Gib jedem seinen eigenen Tod von Veit Heinichen

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2001 bei Zsolnay.
Ort & Zeit der Handlung: Triest, 1990 - 2009.
Folge 1 der Proteo-Laurenti-Serie.

  • Wien: Zsolnay, 2001. ISBN: 3-552-04995-9. 331 Seiten.
  • München: dtv, 2002. ISBN: 3423205164. 329 Seiten.
  • München: Süddeutsche Zeitung, 2006. Süddeutsche Zeitung Kriminalbibliothek; Bd. 25. ISBN: 978-3866152496. 268 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2007. Gesprochen von Walter Kreye. Gekürzte Lesung. ISBN: 3899032357. 6 CDs.

'Gib jedem seinen eigenen Tod' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Bestechung, Menschenschmuggel und Mord bringen Kommissar Proteo Laurenti im hochsommerlichen Triest ganz schön ins Schwitzen. Triest, eine Stadt, die ein Jahrhundert lang im Windschatten der Weltgeschichte lag, wird durch ihre geografische Lage zur brisanten Schnittstelle zwischen Ost und West, Nord- und Südeuropa, aber auch zur Schnittstelle politischer Verbrechen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Eine traditionsreiche Stadt rückt in den Mittelpunkt« 79°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Triest im Hochsommer 1999. Heiß ist es in der ehemaligen k.u.k.-Stadt an der Adria. Und eigentlich könnte es für Commissario Proteo Laurenti so gemütlich bleiben wie in den vergangenen Jahren. Beschaulich, wie es in einer provinziellen Stadt am Rande Westeuropas nur sein kann. Gemütlich – wenn – ja, wenn der eiserne Vorhang sich nicht gesenkt hätte und Triest sich nicht zum Umschlagplatz von Drogen, Menschen und Hilfsgütern für den Balkan und beinahe zu einer kleinen Metropole gemausert hätte.

Die Gedanken an nachmittägliche Schwimmrunden in den warmen Wassern der Adria kann sich Laurenti spätestens dann abschminken, als eine führerlose Luxus-Yacht an die Küste kracht. Vom Besitzer, einem gewissen Bruno de Kopfersberg fehlt jede Spur.

Ein Unfall? Wahrscheinlich, doch hartnäckige Umzugspläne seiner Frau, der 80. Geburtstag seiner Schwiegermutter, ein allzu ehrgeiziger Volontär in der örtlichen Presse, ein Hai vor der Küste und die Träume seiner Tochter – Miss Triest wäre doch was – lassen Laurenti eh nicht zur Ruhe kommen. Dann folgen zwei weitere Leichen: Eine ukrainisch-stämmige Prostituierte und ihr Bruder, ein Lastwagenfahrer und aus ist es mit den Sommernachtsträumen.

Laurenti ermittelt mit seinem Team und scheut auch nicht davor zurück, seine Mutter zu Spitzelzwecken einzusetzen. Gelegenheit macht Detektive. Als Laurenti schließlich die Fakten und Indizien in Zusammenhang bringt, scheint ein Zufall nahezu ausgeschlossen. Der verschollene de Kopfersberg wurde tatsächlich ermordet – gefesselt hinter seinem eigenen Boot hergezogen und schließlich ertrunken. Motive: reichlich und gar keins.

De Kopfersbergs Im- und Export-Firma TIMOIC erhielt zwar den Auftrag zur Abwicklung der Türkei-Hilfe über Triest. Aber reicht das aus für einen Mord? Natürlich nicht. Doch des Österreichers so verschlossen wie attraktive Partnerin Tatjana Drakic und ihr nicht minder zwielichtig wirkende Bruder Victor erhärten den Verdacht, dass de Kopfersberg Dreck am Stecken gehabt haben muss. Und tatsächlich: Die ermordete Olga Chartow hat ein Tagebuch de Kopfersberg getöteter Ehefrau Elisa und hoch brisante Fotos, die Prominzenz aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft in eindeutigen Posen in de Kopfersbergs Villa zeigen, versteckt.

Mafia, Korruption, Prostitution, Menschenhandel? Der Questore, die Carabinieri, die Guardia Finanzia und Laurentis Polizia Statale planen eine konzertierte Aktion, die den gesamten Ring auffliegen lassen soll …

»Gib jedem seinen eigenen Tod« ist Veit Heinichens Krimi-Debüt als Schriftsteller. Und beileibe ein gelungenes! Es macht einfach Spaß, diesem schon fast zu menschlichen und dauernd schwitzenden Exemplar eines Commissarios durch die wunderschön beschriebene Adria-Stadt zu folgen, ihn bei seinen Wutausbrüchen freundschaftlich zuzulächeln, und ihm bei diesem komplizierten wie realistischen Fall die Daumen zu drücken.

Darüber hinaus schafft es Heinichen, den Leser für die Konflikte zwischen Italien und dem Balkan zu sensibilisieren und eine traditionsreiche Stadt, die lange im Schatten westeuropäischer Belange vor sich hin lebte, in den Mittelpunkt zu rücken. Und das auf erstaunlich exzellente Weise: Man spürt in jeder Beschreibung das Fachwissen des Autors und dessen eigene Lust, in Triest zu leben.

Dass dabei die Krimi-Handlung zeitweise in den Hintergrund rückt, stört deswegen überhaupt nicht. Eher ist der einzige Kritikpunkt an »Gib jedem seinen eigenen Tod« der Wissensvorsprung des Lesers gegenüber den Ermittlern durch so manche Rückblende und den ein oder anderen Perspektivwechsel. Das ist für den aufmerksamen Leser eigentlich überflüssig und macht den Roman eine Spur gemütlicher, als er sein müsste.

Trotzdem: Man darf, man muss auf den nächsten Laurenti gespannt sein, denn Heinichens Debüt zeigt deutlich, dass er sich hinter dem Krimi-Flaggschiff des Zsolnay-Verlags Henning Mankell oder der dank ihrer Brunetti-Romane erfolgreichen Donna Leon keineswegs zu verstecken braucht. Um es mit den Worten Reich-Ranickis auszudrücken: Ich bin froh, dieses Buch gelesen haben.

Lars Schafft, August 2002

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Sophies_Welt zu »Veit Heinichen: Gib jedem seinen eigenen Tod« 29.05.2011
Mir hat der Krimi sehr gut gefallen. Er liest sich gut, ist spannend und macht Freude auf mehr.Triest wird auch schön beschrieben und man kann es sich wirklkich vorstellen, auch wenn man noch nie da war.Die nächsten zwei Krimis sind schon da und werden jetzt mit Vorfreude in Angriff genommen!! Und für mich ist er definitiv anders als Donna Leon!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Conny66 zu »Veit Heinichen: Gib jedem seinen eigenen Tod« 10.08.2009
Mich hat das Buch fasziniert, auch wenn ich etwas länger zum Lesen gebraucht habe. Das hatte aber nichts mit Längen oder dergleichen zu tun...
Es war mein erster Fall mit Proteo Laurenti, und er ist mir schon nach kurzer Zeit sehr ans Herz gewachsen. Nicht nur in seinem Beruf muss er seinen Mann stehen, auch das alltägliche Familienleben, Frau, zwei Töchter, ein Sohn, fordern ihn.
Der Fall selbst spielt in Triest, einer als liebenswürdig beschriebenen Stadt, die mit vielerlei Kriminalität, Prostitution, Menschenhandel, organisiertes Verbrechen zu kämpfen hat!

Es war nicht blutig, dafür aber eine wunderbare Beschreibung der Gegend!
Ich bin froh, mir alle Bücher der Reihe besorgt zu haben, und freue mich schon auf den nächsten Fall von und mit Proteo Laurenti!


Ein besonderes "Schmankerl" war für mich, dass ich letztes Jahr Herrn Heinichen bei einer Lesung kennen gelernt habe, sodass ich Commissario Laurenti mit seiner Person in Verbindung gebracht habe! Ein äußerst sympathischer Autor!
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Susannah zu »Veit Heinichen: Gib jedem seinen eigenen Tod« 21.03.2009
Triest, um die Jahrtausendwende. Comissario Proteo Laurenti, Familienvater und Leiter der Kriminlapolizei, hofft im brütend heißen Triest auf einen ruhigen und arbeitsarmen Sommer. Schließlich tut etwas Ruhe gut, und dass seine Tochter Livia an einem Schönheitswettbewerb teilnehmen will ist stressig genug. Doch die Ruhe ist dem COmissario nicht vergönnt: ein aufgelaufenes Schiff, dessen Eigentümer in den ersten, bisher ungelösten Kriminalfall Laurentis verstrickt war. Gleichzeitig eine ominöse Firma, die die Hilfe für Erdbebeopfer in der Türkei organisieren soll. Und ein nerviger Journalist, der die Polizei Triests durch den Dreck zieht. Doch das, was da sein Unwesen treibt, ist größer, als Laurenti es ahnen kann ...

Bella Italia! Die Krimis in der ARD mit Henry Hübchen als Comissario Laurenti mag ich sehr - da waren die literarischen Vorlagen ein Muss! Und Veit Heinichen macht das klasse: er, der selbst in Triest lebt, beeindruckt durch eine sehr lebensnahe Beschreibung dieser Stadt (ich möchte dort mal Urlaub machen!) und durch das italienische Flair, das er einfangen kann. Und das nicht zuletzt bei seinen Figuren: Proteo Laurenti ist der Prototyp des etwas reiferen, italienischen Machos: ein Charmeur, mit einem frechen Mundwerk, aber dennoch unheimlich charismatisch und liebenswert. Eine glaubwürdige Figur, die sich mit privaten Problemen ebenso wie mit ihrem Job herumschlagen muss. Auch die anderen Figuren sind schön gezeichnet und erhalten Profil. Die Story kommt zunächst etwas langsam in Gang, wird dann aber durch viele Verstrickungen, einen schönen Showdow und eine kluge Auflösung immer besser! Mehr davon, bitte!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
hosast71 zu »Veit Heinichen: Gib jedem seinen eigenen Tod« 24.09.2008
Ich kann die negativen Kommentare nicht ganz teilen..gerade der Erzählstil macht dieses Buch so einmalig und die Spannung ist durchaus da nur nicht so hektisch getrieben, mich hat Veit Heinichen mit diesem Buch begeistert.
Es werden wunderbar die Stimmung der handelnden Personen dargestellt und auch Punkte angesprochen die gesellschaftskritisch sind und nicht immer dem Mainstream entsprechen
detno zu »Veit Heinichen: Gib jedem seinen eigenen Tod« 23.06.2008
Ein stimmiger Plot, ein flüssiger Schreibstil von Veit Heinichen und ein Commissario, der schon einmal sein durchgeschwitztes Oberhemd auf der Fahrt zu einem wichtigen Treffen gegen ein frisch gekauftes Hemd wechselt - und dann scmerzhaft feststellt, dass er eine Stecknadel übersehen haben muss.
Ein Typ, unter dem seine Familie und die Kollegen leiden müssen, der aber doch in seiner Art liebenswürdig ist.

Ein kurzweiliges Buch mit Appetit auf Band 2.
mase zu »Veit Heinichen: Gib jedem seinen eigenen Tod« 17.12.2007
Sehr gemächlich geht es im heissen Triest zu. Der Protagonist sehr sympathisch und die Story ist gut gegliedert. Der Einstieg dauert für meinen Geschmack auch für den Beginn einer neuen Reihe etwas zu lange, aber der nette Erzählstil liess mich durchhalten.
Edgar Troiza zu »Veit Heinichen: Gib jedem seinen eigenen Tod« 31.05.2007
Ich denke, da wird sich für mich ein neuer Autor zum Begleiter machen, das zweite Buch liegt schon bereit. Laurenti und seine Familie legen ein Fundament, auf dem man sich durch ein sommerlich heißes Triest gern mitnehmen läßt. Es könnte alles etwas leichter sein, wenn nicht die Gier nach Geld und Macht auch vor Hinrichtungen nicht Halt machen würde. Die Tonart des Romans ist aber nicht düster, nicht an jeder Ecke lauert ein Grauen, denn getragen wird die Geschichte vom sympathisch-schwitzenden Ermittler Laurenti, der mit der nichtversicherten Vespa seines Sohnes auch schon mal das Heim verlassen vorfindet und ein Expressnickerchen einlegt.
Falcon zu »Veit Heinichen: Gib jedem seinen eigenen Tod« 11.05.2005
Herrn Professor's Meinung kann ich nicht teilen, aber Schwächen hat der Roman sicherlich. Zuerst aber mal ein Lob. Heinichen macht Reiselustig. Seine Beschreibungen von Triest verführen zu einer Italienreise. Bessere Reiselitertur für Triest gibts wohl kaum. Auch erschafft er sympatische Hauptfiguren, die einem sofort ans Herz wachsen.
Schwächen hat der Roman im Spannungsaufbau. Die eingefügten Rückblenden wollen nicht so recht passen. Zudem scheint mir die juristische Seite des Falles sehr mangelhaft recherchiert. Da wurde einiges zurechtgebogen, um ein Ende zu finden. Ich bin trotzdem gespannt wie es mit Laurenti weitergeht und dies ist immer ein gutes Zeichen für die Qualität eines Buches.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Andrea zu »Veit Heinichen: Gib jedem seinen eigenen Tod« 27.03.2005
Ich persönlich finde, dass dieses Buch zwar nicht mit seinen Vorgängern mithalten kann, es jedoch auf jeden Fall Lob verdient. Obwohl anzumerken wäre, dass es an gewohnter Spannung fehlt und das Buch etwas langatmig erscheint.
Chiara zu »Veit Heinichen: Gib jedem seinen eigenen Tod« 14.10.2004
Ich bin eine Proteo Laurenti fan!
Ich habe gelernt die anderen buchen aber ich habe nicht "Gib jedem seinen eigenen Tod" an italienische gelesen. Konnen Sie wo ich can es finden? Danke sehr!

Chiara - triestine auswanderin

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