Scherenschnitte von Walter Satterthwait

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel Perfection, deutsche Ausgabe erstmals 2003 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Florida, 1990 - 2009.

  • New York: Thomas Dunne, 2006 unter dem Titel Perfection. 327 Seiten.
  • München: Goldmann, 2003. Übersetzt von Gunnar Kwisinski. ISBN: 3-442-45025-X. 475 Seiten.
  • München: Goldmann, 2007. Übersetzt von Gunnar Kwisinski. ISBN: 978-3-442-46473-9. 475 Seiten.

'Scherenschnitte' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Ein Serienmörder hält das Ermittlergespann James T. Fallon und Sophia Tregaskis in Atem: Ganz offensichtlich hat es der Täter auf übergewichtige Frauen abgesehen – und er scheint einen perversen Hang zur Perfektion zu haben …

Das meint Krimi-Couch.de: »Nebeneinander von Lukull und de Sade«

Krimi-Rezension von hyby

Wer von Ihnen isst gern gut ? Ja, das dachte ich mir: ziemlich viele natürlich. Und wer kocht außerdem noch gern und gut ? Aha – das sind dann schon weniger. Wer von diesen Genießern und Könnern in Personalunion auch noch Thriller über Serienmörder mag, der dürfte bei »Scherenschnitte« von Walter Satterthwait so ziemlich auf seine Kosten kommen.

Robert Ambrose ist ein Ästhet reinsten Wassers. Das Anrichten und Verspeisen einer Schüssel gemischten Salats zelebriert er mit der Hingabe eines Zen-Buddhisten. Robert Ambrose liebt die Perfektion. Befangen in einer derartigen Geisteshaltung stoßen ihm disproportionale Dinge sauer auf – dicke Frauen zum Beispiel. Leider belässt er es nicht dabei, sie verächtlich als »Schwabbelwabbel« zu bezeichnen – für die Verletzung seines persönlichen Schönheitsempfindens bestraft er sie mit dem Tod. Und entschält die Leichen mit chirurgischen Besteck akribisch ihrer Fettschichten. Ja, wirklich – eine äußerst unappetitliche Angelegenheit.

Zwei derart zugerichteter Frauenleichen wurden auf der Florida-Insel St. Anselme gefunden und die lokalen Detectives Sophia Tregaskis und Jim Fallon werden mit der Aufklärung betraut. Beide bilden erst seit kurzem ein Team – sie ist eine junge, eifrige und zähe Musterpolizistin, er deutlich älter, schon ein bischen desillusionierter und auch späten Feierabenddrinks immer weniger abgeneigt – eine Konstellation, die dienstlich wie privat natürlich für Turbulenzen sorgt. Mit von der Partie sind ein eleganter TV-Beau, Anchorman der örtlichen TV-Nachrichtensendung und vernarrt in die Superpolizistin, eine adrette, coole Psychologin namens Eva und ein geschwätziger FBI-Profiler, der mit seinen bereitwillig vorgebrachten Analysen immer etwas daneben liegt. Und eben Robert Ambrose, der aus sicherer Distanz diese hektischen Ermittlungsbemühungen amüsiert verfolgt und beginnt, mit seinen Verfolgern zu spielen …

Eigentlich kennen wir das ja – der teuflisch intelligente Killer und seine fieberhaft schuftenden Verfolger. Der Hochmut, der vor dem Fall kommt – alles schon mal gelesen. Neu ist hier aber diese gerade zu unverschämte Verknüpfung äußerst gegensätzlicher Sinnlichkeiten, dieses Nebeneinander von Lukull und de Sade. Sei es Basmati-Reis, Lammbraten oder Steak natur, der Autor nimmt sich viel Zeit, die raffinierte Zubereitung von Ambroses Mahlzeiten zu schildern und ich möchte den Leser sehen, der nach Lektüre dieser Passagen nicht noch mal schnell an den Kühlschrank geht.

Es ist dem Autor immerhin anzurechnen, dass er hingegen auf eine entsprechend akribische Beschreibung der Leichenschändungen verzichtet. Gleichwohl stehen sie im Raum, sie sind geschehen und werden von den Verfolgern erörtert – und damit kommt es zu dieser sehr krassen Melange aus »guten« und »schlechten« Genüssen.

Es gibt wohl kaum einen Krimi, der nicht mit einer schlüssigen Vervollkommnung einer bewusst zunächst fragmentarisch erzählten Geschichte endet. Dann klappt der Leser das Buch zu und weiß, wer der Mörder war und warum. Hier habe ich da so meine Zweifel. Da wird ein ganzer Sack psychologischer Spekulationen über dem Leser ausgeschüttet, die eher ermüden als erklären. Jeder Krimi darf mal eine Durststrecke, einen Durchhänger, sogar auch einen Fehler haben – ein souveräner Leser liest darüber großmütig hinweg – doch wenn das Ende dann derartig zerfasert, dann ist das schon Anlaß zu einer kritischen Anmerkung. Oder um im Genre zu bleiben: am Schluß ein zu dicker Spritzer Wermut.

Ihre Meinung zu »Walter Satterthwait: Scherenschnitte«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

anath zu »Walter Satterthwait: Scherenschnitte« 17.01.2009
Spannend und gruselig. Spannend jedenfalls bis deutlich wurde, wer der Mörder ist - so gegen Ende des zweiten Drittels wußte ich Bescheid. Dann bliebs aber immer noch ziemlich gruselig und die Spannung frischte zum Schluß auch noch mal richtig auf - man will ja schließlich nicht, daß da evtl. noch jemand stirbt den man schon ins Herz geschlossen hatte.
Da der Mörder selbst gelegentlich auch zu Wort kommt kriegt der Leser Einblicke, die den Detektiven verwehrt bleiben und die ihm helfen, das Geschehen schneller zu bewerten, eigene Schlußfolgerungen zu ziehen. Nicht meine liebste Krimi-Schreibweise aber in diesem Fall auch mir sehr angenehm.
Auf jeden Fall ein Buch, das ich weiterempfehlen würde, auch an Mädels mit zuvielen Pfunden auf den Hüften - ich hab's ja auch gelesen und alles heil überstanden! ;-)
Bio-Fan zu »Walter Satterthwait: Scherenschnitte« 02.01.2009
Ich mag einfach Satterthwaits Art zu schreiben. Wie auch in seinen anderen Romanen ist es sein sowohl vorder- als auch hintergründiger Humor, der zu überzeugen weiß.
Sophia Tregaskis, eine leicht übergewichtige griechisch-amerikanische Polizistin (wie sie selber von sich sagt), ist auf der Suche nach Mr. Perfection, einem Killer, der bevorzugt korpulente Damen "verschönert". Sophias Partner, Detective Sergeant Jim Fallon, ist das Urbild eines hardboiled Cops. Gemeinsam durchleben sie die Höhen und Tiefen ihres Jobs während dieser Ermittlung. Da beide Singles sind, wird dabei auch der eine oder andere Blick auf das jeweilig andere Geschlecht geworfen, was zu vielen amüsanten Szenen und Einblicken in ihre Gefühlswelt führt.
Die Lösung des Falles ist so überraschend und plötzlich wie ein Donnerschlag des Tropensturms, der gleichzeitig tobt.

88 Grad
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Kat15 zu »Walter Satterthwait: Scherenschnitte« 13.08.2007
Ich finde dieses Buch wirklich genial! Ich schreibe gerade eine Liste meiner Lieblingsbücher für den Englischunterricht (9. Klasse) und dieses Buch ist auf Platz 3 gelandet. Es ist sehr spannend und interessant geschrieben. Bei mir gab es Momente, in denen ich es weglegen wollte, aber nicht konnte. Und auf dieses Ende wäre ich nie im Leben gekommen, obwohl ich schon viele solcher Bücher gelesen habe. Also ich ziehe meinen Hut vor Walter Satterthwait, er ist ein genialer Autor. Es gibt ähnliche Bücher, die einfach nur unrealistisch sind. Dieser Mann hat Ahnung von dem, was er schreibt!
mase zu »Walter Satterthwait: Scherenschnitte« 22.05.2007
Satterthwaits erzählerisches Können, wie es in der Beaumont/Turner-Reihe oder bei Oscar Wilde zum Tragen kam, stand ihm meiner Meinung nach bei diesem Buch etwas im Weg.

Es hat mich streckenweise sehr gelangweilt, dass zwei Protagonisten in die Erzählrolle schlüpfen und dadurch hat dieser Krimi Länge bekommen. Das Ende dieses Buches wirkte auf mich wie „schnell hingeklatscht“.

Leider kann ich diesem Werk nur 70 Grad einräumen. Gute Ansätze aber bitte Herr Satterthwait, schreiben Sie wieder an der Beaumont/Turner-Reihe weiter.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Silvia Mittrach zu »Walter Satterthwait: Scherenschnitte« 18.04.2007
Habe das Buch von meinem Freund Geschenkt bekommen und es fesselte mich vom ersten Moment an.
Morde die auf so grauenhafter Art geschehen werden so detalliert aber auch schonend beschrieben das man das Buch trotz ein wenig ekel nicht weglegen kann.
Während des lesens hatte ich einige Tatverdächtige aber auf das Überraschende Ende wäre ich nie gekommen! Super gemacht und eigentlich logisch wenn man es so betrachtet.
Volker zu »Walter Satterthwait: Scherenschnitte« 03.04.2007
Die Vielfalt von Satterthwait ist begeisternd. Ob die Beaumont/Turner-Reihe,die Miss Lizzie-Romane oder Oscar Wilde im Wilden Westen, alle Werke habe ich verschlungen und alle waren auf ganz eigenständige Art spannend und lesenswert. Nun bin ich eher zufällig auf "Scherenschnitte" gestoßen, und ich war wiederum gefesselt sowohl von der Story als auch von den Charakteren. Ganz klar: Lesen! Viele originelle Details und sorgsam dosierte Einblicke in das Privatleben der Ermittler ergänzen die packende Geschichte. Die eigentlichen taten sind zwar ekelig, aber Satterthwait versteht es, diesen Schauder in die Geschichte einzubauen, ohne dass die Schilderung der grausigen Einzelheiten zum Selbstzweck mutierte (was man leider häufiger antrifft, wenn einem Autor/einer Autorin keine wirklich schlüssige und überzeugende Handlung einfällt - Tess Gerritsen fällt mir da spontan ein).
Bleibt noch das Ende. Ich war beim Lesen auch zwiegespalten. Einerseits ist die Lösung abgefahren, andererseits auch stimmig, wenn man sich den ganzen Roman nochmal den Distanz betrachtet. Also: Am Besten selber lesen und sich eine Meinung bilden!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Volker zu »Walter Satterthwait: Scherenschnitte« 03.04.2007
Die Vielfalt von Satterthwait ist begeisternd. Ob die Beaumont/Turner-Reihe,die Miss Lizzie-Romane oder Oscar Wilde im Wilden Westen, alle Werke habe ich verschlungen und alle waren auf ganz eigenständige Art spannend und lesenswert. Nun bin ich eher zufällig auf "Scherenschnitte" gestoßen, und ich war wiederum gefesselt sowohl von der Story als auch von den Charakteren. Ganz klar: Lesen! Viele originelle Details und sorgsam dosierte Einblicke in das Privatleben der Ermittler ergänzen die packende Geschichte. Die eigentlichen taten sind zwar ekelig, aber Satterthwait versteht es, diesen Schauder in die Geschichte einzubauen, ohne dass die Schilderung der grausigen Einzelheiten zum Selbstzweck mutierte (was man leider häufiger antrifft, wenn einem Autor/einer Autorin keine wirklich schlüssige und überzeugende Handlung einfällt - Tess Gerritsen fällt mir da spontan ein).
Bleibt noch das Ende. Ich war beim Lesen auch zwiegespalten. Einerseits ist die Lösung abgefahren, andererseits auch stimmig, wenn man sich den ganzen Roman nochmal den Distanz betrachtet. Also: Am Besten selber lesen und sich eine Meinung bilden!
Claudinsche zu »Walter Satterthwait: Scherenschnitte« 06.12.2006
Tolles und spannendes Buch. Das Ende war zwar ziemlich überraschend, aber etwas zu skuril für meine Meinung. An die beiden Ermittler, Sophia und Jim, gewöhnt man sich auch recht schnell. Was nicht ganz so mein Fall ist, wenn sich vergangenes und Gegenwart etwas vermischen, was hier manchmal der Fall war. Trotzdem lesenwert und *Daumen hoch*.
Anja S. zu »Walter Satterthwait: Scherenschnitte« 09.05.2006
Meine Lieblinge von Satterthwaite sind zwar "Miss Lizzie" und "Oscar Wilde im Wilden Westen", aber auch dieser Krimi hat mir sehr gut gefallen. Spannend, witzig und mit einer ueberraschenden Aufloesung.
Tanja zu »Walter Satterthwait: Scherenschnitte« 09.05.2006
Ich kann mich nur anschliessen, ich hatte das Buch ebenfalls in 2 Tagen durch und war/bin begeistert. Die Geschichte ist sehr gut und die beiden Ermittler werden wirklich gut dargestellt. Das Ende ist schon ein wenig "merkwürdig" und man kann da sicher geteilter Meinung drüber sein aber ich kann das Buch auf jeden Fall empfehlen!

Dies sind nur die ersten 10 Kommentare von insgesamt 17.
» alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zu Scherenschnitte

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: