Bernstein-Connection von Uwe Klausner

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 bei Gmeiner.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin, 1950 - 1969.
Folge 3 der Tom-Sydow-Serie.

  • Meßkirch: Gmeiner, 2011. ISBN: 978-3839211137. 421 Seiten.

'Bernstein-Connection' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Berlin, im Juni 1953. In unmittelbarer Nähe von Schloss Bellevue wird eine männliche Wasserleiche entdeckt. Kurz darauf wird das Grab des unlängst bestatteten Geschäftsmannes Hans-Hinrich von Oertzen auf makabere Art und Weise geschändet. Alles nur Zufall? Keineswegs. Hauptkommissar Tom Sydow findet heraus, dass die beiden Männer Mitglieder einer streng geheimen Sondereinheit der SS waren, deren Aufgabe kurz vor Kriegsende darin bestand, das legendäre Bernsteinzimmer vor der heranrückenden Roten Armee in Sicherheit zu bringen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Bei Klausner nichts Neues« 62°

Krimi-Rezension von Stefan Heidsiek

Bernstein-Connection, den dritten Fall des Berliner Kriminalkommissars Tom von Sydow, akkurat zu beurteilen, ist wahrlich kein leichtes Unterfangen, denn während Autor Uwe Klausner in Punkto temporeiche Unterhaltung seine Aufgaben wieder gemacht hat und sich sein Werk in manchen Passagen sogar recht kurzweilig liest, wackelt das Gerüst der Handlung mehr als bedenklich, sind die in der Logik klaffenden Schluchten groß genug, um problemlos ein Passagierflugzeug hindurch zu steuern. Was in den beiden Vorgängern zumindest noch teilweise kaschiert werden konnte, tritt diesmal in erschreckender Deutlichkeit zutage: Obwohl sich Klausner laut Aussage des Verlags »seit Jahren mit der Geschichte des Dritten Reichs und der deutschen Nachkriegszeit beschäftigt«, häufen sich hier die Fehler in der Recherche, gelingt es dem in Bad Mergentheim lebenden Schriftsteller nicht, Fakten und Fiktion zu einem stimmigen Ganzen zusammenzubringen. Stattdessen wurde rund um das Geheimnis des verschwundenen Bernsteinzimmers ein Plot geklöppelt, der sich nur noch lose mit dem historischen Kontext verbinden und jegliches Flair vermissen lässt.

Berlin, im Juni 1953. Im Mittelpunkt des Agenten-Gerangels um das spurlos verschwundene Ostseegold steht einmal mehr Kriminalkommissar Tom von Sydow, der durch eine in der Nähe des Schlosses Bellevue gefundene Wasserleiche einer streng geheimen Sondereinheit der SS auf die Spur kommt, welche kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs den Auftrag hatte, das legendäre Bernsteinzimmer vor der heranrückenden Roten Armee in Sicherheit zu bringen. Haben einige Mitglieder der »Operation Alberich« vielleicht sogar überlebt? Oder steckt gar die Stasi hinter den Morden? Während in der DDR ein Volksaufstand ausbricht und die ganze Welt auf Deutschland schaut, ist der Krieg im Schatten bereits schon voll im Gange …

Ein Blick auf das Cover genügt, um zu erahnen, auf welch spezielles Lesepublikum der Gmeiner-Verlag mit Uwe Klausners Titeln abzielt. Und auf welchen Zug man gerne mit aufspringen möchte. Dieser wird zweifelsohne derzeit von Volker Kutschers Gideon-Rath-Reihe gezogen, mit dessen Hauptfigur Klausners Thomas von Sydow einige verblüffende Gemeinsamkeiten aufweist. Wie Rath ist der ehemalige Eton-Student von Sydow eher unpolitisch. Und wie dieser liebt er den Rhythmus des Jazz. Zudem teilen beide ihre Abneigung gegenüber den Nazis. Perfekte Voraussetzungen also, um Bernstein-Connection zwischen Kutscher, Kerr und Co. auf dem Büchermarkt zu positionieren, wäre da nicht ein kleines Manko: Uwe Klausners sprachliche Mittel bleiben leider, und dies wird hier erstmals besonders deutlich, weit hinter der Konkurrenz zurück. Das fängt bereits bei der Zeichnung seiner Figuren an:

Obwohl Klausner seinem Protagonisten Tom von Sydow gleich ein Dutzend bemerkenswerter Eigenschaften andichtet, bleibt diese Figur erstaunlich blass, fehlt diesem Mann jegliche Persönlichkeit. Die Tatsache, dass alles was er anpackt gelingt, macht ihn genauso unglaubwürdig, wie das unheimliche Glück bei seinen Ermittlungen, welche man als solche eigentlich nicht mehr bezeichnen kann. Anstatt sich selbst auf Spurensuche zu begeben oder Beweise auszuwerten, muss von Sydow lediglich warten, bis jemand aus seinem Bekanntenkreis (der von der bekanntesten Berliner Puffmutter bis hin zum KGB-Agenten so ziemlich alles abdeckt) auftaucht und ihn mit der Nase auf die Lösung stößt. Und wenn das nicht funktioniert, bleibt ja immer noch sein attraktives Äußeres, dem scheinbar keine Frau widerstehen kann und welches ihm in aussichtslosen Lagen immer wieder Tür und Tor öffnet. Von Sydow ist somit auch weniger Berliner Polizist, als vielmehr verkappter Geheimagent mit Lizenz zum Töten und Vögeln, was ihm schließlich sogar die russische Gegenseite bescheinigt.

Wohin man auch guckt, welchen Handlungsstrang man auch gerade verfolgt, die Klischees werden einem nur so um die Ohren gehauen, jeglicher Krimi-Stereotyp bedient. Vom brummigen Vorgesetzten über den arschkriechenden Assistent bis hin zum morbiden Pathologen. Das wäre an sich nicht so fatal, hätte Klausner den einzelnen Figuren zumindest so etwas wie eine Persönlichkeit bzw. etwas Vielschichtigkeit verliehen. Stattdessen handelt jeder nach Schema F. Da dürfen natürlich auch die bösen Jungs aus der SS nicht fehlen, welche bereits in Odessa-Komplott den Dritten Weltkrieg auslösen wollten und sich nun eiskalt und grenzübergreifend durch Berlin morden (Keine Angst. Damit ist nicht zu viel verraten worden). Für diejenigen Leser, denen die SS nichts sagt, werden alle Mitglieder möglichst haargenau und extra finster beschrieben. Mit einer riesigen roten Warnlampe hätte man die Bösewichte nicht besser kenntlich machen können. Da Klausner hinsichtlich der Personenbeschreibung allerdings oftmals die Vokabeln fehlen, greift er in schöner Regelmäßigkeit auf Vergleiche zurück. Hier mal ein paar Beispiele:

 – Die dralle Blondine namens Schampus Lilli = » […] Kreuzbergs Antwort auf Marilyn Monroe […]«
 – Antiquitätenhändler Kurt Smuda = » […] der pomadisierte Kleinganove, bei dessen Anblick man sich automatisch an Fred Astaire erinnert fühlte […]«
 – Toms Tante Luise von Zitzewitz = » […] deren rollendes R im Verein mit ihrer rauchigen Stimme stark an Zarah Leander erinnerte«; »dank Spitzenkragen, Lesebrille und hochgesteckter Locken Adele Sandrock zum Verwechseln ähnlich […]«
 – Toms Vorgesetzter, der Polizeipräsident = »Der leutselige Patriarch, der nicht nur wie Ludwig Erhard aussah […].

  Wer sich also trotz der konstrastreichen Personenzeichnung Klausners kein Bild von den Personen machen kann, hat dank dieser schönen Gegenüberstellungen immer noch die Möglichkeit eines im World Wide Web zu finden. Wie zuvorkommend vom Autor. Das solche, stets aufs Neue auftauchenden Vergleiche auf Dauer den Krimileser ermüden und an dessen Nerven sägen, scheint man allerdings nicht bedacht zu haben. Wer jedoch bereits die ersten beiden Bände («Walhalla-Code» und «Odessa-Komplott") gelesen hat, ist vorgewarnt und lässt sich davon genauso wenig stören, wie von den gestelzten Dialogen, welche einem Possenspiel zu Ehre reichen würden und mit derlei Anreden (kurze Zitate aus einem Gespräch zwischen Tom von Sydow und Gerichtsmediziner Heribert Peters) dem Leser nur noch die Wahl zwischen schallendem Lachkrampf und ungläubigen Kopfschütteln lassen:

»Ins Schwarze getroffen, Traum aller ledigen Großmütter. […] Scharfsinnig wie immer, der gute Tom. […] Machen Sie’s nicht so spannend, Holmes. […] Nichts dagegen, Herr Diplom-Leichenfledderer. […] … du hast es erfasst, Herr Professor.«

Ein Gespräch, das so oder ähnlich vielleicht in einem Londoner Debattierklub vernommen werden kann. Mit Sicherheit allerdings nicht neben den triefenden Überresten einer von Fischen zerbissenen Wasserleiche. Solch ungewollte Komik sorgt natürlich zusätzlich dafür, dass die ach so ernste und gefährliche Situation, in der sich Sydow wieder relativ schnell befindet, den Leser ziemlich kalt lässt und dieser den Ausführungen des Autors über das Hin und Hergeschleppe des Bernsteinzimmers bald keinerlei Beachtung mehr schenkt. Dessen mysteriöses Verschwinden dient auch lediglich als Aufhänger, um Tom von Sydow wieder Nazis jagen zu lassen und hätte in Castrop-Rauxel genauso gut spielen können, wie im Berlin der 50er Jahre. Das wir uns aber genau dort befinden, bringt uns Klausner mittels Ortsangaben und eingestreuter Dialekte immer wieder in Erinnerung. Hilft jedoch nichts. Die künstlich herbeigeführte Atmosphäre bleibt ohne Wirkung und kann den Vergleich mit dem Berlin eines Volker Kutschers in keinster Weise standhalten.

Bernstein-Connection ist eine ideenlose und äußerst konstruierte Fortsetzung der Tom-von-Sydow-Reihe mit null Tiefgang, die leider nur dank der unfreiwilligen Komik überhaupt etwas unterhalten kann, ansonsten jedoch nicht die Anforderungen eines guten historischen Kriminalromans erfüllt. Kein Blindgänger, aber im Rückblick auf die Vorgänger eine herbe Enttäuschung.

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CTL zu »Uwe Klausner: Bernstein-Connection« 29.07.2013
Neben dem bemüht schnoddrigen Jargon nerven mich schlecht recherchierte Details. Das erste Transistorradio kam zum Beispiel erst Weihnachten 1954 auf den amerikanischen Markt. Erstaunlich, dass ein Berliner Kneipenwirt bereits im Juni 1953 so ein Ding besitzt. Näheres dazu weiß Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Transistorradio .
Michael zu »Uwe Klausner: Bernstein-Connection« 09.04.2011
Stimmt, das sehe ich genauso und war nach dem Lesen mehr als enttäuscht. Atmospärisch uninteressant und banal. Richtige Spannung kommt nicht auf. Auch dass der böse Stasi-Agent eine Corvette fährt und besitzt, die lt. Wikipedia erst Ende Juni 1953 (das Buch spielt überwiegend am 17.06.1953) in Serienproduktion ging oder das es am frühen Morgen bei der Tatortbesichtigung Kaffee aus dem Pappbecher (Coffee to Go?) gibt, wirkt nicht glaubwürdig. Schade, denn der Plot (Bernsteinzimmer und der Aufstand des 17. Juni) hätte mehr Potential gehabt.
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