Alles muss versteckt sein von Wiebke Lorenz

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 bei Blessing.

  • München: Blessing, 2012. ISBN: 978-3896674692. 350 Seiten.

'Alles muss versteckt sein' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Ihre Gedanken sind mörderisch, ihre eigene Angst davor unaussprechlich: Nach einem Schicksalsschlag erkrankt Marie an aggressiven Zwangsgedanken, betrachtet sich als Gefahr für sich selbst und andere. Monatelang kämpft sie gegen die grausamen Mordfantasien an, die wie Kobolde durch ihren Kopf spuken, ständig verbunden mit der Panik, sie könne diese furchtbar realen Fantasien eines Tages nicht mehr kontrollieren und in die Tat umsetzen. Und dieser Tag kommt, als Marie neben ihrem toten Freund erwacht, der mit einem Messer auf grausamste Weise niedergemetzelt wurde. Am Ende eines Gerichtsprozesses wird sie aufgrund ihrer Schuldunfähigkeit zum Maßregelvollzug in der forensischen Psychiatrie verurteilt. Dort sucht Marie verzweifelt nach Erinnerungen an die Mordnacht, denn für Marie selbst sind die Geschehnisse wie ausgelöscht. Nur ihr Arzt Jan scheint sie zu verstehen und ihr helfen zu wollen. Aber schon bald wächst in Marie der Verdacht, dass in Wahrheit vielleicht nichts so gewesen ist, wie es scheint.

Das meint Krimi-Couch.de: »Exzellenter Thriller, so einfühlsam wie bedrückend« 95°Treffer

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Im Karl Blessing Verlag hat Wiebke Lorenz ihren Thriller Alles muss versteckt sein veröffentlicht, der auf 340 Seiten das Schicksal der Kleinkindpädagogin Marie abhandelt.

Marie hat keine Erinnerungen daran, was sie getan hat. Aber das Gericht hat sie des grausamen Mordes an ihrem Freund Patrick schuldig gesprochen, dem sie im Schlaf die Kehle durchtrennt haben soll und dann auch noch mit zahlreichen Messerstichen verunstaltet hat. Auch sie selbst hält sich für fähig, diese Tat begangen zu haben, denn sie leidet an einer Zwangserkrankung.

Ihre Arbeit im Kindergarten musste sie aufgeben, weil sie sich permanent vorgestellt hat, welche tödlichen Qualen sie den Schutzbefohlenen angedeihen lassen könnte. Selbst im Supermarkt quälen sie Zwangsgedanken, wie sie Kundschaft und Angestellte massakrieren könnte. Die ständige Angst, dass aus ihren Fantasien Wahrheit werden könnte, treibt Marie in den Wahnsinn, der in Folge zur Einweisung in die geschlossene, forensische Psychiatrie eingewiesen, weil man ihr auf Grund der Erkrankung keine Schuldfähigkeit attestieren musste.

Dr. Jan Falkenhagen ist ihr Betreuer in der Anstalt. Nach mühsamen Beginn findet Marie ein wenig Zutrauen zum Psychologen und in langen Gesprächen öffnet sie sich ihm und gemeinsam versuchen Sie dem tödlichen Geheimnis auf die Spur zu kommen …

Alles muss versteckt sein ist ein einfühlsames und bedrückendes Stück Thrillerliteratur, an das ich mit sehr viel Skepsis heran gegangen bin, denn psychologische Themenaufbereitungen von Autoren verursachen mir normalerweise großes Gähnen. Aber in diesem Fall zog mich das Buch schon nach wenigen Seiten in seinen Bann. Jeder Mensch hat seine Ängste und Zwänge und der Übergang vom »Normalen« zur Krankheitsform der Zwangsgedanken ist so schleichend, dass ihn vor allem der Patient zu spät bemerkt, wenn sich seine Umwelt bereits von ihm abzuwenden beginnt. Der Kniff der Autorin, das Pferd vom Schwanz her aufzuzäumen, beschert diesem Roman eine Authentizität, der man sich als Leser kaum entziehen kann.

Man leidet mit der jungen Frau mit, wenn sie zu erzählen beginnt, wie sie Stück für Stück mit der traurigen Wahrheit zu leben lernt. Kontakt zu Mitmenschen hat sie nur mehr via Internet und in einem speziellen Forum von und für Zwangserkrankte findet sie Unterstützung und Anleitungen, wie sie ihr krankes Leben nach Möglichkeit in den Griff bekommen kann. Langsam bessert sich Maries Zustand und sie wagt sich wieder unter Menschen bis der große Overkill kommt.

Aber die Autorin endet mit ihrer Geschichte nicht dort, wo es Marie langsam wieder besser zu gehen scheint. Sie hat ihre Story gut konstruiert und noch so manche Wendung eingebaut, die den Leser bei der Stange hält und auch den erfahrenen Krimileser, der das Ende schon vorhersieht, noch mit der Lösung verblüffen kann. Und deswegen bekommt Alles muss versteckt sein eine Top-Wertung, weil der Roman nicht nur unkonventionell von Thematik und Aufbereitung ist, sondern auch handwerklich so gut gemacht wurde, dass man mit der Romanfigur mitfiebert und mitleidet und das Buch nicht aus den Händen legen mag. Wer Psychothriller mag, findet hier eine absolute Empfehlung, aber in diesem Fall ist die Thematik so aktuell, dass auch Freunde anderer Krimigenres sicher von diesem Thriller beeindruckt sein werden.

Wolfgang Weninger, Dezember 2012

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Schnumpumpel zu »Wiebke Lorenz: Alles muss versteckt sein« 17.11.2014
Ein heikles Thema, das meines erachtens nur unzureichend umgesetzt wurde. Man hätte aus diesem Stoff durchaus einen Psychothriller basteln können, was Wiebke Lorenz jedoch zu keinem Zeitpunkt gelungen ist. Frau Lorenz hat eine zu "nette", einfache Art zu schreiben, um mich irgendwie in Beklemmungen damit zu bringen.
Am Ende ist es irgenwie "nur" noch ein Sozialportrait, das jedem (auch in Bezug auf andere Dinge) passieren kann.
frank-rainman zu »Wiebke Lorenz: Alles muss versteckt sein« 27.01.2014
Diese Buch hat mich nicht wirklich überzeugt.

Der Clou der Geschichte offenbart sich auf den letzten 50 Seiten und davor passiert nicht viel mehr als dass die tragische Hauptfigur ständig in Selbstmitleid und Zweifeln badet. Man erfährt nicht wirklich viel über die Krankheit an der sie leidet und auch ihre Erfahrungen innerhalb der psychiatrischen Anstalt sind eher flach. Die Geschichte gewinnt zum Schluss dann im Nachhinein an Raffinesse und man sieht das Erzählte dann in einem anderen Licht. Bis dahin haben mich die Erzählungen von Marie und Ihre Erlebnisse im Vollzug eher gelangweilt. Auch fand ich den Schreibstil anfangs etwas holprig, was sich jedoch im Verlauf legt. Insgesamt finde ich das Buch nicht wirklich empfehlenswert und ich war eher enttäuscht...
PopIzzo zu »Wiebke Lorenz: Alles muss versteckt sein« 06.01.2013
Alles muss versteckt sein – W. Lorenz

Ein Psychothriller der einen gut unterhält, nicht mehr aber auch nicht weniger! Die Autorin hat einen sehr flüssigen und guten Schreibstil. Aus der Sicht der Protagonistin Marie erfährt man, warum sie in der Forensik gelandet ist. Schnell möchte der Leser wissen wieso und warum das alles so gekommen ist. Ich konnte das Buch kaum zur Seite legen. Ab etwa 120 Seiten wird dem Krimifreund aber klar wie alles zusammen hängt. Das Geschichte fängt an zu langweilen. Es wird von der Logik her zum Teil lächerlich. Ein Beispiel: In den ersten 40-50 Seiten beschreibt die Autorin den Alltag in der Forensik, incl. der Sicherheitsvorkehrung die dort herrschen. 200 Seiten später spaziert der Ex von Marie in ihr Zimmer. Einfach quer über die Station, ohne Pfleger etc. Lächerliche Vorstellung. Genauso lächerlich ist die Vorstellung, dass der Ex Mann bei einer Therapiesitzung einfach mal mit dabei sitzt und das in der Forensik. Solche Dinge ärgern und sind die Schwachstellen, neben dem etwas Platten und vorhersehbaren Ende. Da muss ich Herrn Weninger in seiner Aussage: “auch den erfahrenen Krimileser, der das Ende schon vorhersieht, noch mit der Lösung verblüffen kann“ widersprechen. Auch der letzte Clou ist knapp 90 Seiten vor dem Ende zu erkennen. Insgesamt habe ich mich aber gut unterhalten gefühlt und belasse es mit 61 Grad.
schneeglöckchen zu »Wiebke Lorenz: Alles muss versteckt sein« 25.12.2012
"Alles muß versteckt sein", der Thriller von Wiebke Lorenz, ist einmal ein etwas anderer Thriller, in welchem keine ermittelnden Kommissare, Profiler oder Gerichtsmediziner vorkommen.
Die Autorin schreibt im Präsens und läßt dann die Hauptprotagonistin Marie ihre Geschichte, wie es dazu kam, daß sie in der Psychiatrie gelandet ist, im Imperfekt erzählen.
Beklemmend dargestellt ist die Atmosphäre in der Psychiatrie sowie auch die Gewalt- und Tötungsphantasien von Marie.
Erst ganz zum Schluß erfährt der Leser, was sich wirklich abgespielt hat. Bis dahin ist es ein langer Weg, für meine Begriffe manchmal ein etwas zu langer, denn zwischendurch hätte ich mir mehr Tempo gewünscht. Einiges ahnt der Leser auch schon.
Ich fand dieses Buch hochinteressant und auch spannend, aber nicht hochspannend.
Niket zu »Wiebke Lorenz: Alles muss versteckt sein« 13.12.2012
Kurzbeschreibung:

Marie Neumann führte ein schönes Leben. Sie war Kindergärtnerin und hatte eine Tochter mit ihren Mann Christopher. Aber nach einer großen Tragödie ändert sich ihr Leben total. Sie verliert alles was ihr Lieb war und langsam scheint sie auch ihren Verstand zu verlieren. Denn sie wird von Gedanken heimgesucht, in denen sie Menschen in ihrer Umgebung auf brutalster Art und Weise tötet! Lange lebt sie mit der Angst, diese Gedanken bleiben keine Gedanken. Aber, als sie es am wenigsten erwartet, wacht sie neben einem Menschen auf den sie liebt, und dieser ist niedergestochen worden. Und sie hat das Messer in der Hand gehabt.

Meine Meinung:

Das Cover war das erste was mich bestochen hatte. Dann fing ich es an zu lesen. Und schnell fing ich es an zu lieben und zu fürchten.

Der Schreibstil von Wiebke Lorenz hat mich schon von der ersten Seite an gefesselt! Es fängt in einer Psychiatrie an, und schon dort wird diese düstere Stimmung deutlich. Nicht nur die Stimmung der Umgebung, sondern auch die in Marie. Man konnte nachvollziehen was sie dachte und was sie tat und nie wirkte sie gekünstelt. Und obwohl die Situation in der sie ist, keine ist in der ich mich je befand, konnte ich mich sehr gut mit ihr Identifizieren Auch die Charaktere rund herum waren sehr stark ausgearbeitet auch wenn sie nur kurz vorkamen, was wirklich nicht einfach für einen Autor ist. Ich kann die Charaktere nicht einzeln aufführen, da ich sonst vielleicht zu viel verraten würde, aber jeder hatte mich interessiert und sie haben alle toll miteinander reagiert.

Ich bin sehr interessiert wenn es um die Psyche des Menschen geht und für jeden der es auch ist, wird dieses Buch genau so toll finden, wie ich es tat. Man erfährt sehr viel über Zwangsgedanken und lernt auch viel Hintergrundwissen, welches immer clever in die Handlung verstrickt wurde.

Die Handlung wird rückwirkend erzählt, also erfährt man was passiert war. Und dass war für mich dann sehr belastend, weshalb ich dieses Buch auch gelegentlich pausiert hatte. Man geht mit einem gewissen Vorwissen ran, man weiß was da in Maries Vergangenheit passiert ist im groben, und wenn man da so glückliche Momente von Marie las war es schon sehr traurig, wenn man weiß wo sie dann bald landen wird, und auch wieso. Die Zwangsgedanken von Marie wurden von der Autorin auch sehr gut rüber gebracht. Sie setzte nicht auf große Erklärungen und betonte nicht dutzende Male wie viel Blut spritze, sondern gab es kühl und sachlich wieder mit einer Prise Entsetzten von Marie. Menschliches Entsetzen und kein Plastischer Versuch Spannung zu erzeugen. Diese Szenen wurden dann auch sehr deutlich. Aber dennoch finde ich, dass Leser die eher Zartbesaitet sind, dieses Buch lesen können, da diese Szenen nicht überwiegen, wie es vielleicht den Schein hat. Es belastet Hauptsächlich die Psyche des Menschen. Und das enorm.

Fazit:

Ohne jegliche Übertreibungen, dies ist einer der besten Thriller die ich gelesen habe. Ich habe nichts auszusetzen.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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