Totentanz von Veit Heinichen

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 bei Zsolnay.
Ort & Zeit der Handlung: Triest, 1990 - 2009.
Folge 5 der Proteo-Laurenti-Serie.

  • Wien: Zsolnay, 2007. ISBN: 978-3-552-05414-1. 315 Seiten.
  • München: dtv, 2009. Übersetzt von Stephan Schad. ISBN: 978-3423211611. 317 Seiten.
  • Hamburg: Jumbo, 2009. Übersetzt von Stephan Schad. ISBN: 978-3833721366. 4 Seiten.

'Totentanz' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

In Veit Heinichens fünftem Kriminalroman mit dem Triestiner Commissario Proteo Laurenti hat dieser einen Sack voll privater Probleme zu lösen. Darüber hinaus beschäftigt ihn die internationale Müll-Mafia, hinter der alte Bekannte stecken, die ihm an den Kragen wollen. Was Laurenti jedoch nicht ahnt: Die Verbrecher besitzen ein einzigartiges Präzisionsgewehr, auf das sogar die Amerikaner scharf sind, da es unliebsame Schnüffler aus größter Distanz erledigen kann. Ein typisch europäischer Fall, bei dem, wie im richtigen Leben, alles ganz anders läuft, als die Protagonisten es geplant haben. 

Das meint Krimi-Couch.de: »Der längste Epilog aller Zeiten?!« 80°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Der ehemalige Verlagsmanager und Wahl-Triestiner Veit Heinichen wird nach bisher vier Romanen um Commissario Proteo Laurenti gerne mit der Amerikanerin Donna Leon verglichen, als praktisch deren Pendant für männliche Leser. Aber der Vergleich hinkt arg: Heinichens Laurenti ist eher ein Raubein, ein Macho mit Familie und Dauer-Affäre, ein Einzelgänger wie Dickkopf. Und Heinichen schreibt besser, lässt die allzu offensichtliche Moralkeule im Waffenschrank und überzeugt durch hochaktuelle, gut recherchierte Hintergründe für seine Plots. Dass Heinichens Romane im Gegensatz zu Leons auch in Italien bestens laufen, ist nur ein weiteres Indiz für seine Klasse. Totentanz, Fall Nr. 5 für Proteo Laurenti, ist Heinichens bester.

Zunächst beginnt der Roman noch sehr gemächlich: Der Sommer in Triest will und will nicht sommerlich sein, Laurentis Liebesglück mit seiner kroatischen Freundin schwindet. Dass er wutentbrannt nach einem Treffen mit ihr ausgerechnet dem neuen Kleinwagen seiner Frau beim Ausparken eine ordentliche Delle verpasst, ist dabei eine der amüsanten Szenen, die Laurentis Charakter verdeutlichen.

Und dann tritt Heinichen aufs Gas, baut fast zeitgleich mehrere Handlungsstränge auf. Mitten in Triest explodiert eine Bombe, was im doch recht verschlafenen Städtchen an der Adria kaum jemand mitbekommt. In einem Technologie-Park findet Industrie-Spionage im großen Stil statt. Schwarzarbeiter vom Balkan überfluten den örtlichen Arbeitsmarkt und eine fast zu Tode geschlagene Journalistin im Gebäude eines osteuropäischen Konsulats heizt die Stimmung richtig auf. Für Proteo Laurenti wird´s brenzlig, führen doch alle Spuren zu alten Bekannten: zu Tatjana Drakic und ihrem Bruderherz, einem der Mächtigen der organisierten Kriminalität des Balkans – noch gut in Erinnerung aus Gib jedem seinen eigenen Tod. Die sich ihre Pläne – Mülltransporte sind durchaus lukrativ – dieses Mal nicht vom Triestiner Commissario durchkreuzen lassen wollen. Sie suchen die finale Lösung. Praktisch, dass Drakics ausgeklügeltes Präzisionsgewehr gerade die Marktreife erreicht hat …

Fast scheint es so, als hätte Veit Heinichen die ARD-Verfilmung seines Romans Die Toten vom Karst richtig gut getan, ja beflügelt. Nach dem nicht sonderlich packenden Einstieg lautet sein Credo: Action, Action, Action. Die Jagd der Drakic-Geschwister auf Laurenti schreit nach einer Pause zum Luft holen und erinnert an eine zeitgemäße Version der 80er-Jahre-Fernsehstaffel Allein gegen die Mafia. Der Twist nach gut zwei Dritteln des Buches – nach dem der mit etwa achtzig Seiten wohl längste Epilog in einem Kriminalroman folgt – zeigt trotz kleinerer Bedenken was dessen Realitätsnähe angeht Heinichens Mut zum Experimentieren. Der Showdown schließlich ist – nun ja – absolut filmreif.

Totentanz ist dank der ruhelosen Action, des netten Twists, putzmunterer Charaktere, bissiger Dialoge und des wie gewohnt brisant-aktuellen Plots Heinichens bester Roman. Veit Heinichen hat gute Chancen, unser »Stamm-Italiener« zu werden.

Lars Schafft, September 2007

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Krug Christine zu »Veit Heinichen: Totentanz« 11.07.2011
ist mein erster heinichen und mein letzter.
nur das ende spannend zu gestalten reicht leider nicht.ein krimi steht und fällt mit seinen hauptfiguren und da kann ich mich der vorherigen nicht so guten kritik einfach nur anschließen-sehr schlichte und ohne raffinesse agierende protagonisten.gut,dass das büchlein so schmal war.
70° von mir
annikaalex zu »Veit Heinichen: Totentanz« 24.09.2007
Es ist immer wieder toll festzustellen, wie unterschiedlich wir doch sind. Selbst in den Fällen, in denen wir Lieblingsautoren haben. Mir hat der, mit Spannung erwartete, sofort erworbene und gelesene Roman gar nicht so (!) gefallen. Laurenti ist wieder toll gezeichnet, die Atmosphäre stimmt und das politische und gesellschaftliche Umfeld ist interessant und für den Kenner präzise. Und doch: Die zentrale Geschichte finde ich nicht stimmig, das Schwesterlein verhält sich reichlich dämlich und, um nur ein Beispiel zu nennen, so viel Aufwand um eine Wunderwaffe, um sie dann zwei Grenzdebilen anzuvertrauen? Nee, irgendwie haben mich die vielen "Merkwürdigkeiten" doch abgelenkt und Spannung reduziert. Jetzt kann ich mich nur auf Nummer sechs freuen.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Nitsch Heinz zu »Veit Heinichen: Totentanz« 12.08.2007
spannend, wie alle Laurenti-Krimis. Topaaktuell und ganz genau recherchiert. Behandelt auch die Probleme unserer Zeit: Illegale, Müllkriminalität, Kunsthandel und Globalisierung. Schon gespannt auf das nächste Buch
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Eva zu »Veit Heinichen: Totentanz« 17.07.2007
Ich hatte schon Gelegenheit den neuen Krimi von Veit Heinichen zu lesen und kann nur sagen: großartig! Meiner Meinung nach ist es der Beste in der Reihe um Proteo Laurenti. Also Leute, ich verrat hier gar nichts sondern sage nur: am 4.8.2008 ab zu Eurem Lieblingsbuchhändler und schnappt ihn Euch! Viel Spaß!
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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