Ruhelos von William Boyd

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel Restless, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Berlin-Verlag.

  • London: Bloomsbury, 2006 unter dem Titel Restless. ISBN: 978-0747585718. 325 Seiten.
  • Berlin: Berlin-Verlag, 2007. Übersetzt von Chris Hirte. ISBN: 978-3827006929. 367 Seiten.
  • Berlin: Berliner Taschenbuchverlag, 2008. Übersetzt von Chris Hirte. ISBN: 978-3833305368. 367 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hoffmann und Campe, 2007. Gesprochen von Martina Gedeck. gekürzte Lesung. ISBN: 3-455-30525-3. 5 CDs.

'Ruhelos' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Was geschieht, wenn sich alles, was man über seine Mutter zu wissen glaubte, plötzlich als Trugbild erweist? In dem langen heißen Sommer 1976 erfährt Ruth Gilmartin die ganze Wahrheit über ihre Mutter Sally: Dass sie Eva Delektorskaja heißt. Dass sie eine russische Emigrantin ist. Dass sie im Krieg als Spionin gearbeitet hat. Und dass ihr Leben bedroht ist. Ans Telefon geht sie nur nach vereinbartem Klingelsignal und das Haus verlässt sie im Rollstuhl, obwohl sie laufen kann. Wie gut können wir einen Menschen kennen? Diese zutiefst beunruhigende Frage stellt William Boyd in seinem atemberaubenden Spionagebestseller: Ruhelos.

Ihre Meinung zu »William Boyd: Ruhelos«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Darix zu »William Boyd: Ruhelos« 10.11.2013
Ein typisch klassisch britischer Schreibstil, mit dem Boyd seine Spionagegeschichte, auf zwei Erzählsträngen aufgeteilt, erzählt. Das ohne übertrieben umfangreiche soziologische Abhandlungen. Interessante Charaktere, aufgeworfene Fragen über die Vergangenheit der Akteure. Eine glaubwürdige Hanlung, vermeidlich Gute und weniger Gute Agenten.
Ruhelos ist ein literarisch gelungener Spionageroman aus den Zeiten des II. Weltkrieges mit Auswirkungen auf die überlebenden Protagonisten bis in die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Es ist mit emotionale Intensität verfasst und ist vergleichbar mit den Werken von John le Carré. Wie in guten Spionage Romanen üblich werden mit doppelten Boden und moralisch fragwürdigen Handlungen agiert. Das Finale endet irgendwie sportlich britisch .
Ein sehr gut zu lesender, spannender Roman.
Stefan83 zu »William Boyd: Ruhelos« 19.06.2010
Nach "Brazzaville Beach" ist das nun schon der zweite Roman von William Boyd, den ich gelesen und von der ersten bis zur letzten Seite genossen habe. Mit Wörtern wie "Meisterwerk" und "Bestseller" tituliert, ist es mir auf den Belletristik-Tischen der Buchhandlungen ins Auge gesprungen, nur um dann gleich bei Beginn der Lektüre festzustellen, dass es sich wohl doch eher um einen klassischen Spionageroman, als um eine normale Erzählung handelt.

Ein gewagter Sprung in die Genreliteratur, wird der ein oder andere vielleicht denken, doch auf jeden Fall ein Wagnis, das sich ausgezahlt hat, denn Boyd bringt mit "Ruhelos" eine äußerst beklemmende, tiefgründige Geschichte auf Papier, die nicht nur sprachlich, sondern vor allem vom Aufbau her zu überzeugen weiß.

Ihren Anfang findet sie im Jahre 1976, im beschaulichen Oxford. Es ist ein ungewöhnlich heißer Sommer, unter dem die Bevölkerung der Universitätsstadt zu leiden hat. Darunter befindet sich auch die allein erziehende Sprachenlehrerin Ruth Gilmartin mit ihrem Sohn Jochen, die sich zudem zunehmend Sorgen um die Gesundheit ihrer älter werdenden Mutter Sally macht. Diese hat sich nach einem Hausunfall in einen Rollstuhl setzen lassen und sucht nervös den angrenzenden Waldrand mit dem Fernglas ab. Ihr Haus verlässt sie kaum noch, Telefonanrufe nimmt sie nur nach vorher vereinbarten Klingelzeichen ab. Was Ruth anfangs für den Beginn von Altersdemenz hält, hat viel tiefer gehende Gründe. Eines Tages kommt die Überraschung: Sally eröffnet ihr, dass sie in Wirklichkeit Eva Delektorskaja heißt und eine ehemalige Spionin des britischen Geheimdienstes ist. Eine Spionin, die nun um ihr Leben fürchten muss...

Was für ein Beginn, möchte man sagen, denn trotz einiger Zweifel hinsichtlich dieser konstruierten Eröffnung der Mutter, entfaltet das Buch im weiteren Verlauf eine schon fast unheimliche Sogwirkung. Boyd teilt nun die Geschichte in zwei Handlungsstränge auf und führt den Leser zurück in das Jahr 1939, wo die russische Emigrantin Eva, in Paris lebend, nach dem Tod ihres Bruders durch die Nazis, von dem mysteriösen Lucas Romer für den britischen Geheimdienst angeworben wird. Was folgt ist eine intensive Ausbildung in Schottland samt Einsätzen in Belgien, England und den USA. Das Ziel ihrer geheimen Unterabteilung des British Secret Service: Falschmeldungen zu lancieren, die die USA zum Eintritt in den Krieg bewegen sollen. Und dafür war den Engländern, die die letzte Bastion gegen Hitlers Armeen zu bilden schienen, jedes Mittel recht. Selbst wer sich politisch für die Ereignisse vor Pearl Harbour so gar nicht interessiert, wird sich dem zuspitzenden Plot, der facettenreichen Figur Eva und ihren Erlebnissen nicht entziehen können. Erzählt werden diese rückblickend durch Evas schriftliche Schilderungen, welche Ruth im Jahre 1976 mit ebenso wachsender Faszination zu lesen beginnt.

Sie, die eigentliche Ich-Erzählerin, bleibt jedoch über weite Strecken ziemlich blass. Angedeutete eigene Verstrickungen, wie der Besuch Ludgers, der Bruder des deutschen Vaters von Jochen, der mit der Baader-Meinhof-Gruppe zu sympathisieren scheint, werden nicht ausgearbeitet und verlaufen im Sande. Ein Sturm im Wasserglas, den Boyd hier entfacht, weshalb man sich stets wieder auf Evas Erzählungen aus ihrem "ruhelosen" Leben freut. Das geschilderte Doppel- und Dreifachspiel der Agenten, die gezielten Seitenhiebe auf die Macht der Medien und der psychologische Unterbau samt überraschender Auflösung am Ende, sorgen dafür, dass dieser Roman nicht nur gut und kurzweilig unterhält, sondern man glaubt, einen völlig anderen Einblick in das Leben dieser Epoche erhalten zu haben.

Insgesamt ist "Ruhelos" eine stets spannungsgeladene Geschichte, die trotz einiger, unübersehbarer Schwächen, den wehrlosen Leser zu fesseln vermag und eine Lanze für das sonst so abschätzig betrachte Genre des Spionage-Thrillers bricht. Das Katz und Maus-Spiel feindlicher Agenten kann sehr wohl literarisch und tiefgründig sein. Dieses Buch beweist es.
4 von 6 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Ihr Kommentar zu Ruhelos

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: