Miss Lizzie von Walter Satterthwait

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1989 unter dem Titel Miss Lizzie, deutsche Ausgabe erstmals 1995 bei Haffmans.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Massachusetts, 1910 - 1929.

  • New York: St. Martin’s Press, 1989 unter dem Titel Miss Lizzie. 342 Seiten.
  • Zürich: Haffmans, 1995. Übersetzt von Ursula-Maria Mössner. ISBN: 3-251-30054-7. 332 Seiten.
  • München: dtv, 1996. Übersetzt von Ursula-Maria Mössner. ISBN: 3423122196. 332 Seiten.
  • München: dtv, 1998. Übersetzt von Ursula-Maria Mössner. ISBN: 3423200561. 332 Seiten.
  • München: dtv, 2006. Übersetzt von Ursula-Maria Mössner. ISBN: 978-3423208727. 332 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hoffmann & Campe, 2008. Gesprochen von Janine Sachau. gekürzt. ISBN: 3-455-30613-6. 2 CDs.

'Miss Lizzie' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Jedes Kind in ganz Neuengland, ja in den ganzen USA, kannte diesen berühmten Knittelvers: Lizzie Borden mit dem Beile Hackt Mama in vierzig Teile. Das Ergebnis freut sie sehr, Bei Papa wird’s ein Teil mehr. Und in den Sommerferien des Jahres 1921 rennt die dreizehnjährige Amanda in Drummonds Süßwarengeschäft Lizzie Borden buchstäblich in die Arme. Zwischen den beiden entsteht eine heimliche Freundschaft, die jäh auf eine harte Probe gestellt wird. Amandas unbeliebte Stiefmutter wird ermordet aufgefunden, erschlagen mit einem Beil …

Das meint Krimi-Couch.de: »Kein Jugendbuch! …Oder doch?« 76°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Der Fall Lizzie Borden ist einer der bekanntesten in der Kriminalhistorie der Vereinigten Staaten. Die junge, harmlos wirkende Frau aus guten Hause, die des Mordes an ihren Eltern angeklagt und von einem Geschworenengericht freigesprochen wurde, obwohl eine Vielzahl von Indizien für ihre Täterschaft sprach, wird immer wieder als Paradebeispiel für die Beeinflussbarkeit einer Jury herangezogen. Walter Satterthwait baut um diese historische Figur einen liebevoll erzählten Plot, handelnd von einer Frau, die von der Vergangenheit eingeholt wird, und einem jungen Mädchen, das begeistert von ihr Kartentricks lernt und darüber ihre einzige Freundin wird.

Die 13-jährige Amanda lebt in einem Sommerhaus an der Ostküste der USA, wo sie sich mit ihrer Nachbarin, eben jener Lizzie Borden, anfreundet. Von den Leuten im Ort wird Miss Lizzie gemieden, aber die liebenswerte und resolute Frau hat sich an einen solchen vorurteilsvollen Umgang mit ihrer Person gewöhnt. Als Amanda eines Mittags aus einem Tagschlaf erwacht, herrscht gespenstische Ruhe im Haus. Ihre verhasste Stiefmutter liegt tot im Gästezimmer – erschlagen mit einer Axt. Und sofort erwachen bei allen Bewohnern des Ortes die Ressentiments gegenüber der damals vermeintlich zu unrecht freigesprochenen Lizzie Borden. Wer sonst sollte jemanden mit einer Axt ermorden können?

Nun, Alternativen gibt es einige: Amandas Vater, der sich von seiner Frau scheiden lassen wollte. Ihr Bruder, der kurz vor der Tat noch einen heftigen Streit mit seiner Stiefmutter hatte. Amanda selbst, deren Verhältnis zur Stiefmutter auf gegenseitiger Verachtung beruhte. Es gab überdies noch einige Personen in der kleinen Stadt, die der Toten nicht gerade wohl gesonnen waren. Miss Lizzie engagiert kurz entschlossen den jungen Anwalt Slocum und Detektiv Bogey, um sich selbst zu verteidigen und die wahren Hintergrunde der Tat zu ergründen.

Vorurteile und Freundschaften

Eine beschaulich erzählte Geschichte, die neben der eigentlichen Krimihandlung von Vorurteilen und Vorbehalten, aber eben auch von einer ganz besonderen Freundschaft berichtet. Während Amanda sich nämlich gegenüber Lizzie Borden unbekümmert verhält und die Anfeindungen ihrer gesamten Umgebung gegenüber der energischen und rüstigen lieben Oma von nebenan vehement kritisiert, ja regelrecht mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln für ihre Freundin kämpft, ist sie die Person mit den größten Vorurteilen gegenüber allen anderen Personen, die im Verlauf der Handlung auftreten. Zum einen werden die auftretenden Männer unmittelbar nach ihrem Aussehen in Kategorien wie Heiratskandidat oder Stinker eingeordnet, zum anderen ist die neue Frau an Papas Seite nur aufgrund Nennung ihres Namens auf Position 1 der Liste der am meisten verachteten Personen des Universums gerückt. Herrlich, wie der Autor die Natürlichkeit und Naivität eines pubertierenden Mädchens einfängt und durch die Wahl der Erzählperspektive verstärkt.

Denn die Handlung wird aus Sicht der Amanda erzählt. Und darin liegt wohl die virtuoseste Leistung des Autors, denn obwohl er rückblickend erzählt (immer wieder lassen kleine Einschübe darauf schließen, dass die Geschehnisse schon sehr weit zurück liegen) bringt er es fertig, Amandas Schilderungen und Gedankengänge absolut authentisch wirken zu lassen. Er verwendet eine leicht zugängliche Sprache und charakterisiert auch darüber alle auftretenden Personen vorzüglich. An dieser Stelle sei ein großes Kompliment an die Übersetzerin Ursula-Maria Mössner, die die in der Sprache offenbar werdenden unterschiedlichen sozialen Hintergründe der auftretenden Personen sehr gut ins Deutsche übertragen hat.

Guter, aber durchschaubarer Krimiplot

Als ich dieses Buch in einer großen Düsseldorfer Buchhandlung suchte, schickte man mich von der Krimi- in die Kinderbuchabteilung. Dass ich ein Buch, in dem Lizzie Borden eine Hauptrolle spielt, zwischen Pippi Langstrumpf und Räuber Hotzenplotz finden sollte, versetzte mich in Erstaunen, um nicht zu sagen blankes Entsetzen. Heute würde meine Reaktion sicher gemäßigter ausfallen, denn ich finde es durchaus auch für Jugendliche und junge Krimileser geeignet. Es bietet einen guten Einstieg ins Genre, kann aber auch wahren Krimiratten gut gefallen.

Der wahre Täter wird an einer Stelle in der Mitte des Buches für solche Krimiratten etwas zu deutlich verraten, dennoch kann Satterthwait mit einigen überraschenden Wendungen die Frage nach der Aufklärung immer noch bis zum Ende offen halten. Die Empfehlung dieses Romans liegt eher in der sehr eingänglichen Erzählweise und der imposant aufgebauten Aussage über den Kern einer Freundschaft anhand einer sehr tragischen historischen Figur. Denn für Satterthwait bedeutet wahre Freundschaft, nicht über den anderen zu richten.

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detno zu »Walter Satterthwait: Miss Lizzie« 01.03.2010
Bei dem Krimi "Miss Lizzie" von Walter Satterthwait handelt es sich um einen spannenden und humorvollen, aber auch nachdenklichen Roman, der in den 20iger Jahren bei Boston spielt.

Eine zerhackte Stiefmutter, eine Nachbarin, die von fast jedermann als Doppelmörderin angesehen wird, der aber die Hackebeilarbeit an den Eltern vor vielen Jahren nicht nachgewiesen werden konnte, ein junges, aufgewecktes Mädchen von 13 Jahren und viele andere interessante Typen bilden die Besetzung für eine sehr originelle Geschichte.

Insbesondere die Freundschaft zwischen Amanda, dem 13-jährigen Kind, und dem liebevollen Tantetyp Lizzie einschließlich des Umgangs der beiden Hauptfiguren miteinander ist das Geld für das Buch wert.

88° für die schönen Stunden, die ich lesend mit "Miss Lizzie" verbringen konnte.

Wer Spaß an diesem Roman hat bzw. hatte, dem sei auch "Flavia de Luce - Mord im Gurkenbeet" ans Herz gelegt.
Beatrix Schellnack zu »Walter Satterthwait: Miss Lizzie« 02.01.2010
Habe das Buch für meine damals 12 jährige Tochter gekauft. Da sie von Miss Lizzie begeistert war, habe ich es ebenfalls gelesen. Leider mußten wir feststellen, dass es nur zwei Miss Lizzie Bücher gibt. Schade. Es ist vielleicht kein typisches Kinderbuch, allerdings mußte ich feststellen, und wir haben vier Kinder, das Kinderaugen- gehirne etc. diese Art Bücher besser verarbeiten, als manch Erwachsener. Ein weiteres Beispiel sind die Bücher von Jostein Gaarner. Viele Erwachsenen können diese Bücher nicht so unvoreingenommen lesen, wie Kinder. Man sollte Kindern einfach mehr zutrauen und sie einen eigenen Geschmack entfalten lassen. Bei uns hat es 4 x geklappt.
sue82 zu »Walter Satterthwait: Miss Lizzie« 25.02.2009
Zu Miss Lizzie fällt mir eigentlich nur ein: Nett. Eine nette Geschichte um eine 13jährige, einem Mord und Miss Lizzie, die angeblich ihre Eltern mit dem Beil massakriert hat. Spannung kam keine auf, eher ging die Geschichte gemütlich voran ohne große Überraschungen, erzählt aus Sicht einer 13jährigen in den 20ern. Das Ende kam mir dann zu plötzlich und ich fand es eher unbefriedigend. Trotz allem wurde ich doch gut unterhalten, vor allem das die Story aus Sicht einer 13jährigen geschrieben wurde. 85°
Krimi-Tina zu »Walter Satterthwait: Miss Lizzie« 21.02.2009
Ein Krimi mit viel Charme. Die mörderischen Ereignisse eines Sommer geschildert aus dem Blickwinkel einer Dreizehnjährigen.
Amanda lernt in der Sommerfrische die bekannte und berüchtigte Lizzie Borden kennen und schätzen. Nur kurze Zeit später wird ihre Stiefmutter auf die gleiche Art umgebracht wie die Eltern von Miss Lizzie. Welche daher natürlich Verdächtige der ersten Stunde ist.
Das Buch lebt weniger von der Spannung, wiewohl diese durchaus vorhanden ist, sondern von der akribischen und liebevoll ausgeführten Darstellung der Ereignisse durch Amanda. Die insbesondere was Personenbeschreibungen anbelangt, so direkt und scharfzüngig ist, wie es nur Teenager sein können.
Diese Buch hat mir wieder in Erinnerung gebracht warum Satterthwait einer meiner absoluten Lieblingsautoren ist. Nur schade, dass nichts mehr von ihm erscheint. 90°
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Sonny zu »Walter Satterthwait: Miss Lizzie« 09.02.2009
Miss Lizzie ist definitiv bereits jetzt eins meiner Highlights in diesem Jahr. Sollte ich das Buch mit einem Wort beschreiben, würde ich wohl „gemächlich“ wählen. Es ist keine actionreiche Story, die den Leser von einem Höhepunkt zum Nächsten hetzt. Hier geht es vorrangig um Freundschaft, Vertrauen, aber auch Vorurteile und Misstrauen. All das eingebettet in einen spannenden Kriminalfall, dessen Ausgang erst kurz vor Ende wirklich klar wird. Satterthwait bedient sich einem Stil, der Einen genüsslich von Seite zu Seite treibt und das Buch, trotz der Gemächlichkeit, nicht aus der Hand legen lässt. Die Figuren sind glaubwürdig und der Inhalt zeitlos. Da die gesamte Story aus Sicht von Amanda geschrieben ist, ist der Leser immer auf dem gleichen Stand.
Gibt von mir 95°
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Meike zu »Walter Satterthwait: Miss Lizzie« 17.11.2008
Super Geschichte. Ich habe das Hörbuch gehört, es ist klasse gelesen und hat mich gut unterhalten.
Für alle, die viel Auto fahren oder gerne Joggen gehen, ist das Hörbuch zu empfehlen.
Zum Inhalt muß ich ja nicht viel sagen, dass ist ja schon ausführlich besprochen worden. Ich finde es für Kinder auch nicht geeignet, aber Jugendliche können es schon hören.
anath zu »Walter Satterthwait: Miss Lizzie« 24.06.2008
Was für ein grandioses Buch! Schon nach den ersten Seiten wußte ich, daß ich einen Volltreffer gelandet hatte. Und diesen Volltreffer machte nicht nur die spannend verwickelte Geschichte aus sondern auch die Personen, die sie bevölkern. Jede einzelne ein ganz besonderer Charakter, einprägsam und greifbar geschildert in einer Sprache, die mich an die Großen der amerikanischen Literatur erinnerte. Somit also nicht nur Spannung und nervenkitzelnde Unterhaltung sondern ein Rätselraten der ästhetischen Art. Feine Sache !
Der Autor läßt Amanda selbst ihre Geschichte erzählen, mit allen Macken und Mucken die eine Dreizehnjährige so haben kann - und mit den bissigen, selbstironischen Kommentaren die sich ergeben können wenn rückblickend aus der Sicht der Erwachsengewordenen berichtet wird. Ich hatte selten ein so ungetrübtes Lesevergnügen !
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Schnuesschen zu »Walter Satterthwait: Miss Lizzie« 20.05.2006
Mir hat das Buch auch super gut gefallen. Schön das jetzt Miss Lizzie wieder da ist, daß werde ich natürlich auch lesen.
Kann das Buch nur jedem empfehlen.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Lorelai zu »Walter Satterthwait: Miss Lizzie« 11.05.2006
Ich las "Miss Lizzie" zum ersten Mal als ich selbst dreizehn Jahre alt war. Was mich an dem Buch so begeisterte war, dass es ein sehr breites Spektrum an Emotionen beinhaltet. So geht die Hauptfigur überzeugend von spielerischer Neugier, romantischen Anwandlungen und durchaus amüsant-kindlichen Vorstellungen zu blankem Entsetzen und einer letztlich neuen moralischen Basis über. Gut und böse sind Begriffe die vielleicht in der Kindheit oder der primitiven, ungebildeten Erwachsenenwelt, die Richtung vorgeben, aber ein erwachsener Mensch der diese Naivität abgelegt hat, muss erkennen, dass Sympathie und persönliche moralische Vorstellung sich viel besser in einer Welt ansiedeln die diese Konzepte allenfalls in Schattierungen darstellt. Dieses Buch ist absolut lesenswert.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
mase zu »Walter Satterthwait: Miss Lizzie« 15.08.2005
Ja, ein wirklich toller Krimi zum mitraten. Jedes Kapitel hatte ich eine andere Person in Verdacht.
Freundschaft, Vorurteile und Rufmord in einer Kleinstadt werden anschaulich beschrieben und sind nachvollziehbar.
Wunderbar erzählt, ein wahrer Pageturner, der immer etwas Spannung aufrecht erhält, bis zum Showdown.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.

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