Tödlicher Mittsommer von Viveca Sten

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel I de lugnaste vatten, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Kiepenheuer & Witsch.

  • Stockholm: Forum, 2008 unter dem Titel I de lugnaste vatten. 313 Seiten.
  • Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2010. Übersetzt von Dagmar Lendt. ISBN: 978-3-462-04073-9. 384 Seiten.

'Tödlicher Mittsommer' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Ein spannender, sommerheller Krimi aus dem schwedischen Schärengarten. Am Strand von Sandhamn, einer kleinen Insel im Schärengarten vor Stockholm, wird an einem heißen Julitag die Leiche eines Mannes angespült. Thomas Andreasson übernimmt den Fall und trifft auf Sandhamn seine Jugendfreundin Nora wieder, die auf der beliebten Urlaubsinsel Ferien macht. Als eine Woche später ein weiterer Mord begangen wird, gerät die Idylle vollends in Gefahr.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein neuer Farbtupfer in Schwedens Krimilandschaft« 74°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Die Schärenlandschaft vor Stockholm mit ihren unzähligen Inseln bildet die Kulisse für den Roman Tödlicher Mittsommer der Newcomerin Viveca Sten. Die Insel Sandhamn ist eine Idylle für ihre wenigen Bewohner und für die zahlreichen Touristen im Sommer. Getrübt wird diese heile Welt, als die Leiche eines Mannes angespült wird.

Kriminalkommissar Thomas Andreasson wird mit den Ermittlungen beauftragt. Er kennt sich bestens auf den Inseln aus, besitzt er doch selber ein Ferienhaus im Schärengarten. Zudem war er jahrelang bei der Wasserschutzpolizei tätig. Thomas freut sich sogar, nach Sandhamn zu kommen, denn dort wohnt seine gute Freundin Nora Linde mit ihrem Mann Henrik und ihren beiden Jungs Simon und Adam. Thomas und Nora kennen sich bereits seit Kindertagen. Ihre Freundschaft blieb über Jahre bestehen und Thomas übernahm Simons Patenschaft. Thomas findet nach einem Schicksalsschlag erst langsam wieder ins Leben zurück. Nach dem plötzlichen Kindstod seiner kleinen Tochter zerbrach auch seine Ehe.

Seine Tätigkeit auf Sandhamn scheint jedoch nur von kurzer Dauer zu sein, denn so wie es aussieht, ist der Tote, der als Krister Berggren identifiziert wird, das Opfer eines Unfalls geworden. Spuren von Gewalteinwirkung sind nicht feststellbar. Allein ein um seine Brust geschlungenes Seil gibt Rätsel auf. Berggren war alleinstehend und hatte außer seiner Cousine Kicki keine Angehörigen.

Zwei Wochen später hat Thomas Andreasson überraschenderweise bereits seinen nächsten Einsatz auf Sandhamn. Dieses Mal wurde die Leiche einer Frau gefunden. Als bekannt wird, dass es sich bei dem Opfer um Kicki Berggren handelt, wird plötzlich auch der erste Todesfall wieder zum Thema. Unklarheit herrscht nach der Obduktion über die Todesursache. Weder die Vergiftung durch Rattengift noch die Kopfverletzung allein führten direkt zum Tod.

Mit einem sympathischen Protagonisten den Leser binden

Schwedische Kriminalromane zeichnen sich oft dadurch aus, dass nicht die Tat im Mittelpunkt steht, sondern der Ermittler. So auch bei Viveca Sten, die in ihrer Heimat bereits drei Romane mit Kommissar Thomas Andreasson veröffentlichen konnte. Mit einem sympathischen Protagonisten den Leser binden, dieses Erfolgsrezept hat schon oft gefruchtet. Die Grundlage dazu hat die Autorin gelegt. Und hat noch dazu den Schauplatz von der Großstadt ist die Idylle verlegt, was dem Leser freundliche Urlaubs-Atmosphäre beschert.

Die Todesfälle selber und die Ermittlungen beginnen wenig spektakulär. Die Polizei tappt bezüglich Todesursachen und Motiven lange Zeit im Dunklen, der Leser weiß nur wenig mehr. Befragungen und Routineüberprüfungen bringen nicht wirklich weiter. Anders als die Polizei weiß der Leser eines Kriminalromans jedoch, dass der Täter zu 99% unter den Dramatis personae zu suchen ist. Und dieser Personenkreis ist ungewöhnlich klein.

Da sowohl Nora als auch die liebenswerte ältere Nachbarin kaum als Täter in Frage kommen, drängt die Autorin dem Leser Noras Mann Henrik geradezu als Verdächtigen auf. Nach außen hin braver Familienvater wirkt er auf den Leser als sturer Egoist, für den die Seglerleidenschaft im Vordergrund steht. Noras große Chance auf einen beruflichen Aufstieg, der einen Umzug für die Familie zur Folge hätte, blockt er rigoros ab. Und Nora beginnt, am Fortbestand ihrer Ehe zu zweifeln.

Erst spät können Verbindungen zwischen den Toten sowie der Insel Sandhamn geknüpft werden, Tatverdächtige müssen jedoch schnell wieder von der Liste gestrichen werden. Die letzten 50 Seiten entschädigen dann für fehlende Spannung auf den vorgehenden und die überraschende Auflösung hatte wohl niemand auf der Rechnung.

So wie der berühmte rote Farbtupfer auf den Covern von schwedischen Krimis – oft durch ein Holzhaus dargestellt, dieses Mal in Form eines Ruderbootes – hat auch die schwedische Krimilandschaft durch Tödlicher Mittsommer wieder einen neuen Farbtupfer erhalten. Ohne wirklich aufzufallen, bietet der Roman sympathische Charaktere sowie gute und gegen Ende hin auch spannende Unterhaltung in angehmer Atmosphäre. Ein vielversprechender Beginn für eine neue Reihe.

Peter Kümmel, Juni 2010

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juliane zu »Viveca Sten: Tödlicher Mittsommer« 09.04.2012
Der Kriminalroman hat meine Erwartungen nicht erfüllt. Zum einen mochte ich den Schreibstil der Autorin nicht. Die Hauptdarsteller (Nora und Thomas) wurden viel zu positiv beschrieben (hübsch, klug etc.), oftmals wurden ihre Tätigkeiten bewertet (bsp. berechnete Nora "geschickt" die Geschäftszahlen auf der Fähre. Andere Darsteller (alle 3 Mordopfer) wurden sehr negativ dargestellt (bsp. Kikki verraucht, solariumsgebräunt, asozial). Teilweise war die Autorin uninformiert (bsp. dürfen Diabetiker je nach Insulintherapie eine süße Nachspeise verzehren). Unpassend fand ich die Beschreibung der zwei Jungs bzw. sie entsprach nicht dem Alter der Kinder. Besonders Simon entsprach eher einem vierjährigem (kleiner Körper, Kleinkindgeruch, buntes Strandspielzeug, mangelnde Zahlenkenntnisse beim Leuchtturmbesuch) als einem sechsjährigem. Etwas zu einfach gemacht fand ich auch die Endsituation. Wenn Nora schon als gewissenhafte Diabetikerin beschrieben wird, wieso spritzt sie dann Insulin, nimmt aber kein Abendessen ein? Henrik mutiert als er seine bewusstlose Ehefrau entdeckt zu einem "routinierten" Arzt u diagnostiziert einen Insulinschock, was ist mit der Differentialdiagnose oder Zusatzdiagnose einer Rauchvergiftung? Gut natürlich dürfen auch Buchfiguren Fehler begehen, aber alles in allem hatte ich bei diesem Buch das Gefühl als wollte die Autorin eben mal schnell einen schwedischen Sommerkrimi runterschreiben, leider ist ihr dieses nicht gut gelungen...
lesenchris zu »Viveca Sten: Tödlicher Mittsommer« 15.10.2011
Durch Zufall bin ich an diesen Krimi geraten und bin sehr zufrieden mit dem Plot. Urlaubsstimmung und Morde und das in Schweden in der Schärenlandschaft um Stockholm herum ist genau das, was einen ruhigen, jedoch spannenden Krimi verspricht. Und tatsächlich, für mich hat der Krimi alles, was ich mir vorgestellt habe. Detailreichtum sowohl der Landschaft als auch der Personen ist das Rezept dieses Buches. Ein überraschendes Ende sorgt zudem für einen überzeugenden Roman, der sehr empfehlenswert ist. Es muß nicht immer Mankell sein!
€nigma zu »Viveca Sten: Tödlicher Mittsommer« 13.10.2011
Dieser Roman ist als erster Band einer Serie um den Kommissar Thomas Andreasson angelegt. Mittsommer ist gerade vorbei und Thomas freut sich auf seinen wohlverdienten Urlaub, als plötzlich auf der Insel Sandhamn im Stockholmer Schärengarten ein Toter angeschwemmt wird. Zunächst bestehen alle Hoffnungen, diesen vermeintlichen Unfalltod noch vor Urlaubsbeginn zu den Akten legen zu können, dann geschieht jedoch auf der sonst so friedlichen Insel ein Mord und es stellt sich heraus, dass die Ermordete die Cousine des Ertrunkenen war. Nun müssen Thomas und seine Kollegin Margit ihren Urlaub vertagen und auf Sandhamn ermitteln. Die Juristin Nora, eine gute Jugendfreundin von Thomas, beschäftigt sich ebenfalls mit dem Fall und sorgt als detektivisches Naturtalent für ergiebige neue Ermittlungsansätze. Eigentlich ist sie sogar die beste Spürnase, gerät allerdings dadurch auch in nicht unerhebliche Gefahr...

Im Gegensatz zu vielen anderen skandinavischen Ermittlern, die sehr verkorkste Typen sind und Stress mit ihren Familien haben, ist Thomas Andreasson ein erfrischend normaler Mann. Er erholt sich zwar nur mühsam von einem persönlichen Trauma, dem Säuglingstod seiner kleinen Tochter und der darauf folgenden Scheidung von seiner Frau, trotzdem hat er sich nicht dem Trunk ergeben und versucht, die Leere in seinem Privatleben durch doppelt gewissenhafte Arbeit zu kompensieren.

Seine Freundin Nora ist trotz ihrer zweifachen Mutterrolle als Vollzeit-Juristin bei einer Bank beschäftigt. Sie leidet allerdings unter der Zusammenarbeit mit einem trotteligen Vorgesetzten und ist deshalb überglücklich, als ihr eine gut besoldete Stelle in Malmö angeboten wird. Leider ist Nora mit einem sehr egozentrischen Arzt aus "vornehmen" Kreisen verheiratet, der meint, dass seine Wünsche und Belange immer oberste Priorität genießen müssten. Die Darstellung dieser Ehe, hoffentlich keine autobiographische Schilderung, denn auch die Autorin ist Juristin ;) , ist neben der eigentlichen Krimihandlung sehr fesselnd.
"Tödlicher Mittsommer" ist ein spannender, dabei aber doch bodenständiger und glaubwürdiger Krimi, der mich sehr gut unterhalten hat. Den nächsten Band dieser Reihe werde ich mir nicht entgehen lassen.
bookorpc zu »Viveca Sten: Tödlicher Mittsommer« 24.08.2011
Tödlicher Mittsommer ist der erste Roman der Autorin Viveca Sten. Der zweite Teil Tod im Schärengarten ist bereits erschienen und auch dort ermittelt der sympathischen Thomas Andreasson.

Inhalt:
Eine Leiche wird an den Strand von Sandhamn angespült, eingewickelt in ein Fischernetz und bereits seit einiger Zeit im Wasser. Eine Leiche in der Urlaubszeit, für Kriminalkommisar Thomas Andreassons Kollegin, die mit ihrer Familie einen Urlaub geplant hat ein Problem. Wie gut das sich Thomas nicht nur auf der Insel auskennt, sondern auch noch anbietet, die Ermittlungen mit telefonischer Unterstützung alleine zu leiten. Hilfe bekommt er dabei unter anderem von Nora einer Jugendfreundin und der Tochter seines Chefs. Diese kann er auch brauchen, da es weitere Leichen gibt.

Meine Meinung:
Dieser Roman liest sich durch die kurzen Kapitel sehr leicht und schnell, da man immer denkt, nur noch eins… Die Protagonisten Thomas und Nora sind sehr sympathisch und gerade da ihre Privatleben voller Kanten sind, wirkt dieses Buch voller Leben. Die Landschaft wird so idyllisch beschrieben, das man am Liebsten den nächsten Urlaub dort verbringen möchte. Man merkt, das die Autorin viele eigene Erinnerungen an Sandhamn mit einbringt.

Fazit: Ein spannender und abwechslungsreicher Auftakt einer Serie, dem noch einige Fälle folgen werden.
schnegg72 zu »Viveca Sten: Tödlicher Mittsommer« 24.07.2010
Serienmord in der Ferienidylle
In Sandhamn wird die Leiche eines jungen Mannes angespült. Thomas soll seinen Tod untersuchen. Noch während der laufenden Ermittlungen wird auch die Leiche von Kikki, der Cousine des jungen Mannes, gefunden. Nun glaubt natürlich niemand mehr an einen Zufall, obwohl es keine Verbindung zu erkennen ist.
Einfacher wird es auch nicht, als auch noch die Leiche eines jungen Einheimischen an einem beliebten Touristenstrand angeschwemmt wird...Thomas und seine Kollegen sind ratlos und klammern sich an jeden Strohhalm. Seine alte Freundin Nora, die den Sommer in dem ehemaligen Idyll verbringt, ist ihm dabei jedoch eine große Hilfe.
Wieder ein schöner, spannender Schwedenkrimi, der auch bis zum Schluß spannend bleibt und sich durchaus lesen läßt.
http://buchfamily.jimdo.com/
rwe25 zu »Viveca Sten: Tödlicher Mittsommer« 14.07.2010
Mysteriöse Todesfälle auf Sandhamn

Thomas Andreasson ist Polizist bei der Mordkommission. Es ist Ferienzeit – die meisten seine Kollegen sind im Urlaub. Da wird er mit einem mysteriösen Fall betraut: Eine Leiche wird auf Sandhamn, einer idyllischen Insel im Stockholmer Schärengarten, angespült. Alles sieht nach einem Unfall aus, bis auch die Cousine des Toten tot auf Sandhamn gefunden wird. Sie wiederum ist offensichtlich vergiftet worden, weshalb Thomas nicht von Zufall ausgeht, sondern beginnt, den Fall akribisch zu untersuchen.

Unterstützung bekommt er dabei von seiner Jugendfreundin Nora, die seit Jahren den Sommerurlaub mit ihrer Familie auf Sandhamn verbringt. Als es wenig später noch einen dritten Toten gibt, der auf Sandhamn wohnte und in Begleitung von Toter Nr. 2 gesehen wurde, ist Thomas klar, dass er einem Gewaltverbrechen auf der Spur ist.

"Tödlicher Mittsommer" ist ein etwas anderer Schwedenkrimi: Er spielt auf einer beschaulichen kleinen Insel, die im Buch derart malerisch und ausgiebig beschrieben wird, dass man den eigenen Sommerurlaub sofort dort verbringen möchte. Auch erinnert das Buch eher an einen Sommerroman als an einen harten Skandinavien-Krimi. Der ermittelnde Polizist ist weder Alkoholiker noch Außenseiter, und auch die Handlung konzentriert sich nicht ausschließlich nur auf die Aufklärung der Mordfälle; der Leser erfährt vielmehr noch allerlei Privates aus dem Leben von Thomas und Nora und ihrer Familie.

Die Geschichte liest sich durchaus sehr angenehm und ist unterhaltsam, doch aufgrund der ausschweifenden Darstellung von Sandhamn und der Handlungsstränge, die mit der eigentlichen Krimigeschichte nichts zu tun haben, zieht sich das Buch unnötig in die Länge. Spannung kommt erst gegen Ende des Buches auf, wenn der Leser meint, das Rätsel bereits gelöst zu haben. Hier kommt Viveca Sten aber mit einer Wendung, die ich so nicht erwartet habe, die andererseits aber auch etwas konstruiert erscheint. Mir war die plötzliche „Action“ im Vergleich zur ansonsten eher ruhigen, sanften Erzählung zu viel des Guten.

Mein Fazit: Ein unterhaltsames Sommerbuch mit Krimi-Elementen, das Lust auf Urlaub macht, aber nicht unbedingt was für Fans von „echten Schwedenkrimis“ à la Mankell oder Larsson ist.
subechto zu »Viveca Sten: Tödlicher Mittsommer« 11.06.2010
Tod im Schärengarten

Als Kicki Berggren nach längerer Abwesenheit in ihre Wohnung zurückgekehrt, erfährt sie von Thomas Andreasson von der Stockholmer Polizei, dass ihr Cousin Krister auf einer kleinen Insel im schwedischen Schärengarten tot aufgefunden wurde.

Kurz entschlossen reist sie ebenfalls nach Sandhamn und schon bald gibt es weitere Tote.

Während seiner Ermittlungen trifft Thomas seine Jugendfreundin Nora wieder, die im idyllischen Sandhamn mit ihrer Familie Ferien macht...

Der Debütroman von Viveca Sten liest sich eher wie eine sommerliche Erzählung als ein Kriminalroman. Ganz anders als man es sonst von den düsteren skandinavischen Krimis gewohnt ist. Die Figuren sind liebevoll gezeichnet, die Landschaft wird malerisch beschrieben. Und dennoch geschehen auch dort Mord und Totschlag.

Am Ende werden aber alle Rätsel gelöst. Nur wie es privat mit den beiden sympathischen Ermittlern weitergeht, hat die Autorin offen gelassen und somit genug Potenzial geschaffen, für eine Fortsetzung.

Erinnert hat mich Tödlicher Mittsommer ein wenig an die Shetland-Krimis von Ann Cleeves. Ich bin sehr gespannt, ob sich die geplante Reihe mit Kriminalkommissar Thomas Andreasson und Juristin Nora Linde ähnlich gut entwickelt.

Ein sehr empfehlenswerter, atmosphärisch dichter Kriminalroman, vor einer wunderschönen Kulisse!
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