Spuren im Schnee von Victor Gunn

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1944 unter dem Titel The dead man laughs, deutsche Ausgabe erstmals 1956 bei Goldmann.
Folge 8 der Bill-"Ironside"-Cromwell-Serie.

  • London: Collins, 1944 unter dem Titel The dead man laughs. 160 Seiten.
  • München: Goldmann, 1956. Übersetzt von Olga Otto. 200 Seiten.
  • München: Goldmann, 1972. Übersetzt von Olga Otto. ISBN: 3-442-00147-1. 157 Seiten.

'Spuren im Schnee' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Maurice Hatherton ist aus dem zuchthaus Dartmoor ausgebrochen. Als er wegen Mordes verurteilt wurde, war Sir Kenneth Parsloe der einzige Belastungszeuge …Inspektor Cromwell von Scotland Yard will ihn warnen. Zu spät: Sir Kenneth ist tot! Ein Autounfall im Schneetreiben.

Das meint Krimi-Couch.de: »Dem toten Mann vergeht das Lachen« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Chefinspektor Bill Cromwell vom Scotland Yard ist noch übler gelaunt als sonst, weil ihn ein dringender Auftrag aus London in die winterlich verschneite Grafschaft Surrey führt: Maurice Hatherton ist aus dem Gefängnis entflohen. Fassen konnte man den Dieb und Mörder vor drei Jahren nur aufgrund der Aussage von Sir Kenneth Parsloe, Herr auf Higham Top, dem Hatherton deshalb Vergeltung schwor. Die Polizei zweifelt nicht, dass er dies verwirklichen will. Cromwell, sein Assistent Johnny Lister und Inspektor Catchpole von der Grafschaftspolizei sollen Sir Kenneth warnen und schützen.

Aufgrund der Witterung gestaltet sich die Reise schwierig. Als die drei Beamten endlich eintreffen, kommen sie gerade rechtzeitig, um Sir Kenneth tot und steifgefroren neben seinem Wagen aufzufinden: Offenbar ist der als rücksichtsloser Raser bekannte Edelmann auf eisglatter Fahrbahn verunglückt. Cromwell erkennt am Unfallort zwar keine verräterischen Spuren im Schnee aber einen stillen Beobachter: Es ist Hatherton, der seiner Drohung offenbar Taten folgen ließ. Nun kann er zu allem Überfluss mit seinem Motorrad entkommen.

Cromwell nistet sich auf Higham Top ein. Die auffällige Nervosität von Dr. Trumper, dem besten Freund des Verstorbenen, hat seine Aufmerksamkeit erregt. Warum ist der Arzt so ängstlich bemüht, Cromwell die eingehende Untersuchung des Leichnams zu untersagen? Was treibt Trumper, der auch Wissenschaftler ist, in seinem mysteriösen Forschungslabor? Ist Hatherton überhaupt für den Tod von Sir Kenneth verantwortlich? Wie kann Peter, Kenneth´ seit vielen Jahren verschollener Bruder, so prompt auf der Bildfläche erscheinen, um sein Erbe anzutreten? Viele Fragen, zu denen sich für Cromwell und Lister bald ein lebenswichtiges Problem gesellt: Wie gelingt es, aus einer hermetisch abgeriegelten Kühlkammer zu entkommen ...?

Ein Toter lacht, aber Cromwell siegt!

The Dead Man Laughs ist ein (Original-) Titel, der zwangsläufig die Aufmerksamkeit des Lesers erweckt. Dies und der automatische Griff zur Geldbörse zwecks Erwerbs des so getauften Krimis ist die Primärintention hinter der eigenwilligen Namengebung. Gleichzeitig gibt Autor Victor Gunn seinem Publikum einen ersten Hinweis auf die Lösung dieses achten Falls von Chefinspektor Bill Cromwell und Sergeant Johnny Lister zu geben.

Wer freilich meint, mit dieser Andeutung und nach der Lektüre einiger Seiten, die formal ein recht simpel gestricktes Krimi-Vergnügen ankündigen, besagte Lösung bereits erkannt zu haben, sei gewarnt: Victor Gunn ist ein Vielschreiber, der immer für (mindestens) eine Überraschung gut ist. Sobald wir nach guter, alter »Whodunit«-Sitte mit ihm bzw. dem ermittelnden Detektiv gleichgezogen haben, wechselt er prompt die Spur und sorgt für eine Überraschung.

Dieses Mal schlägt er gleich mehrere Haken. Dass es bei Sir Kenneth’ Unfall nicht mit rechten Dingen zuging, bedarf keiner Erwähnung. Mit der definitiven Erläuterung des Wie und Warum rechnet der Leser im Finale. Stattdessen informiert uns Gunn bereits vor der Halbzeit dieses Romans über die Hintermänner eines Komplotts, das nunmehr ins Zentrum des Geschehens rückt. Der Verfasser tritt einen Schritt zurück und lässt uns beobachten, wie Cromwell & Lister und die schurkischen Verschwörer einander umkreisen, ohne – anders als wir – über den jeweiligen Stand der Dinge informiert zu sein. Nach Kräften bemüht man einander übers Ohr zu hauen, aber es ist kein Spoiler anzumerken, dass Cromwell wieder ein letztes As in der Hinterhand behält.

Das darf man beinahe wörtlich nehmen, denn nachdem der eigentliche Fall aufgeklärt ist, geht es in die Verlängerung, und Cromwell löst auch noch einen Mordfall, der bisher nur nebenbei eine Rolle spielte. Deshalb ist es ein überaus lebendiger Cromwell, der zuletzt lacht!

Winterlich und auch sonst recht frisch

Dass Spuren im Schnee erst der achte Krimi der Cromwell-Reihe ist, macht sich deutlich und positiv bemerkbar. Obwohl das eigentliche Mordrätsel an cozy-typischer Umständlichkeit kaum zu übertreffen ist, hält Gunn die Ereignisse ständig in Gang. Cromwell ist deutlich aktiver als in späteren Bänden. Gleich mehrfach spricht Assistent (und Watson) seinen Chef auf dessen Ähnlichkeit mit Sherlock Holmes an. In der Tat schont sich Cromwell nicht, wenn der die gefrorene Landschaft von Surrey nach Indizien absucht. Auch seine Wortkargheit passt zum »Großen Detektiv« aus London, denn Cromwell hasst es, seinen Vermutungen Ausdruck zu verleihen. Dies würde ihm außerdem die Schau stehlen, und das würde er niemals zulassen!

Verhältnismäßig oft spielt die Handlung im Freien. Der »Winter« besaß auf dem englischen Land (und vor dem Klimawandel) eine Präsenz, die sich der heutige Leser nur noch schwer vorstellen kann. Er (und selbstverständlich sie) müssen nicht frieren, sondern können sich einer Schnee- und Eisstimmung erfreuen, die zum Charme des Geschehens erheblich beiträgt. Gemütlich und altmodisch geht es zu, man wärmt sich am offenen Kaminfeuer auf, spricht dem Alkohol genüsslich zu und raucht mit voller Lungenkraft. Die Landpolizei ist ein bisschen dümmlich, Bedienstete bewegen sich beinahe unsichtbar im Hintergrund. Cromwell wirbelt die selbstgefällige Ruhe, die für ein Gelingen des sorgsam eingefädelten Verbrechens mitverantwortlich ist, kräftig durcheinander: In dieser vergangenen Ära darf man das, wenn man ein berühmter Detektiv von Scotland Yard ist.

Zwischendurch geraten Meister Cromwell & Schüler Lister sogar in eine gruselige Todesfalle, die eines »mad scientist« aus den Horrorfilmen der 1930er und 40er Jahre würdig ist. Solche »Action« verkniff sich Gunn in späteren Cromwell-Abenteuern. Er ersetzte sie leider durch etwas, das er uns dieses Mal erspart: Spuren im Schnee kommt ohne Jungmädchen-Rettung und schmalzige Liebesgeschichte aus. Der Fall ist und bleibt das Zentrum des Geschehens. Erstaunliche Wendungen und Enthüllungen können und sollen daran nichts ändern. Ohnehin gibt es nur einen Anspruch: Spuren im Schnee soll unterhalten! Wer Faible für Krimi-Literatur besitzt, die es ein wenig gemächlich angehen lässt, wird dem Verfasser gern ein Gelingen dieses Auftrags bescheinigen.

Michael Drewniok, November 2011

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tassieteufel zu »Victor Gunn: Spuren im Schnee« 09.04.2009
Maurice Hatherton, ein verurteilter Mörder ist aus dem Zuchthaus Dartmoor ausgebrochen. Als er wegen Mordes verurteilt wurde, war Sir Kenneth Parsloe der einzige Belastungszeuge, nun ist Inspektor Cromwell von Scotland Yard unterwegs um Parsloe zu warnen, doch er kommt zu spät: Sir Kenneth hatte scheinbar einen Autounfall, oder war es doch Mord?
Inspektor Cromwell beginnt zu ermitteln, inoffiziell wie schon so oft und auch diesmal täuschen ihn seine Vermutungen nicht, nur Beweise gibt es keine und Old Iron muß wieder mal improvisieren. Dieser Fall ist nicht ganz so offensichtlich zu durchschauen wie einige andere Fälle des Inspektors, aber auch hier wird der Leser weitestgehend über Ironsides Ermittlungserfolge im Dunkeln gelassen und erst am Ende löst sich der Fall auf. Durch Victor Gunns recht humorvolle Schreibweise und die witzigen Schlagabtäusche zwischen dem Inspektor und Dr. Trumper ist auf jeden Fall wieder gute Unterhaltung garantiert und der eigentlich recht klare Fall ist hier nicht sofort durchschaubar.
Fazit: der brummige Inspektor Cromwell bietet wieder jeden Menge Lesegenuß und einen spannenden Krimifall, 90°
RolfWamers zu »Victor Gunn: Spuren im Schnee« 15.02.2006
Das war der erste Krimi, den ich in meinem Leben gelesen habe. Entliehen vor über 40 Jahren Sonntags nach der Messe aus der Kirchenbücherei. Auch heute noch meine ich, dass das kein schlechter Einstieg ins Krimi-Genre war. Spannende Unterhaltung für 3 Stunden an einem verregneten Nachmittag - wer so etwas sucht ist bei Victor Gunn bestens aufgehoben.
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