Das Rätsel von Flatey von Viktor Arnar Ingólfsson

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2002 unter dem Titel Flateyjargáta, deutsche Ausgabe erstmals 2005 bei BLT.
Ort & Zeit der Handlung: Island, 1990 - 2009.

  • Reykjavík: Mál og menning, 2002 unter dem Titel Flateyjargáta. 284 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: BLT, 2005. Übersetzt von Coletta Bürling. ISBN: 3-404-92186-0. 347 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2007. Übersetzt von Coletta Bürling. ISBN: 978-3-404-26735-4. 346 Seiten.

'Das Rätsel von Flatey' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Eine nahezu verweste Leiche wird auf einer Insel bei Flatey im Breiðafjord entdeckt. Drei Fischer hatten sich zur Seehundjagd auf diese unbewohnte Insel begeben. Bei dem Toten handelt sich um einen seit Monaten vermissten dänischen Handschriftenforscher. Die Polizei ist ratlos, denn der Tod scheint mit einem Rätsel aus einem mittelalterlichen Codex in Verbindung zu stehen. Als eine weitere Leiche gefunden wird, auf deren Rücken ein Adlermotiv eingeritzt ist, besteht kein Zweifel mehr: Die Morde sind in alter Wikingertradition inszeniert...

Das meint Krimi-Couch.de: »Wo die Zeit still steht« 88°Treffer

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Als ich das Buchcover zum ersten mal sah, dachte ich, so sah doch damals das Gasthaus auf Flatey aus. Dann las ich den Titel und war mir sicher: Das Gesthusið Vogur ist auf dem Foto abgebildet. Ein seltener Zufall, dass ein Rezensent den Ort der Handlung eines Kriminalromans kennt, sogar gut kennt, denn Flatey, die winzige Insel im Breiðafjörður, ist mir von einer Reise in 2002 hervorragend in Erinnerung geblieben. Großzügig geschätzt ist die Insel 2km lang und 500 Meter breit; die Fahrt mit der Fähre über den Fjord im Westen Islands dauert ca. zweieinhalb Stunden und ziemlich auf halber Strecke liegt das flache, grasbewachsene Flatey. Und was verwunderlich ist, auf der Insel befindet sich ein kleines Dorf, alte Holzhäuser, eine Kirche, ein Friedhof. Nirgends mutet Island noch so ursprünglich, unverfälscht an wie hier, weshalb auf Flatey auch immer wieder historische Filme gedreht werden. In Deutschland konnte man vor etwa 20 Jahren in dem ZDF-Weihnachts-Sechsteiler »Nonni und Manni« die Häuser sehen. Heute ist das Dorf nur noch im Sommer bewohnt, wenn die Menschen vom Festland die freundliche Jahreszeit nutzen und zum Fischen oder zur Vogeljagd für ein paar Wochen auf die Insel ziehen. Aber über Jahrhunderte gab es hier eine intakte Dorfgemeinschaft, die von dem wenigen, was die Natur hier bieten kann ein kärgliches Leben führte.

Hervorragende Verbindung von alten Sagas und modernem Leben

Flatey ist den Isländern insbesondere ein Begriff, weil die wohl prachtvollste mittelalterliche Schriftensammlung des Landes mehrere Jahrhunderte hier aufbewahrt wurde und daher ihren Namen »Flateyjarbok« bekam, ehe man sie im 17. Jh. dem dänischen König schenkte. Diese Handschriftensammlung spielt in Ingolfssons Roman eine zentrale Rolle. Seit 1971 ist sie wieder in Island, die Handlung des »Rätsels von Flatey« spielt jedoch davor, 1960, zu einer Zeit, da die Insel auch noch dauerhaft bewohnt war.

Bauer Valdi vom Hof »Endenkate« (der armseligsten Hütte auf Flatey) fährt mit seinem senilen Vater und seinem Sohn zur Insel Ketilsey, einem kargen Eiland, auf dem er Eiderdaunen und Vogeleier sammeln darf. Es ist ihre erste Überfahrt in diesem Jahr und sie entdecken die fast vollständig verweste Leiche eines Mannes. Nachdem relativ bald klar wird, dass es sich bei dem Toten um einen dänischen Handschriftengelehrten handelt, der im vergangenen Jahr Flatey besucht hatte, interessiert Kjartan, den Vertreter des Bezirksvorstehers viel mehr, wie der Mann auf das kleine, unbewohnte Ketilsey gelangte. Zusammen mit Grimur, dem Gemeindevorsteher auf Flatey, versucht er recht holprig und unerfahren die Hintergründe von den Inselbewohnern zu erfahren. Gleichzeitig darf in Reykjavik der wohl arbeitscheueste Kriminalpolizist des Landes versuchen, mehr über den Aufenthalt des toten dänischen Professors Gaston Lund im Vorjahr zu erfahren. Verbindungen zu seiner Reise, die der Däne unter falschem Namen antrat, scheinen durch die Forschungsarbeit am Flateyjarbok in Kopenhagen in den Jahren vor dem zweiten Weltkrieg zu bestehen.

Am Ende eines jeden Kapitels erfährt der Leser zunächst näheres über die Entstehung der antiken Handschriftensammlung. Ein Mann und eine Frau unterhalten sich über das Flateyjarbok und lange rätselt der Leser, wer sich da überhaupt unterhält. Auch als die beiden mit der Lösung eines Rätsels »Ænigma Flateyensis« beginnen, das in Bezug zu dem Tod des Professors zu stehen scheint, weiß man noch nicht, wer in dieser Nebenhandlung agiert.

Erzählkunst

Ingolfsson ist Bauingenieur beim isländischen Straßenbauamt. Das Schreiben ist für ihn – wie für so viele Isländer – nicht mehr als ein Hobby. In welcher Manier er jedoch von dem Inselleben zu berichten weiß, von der Entfremdung der Einsamkeit und dem Vernichtungsfeldzug moderner Kommunikation, das lässt einen erfahrenen Schriftsteller vermuten. Wie geschickt er es dann auch noch vollbringt, dass sich die zwei Handlungsstränge in der Chronologie der Ereignisse gegenseitig überholen, gleichzeitig dabei aber die Spannungskurve hochgehalten wird, ist umso erstaunlicher.

Action und wilde Verfolgungsjagden – das kann man auf einem so abgeschiedenen Inselchen nicht erwarten. Brutalität allerdings lässt der Autor beinahe in jedem Kapitel einfließen, wenn er Passagen aus den alten Sagas zur Lösung des Rätsels anführt. Wie die Recken im finsteren Mittelalter ihre Klingen geführt haben, das ist schon einen Asbach Uralt wert. Aber mal ganz im ernst, auch der Tod beider Männer, die im Gang der Handlung ins Gras beißen müssen, weist erstaunliche Parallelen zu historischen Morden aus dem Flateyjarbok auf.

Ingolfsson verzichtet darauf, einen tragischen Serienhelden a la Erlendur (vgl. Nordermoor, Todeshauch, etc. von Arnaldur Indridasson) zu kreieren. Die ermittelnden Polizisten bleiben Randfiguren, Kjartan ist den Nachforschungen nicht gewachsen. Dennoch bekommen zugleich die Inselbewohner Profil. Es ist das Gesamtbild, was bei diesem Roman einfach stimmt, die Einheit von gutem Erzählstil, mysteriöser Handlung, Bezug zur Historie und stimmigen Charakteren. Und deshalb macht »Das Rätsel von Flatey« einfach Spaß.

Ihre Meinung zu »Viktor Arnar Ingólfsson: Das Rätsel von Flatey«

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Kasia zu »Viktor Arnar Ingólfsson: Das Rätsel von Flatey« 29.05.2010
Wenn ich die Bewertungen hier so lese, dann bekomm ich fast ein schlechtes Gewissen, weil ich das Buch so schlecht bewerten muss. Also 80° kann ich dafür nicht geben... Höchstens 45°...
Die Geschichte hat mich überhaupt nicht gepackt. Ich habe, da es ein Island-Krimi ist (und ich die skandinavischen Krimis fast allen anderen vorziehe), ziemlich viel auf dieses Buch gesetzt und gedacht, dass ich da einen guten Kauf getätigt habe.
Aber ich hätte mir die 8 Euro sparen können...
Die Geschichte zog sich wie Kaugummi, war für mich überhaupt nicht spannend (das Ende vielleicht noch, aber sonst leider nicht) - Das Buch schien kein Ende zu haben, obwohl es nicht so dick ist...
Ich mochte die Teile des Flateyjarbok nicht und finde das Rätsel auch nicht logisch (was ja nichts heißen muss, weil jeder nun mal seine Favouriten hat...).
Das Einzige was für mich von Interesse war das waren die abenteuerlichen Speisen von früher und die Lebensweise der Menschen auf so einer kleinen Insel.
Wer es gerne lesen möchte - ich stelle mein Exemplar vorerst gerne zur Verfügung... :-)
Blume zu »Viktor Arnar Ingólfsson: Das Rätsel von Flatey« 21.05.2009
Habe mich wochenlang wenig für das Buch begeistern können, weil mir einfach die Spannung fehlte. Diese kam erst im letzten Viertel des Buches auf, welches ich dann aber innerhalb kürzester Zeit vor Neugierde auf das Ende verschlang. Dieses enttäuschte mich dann aber etwas: Meiner Meinung nach hätte die Vergangenheit der verschiedenen Charaktere auf einen ereignisreicheren Schluss zulaufen können.
Trotzdem versprüht das Buch einen gewissen Charme. Die Beschreibung der teils urigen, teils jungen und gelangweilten Inselbevölkerung war sehr interessant, ebenfalls wie deren Gewohnheiten, und kulturelle Geschichte. Ich kann mir denken, dass Island-Fans eine sehr große Freude an dem Buch hätten.
Monika Prinz-Häusler zu »Viktor Arnar Ingólfsson: Das Rätsel von Flatey« 13.01.2009
Ich habe dieses Buch durch Zufall in die Hände bekommen und es nicht mehr weggelegt bis ich es zu Ende gelesen habe.
Ein spannender Krimi der Lust auf mehr macht.
Es braucht keine Action um einen guten Krimi zu schreiben.
Ich würde auch gerne diese archaische Landschaft kennen lernen, so hat mich die Beschreibung vom Land und den Menschen faziniert
Hans Joachim Müller zu »Viktor Arnar Ingólfsson: Das Rätsel von Flatey« 09.06.2008
Es stimmt, dass das "Rätsel von Flatey" nicht vor Action strotzt. Trotzdem ist es eine sehr dichte Beschreibung eines nur wenige Tage umfassenden Zeitraums auf der Insel, in dem so viel vorkommt, dass einem die Dauer der Handlung viel länger erscheint. Hinzu kommen die zugleich holzschnittartigen wie fein gezeichneten Charaktere der Inselbewohner und die detaillierte Darstellung ihrer Lebensumstände. Auch die beiden ineinander verwobenen Handlungsstränge tragen sehr viel zur Leselust bei.
Mein Tipp: Wer das Buch zur Seite gelegt hat, sollte es fertig lesen. Es lohnt sich.
Helga Robinson zu »Viktor Arnar Ingólfsson: Das Rätsel von Flatey« 29.12.2007
Auch ich bin Island-Fan, ohne dort gewesen zu sein.
Nach Arnaldur Indridasons Büchern ist dieses wirklich recht zäh.
Ich werde es im Schnelldurchgang fertiglesen.
Antoschka zu »Viktor Arnar Ingólfsson: Das Rätsel von Flatey« 22.05.2007
Ein wunderbares Buch, das einem einen Einblick in die verschrobene Inselwelt Islands gibt, die einem sonst verborgen bleibt. Die kriminelle Handlung steht dabei nicht im Vordergrund und wird manchen Krimifans enttäuschen.
Claudia zu »Viktor Arnar Ingólfsson: Das Rätsel von Flatey« 09.05.2007
Obwohl ich ein Island - Fan bin ( zugegeben, ohne bisher dort gewesen zu sein ), finde ich diesen Krimi eher lanweilig und überbewertet. Auch nach über 3 Monaten und im xten Anlauf konnte ich mich nicht durchringen, ihn zu Ende zu lesen ( 3/4 habe ich schon ). Am besten fand ich noch die Beschreibung von Land und Leuten ( farbig und gut gelungen ). Aber der Plot reißt mich nicht vom Hocker, der/ die Ermittler bleiben sehr farblos und wie Abziehbilder. Die Personen reagieren zum größten Teil nicht wie "richtige Menschen" und ihre Gefühle und Motive bleiben im dunkeln.
pet zu »Viktor Arnar Ingólfsson: Das Rätsel von Flatey« 19.07.2006
Der Plot an sich ist nicht schlecht konstruiert, doch nach über hundert Seiten Einleitung hat manch einer das Buch schon in die Ecke gepfeffert. Wirklich interessant wurde es erst nach der Sache mit dem Blutadler. Aus den teilweise dort recht verschrobenen Charakteren hätte man mehr machen können. So gibts von mir nur 60°
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jeb zu »Viktor Arnar Ingólfsson: Das Rätsel von Flatey« 21.03.2006
Ein sehr gelungenes Buch, auch wenn die Geschichte manchmal etwas konfus ist. Toll ist aber, wie die einzelnen Menschen, deren Lebensumstäde und die Natur geschildert werden. Wer etwas für den herben Norden über hat, wird es verschlingen.
mase zu »Viktor Arnar Ingólfsson: Das Rätsel von Flatey« 27.12.2005
Gut, ich habe das Buch zu Ende gelesen. Wirklich gefesselt hat es mich dennoch nicht. Spannung kam bei mir nie auf. Einzig die Neugier, die der Autor durch seine Erzählweise aufrecht erhielt, ließ mich das Buch beenden. Nach dem Fund der 2. Leiche kommt erst etwas Fahrt in die Geschichte.

Vielleicht kommen die sehr guten Kritiken dadurch zustande, dass meine Vorschreiber Island Fans sind?

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