Der nasse Fisch von Volker Kutscher

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 bei Kiepenheuer & Witsch.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin, 1910 - 1929.
Folge 1 der Gereon-Rath-Serie.

  • Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2007. ISBN: 978-3-462-03932-0. 494 Seiten.
  • Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2008. ISBN: 978-3-462-04022-7. 528 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Argon, 2007. Gesprochen von Sylvester Groth. ISBN: 3866103808. 6 CDs.

'Der nasse Fisch' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Gereon Rath, neu in Berlin und abgestellt bei der Sitte, erlebt eine Weltstadt im Rausch und voller sozialer und politischer Spannungen. Nach dem Fund einer unidentifizierten Leiche schaltet sich der junge ehrgeizige Kommissar ungefragt in die stagnierenden Ermittlungen der Mordkommission ein – und stößt in ein Wespennest. Ein Toter ohne Identität, der Spuren bestialischer Folterung trägt, gibt der Mordkommission Rätsel auf. Rath entdeckt eine Verbindung zu einem Kreis oppositioneller Exilrussen, die mit geschmuggeltem Gold Waffen kaufen wollen, um einen Putsch vorzubereiten. Auch andere sind hinter dem Gold und den Waffen her. Rath bekommt es mit Paramilitärs und dem organisierten Verbrechen zu tun. Er verliebt sich in Charly, Stenotypistin in der Mordkommission, und missbraucht ihr Insiderwissen für seine einsamen Ermittlungen. Dabei verstrickt er sich immer weiter in den Fall und macht sich schließlich selbst verdächtig.

Das meint Krimi-Couch.de: »Großartiger Kriminalroman, der den Leser in das Jahr 1929 entführt« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Die ständige Diskussion, warum deutsche Krimiautoren im internationalen Vergleich zumeist schlecht abschneiden, dürfte durch Volker Kutschers Buch Der nasse Fisch neue Nahrung gewinnen. Einmal mehr überzeugt ein einheimischer Autor auf ganzer Linie und dies trotz eines Titels, hinter dem man nicht unbedingt einen Krimi erwarten würde.

Schwere Unruhen, verursacht von den Kommunisten, die den 1. Mai für ihre Zwecke ausnutzen wollen und einer Polizei, der die Situation zunehmend entgleitet, erschüttern Berlin und Gereon Rath, neuer Kommissar bei der Inspektion E, steckt mittendrin. In Köln erschoss der ehrgeizige Polizist im Dienst ausgerechnet den Sohn eines einflussreichen Zeitungsherausgebers und wurde nach einer medialen Hetzkampagne durch die Beziehungen seines Vaters nach Berlin versetzt. Da in der dortigen Mordkommission kein Platz frei ist, muss er nun für die Sitte arbeiten und dabei helfen, einen Pornoring auszuheben. Als zur selben Zeit im Landwehrkanal die Leiche eines schwer misshandelten Mannes gefunden wird, sieht Rath seine Chance. Er will den Fall auf eigene Faust lösen um so in die Inspektion A, die Mordkommission, zu gelangen.

Seine Recherchen führen ihn ins Berliner Nachtleben, wo er schon bald einigen einflussreichen Leuten sowie einem der mächtigen Ringvereine auf die Füße tritt. Er wird beschattet und als er seinen Verfolger zur Rede stellen will, löst sich bei einem Handgemenge ein Schuss aus Raths Waffe worauf der Mann stirbt. Erinnerungen an den Kölner Vorfall werden wach. Rath versucht zwar noch, die Leiche unauffällig verschwinden zu lassen, doch diese wird wenig später gefunden. Aufgrund eines starken Personalmangels wird Rath in die Mordkommission versetzt und soll dort den von ihm selbst verursachten Todesfall auflösen …

Kriminalroman und Bestandsaufnahme einer hochinteressanten Zeit

In seinem Buch Der nasse Fisch spannt Volker Kutscher einen großen Bogen. Die Geschichte spielt zwischen dem 28. April und dem 21. Juni des Jahres 1929 und wird recht minutiös vorgetragen. Der Tote aus dem Landwehrkanal kommt aus Russland und war offenbar als Kurier tätig. Dabei hatte er mit zwei anderen Russen Kontakt, die seitdem untergetaucht sind. Offenbar versuchten diese, eine Goldmenge im Wert von 80 Millionen Mark nach Deutschland zu schaffen, um damit zum Kampf gegen Stalin zu rüsten. Währenddessen halten die Kommunisten mit ihren Straßenunruhen vor allem die Politische Polizei auf Trab und bei der Kriminalpolizei häufen sich die Leichen. Ehemalige Stahlhelmer aus dem 1. Weltkrieg mischen in der Geschichte ebenso mit wie Mitglieder der aufstrebenden SA und das halbe Verbrechermilieu Berlins ist selbstredend auch mit von der Partie. Ein gefundenes Fressen für die nicht unzimperliche Presse, die es auf den Polizeipräsidenten abgesehen hat.

Die Hauptfigur des Gereon Rath ist hervorragend gezeichnet, wenngleich der Einzelkämpfer mit seinem zumeist recht eigensinnigen, egoistischen Verhalten nicht alle Lesern/innen sympathisch sein wird. Ein charakterstarker Ermittler, der aus dem üblichen Rahmen fällt, ist Rath aber allemal und allein von daher von Interesse. Dass Rath, der zu Unrecht den Ruf genießt, dem Polizeipräsidenten in den Allerwertesten zu kriechen, mit einigen Kollegen aneinander gerät ist verständlich. Hier findet sich allerdings eine der ganz wenigen kleinen Schwächen der Geschichte. Dieser Aspekt hätte konsequenter ausgeführt werden müssen, denn hier wird zu oberflächlich, lediglich andeutungsweise erzählt. Was soll es, wird man nach Ende der Lektüre sagen, denn der Gesamteindruck dieses eher ruhig vorgetragenen Buches ist absolut überzeugend.

Zu dem überaus positiven Gesamteindruck trägt sehr stark bei, dass es Volker Kutscher ausgezeichnet gelungen ist, die Atmosphäre der damaligen Zeit einzufangen. So erhält man neben einer spannend erzählten, lupenreinen Kriminalgeschichte bei der sogar das Finale stimmig ist auch noch einen ordentlichen Schuss Geschichtsunterricht vermittelt.

An dieser Stelle würde ich gerne auf die Geschichte noch näher eingehen, denn der Inhalt oben ist – zugegebenermaßen – doch sehr stark gekürzt wiedergegeben, allerdings würde ich hierbei Gefahr laufen, vor Begeisterung zu viel zu verraten und das wäre sehr schade. Für Leser/innen, denen viele Namen und der dosiert  eingebaute Berliner Dialekt keine Probleme bereiten, sollten sich dieses knapp 500 Seiten starke Werk nicht entgehen lassen. Hält Volker Kutscher dieses Niveau, steht ihm eine rosige Zukunft bevor.

Jörg Kijanski, Oktober 2007

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JuleusW zu »Volker Kutscher: Der nasse Fisch« 18.12.2011
Ich hatte zugegeben ein bisschen mehr erwartet, aber insgesamt ist dem Autor das Einbetten der Handlung in die damalige Zeit gut gelungen. Der Plot selbst ist gut durchdacht, die Personen glaubwürdig (manche Wendung nicht so recht) und Gereon Rath irgendwie unsympathisch, ohne dass dies – was mir gefallen hat – nun dauernd ausdrücklich erörtert wird. Das „mehr“ bezieht sich dann doch auf die Atmosphäre, die manchmal etwas aufgesetzt und angelernt daher kommt – so richtig eintauchen konnte ich nicht. Und besonders im ersten Drittel fand ich es schlicht zu lang, ohne dass diese Länge irgendeinen Sinn macht. Trotzdem: ich hab‘s insgesamt gern gelesen und freue mich schon auf die anderen zwei.
vifu zu »Volker Kutscher: Der nasse Fisch« 21.11.2011
Habe soeben den "Nassen Fisch" ausgelesen. Da ich vorab "Den stummen Tod" las, fand ich die Personeneinführung nun doch etwas langgezogen. Aber die Atmosphäre Berlins in diesen "Umbruchjahren" ist schon düster und angesichts der momentanen braunen Ermittlung deprimierend. Frau bekommt einen skizzenhaften Eindruck des Großstadtlebens, auch wenn manch liebevolles Detail unglaubwürdig ist (Wohnen, Finanzierung von Nachtleben).
Wie auch beim 2ten Rath-Krimi gewinnt er ab Mitte an Spannung und Fahrt. Unbedingt lesenswert!
mylo zu »Volker Kutscher: Der nasse Fisch« 02.11.2011
Das Berliner Milieu der 30er wird hervorragend inszeniert, die Personen sind allemal interessant und gekonnt gezeichnet ,die Story verlangt vom Leser schon Aufmerksamkeit um den Wendungen in der Geschichte folgen zu können. Etwas mehr Spannung hätte dem Buch mit Sicherheit gut gestanden, ebenso ein paar Seiten weniger. Ein recht guter Auftakt einer Reihe, die ich mit Sicherheit zumindest mit dem nächsten Buch verfolge. Rundum aber stimmig und für einen deutschen Krimi wahrlich nicht schlecht. Aber ganz so hoch wie Jörg Kijanski will ich das Buch nun doch nicht beurteilen, denke mit 80 Punkten ist es recht gut bedient.
DrWatson zu »Volker Kutscher: Der nasse Fisch« 11.06.2011
Gereon Raths erster Fall in Berlin liest sich spannend, wenn man auch an geschichtlichem und politischem Hintergrund des Berlins der angehenden 30er Jahre interessiert ist. Der Fall ist anspruchsvoll, aber für den geübten Leser nicht komplett undurchschaubar - aber es ist ja auch ein gutes Gefühl, die richtige Nase gehabt zu haben ...

Der Held ist tatsächlich kein Strahlemann, sondern ein Egoist, der seine Ziele auch mal mit etwas unsauberen Mitteln erreicht. Allerdings bereitet ihm dies zumindest auch mal Gewissensbisse.

Als Berliner findet man sich in den zahlreichen Ortsbeschreibungen schnell zurecht und läßt im Kopf die Bilder dazu laufen.

Fazit: Ein gelungener Auftakt zu einer hoffentlich umfangreichen Serie um Kommissar Gereon Rath.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Torsten zu »Volker Kutscher: Der nasse Fisch« 27.03.2011
Die ganz großen Erwartungen die die bisher abgegebenen Wertungen wecken, konnte das Buch bei mir nicht erfüllen.
Nicht nur, dass Gereon Rath merkwürdig distanziert bleibt - er ist nicht nur wie von anderen beschrieben nicht sonderlich sympathisch, sondern vor allem aufgrund seines Egoismus, seinen Alleingängen und seiner ganzen Art Ermittlungen zu führen schlicht ein schlechter Polizist.
Auch der Fall an sich war nicht gerade sonderlich spannend, dafür aber umso verwinkelter mit immer neuen Wendungen. Ein gewisses Grundwissen, was Stalinismus, Zarismus, Bolschewismus und diverse andere "ismen" angeht, kann beim Lesen nicht schaden.
Auch das Berlin der 20er und 30er Jahre wird nicht sonderlich lebendig beschrieben, ich finde es ist eine ziemliche Anhäufung von Stereotypen, vor allem die ständigen (Nacht-)Lokale betreffend.
Trotzdem liest sich das Buch irgendwie doch ganz flüssig, wenn auch vielleicht 200 Seiten weniger mehr gewesen wäre. Die nächste Folge hat auf jeden Fall eine Chance verdient.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
GAP zu »Volker Kutscher: Der nasse Fisch« 29.08.2010
KUTSCHER zeichnet Milieu und Stimmung des Berlin im Jahre 1929 ziemlich detail- getreu. Allerdings hieß der "Schlesische Bahnhof" - auch "Katholischer Bahnhof" - erst ab 1950 "Ostbahnhof". Auch standen Fichten eher im Weihnachtszimmer. GEREON ist erfreulicherweise kein Saubermann. Sowie auch die Theater- und Kino-Charaktere von damals (dargestellt z. B. von Peter Lorre, Erich von Stroheim oder Edward G. Robinson) nicht sympathisch waren . In jede Suppe gehört halt etwas Salz. Ich freue mich auf den nächsten RATH im "Stummen Tod".
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
KP zu »Volker Kutscher: Der nasse Fisch« 13.08.2010
Alles in allem ein total spannendes Buch mit vielen interessanten Infos zu dieser Zeit, dass man auch weiterempfehlen kann. Allerdings hat der Krimi auch ein paar Schwachpunkte:1) Auch ich bin der Meinung, dass Gereon Rath nicht gerade sympathisch ist. Einerseits ist es ja gut, dass er auch Ecken und Kanten hat. Es gibt nichts Schlimmeres als die Saubermänner-Polizisten in amerikanischen Krimis.Allerdings ist es bei Gereon Rath schon zuviel des Guten. Ein Mann, der Informationen zurückhält, Beweise manipuliert und absolut nicht teamfähig ist, ist bei der Polizei fehl am Platz. Da kann man nur hoffen, dass Herr Rath eine Ausnahme bildet.2) Zum Ende hin wirds langweiliger. Am Schluß hat man fast den Eindruck Herr Kutscher will die Geschichte noch in die Länge ziehen. Das Ende selbst macht einen nicht ganz glücklich. Es lässt einen ein bisschen ratlos zurück.Ansonsten ist das Buch aber flüssig zu lesen, man muss sein Hirn anstrengen, da sehr viele Personen in der Handlung vorkommen, und man mitdenken muss, wer nun wer ist (was ich nicht schlecht finde). Ich habe mir bereits den Folgeband gekauft, weil ich unbedingt wissen will, wie es mit Herrn Rath weitergeht.
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Barbara Röder zu »Volker Kutscher: Der nasse Fisch« 18.07.2010
Lese gerade das Buch und finde die ewigen
Geschichtsbelehrungen nervig. Was hat er nur gegen Blockflöten spielende Damen. Bin Musikerin und Journalistin. Volker Kutscher ergänzt meine Fantasie.Führt zu viel aus. Kurz und knackig ohne den Oberlehrerzeigefinger brächten mehr Spannung. Mir fehlt der doppelte Boden...beste Grüsse B.Röder
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anath zu »Volker Kutscher: Der nasse Fisch« 09.07.2010
Spannend und fesselnd. Als Berlinerin war es für mich natürlich noch zusätzlich interessant, den Wegen des Gereon Rath durch Berlin zu folgen. Der Mann selbst ist mir bedingt sympathisch, zu ehrgeizig und verbissen,zu aalglatt im Amt um meine volle Zuwendung zu erlangen. Dennoch : Respekt vor der gut funktionierenden Schnüffelnase, der Kriminalfall war verzwickt genug um Spaß zu machen. Und wie Rath an die Lösung heranging hat mir auch gut gefallen. Immerhin bot das Buch ein breit gefächertes Bild Berlins in den zwanziger Jahren von russischen Immigranten bis zur Gangsterszene im Friedrichshain. Zwei Punkte allerdings haben mir Kopfzerbrechen bereitet. Punkt 1 : Da sucht die Polizei jede menge Fichtenwälder rund um Berlin ab, aber wo zum Teufel nehemen sie die Fichtenwälder her ? Ich kenne hier nur Kiefernwälder, und ich kenne die Umgebung Berlins ganz ausgezeichnet. Punkt 2 : Da schwirrt eine hochgradig emanzipierte junge Dame durch die Buchseiten,Stenomäuschen bei der Kripo, ein faktisch berufsbegleitendes Jurastudium - ermöglicht durch eine Art inoffiziellen Frauenförderplan des Kripochefs , dazu ein relativ ungezwungenes Sexualleben...Ich glaube, diese Dame kommt etwa 30 Jahre zu früh. Allerdings paßt sie ganz gut zu Gereon Rath, und insofern ist sie vielleicht doch genau richtig.

Sehr gut gefiel mir, daß Kutscher die zahlreichen politischen Probleme der Zeit nicht einfach nebenbei abgehandelt sondern sie ganz gezielt in die Handlung eingebaut hat. Ich hoffe, daß das auch bei evtl. geplanten weiteren Büchern aus dieser Reihe so bleibt. Dieses Buch jedenfalls ist eins, das ich weiter empfehle.
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Claudia zu »Volker Kutscher: Der nasse Fisch« 10.06.2010
Wir haben im Urlaub das Hörbuch gehört - gelesen von Sylvester Groth. Ich nehme an, dass das etwas gekürzt war - aber man hatte nicht den Eindruck, dass etwas fehlt. Der Sprecher macht seine Sache außerordentlich gut - besonders beim Berliner Dialekt und bei Frauenrollen (nicht übertrieben). Stundenlange Autofahrten sind mit diesem Hörbuch kein Problem. Uns hat besonders die Beschreibung der politischen Lage in Berlin 1929 gefallen. Das war ja offenbar ein Pulverfass. Alles in allem wirklich zu empfehlen - im nächsten Urlaub werden wir den zweiten Teil "Der stumme Tod" anhören!!!

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