Tödliche Worte von Val McDermid

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 unter dem Titel The torment of others, deutsche Ausgabe erstmals 2005 bei Knaur.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 4 der Tony-Hill-und-Carol-Jordan-Serie.

  • London: HarperCollins, 2004 unter dem Titel The torment of others. 390 Seiten.
  • München: Knaur, 2005. Übersetzt von Doris Styron. ISBN: 3-426-62912-7. 524 Seiten.
  • Augsburg: Weltbild, 2005. Übersetzt von Doris Styron. 524 Seiten.
  • München: Knaur, 2008. Übersetzt von Doris Styron. ISBN: 978-3-426-50250-1. 524 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2009. Gesprochen von Anneke Kim Sarnau. gekürzt. ISBN: 3837100839. 4 CDs.

'Tödliche Worte' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Auf einer blutgetränkten Matratze wird in grotesk verrenkter Haltung die Leiche einer Prostituierten gefunden. Die Szene erinnert bis ins Detail an eine Mordserie, die zwei Jahre zurückliegt und mit einem Schlag aufhörte, als Derek Tyler gefasst wurde. Aber Tyler kann das neue Opfer eigentlich nicht getötet haben. Er sitzt hinter Gittern im Hochsicherheitstrakt einer psychiatrischen Haftanstalt und spricht mit niemandem ein Wort. Doch seine jahrelange Erfahrung als Profiler sagt Tony Hill, dass es nur Tyler gewesen sein kann. Detective Chief Inspector Carol Jordan glaubt das nicht. Ihr Team startet eine gewagte Undercover-Action, um den Killer zu stellen. Und das wird Carol noch bereuen …

Das meint Krimi-Couch.de: »Grundsolide Hochspannung mit Cora-Effekt« 75°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Seit das ZDF eine Reihe in Anlehung an Val McDermids Reihe um den Psychologen Dr. Tony Hill und die Polizistin Carol Jordan zeigt, dürfte sich die Zahl der Fans der Schottin um ein Vielfaches erhöht haben. »Lady-Thriller«. Diesen Stempel bekam die Serie aufgedrückt und auch wenn die Folgen inhaltlich nicht viel mit McDermids Büchern gemein haben – ganz unpassend scheint diese Bezeichnung nicht, legt die Autorin in Tödliche Worte doch erheblichen Wert auf das hochkomplizierte Zusammenleben der Geschlechter und noch viel mehr auf das wahrscheinlich noch hochkompliziertere Innenleben ihrer weiblichen Artgenossen.

Vorweg: Nein, ich gehöre nicht zu denjenigen, die einem neuen Hill/Jordan-Roman mit Herz und Bangen entgegensehnen. Eher das Gegenteil ist der Fall. Val McDermid hatte ich zwar live erlebt, vor Tödliche Worte allerdings noch nichts aus ihrer Feder gelesen. Und auf spätpubertäres Balzverhalten zwischen Leichenschauhaus und Kommissariat kann ich ebenfalls gut und gerne verzichten. Offensichtlich keine guten Voraussetzungen, denn am Anfang tu ich mich schwer mit McDermids Neuestem.

Klar, im vierten Teil einer Reihe verbringt man als Autorin nicht mehr viel Zeit damit, seine Charaktere groß einzuführen. Beschränken wir uns an dieser Stelle entsprechend auf das Nötigste. Dr. Tony Hill ist Psychologe, Spezialgebiet Profiling. Darin ist er nachweisbar gut und gefällt bedeutend besser als akademische Tätigkeiten. Auf der anderen Seite haben wir Detective Chief Inspector (taff, taff) Carol Jordan, die momentan allerdings gar nicht mehr so taff ist: Im letzten Fall musste sie in einer höchst brisanten Aktion einen Undercover-Lockvogel spielen, alles ging nach hinten los und sie wurde vergewaltigt.

Jack the Ripper, here we come

Hill und Jordan sind ein eingespieltes Team und Experten auf ihrem Gebiet, weswegen es nun weniger verwundert, dass im nordenglischen Bradfield Not am Mann bzw. an der Frau ist: Neben einer Reihe von Kindesentführungen sorgt ein Prostituiertenmörder für Aufruhr, über dessen Vorgehensweise wir lieber den Mantel des Schweigens hüllen. Mrs. McDermid muss schreckliche Alpträume haben. Kurz und gut: Eine Taskforce wird eingerichtet, deren Leitung, man ahnt´s, niemand wirklich besser übernehmen könnte als Carol Jordan. Und Unterstützung psychologischerseits gibt´s auch, in Form von Mr. Tony Hill. Jack the Ripper, here we come!

Diesmal soll der Mörder allerdings auch für Profiler Hill eine verdammt harte Nuss darstellen: Seine Taten gleichen genau denen eines verurteilten Killers – welcher seit Jahren in strenger Verwahrung sitzt und zudem beharrlich schweigt. Nachahmungstäter bei Sexdelikten? Sollte es in den Augen Hills nicht geben dürfen. Aber der Mörder schlägt nochmals zu, die Hektik steigt und Carol Jordan muss auf Druck von höchster Stelle verantworten, dass eine ihrer Mitarbeiterinnen den Lockvogel für Jack the Ripper spielen muss. Ein böses Dejà-vu, dass sie und den Leser auf den letzten 200 Seiten in Atem hält.

Ein eindeutiger Fall von »ja gut, aber«

Der Plot ist ein ganz eindeutiger Fall von »ja gut, aber«. Ja gut, Jack the Ripper wird namentlich nirgends erwähnt. Aber ein Serienmörder, der sich auf Prostituierte spezialisiert hat, ist nun alles andere als eine originelle Idee. Ja gut, möchte man meinen, ist dennoch in der Regel spannend und eine gute Basis für einen Thriller. Aber als roter Faden dann wieder doch zu plump, weswegen Val McDermid eine ganz pfiffige Idee hatte: Der Killer hört eine Stimme, die ihm die Befehle erteilt. Die gleiche Stimme übrigens, wie auch der Killer, der sein Dasein in der geschlossenen Anstalt fristet. Und der nach gleichem Schema handelt. Das ist der Clou an Tödliche Worte, das Paradoxon, das die Autorin für Tony Hill bereit hält. Er muss es gewesen sein, weil Sexualdelikate nunmal nicht kopiert werden. Er kann es nicht gewesen sein, weil er in sicherer Verwahrung ist. Nicht schlecht. Aber wie war das mit den Kindesentführungen? Ja gut, die haben damit gar nichts zu tun.

Durch ständige Perspektivwechsel zwischen denen des Mörders, Carol Jordans und Tony Hills entfacht McDermid einen kleinen Rausch des Lesetempos. Handwerklich grundsolide erzählt sie einen Thriller, der auf den ersten Blick nach »Nichts Neues aus Bradfield« aussieht, sich aber doch sehr schnell als sehr fesselnd entpuppt. Daran gibt´s nichts zu deuteln und nicht viel zu kritisieren. Val McDermid versteht ihren Job und hat dafür gesorgt, dass Ihr Rezensent die letzten 300 Seiten am Stück gelesen hat.

»Cora« Jordan?

Die letzten 300 Seiten? Jaha, Tödliche Worte ist eine richtige Schwarte von über 500 Seiten und da der Plot dann doch nicht ganz so viel nach einiger Filterung ergibt, kommen wir schlussendlich dazu, warum dieser Roman das Etikett »Lady-Thriller« durchaus verdient hat und zu den Stellen, die Ihren Rezensenten eher an »Cora« Jordan erinnert haben. Es trieft an vielen Stellen dann leider doch zu viel an gebrochenem Herz, an nicht erwiderter Liebe und Klischee. Bevor McDermid Carol Jordan zu lange an der Vergewaltigung leiden lässt, zaubert sie mir nichts dir nichts einen George-Clooney-Geologen aus dem Hut, der die Ermittler nicht nur auf die entscheidende Spur der Kindesentführer, sondern Ms. Jordan auch zurück zu ihrer Weiblichkeit führt. Was ein Held! Und auch noch charmant! Und Biker. Der gute Tony, der nie als potenzieller Lover Wahrgenommene, beobachtet das Techtelmechtel natürlich aus dem Fenster und beweist eindrucksvoll, dass er mindestens genauso zickig sein kann wie Jordan nach ihrem allabendlichen Weißwein.

Genug polemisiert. Genau wegen Nebenschauplätzen wie diesen werden Fans diese Reihe lieben. Und mit Sicherheit auch von Tödliche Worte nicht enttäuscht werden. Leser, die vor allem einen spanndenen Thriller erwarten, haben ausreichend Seiten zum Überblättern und bekommen dennoch packende und recht kluge Unterhaltung geboten.

Unterm Strich erfindet Val McDermit mit Tödliche Worte den Serialkiller-Roman mit Sicherheit nicht neu – für ein paar Stunden spannender Lektüre reicht´s aber allemal. Und Fans vom Hill-&-Jordan-Team werden ihn eh verschlingen.

Ihre Meinung zu »Val McDermid: Tödliche Worte«

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Biggi zu »Val McDermid: Tödliche Worte« 07.03.2015
Auch das 4. Werk der Reihe um Carol und Tony ist wieder klasse.

Spannend und mitreissend. Top und lesenswert. Gestört hat mich lediglich der Motorrad-Gigolo. Da tat mir Tony schon ein wenig leid. Auch den beginnenden Alkoholkonsum von Carol finde ich unnötig.

Habe mir gleich das 5. Buch "Schleichendes Gift" der Hill/Jorden- Reihe besorgt.
pankip zu »Val McDermid: Tödliche Worte« 07.04.2013
Ich habe mir dieses Buch als Hörbuch zugelegt. Ich muss gestehen, es war das 1. Werk von Val McDermic welches ich gehört habe. Ich war begeistert von der "Sprache" und gefesselt vom Inhalt - und das vom Anfang bis zum Ende. Für mich ein absolut gelungenes Buch. Ich werde die Reihe von Toni Hill & Carol Jordan auf jeden Fall der Reihe nach lesen/hören.
Sagota zu »Val McDermid: Tödliche Worte« 28.05.2012
Aus der Hill/Jordan-Reihe der Autorin erst das zweite Buch (nach Vatermord), da ich mich auch rückwärts lesend durch diese Reihe lese - aber genauso überzeugend wie "Vatermord": Ein Werk für LiebhaberInnen des sehr intelligent geschriebenen, in die Tiefe gehenden Psychothrillers - mit für mich gutem Plot! Auch eine Prise Sozialkritik (Korruption) steckt in diesem Werk - nach 10 Jahren Gewerkschaftsarbeit sollte das auch durchaus sein: ein lesenswerter Thriller mit spannenden Lesestunden. Die Selbstgespräche von Hill finde ich amüsant dargestellt und trotz seiner großen Empathiefähigkeit, die ihn zu einem guten Profiler werden lassen, auch die weniger positiven Merkmale seiner Persönlichkeit - soziale Kompetenzen, die ihm eindeutig fehlen (was er selbst weiß), wobei er sicher kein Einzelschicksal darstellt... - ebenfalls gesellschaftlich relevant... von mir für diesen subtilen Psychothriller gibt es 92 Punkte und ein -empfehlenswert-
markus zu »Val McDermid: Tödliche Worte« 27.02.2012
Ich kann mich der Kritik des KC-Kritikers voll und ganz anschließen, mit der Abweichung, dass ich die letzten 80 Seiten mit Spannung gelesen habe. Auch ging mir Val McDermids pseudometaphorische Sprache mit den vielen ach so bildhaften Vergleichen manchmal wirklich auf die Nerven. Und die Charaktere sind doch etwas klischeehaft.
Eher was fürs Fernsehen - da wäre die Umsetzung sicher spannend und kurzweilig, wie immer bei der BBC-Reihe um Tony Hill und Carol Jordan.
JaneM. zu »Val McDermid: Tödliche Worte« 15.06.2009
Positiv an "Tödliche Worte" ist die gute Grundidee, der Taten nach der Art eines Täters, der eigentlich seit Jahren einsitzt. Der Kritik von Lars Schafft kann ich mich nicht anschließen: nur die Tatsache, dass es sich bei den Opfern um Prostituierte handelt, macht noch keine Parallele zu Jack the ripper aus. Und das Motiv ist ja letztlich auch ein ganz anderes.
Die Geschichte um Carol Jordans eigenes Trauma fand ich allerdings auch ein wenig dick aufgetragen, obwohl die Charaktere insgesamt gut dargestellt und alles andere als nur heldenhaft sind.
Das größte Manko aus meiner Sicht: Vorhersehrbarkeit. Es war relativ schnell klar, wer hinter den Taten steckt und die falschen Fährten zu "dann doch nicht Tätern" werden zu offensichtlich gelegt.
Maria-Luise zu »Val McDermid: Tödliche Worte« 07.01.2009
Dieses Buch hat mir sehr gut gefallen. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und war froh, dass ich Ferien hatte.
Die Handlung entwickelt sich sehr spannend. Die einzelnen Charaktere im Ermittlungsteam sind gut beschrieben.
Da ich die Reihe von hinten nach vorn lese, werde ich michh mal nach den ersten Büchern der Reihe umsehen.
Mone 119 zu »Val McDermid: Tödliche Worte« 14.12.2008
Ich habe alle Hill/Jordan Romane gelesen und auch dieser überzeugt.Nicht unbedingt nötig die Romanze mit dem Motorrad fahrenden Geologen. Die Spannung wird bis zur letzten Seite aufrecht erhalten und ich freue mich schon auf den nächsten Hill/Jordan Fall: Scleichendes Gift. Ab 14.12.08 als Taschenbuch erhältlich.
Dani zu »Val McDermid: Tödliche Worte« 27.04.2008
Eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Bis jetzt habe es nur wenig Bücher geschafft, auch nur annähernd an Tötliche Worte heranzukommen. Kann es jedem empfehlen, der gerne wirklich gute Thriller liest.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Silke zu »Val McDermid: Tödliche Worte« 22.02.2008
Dieses Buch ist Val McDermid ausgezeichnet gelungen. Es war von Anfang bis Ende sehr spannend und ich konnte es kaum aus der Hand legen.
Die Geschichte war mal etwas anderes und es zeigte, wie schwierig es sein kann zu einem anderen Menschen, manchmal auch nur mit Tricks, durchzudringen. Ausgezeichnet muß man gelesen haben als Val McDermid Fan.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Karl-Georg zu »Val McDermid: Tödliche Worte« 16.02.2008
Val McDermid hat mit Tödliche Worte ein Buch geschaffen, von dem ich von der ersten Seite an begeistert war. Vertraute, präzise gezeichnete Charaktere, agierend in einem spannenden und unterhaltsamen Plot, der zwar Raum für Spekulationen lässt, den Leser jedoch bis kurz vor Schluss auf falsche Fährten lockt.
Einzig den Charakter und die Motive des Täters finde ich eine Spur zu überzeichnet, was jedoch im Hinblick auf den Rest nicht wirklich ins Gewicht fällt.
Fazit: Absolut empfehlenswert - 9 Punkte!

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