Schleichendes Gift von Val McDermid

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel Beneath the bleeding, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Knaur.
Folge 5 der Tony-Hill-und-Carol-Jordan-Serie.

  • London: HarperCollins, 2007 unter dem Titel Beneath the bleeding. 544 Seiten.
  • München: Knaur, 2008. Übersetzt von Doris Styron. ISBN: 978-3-426-50072-9. 544 Seiten.
  • Augsburg: Weltbild, 2009. Übersetzt von Doris Styron. ISBN: 978-3828993747. 537 Seiten.
  • [Hörbuch] München: DerHörVerlag, 2008. Gesprochen von Christian Berkel. ISBN: 978-3867173056. 6 CDs.

'Schleichendes Gift' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Bradfield steht unter Schock. Zuerst wird der Star des Erstliga-Clubs Bradfield Victoria vergiftet. Kurz darauf kommen bei einem Bombenanschlag auf das Fußballstadion Dutzende von Menschen ums Leben. Die Wahnsinnstat eines Terroristen? Oder vielleicht etwas noch Unheimlicheres? Carol Jordan und ihr Major Incident Team (MIT) stehen unter großem Druck, denn die Boulevardpresse wartet mit immer neuen Spekulationen auf und heizt die Stimmung in der Öff entlichkeit an. Aber Dr. Tony Hill liegt nach der Attacke eines Psychopathen, der ihn mit einem Beil schwer verletzte, im Krankenhaus. Als ein zweiter Giftmord geschieht, müssen die beiden alles daransetzen, einen Killer zu stellen, über den sie so gut wie nichts wissen …

Das meint Krimi-Couch.de: »Giftmörder und Bombenleger« 76°

Krimi-Rezension von Eva Bergschneider

Drei Jahre haben die Fans der Jordan/Hil-Reihe auf den fünften Teil Schleichendes Gift (Beneath the Bleeding) warten müssen. Zu welchen Abgründen der Seele wird Val McDermid ihre Leser dieses mal führen? Und wie wird sich die private Beziehung der Ermittlerin und des Profilers weiter entwickeln?

Im November-Podcast der Krimi-Couch verriet die Schottin, dass es um Giftmord, Terror und Fußball gehen wird.

Ein Fußballstar wird vergiftet

»Ich weiss, es klingt verrückt, aber haben Sie an eine Rizinvergiftung gedacht?«

Mit dieser Diagnose, die die Assistenzärztin Elinor Blessing ihrem Chef mitteilt, besiegelt sie das Schicksal des Top-Spielers der ersten Mannschaft von Bradfield Victoria. Robbie Bishop hat gegen Rizin keine Chance, denn es gibt es keine Therapie. Chief-Inspektorin Carol Jordan ermittelt in diesem Giftmord bereits, bevor das Opfer verstorben ist und tritt dennoch lange auf der Stelle. Bishop war ein netter Kerl und führte ein Leben ohne Skandale. An dem Abend, bevor der Fußballspieler krank wurde, traf er einen ehemaligen Schulkameraden in der Disco. Ist Robbies Mörder ein Ehemaliger der Harriestown High School?

Die Bombe im Stadion

In der Nähe der VIP-Lounge des Victoria Park Stadions explodiert im ersten Premier League Spiel nach Bishops Tod eine Bombe, die über 30 Menschen tötet. Die Antiterroreinheit CTC übernimmt die Ermittlungen. Man glaubt an einen fundamentalistisch- islamistischen Hintergrund, weil kurz vor der Explosion ein junger Pakistani Zugang zu dem Block erhielt, um die Elektronik zu reparieren. Mitten in der verzweifelten Panik rettet Tom Cross viele Verletzte aus dem Blutbad. Später wird der Ex-Polizist selbst in die Klinik eingeliefert, die Ärzte stellen bei ihm die Symptome einer Vergiftung durch Digitalis fest.

Tony und Carol

Nein, die Polizistin und der Psychologe finden immer noch nicht zueinander, auch das verriet Val McDermid im Interview. Vielleicht bleibt ihre Beziehung gerade deswegen so spannend.

In Schleichendes Gift ermitteln beide etwas unabhängiger voneinander, als man das aus den anderen Bänden der Reihe gewohnt ist. Tony liegt im Krankenhaus nachdem ein Patient der psychiatrischen Klinik mit der Axt sein Knie zertrümmert hat. Ausgerechnet jetzt taucht seine kaltherzige Mutter auf und erweckt Erinnerungen, die er eigentlich lieber ruhen lassen würde. Carol hat ebenfalls mit sich selbst genug zu tun. Sie leidet zunehmend darunter, dass Personalverantwortung auch Schuldgefühle mit sich bringt, wenn jemandem aus ihrem Team etwas passiert. Diesen Frust versucht sie, mit Alkohol abzubauen und büßt manchmal ihr Urteilsvermögen ein.

Carols und Tonies Zusammenarbeit funktioniert nach dem bewährten Muster. Carols Team ermittelt die Fakten, der Profiler ergründet die Psyche der Täter. Tony wirkt in Schleichendes Gift besonders sympathisch, weil er im Umgang mit seiner Mutter Nerven zeigt und trotz seiner Verletzung unnachgiebig Mörder jagt. Selbstbewusst verfolgt er auf eigene Faust Spuren, die Carol bereits abgeschrieben hat und trifft genau ins Schwarze.

Kontrastreiche Themen

Val McDermid verknüpft in Schleichendes Gift ein klassisches und ein brandaktuelles Verbrechensmotiv. Selten wird in einem zeitgenössischen Krimi mit Gift gemordet, denn es ist weder spektakulär, noch blutig. Diese Merkmale treffen eher auf das zweite Thema, die Bombenexplosion im Stadion zu.

So gegensätzlich wie die Fälle, so unterschiedlich sind auch die Mittel, mit denen die Autorin Spannung und Atmosphäre erzeugt. Während der Giftmörder unantastbar im Hintergrund zu lauern scheint, verfolgt der Leser jedes Detail der Planung des Attentats. Am Ende verblüfft die Autorin in zweifacher Hinsicht. Die eine Lösung schien greifbar nah zu sein, die andere hätten wohl die Wenigsten überhaupt in Betracht gezogen.

Die häufigen Schauplatzwechsel sorgen für Abwechslung und Energie, unnötige Längen sucht man in Schleichendes Gift vergeblich. Jedoch bleibt bei dem hohen Tempo viel von der gewohnten atmosphärischen Dichte auf der Strecke, worunter vor allem die Rahmenhandlung mit den beiden Hauptprotagonisten leidet. Wer tiefgründige Momente und entscheidende Signale für ihre Beziehung erwartet, muss sich ganz bis zum Ende gedulden.

Alles in allem hat Val McDermid mit einer interessanten Kombination von Verbrechen viel gewagt und Einiges gewonnen. Nicht oft wird man so elegant getäuscht und nachhaltig gefesselt, ohne das immer wieder Blut fließen muss.

Eva Bergschneider, Dezember 2008

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Leoni zu »Val McDermid: Schleichendes Gift« 24.05.2015
Hat mich nicht vom Hocker gerissen.
Hab's als Hörbuch gehört und man muss schon sehr aufpassen, um den Faden nicht zu verlieren.
Es werden zwei Handlungsfäden vermixt:
zwei Leute im Krankenhaus, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben - zwei Fälle.
Nerviges Beziehungsgerangel.

Reichlich platte Motive - und sehr grob geschnitzte Täter.

Und: Warum macht sich jemand die Mühe, jedes Mal ein anderes Gift zu verwenden, wenn er noch genug vom alten hat?

Alles nicht so recht plausibel.

Meiner Ansicht nach wird der Autor überbewertet.
Biggi zu »Val McDermid: Schleichendes Gift« 24.03.2015
Wer die Reihe um Tony Hill/Carol Jordan chronologisch liest, der ist beinahe an der Entwicklung/Beziehung der beiden mehr interessiert an an dem eigentlichen Fall. So zumindest geht es mir. Auch Paula McIntyre entwickelt sich super. Da kann die eigentliche Story ruhig mal schwächeln.

Mir gefällt der charakterliche Tiefgang der Charaktere immer mehr.

Wem es überwiegend um Tony und Carol geht, findet dieses Buch wieder mal klasse - ein reiner Thrillerliebhaber wird es aber eher nicht so toll finden.

Für ich ist es ein tolles, gelungenes Werk.
Markus zu »Val McDermid: Schleichendes Gift« 21.01.2013
Spannend war das Buch nicht, und die Charaktere werden wieder einmal nicht besonders tiefgründig gezeichnet. Warum lande ich immer wieder bei den Romanen dieser Autorin? Ich glaube, daran ist die deutlich packendere TV-Serie schuld.
McDermids mitunter reißerischer und unnötig blumiger Sprache merkt man zu häufig an, dass sie mal Journalistin war. Geschmackssache, aber mein Fall war es nicht, ich habe bestimmt (mit Unterbrechungen, weil ich einfach mal was zwischendurch brauchte, was ich gern las) für die Lektüre zwei Monate gebraucht. Schade!
Leollo zu »Val McDermid: Schleichendes Gift« 21.08.2011
Das ist ein bischen zu viel des Guten. Die Dame Autorin will hier ihre Leserschaft auf den Arm nehmen. Zwei total unglaubhafte Storys. Die gute Carol wird zum lamentierenden und saufenden Frustriertchen (die Autorin ist lesbisch, quasi emanzipiert). Hill hat jetzt Gesichte, so unerklärlich werden seine Intuitionen (Die Autorin vorenthält uns nun vollends die Quellen aus denen Hill schöpft.) Und wie passend, bekommt der arme Irrenarzt auch noch eine Knieverletzung von einem Irren verpasst, um die Autorenerfahrungen ihrer Knieoperationen zu verarbeiten. Man fragt sich, ob Madam überhaupt noch mit Lektoren zusammen arbeitet. Sie bedankt sich bei sehr vielen Leuten, auch bei ihrem "Team". Sie sollte vor dem Druck ihrer Bücher lesen, was das Team geschrieben hat.
NIE WIEDER MCDERMID! ( Habe ich aber schon nach der Moorleiche gsagt!)
Marv zu »Val McDermid: Schleichendes Gift« 26.04.2010
'Schleichendes Gift', der 5. Band der Hill/Jordan - Reihe und dementsprechend mit vielen Referenzen auf Vorbände. Da ich augenscheinlich nicht mehr alle parat habe, war zumindest der Alkoholkonsum von Jordan etwas irritierend. Die Hill/Jordan Reihe tendenziell eher der stärkere Zweig des Werkes von McDermid schwächelt nach 'Ein kalter Strom' erneut.
Zwei Handlungsstränge beginnen parallel, ein Giftanschlag auf einen Fußballer und ein Attentat auf ein Fußballstadion. Während in vielen Romanen mit zwei oder mehreren parallelen Handlungssträngen, diese erst wenig miteinander zu tun haben um dann eine wie auch immer geartete Abhängigkeit zu bekommen, geht McDermid hier einen gänzlich anderen Weg und führt den Leser und Teile des Ermiittlerteams auf eine falsche Spur. Dennoch hätte die Fokussierung auf einen Strang und eine bessere Erläuterung und Ausarbeitung der Motive dem Roman gut getan. Dennoch ist 'Schleichendes Gift' durchaus spannend und unterhaltsam zu lesen. Definitiv kein Highlight, aber lesenswert als Lektüre zwischendurch.
Krimikäfer zu »Val McDermid: Schleichendes Gift« 17.10.2009
ich liebe die reihe um carol und tony und bei jedem buch steigt die spannung, ob es nun mal etwas mit den beiden wird, ich finde alle teile sehr spannend, allerdings ist das letzte "schlechende gift" ein klein wenig, tja spannungsloser.

wann wird denn "the fever of the bone" in deutsch erscheinen? konnte dazu nix finden.
Moschi zu »Val McDermid: Schleichendes Gift« 28.06.2009
McDermid wie man sie kennt und mag; ein guter Krimi in bewährter britischer Tradition.
Es macht einfach Spaß diese Hill/Jordan Fälle zu lesen und die logischen Täterprofile von Tony Hill nachzuvollziehen.
Gestört hat mich der (unnötige) Auftritt von Hills Mutter, der (nicht erklärte) Alkoholkonsum von Carol Jordan und die überflüssige Beschreibung verschiedener sexueller Praktiken, die in keinem Zusammenhang mit der Handlung standen.
Fazit: Zwar nicht der beste Roman der Reihe, aber dennoch empfehlenswert.
Bjoern zu »Val McDermid: Schleichendes Gift« 14.05.2009
Ich habe fast jedes Buch v. McDermind gelesen u. jedes Buch aus der Tony Hill Reihe. Auch das neuste Werk ist wieder recht gut gelungen. Tonys Schlussfolgerungen sind immer wieder spannend zu lesen u. die Frage: Kommen die beiden nun endlich zusammen ist natürlich auch immer so ein Thema. Der Kirmi ist grundsolide, das Motiv hat einen nicht vom Hocker aber was ich störend empand ist die gehörige Portion "platter" Sex-Thema. Da geht es um Dildos, Vibratoren, um Anal-Verkehr etc. Nix gegen eine gewisse Prise Sex in Büchern, aber nicht in solch platter Form!
Patrick zu »Val McDermid: Schleichendes Gift« 13.02.2009
Gut gefiel mir der verständliche Schreibstil McDermids. Die Charaktere sind allerdings recht eindimensional, zum Teil überzeichnet, und ihr Verhalten voraussehbar. Die Motivlage der Täter wird m. E. unzureichend deutlich und die Täter machen einfache, vermeidbare Fehler, so dass DCI Jordan, Dr. Hill und Co. sehr viele (wenn zum Teil auch verwirrende) Spuren finden können.
Val McDermid versteht zweifellos ihr Handwerk. "Schleichendes Gift" ist durchaus spannend, ohne aber dabei große Maßstäbe zu setzen. Nette Unterhaltung, not more, not less.
Angel-128 zu »Val McDermid: Schleichendes Gift« 26.01.2009
Der Satz von CoCo "Bücher mit bekannten Charakteren zu lesen ist wie Heimkommen" trifft auch auf mich zu!

Meine Erwartngen an Fall Nr. 5 von Holl und Jordan wurden erfüllt. Es stimmt zwar, dass die Spannung erst zu Ende des Buches aufkommt, aber dies nimmt dem Buch meiner Meinung nach nichts.

Ich freue mich schon auf Fall Nr. 6 der beiden!

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