Blonde Faith von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2007
unter dem Titel Blonde faith,
deutsche Ausgabe erstmals 2010
bei Fischer.
Folge 10 der Easy-Rawlins-Serie.
- New York: Little, Brown, 2007 unter dem Titel Blonde faith. 308 Seiten.
-
Frankfurt am Main: Fischer, 2010.
Übersetzt von Uda Strätling.
ISBN:
978-3-596-18265-7. 299 Seiten.
'Blonde Faith' ist erschienen als
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In Kürze:
Easy Rawlins kehrt von der Arbeit heim und findet gewaltigen Ärger vor seiner Tür vor. Sein Freund Christmas Black hat seine Tochter in Easy’s Haus zurückgelassen, da er um ihr und sein Leben fürchtet. Auch Mouse, Easy’s bester Freund, ist verschwunden – er hat die Polizei einmal zuviel zum Narren gehalten, und Easy weiß, dass sie ihn töten wollen. Doch am schlimmsten für Easy ist der Plan seiner großen Liebe, einen anderen zu heiraten. Angetrieben von Schmerz und Verzweiflung streift Easy durch die Straßen von L.A. und versucht sich und seine Freunde zu retten. Dabei trifft er die geheimnisvolle Faith, die der Schlüssel zu all den Ereignissen sein könnte.
Das meint Krimi-Couch.de: »Melancholischer Abgesang«
Krimi-Rezension von Wolfgang Franßen überspringen
Dass die Moral in unserer Welt einer Bankrotterklärung gleichkommt, wussten schon Sam Spade und Philip Marlowe. Für Ezekiel »Easy« Rawlins sind die Sechziger Jahre nicht weit besser. Im Gegensatz zu den großen Vorbildern jedoch verliert sich hier ein Held nicht in der eigenen Coolness. Easy Rawlins bewahrt sich eine Spur Verletzlichkeit. Er kann noch so aufrecht und loyal sein, beim Alkohol standhaft bleiben, das Leben widersetzt sich ihm.
Easy wirft sich vor, nicht im entscheidenden Moment zum Hörer gegriffen zu haben, um Bonnie Shag für sich zurück zu gewinnen, die er in Cinnamon Kiss von sich stieß. Jetzt plant sie, Joguye zu heiraten, und stürzt Rawlins ins Gefühlschaos.
Dabei wird sein Talent als Privat Eye dringend gebraucht. Pericles Tarr ist verschwunden. Easy wird von dessen Liebe EttaMae Harris gebeten, nach ihm zu suchen, um festzustellen, ob es Tarr gut geht. Wenn dann noch der Ex-Soldat Christmas Black seine Adoptivtochter Rawlins Obhut überlässt, der beste Freund Raymond (Mouse) Alexander gar wegen eines angeblichen Mordes untertaucht, weil er getötet werden sollen, befinden wir uns mitten im klassischen Noir.
Ich bog auf den Parkplatz des Ariba Hotels, stieg aber nicht aus. Ich blieb sitzen und dachte an die vielen Motels, in denen ich gelegen hatte: obdachlos, auf der Flucht, auf der Lauer. Ich dachte an süßliche Chemikalien, Flecken im grauen Laken, Löcher im Putz, Stöhnen hinter Wänden und das unablässige Rauschen des Verkehrs. Fernseher klangen in einem billigen Motel anders. Die Stimmen waren blechern und ohne Resonanz.
Hier klärt nicht nur jemand einen Fall, hier zieht jemand Bilanz.
Es könnte alles so einfach sein. Nicht 1967. Die Sechziger Jahre waren geprägt vom Vietnamkrieg und Rassenunruhen. Drogen werden direkt aus Vietnam nach L.A. geschmuggelt. Die Zeiten sind nicht danach einen Helden mit Moral auszustatten und ihn auf ganzer Breite siegen zu lassen. Die Welt der Easy Rawlins Mysteries ist schwarz. Es besteht keine Chancengleichheit. Der tägliche Überlebenskampf findet außerhalb der Gesetze statt.
Fahles Licht
Die Atmosphäre in Blonde Faith ähnelt der Dämmerung. Die Nacht steht bevor und keiner weiß, was ihn am nächsten Morgen erwartet. Der in New York City lebende Walter Mosley zeichnet in seinem zehnten Roman mit Easy Rawlins ein Land, das taumelt, nicht ahnt, in welche Richtung es gehen wird.
Während Spade und Marlowe in einem solchen Fall zur Höchstform auflaufen, dem Leben mit coolen Sprüchen entgegentreten würden, wirkt Rawlins müde. Als sich ihm eine letzte Chance bietet , als er Faith Morel begegnet, eine zerbrechliche Schönheit wie einem der Romane von James M. Cain entsprungen, er sich verlieben, ein neues Leben beginnen könnte, flüchtet er Hals über Kopf zu Bonnie zurück, wo ihn eine erneute Enttäuschung erwartet.
Ein Hard-Boiled Kriminalroman ohne zynischen Unterton. Ein Roman über Menschen und was die Gesellschaft, die Politik abseits der Probleme der Mittelschicht aus ihnen macht.
Unzählige Male hatte ich Tageskliniken und Krankenhäuser aufgesucht, Schlafzimmer in Wohnungen und Häusern, in denen sterbende Männer oder Frauen lagen. Sie hatten wässrige Augen, fahle Gesichter, schlechte Haut und nichts zu sagen. Sie lagen zwischen ihren schweißgetränkten Laken, als wären sie eine Meile gerannt, doch die jetzige Ruhe richtete sie nicht wieder auf. Sie konnten kaum flüstern oder die Hand heben.
Der Tod wartet auf jeden am Ende. Leben ist das Davor.
Wolfgang Franßen, Mai 2010
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