein.
vifu zu »Wolf Haas: Das ewige Leben« 21.08.2011
.was soll ich Neues schreiben?
Aber dieser Brenner ist natürlich mal wieder total ding!
Diese wunderbaren Formulierungen und gedanklichen Mäander, zum laut lachen!!
Der einzige Wermutstropfen ist, für mich bleibt jetzt nur noch Band 7.
Und was schreibt der Haas dann???
Hoffentlich was Neues mit neuen Marotten! In diesem Sinne, viel Spass beim Lesen und Genießen!
iwtumn zu »Wolf Haas: Das ewige Leben« 02.06.2011
Gut, ich habe glaube ich, das Buch als ich es gelesen habe nicht ganz durchschaut. Ich war damals aber auch noch 3 Jahre jünger- 3 Jahre dümmer als jetzt. Wenn man sich einmal an den Stil des guten Herrn Haas gewöhnt hat, dann ist das Buch auf jeden Fall einfach nur noch fantastisch. Ich kenne Graz. Ich kenne die Menschen dort. Ich kenne Migräne. Und so fühlte ich mich auch damals (wobei damals eben nur 3 Jahre her ist) schon, als würde ich auch den Brenner kennen.Seit "Das ewige Leben" habe ich weitere Brenner gelesen. von hinten. Der 1. und der 2. fehlen. Noch. Aber sie werden noch kommen. Denn Haas' Bücher sind einfach ding. Ernsthaft jetzt. Sie sind grandios.
Officer zu »Wolf Haas: Das ewige Leben« 24.10.2009
Nur zur Info:

Derzeit läuft "Das ewige Leben" am Schauspielhaus Graz in einer Inszenierung von Christine Eder. Dramatisierung: Pia Hierzegger

Der Standard schreibt:
"Die Grazer Schauspielerin und Dramatikerin Pia Hierzegger adaptierte den Krimi Das ewige Leben äußerst bühnentauglich - mit Liebe zu den Details der Grazer Eigenheiten, wie der gescheiterten Bürgerwehr oder den slowakischen Bettlern. Regisseurin Christine Eder schafft mit einem starken Team von sechs Schauspielern, die fast das gesamte Roman-Personal geben, einen witzigen Abend: Franz Solar überzeugt als Simon Brenner, der sich von Blackout zu Lucidum intervallum weitertastet. Lange weiß er dabei nicht, ob er einen Selbstmordversuch überlebt hat oder ob ihn sein ehemaliger Kollege, der Grazer Polizeichef, Aschenbrenner, beseitigen lassen wollte, weil er seine dunkle Vergangenheit kennt. Dominik Warta spielt Aschenbrenner umwerfend machtbewusst. Andrea Wenzl fasziniert, wenn sie ohne Bruch von der naiven Krankenschwester zur verlebten Wirtin wechselt." (Colette M. Schmidt, DER STANDARD/Printausgabe, 24./25./26.09.2009)
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pescheg zu »Wolf Haas: Das ewige Leben« 26.08.2008
«Das ewige Leben» ist der krönende Abschluss einer grandiosen Krimireihe. Die sechs Brenner-Romane sind nicht nur fantastisch aufgebaut und spannend zu lesen, sie sind auch sprachlich eigenständig, in ihrem Humor einzigartig und so durch und durch österreichisch (aus meiner Sicht jedenfalls), dass es eine wahre Freude ist.

Die Romane von Wolf Haas gehören zu meinen liebsten. Muss man sich beim ersten Buch vielleicht noch etwas an die ungewohnte Art des Geschriebenen gewöhnen, beginnt man diese mit jedem weiteren Buch zu schätzen, zu genießen und zu lieben. Witzig, sarkastisch, skurril und manchmal traurig und berührend. Einfach großartig.
Zahara zu »Wolf Haas: Das ewige Leben« 13.04.2008
ich fand das Buch ehrlich gesagt anfangs sehr langweilig aber... nachdem ich das öfters gelesenn habe supper:D das würde ich einfach mal jedem weiter empfehlen ... lieben gruß an allle
Henrik zu »Wolf Haas: Das ewige Leben« 16.04.2007
Das Buch ist ein Wahnsinn! Die Handlung ist zwar nicht ganz so verrückt wie in den Vorgängern, aber am Ende werden andere Dinge bedeutender... Ich kann "Das Ewige Leben" nur weiterempfehlen!
Kristina zu »Wolf Haas: Das ewige Leben« 14.02.2007
Ich dabke meiner Mutter dafür, dass sie mir dieses Buch in die Hand gedrückt hat, denn zweifelsohne ist dieser Roman ein Schatz. Ja, ein Schatz, an Wortwitz und österreichischem Schmäh, auch wenn die Erzählweise, fehlende Prädikate usw. , mir anfangs sehr suspekt war. Trotzdem, superliches Buch, ich habe mich gezwungen es nur freitags beim Zugfahren in die Stadt zu lesen, da es sonst so schnell zu Ende sein würde. Doch das Ende kam, was ja unvermeidbar war, und ich war traurig, und deswegen möchte ich die anderen fünf Brenner-Romane auch lesen. Ich kann jedem das Buch empfehlen, der etwas für Schmäh und Sprachwitz übrig hat!

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