Konzert für Spion und Orchester von Uri Adelman

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1993 unter dem Titel Qoncerto li-meraggel u-le-tizmoret, deutsche Ausgabe erstmals 2003 bei Eichborn.
Ort & Zeit der Handlung: Israel / Jerusalem, 1990 - 2009.

  • Jerusalem: Keter, 1993 unter dem Titel Qoncerto li-meraggel u-le-tizmoret. 258 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Eichborn, 2003. Übersetzt von Ulrike Harnisch. ISBN: 3-8218-0869-1. 258 Seiten.

'Konzert für Spion und Orchester' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Die russisch-orthodoxe Gemeinde in Jerusalem ist nicht nur Ort für stille Gebete, sie ist auch die Zentrale des KGB. Jochanan Raviv, ein israelischer Geheimdienstmann, soll die attraktive Musikwissenschaftlerin Irith anwerben, die im Archiv der Kirche über Kirchenmusik forscht. Ihre Aufgabe: Informationen von Osip, der als V-Mann in der Kirche arbeitet, nach draußen zu bringen. Irith sagt ohne Zögern zu und gewinnt schnell Vergnügen an dem Doppelspiel. Bis Osip sie eines Abends um ein dringendes Treffen bittet. Als sie am nächsten Morgen in die Kirche kommt, erfährt sie, dass der V-Mann schwerverletzt im Krankenhaus liegt. In ihrem Archiv findet sie ein handbeschriebenes Notenblatt – eine verschlüsselte Nachricht für Jochanan. Der muß erkennen, dass es mehr als eine Person gibt, die mit verdeckten Karten spielt …

Das meint Krimi-Couch.de: »Solider und lesenswerter Spionagethriller« 83°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Wie hängen Bach, Geheimdienst und Kirche zusammen? Zumindest eine einfache Antwort gibt es auf diese Frage. Dies sind die Themen des Romans »Konzert für Spion und Orchester« von Uri Adelman. Sein erstes Buch, wie er im Vorwort schreibt.

Jochanan ist beim Schin Beth angestellt, dem israelischen Inlandsgeheimdienst. Er hat vor kurzem gerade Irith Dolev überprüft, die ein Forschungsprojekt in einer russisch-orthodoxen Kirche in Jerusalem durchführt. Sie ist Musikwissenschaftlerin und Dozentin an der Universität von Tel Aviv. Als jemand, der in der Kirche ein- und ausgeht, musste sie natürlich überprüft werden, da erstens KGB-Tätigkeit in der Kirche vermutet wird und zweitens auch jemand dort platziert ist, der für den Schin Beth arbeitet. Für sie war es sehr schwierig, überhaupt Zugang zur Kirche zu erhalten, nur durch die Überzeugungsarbeit ihres Mentors und berühmten Kollegen Professor Geller war ihr dies möglich.

Als Dov, der Verbindungsmann zu Ossip, einem der Priester in der russischen Kirche, in Spanien verwundet wird, muss jemand gefunden werden, der nun Kontakt zu ihm hält und die relevanten Informationen weitergibt. Jochanans Chef Amnon schlägt vor, dass Irith dafür angeworben wird, da Ossip sowieso Probleme hatte, sich für die Kontakttreffen aus der Kirche fortzustehlen und Irith ja praktischerweise zweimal die Woche dort arbeitet. Außerdem haben die Russen schon Vertrauen zu ihr gefasst. Sie sagt zu, nicht nur wegen des leicht verdienten Geldes, sondern auch, weil sie der Nervenkitzel reizt. Ihrem Mann erzählt sie nichts davon. Während Jochanan, der nicht nur beruflich an Irith interessiert ist, von seinem Chef auf einen verdächtigen französischen Diplomaten angesetzt wird, geht Irith ihrer neuen Tätigkeit nach.

Eines Tages versucht Ossip sie zu erreichen, doch sie fühlt sich zu krank, um zur Arbeit zu fahren. Als sie am folgenden Tag zur Kirche kommt, teilt man ihr mit, Ossip hätte einen Herzinfarkt gehabt und läge im Krankenhaus. Diese Nachricht macht sie nervös. Was wollte er ihr dringendes mitteilen und warum wird sie gebeten, ihr Forschungsprojekt auf unbestimmte Zeit zu verschieben und ihr Arbeitskämmerchen sofort zu verlassen, sogar ohne die notwendigen Dinge zusammenzupacken?

Diese recht ausführliche Zusammenfassung des Inhalts gibt nur einen Teilaspekt der Handlung wieder. Die unterschwelligen Informationen und die Geheimnisse, die sich mit der Zeit lüften (oder lüften müssten, wenn man auch die Zwischentöne beachtet) bleiben gänzlich unberücksichtigt. Auch der Aspekt der Musik wird hier nicht in dem Maße betont, wie er in der Handlung eine Rolle spielt. Gleichzeitig bleibt aber Uri Adelman in seiner Geschichte auch recht vage, denn niemals erfährt man während des Lesens etwas von konkreten Plänen oder bestimmten Unterlagen, alles bleibt an der Oberfläche und führt nur zu Vermutungen. Diese sind auch am Ende nicht ganz ausgeräumt, d.h. die vollständige Auflösung bleibt der Autor dem Publikum schuldig. Verbunden mit der Tatsache, dass eigentlich fast nichts passiert (außer dem gerade geschilderten und der Fortsetzung davon), macht dies die Story außerordentlich mysteriös und spannend, so dass man das Buch ehrlich nicht aus der Hand legen kann, aber es bleibt ein winziger fader Nachgeschmack.

In Ich-Form abwechselnd aus Sicht von Jochanan und Irith erzählt Adelman die Geschehnisse. Auch dies führt dazu, dass der Leser nicht komplett Bescheid weiß und sich auch jeweils mit den Kapiteln wieder neu auf den Erzähler einstimmen muss. Und auch da bleiben noch Geheimnisse, die man erst im letzten Drittel des Buches offenbart bekommt, als es nicht langsam auf den Höhepunkt zugeht, sondern Knall auf Fall vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Adelman hat einen siebten Sinn für die gekonnte Präsentation der Überraschung, das muss man ihm lassen.

Insgesamt ist »Konzert für Spion und Orchester« ein solider und lesenswerter Spionagethriller, der sich der leisen Töne bedient und mit dem Schin Beth in einem interessanten Umfeld spielt. Dass am Ende noch Fragen offen bleiben, stört mich persönlich ein wenig, aber das ist Geschmackssache. Empfehlenswert für Freunde des Genres, die sicherlich die mangelnde Komplexität des Plots kritisieren werden, wenn man diesen Erstling von Adelmann mit den Großmeistern der Spionageliteratur vergleicht, aber auch für absolut unbeleckte Leser auf diesem Gebiet, für letztere wahrscheinlich sogar noch mehr.

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