Die Reinheit des Todes von Vincent Kliesch

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 bei Blanvalet.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin, 1990 - 2009.
Folge 1 der Julius-Kern-Serie.

  • München: Blanvalet, 2010. ISBN: 978-3-442-37492-2. 317 Seiten.

'Die Reinheit des Todes' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Er sieht aus wie ein Engel. Er hat viele Namen. Und er mordet, ohne Spuren zu hinterlassen … Ein Serienmörder treibt in Berlin sein Unwesen. Sein drittes Opfer, eine ältere Dame, wird in einem weißen Leinenhemd aufgebahrt auf ihrem Esstisch gefunden. Die Wohnung ist klinisch rein geputzt – ein Albtraum für jede Spurensicherung. Die letzte Hoffnung des LKA, den »Putzteufel- Mörder« zu finden, ruhen auf Julius Kern. Schon einmal konnte er einen grausamen Massenmörder fassen. Doch Kern ist daran fast zerbrochen. Während er nur langsam zu seiner alten Form zurückfindet, hat sein Gegner bereits das nächste Opfer im Visier … Ein Serienmörder in Berlin – und ein Kommissar, der nichts so gut kennt wie das Böse!

Das meint Krimi-Couch.de: »Zwei Mörder – Racheengel der unterschiedlichen Art« 93°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Julius Kern hat sich aus der Hauptstadt Berlin zum Landeskriminalamt nach Brandenburg versetzen lassen. Denn er ist fast daran zerbrochen, dass er einen Massenmörder zwar fassen konnte, der Killer jedoch nicht verurteilt wurde. Aber jetzt bittet ihn sein früherer Chef, sich einen Tatort in Berlin anzuschauen. Dort hat ein – von den Ermittlern »Putzteufel« genannter – Serienmörder sein drittes Opfer, eine ältere Dame, auf dem Wohnzimmertisch drapiert. Wie die vorherigen Leichen in ein weißes Hemd gehüllt. Und wie an den vorherigen Tatort ist auch hier akribisch, geradezu manisch gereinigt worden. Das ganze Zimmer ist mehrere Stunden lang geputzt worden – bis hin zu den Bilderrahmen. Die Spezialisten der Spurensicherung sind verzweifelt.

Kern lässt sich überreden und wird Mitglied des Ermittlungsteams. Zwischen den Toten gibt es keine offensichtliche Verbindung, doch die klinisch reinen Tatorte sind höchst ungewöhnlich. Julius Kern will sich in die Psyche des Mörders hinein versetzen, und putzt eine Nacht lang sein Wohnzimmer. Wegen solcher ungewöhnlichen Methoden hat ihn sein Chef zurück geholt, aber es gibt auch Zweifler im LKA, denn der Hauptkommissar ist seit einem Massenmord vor drei Jahren psychisch höchst instabil. Zwar gelang es ihm, Tassilo Michaelis zu fassen, aber dem Mörder war nichts nachzuweisen. Während der Vernehmung gestand Michaelis die Tat, um dann vor Gericht das Geständnis zu widerrufen. Das Verfahren endete mit Freispruch. Kern ließ sich daraufhin nach Brandenburg versetzen, dennoch ging seine Ehe in die Brüche – der Polizist hat jede Nacht Alpträume, da er nie erfahren hat, was Tassilo mit seinen fünf Opfern gemacht hat.

Und jetzt ist Tassilo Michaelis dabei, als freier Mann ein Buch über die damaligen Ereignisse zu veröffentlichen. Die Ermittler des LKA stoßen derweil auf eine heiße Spur. Der Putzteufel hat in Chatforen im Internet Kontakt zu seinen Opfern aufgenommen. Außerdem finden die Polizisten heraus, das der Killer nicht bei jedem möglichen Opfer zugeschlagen hat. Es muss also überlebende Zeugen geben. Um einen Aufruf mit genug Öffentlichkeitswirkung zu starten, lässt sich Kern dazu überreden, mit Michaelis gemeinsam eine Pressekonferenz zu geben. Dieser hatte ihm im Gegenzug die ersehnten Informationen über die Mordnacht von damals versprochen. Es kommt zum gemeinsamen Auftritt vor den Medien – und damit wird eine verhängnisvolle Wendung eingeleitet, hin zum dramatischen Finale.

Bücher über Serienmörder gibt es wie Sand am Meer. Und oft haben darin die Ermittler so einige Probleme mit ihrer Psyche. Der Ansatz von Vincent Kliesch ist für mich allerdings ziemlich neu. Ein Serienmörder geht um, und ein Polizist soll ihn fangen, der wiederum Problem mit einem zurückliegenden Fall hat. Und dabei geht es nicht um einen anderen Serien-, sondern um einen Massenmörder. Wobei der Begriff etwas gewagt ist, denn es geht »nur« um fünf Menschen, die an einem Abend umgebracht wurden – allerdings aus ziemlich speziellen Gründen und auf recht brutale Weise. Der Autor nutz die Technik der Rückblende, um dem Leser zu vermitteln, warum der Mörder Tassilo Michaelis dem Kommissar Julius Kern absolut keine Ruhe lässt. Nur Häppchenweise wird enthüllt, was vor drei Jahren in der abgelegenen Scheune passierte. Richtig kniffelig wird es dann, als Tassilo auch etwas zum Fall des Putzteufels zu sagen hat.

Vincent Kliesch hat mit seinem Erstlingswerk einen vielschichtigen Thriller vorgelegt, der dem Leser einige interessante Facetten bietet. Neben der denkwürdigen Person des Tassilo Michaelis ist das auch noch der so genannte Putzteufel, der Serienkiller mit dem ziemlich merkwürdigen Motiv. Nur scheibchenweise kann sich der Ermittler den Gedankengängen des Mörders nähern, und auch der Leser wird geschickt im Unklaren gelassen – auch wenn er dem Ermittler mit seinem Wissen etwas voraus hat. Der Autor baut so nach und nach immer stärkere Spannung auf, und es kommt irgendwann ein Punkt, an dem der Leser das Buch nur noch widerstrebend aus der Hand legt. Die völlig unterschiedlichen Figuren der beiden Mörder machen den morbiden Reiz dieses Romans aus, der Kommissar tritt als Protagonist schon fast in den Hintergrund.

Dabei sind seine ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden für sich schon wieder reizvoll. Der Putzteufel reinigt den Tatort fast klinisch – und um das nachvollziehen zu können, putzt Kern eine Nacht lang sein Wohnzimmer. Drei Gutachter schließen einen religiösen Hintergrund der Tat aus – Kern läuft erneut zu einem Professor für Religionsgeschichte. Und ein Höhepunkt des Buches ist auf jeden Fall die gemeinsame Pressekonferenz von Michaelis und Kern. Schwer vorstellbar, was da in dem Polizisten vorgehen muss. Es wird aber auch die menschliche Seite des Polizisten gezeigt, der enorm unter der Trennung von Frau und Tochter leidet. In jedem Fall eine Figur mit einigem Entwicklungspotenzial.

Vincent Kliesch hat einen knappen und wirklich gut lesbaren Erzählstil. Seine Orts- und Perspektivwechsel sind hervorragend nachvollziehbar, der Leser gerät an keiner Stelle in Verwirrung und fühlt sich stets auf der Höhe des Geschehens. Bei seinen Schilderungen des Berliner Nachtlebens und der sonstigen Örtlichkeiten merkt man, wo der Autor selbst lebt. Das vermittelt einen hohen Grad an Authentizität. Und so raffiniert die Geschichte auch konstruiert ist, auf mich wirkt sie erschreckend realistisch. Vor allem erscheint es glaubhaft, dass ausgerechnet in der Metropole Berlin derart durchgeknallte Killer ihr Unwesen treiben könnten. Und auch das abgedrehte Nachtleben in Berlin Mitte wird äußerst zutreffend geschildert. Da laufen schon einige eiskalte Schauer den Rücken hinab – und man freut sich dennoch, oder gerade deswegen, bereits auf das nächste Werk aus der Feder dieses innovativen Autors, der frischen Wind in die deutsche Krimi-Szene bringt.

Andreas Kurth, Februar 2011

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kianan zu »Vincent Kliesch: Die Reinheit des Todes« 07.03.2012
Schön und flüssig geschrieben, gut beschriebene Charaktere. Keine allzu neue Story, aber trotzdem sehr spannend. Aus meiner Sicht empfehlenswert und ich freue mich schon auf das nächste Buch mit dem Ermittler Niels Trojan (der mich ein wenig an Harry Hole aus der Serie von Jo Nesbo erinnert), denn dieses erste Buch scheut aus meiner Sicht den internationalen Vergleich nicht.
Magellan zu »Vincent Kliesch: Die Reinheit des Todes« 01.10.2011
Prinzipiell ist es erfreulich, dass es einem deutschen Autor gelungen ist, eine anständige und im Hauptteil spannende Geschichte zu schreiben. Vincent Klieschs Schreibe ist in meinen Augen nicht sonderlich holprig, er ist kein Hemingway, aber durchaus im gehobenen Mittelfeld. Niels Trojan ist ein nicht ungewöhlicher Ermittler, der "Putzteufel" ein allseits bekanntes "Mörderklischee", aber nicht unsympatisch. Ich werde mir mal den Nachfolger "Der Todeszauberer" zu Gemüte führen.
Torsten zu »Vincent Kliesch: Die Reinheit des Todes« 13.07.2011
Anfangs habe ich den Stil etwas holprig und aufgesetzt empfunden, das hat sich zwar recht schnell gelegt, aber man merkt schon, dass der Autor noch nicht sehr geübt im Schreiben ist.
In diesem Erstling hat er gleich zwei komplette Plots verarbeitet - einmal den zurückliegenden Massenmord und dann die aktuelle Serie. Wobei der zurückliegende Fall ausermittelt und juristisch abgeschlossen ist und nur das Wie und Warum scheibchenweise nacherzählt wird. Und dieser eigentlich abgeschlossene Fall hat mir sogar besser gefallen. Ist er glaubwürdig? Ganz ehrlich: Bei so manchen Gästen habe auch ich schon merkwürdige Gedanken...
Mit dem "Putzteufel" konnte ich mich nicht so sehr anfreunden, zu sehr ist die Motivation doch auf eine sehr spezielle Geisteshaltung gegründet, die man zwar nicht unbeddingt nachvollziehen können muss, die aber doch sehr abgedreht ist.
Insgesamt kann Vincent Kliesch sicher noch daran arbeiten seinem Ermittler mehr Profil und Tiefe zu verleihen und vor allem auch daran Berlin nicht nur so als lieblose, beliebige Kulisse darzustellen.
Unterm Strich ein flott lesbarer Krimi für zwischendurch - gut, aber ehrlich gesagt auch weit von den 93 Grad entfernt die KC vergeben hat.
hades01 zu »Vincent Kliesch: Die Reinheit des Todes« 12.07.2011
Teilweise spannende Geschichte, flüssig zu lesen und ein für mich gelungenes Ende. Auf jeden Fall werde ich diese Krimireihe weiterverfolgen. Negativ anzumerken wäre: Die Geschichte hätte in jeder x- belieben Stadt spielen können. Kein berliner Flair, der die Geschichte abrundet und vielleicht noch ein paar Seiten zu dem relativ kurz gehaltenen Buch hinzufügt. Teilweise waren Textpassagen nicht nachvollziehbar oder einfach zu unrealistisch.
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