Gleichung mit einem Unbekannten von Uri Adelman

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1997 unter dem Titel Mischwa\'a Im Ne\'elam, deutsche Ausgabe erstmals 2002 bei Eichborn.
Ort & Zeit der Handlung: Israel / Tel Aviv & USA / New York, 1990 - 2009.

  • Jerusalem: Keter, 1997 unter dem Titel Mischwa\'a Im Ne\'elam. 349 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Eichborn, 2002. Übersetzt von Markus Lemke. ISBN: 3-8218-0868-3. 424 Seiten.

'Gleichung mit einem Unbekannten' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Als Gil Sadeh, ein Rechtsanwalt in New York, von einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause kommt, findet er auf seinem Anrufbeantworter eine beunruhigende Nachricht von seinem jüngeren Bruder Juval aus dem fernen Israel. Gil ist höchst alamiert und fliegt noch in der gleichen Nacht nach Tel Aviv zurück. Bei Gils Ankunft in der alten Heimat ist Juval spurlos verschwinden, in seiner Tel Aviver Wohnung liegt die Leiche einer jungen Frau, und in der Post findet Gil die Aufforderung der Bank, sich wegen eines Schließfachs zu melden. Es ist das Schließfach seines vor Jahren verstorbenen Vaters. Der Inhalt: ein paar Dollarnoten, Reiseschecks und die verblichene Kopie eines Zeitungsartikels. Eher ratlos liest Gil die sensationsheischende Geschichte von der unehrenhaften Entlassung eines der Topagenten des Mossad – bis er begreift, dass dieser Mann sein Vater war. Und plötzlich ahnt Gil, warum und wohin sein Bruder verschwunden ist …

Das meint Krimi-Couch.de: »Nichts fürs Gehirn, aber richtig spannend« 74°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Der Roman beginnt mit einem Prolog, in dem Juval Sadeh in Israel zu einer Haftstrafe von zwei Jahren ohne Bewährung verurteilt wird, nachdem er in betrunkenem Zustand einen Unfall verursacht hat. Sein eigener Vater kam ums Leben, als das Fahrzeug in den Abgrund stürzte.

Juvals Bruder Gil lebt in New York und ist Rechtsanwalt. Als dieser auf seinem Anrufbeantworter Juvals Stimme »Es gibt ein paar Probleme. Ich glaube, ich mache einen kleinen Ausflug« sagen hört, macht er sich unverzüglich auf den Weg in seine Heimat nach Tel Aviv. In der Vollzugsanstalt angekommen, wird seine Vermutung zur Wahrheit. Sein Bruder ist aus dem offenen Vollzug nicht mehr in die Anstalt zurückgekehrt. Und dies, wo er gerade mal noch zwei Wochen abzusitzen hatte.

Doch der Alptraum scheint gerade erst zu beginnen: Als Gil in seine Tel Aviver Wohnung geht, findet er dort die Leiche einer jungen Frau, wie sich herausstellt, ein ermordetes brasilianisches Callgirl, vor. Zum Glück hat Gil ein Alibi: zur Tatzeit befand er sich noch im Flugzeug. Im Briefkasten findet Gil einen Brief von der Bank mit der Bitte, den Filialleiter wegen seines Schließfaches zu kontaktieren. Doch Gil ist gar nicht bekannt, dass er ein Schließfach besitzt.

In diesem Schließfach, das offensichtlich sein Vater angelegt hat, findet er außer einer kleinen Summe Bargeld einen Zeitungsausschnitt, der ihm klarmacht, dass sein Vater einer der Topagenten beim Mossad, dem israelischen Geheimdienst, war. Als Kind vermutete er dies zwar, doch wurde im Hause Sadeh zu diesem Thema immer geschwiegen. In dem Zeitungsbericht liest Gil vom Abschied seines Vaters aus dem Geheimdienst nach der »Affäre mit Ridje«.

Nun beginnt Gil nachzuforschen, was es mit dem geheimnisvollen Verschwinden seines Bruders und dieser Affäre aus der Vergangenheit auf sich hat. Unterstützung findet er dabei vor allem bei Joe Cohen, einem Industriegiganten und Freund seines Vaters sowie bei seinem Freund, dem Rechtsanwalt Ron Rappaport, dessen Vater eine bekannte Kanzlei führt. Erste Informationen jedoch erhält er von Pessach Klickstein, einem entfernten Verwandten, mittlerweile über 80 Jahre alt, wohnhaft in einem Seniorenheim.

Von Pessach erfährt er, dass bei einem Einsatz seines Vaters im Ausland ein israelischer Agent ums Leben kam. Ihr Auftrag lautete, jemanden zu töten. Doch mehr weiß Pessach auch nicht. Und mehr kann er auch nicht erzählen, denn bereits am nächsten Tag wird er tot aufgefunden. Todesursache: Herzinfarkt.

Weitere Nachforschungen ergeben, dass dieser Einsatz des Mossad durch einen Fehler von Gils Vater scheiterte. Der Gegner wurde zwar ausgeschaltet, aber ihre Tarnung flog auf und einer der Mossad-Agenten wurde erschossen. Doch an dem Einsatz waren drei Agenten beteiligt. Wer aber war der dritte Mann? Gil ist klar, dass er nur über ihn an die Lösung geraten kann.

Als Liebhaber der Kriminalromane der israelischen Autorin Batya Gur war ich sehr neugierig, als ich mit »Gleichung mit einem Unbekannten« ein Buch des mir bis dahin völlig unbekannten israelischen Schriftstellers Uri Adelman vor mir liegen hatte. Was ich dann jedoch zu lesen bekam, war etwas völlig anderes als das, was ich erwartet hatte.

Von seinem Aufbau her ein Roman, wie er amerikanischer eigentlich gar nicht sein kann: Ein junger Mann gerät ohne sein Zutun in den Sog eines Verbrechens. Auf der Flucht zunächst vor den Bösewichtern als auch später vor der Polizei muß er viele körperliche Schäden erleiden, bis er dann endlich zum Schluß schwer angeschlagen als Held triumphieren und seine Geliebte in den Armen halten darf.

Das alles klingt sehr klischeehaft, doch Uri Adelman bringt dieses zugegebenermaßen alles andere als neue Schema perfekt und gut ausgearbeitet rüber. Natürlich darf auch die unvermeidliche Liebesgeschichte nicht fehlen und auch Liebhaber von erotischen Szenen kommen voll auf ihre Kosten.

Adelman lässt seinen Protagonisten Gil Sadeh das Geschehen in der Ich-Form erzählen, so daß man als Leser genauso viel weiß wie der Held und sich hervorragend mit ihm identifizieren kann. Merkwürdigerweise weicht er jedoch in einem ganz kurzen Kapitel, in dem Juvals Freundin gefangen gehalten wird, von dieser Form ab.

Daß das Buch in Zwischenabschnitte betitelt mit »Der erste Tag« bis »Der fünfte Tag« untergliedert ist, zeigt schon, wie straff die Handlung zusammengefasst ist. Von Anfang an spannend geschrieben merkt man kaum, dass das Buch 425 Seiten umfasst. Die Unterteilung in 83 kurze Kapitel, die sehr leicht zu lesende Schreibweise und überaus viel direkte Rede tragen mit dazu bei, das Buch in Rekordzeit zu verschlingen. Von der Spannung her ist dieser Roman kaum zu übertreffen. Adelman lässt seinen Lesern wahrlich keine Zeit zum Luftholen und seinen Protagonisten von einem Abenteuer ins nächste stürzen.

»Es fing an mit dieser Plaudertasche, die von allen vierhundert Plätzen im Flugzeug ausgerechnet den neben mir wählte. Er sprach englisch – und das am laufenden Band – und entpuppte sich als Reporter einer Zeitschrift in Virginia. Er stellte sich als William McLasky vor und ließ sich nicht davon abbringen, mir haarklein zu erzählen, was er über den nahen Osten im Allgemeinen und über Israel im Besonderen dachte und wie sehr er uns bewundere, obwohl auch die andere Seite berechtigte Argumente habe, usw., usw. Schließlich entdeckte er am anderen Ende des Flugzeugs irgendeinen Bekannten und nahm mit Bedauern von mir Abschied, nicht ohne mir zuvor seine Visitenkarte in die Hand zu drücken, und zu betonen, dass ich, sollte ich mich irgendwann mal nach Virginia verirren, ihn unbedingt als erstes anrufen müßte. Mann, was würden wir in Virginia einen drauf machen, William McLasky und ich.«

Solche ironischen Sätze wie den letzten des zitierten Ausschnitts lassen einem bei Lesen immer wieder ein Schmunzeln übers Gesicht huschen. Doch nicht nur aus diesem Grunde habe ich dieses Zitat aus dem Anfang des Buches gewählt. Adelman schreibt nichts überflüssiges. Obwohl McLasky im weiteren Geschehen nicht mehr auftaucht, spielt die Visitenkarte noch eine wichtige Rolle.

Nicht ganz so gelungen ist die Darstellung der handelnden Charaktere. Zwar sind diese sehr detailliert beschrieben und allesamt so gut herausgearbeitet, dass man sie plastisch vor sich sieht, doch sind die meisten davon doch sehr schablonenhaft dargestellt. So gibt es fast nur »Gute« und »Böse«. Besonders drastisch fällt dies auf bei den Charakteren des guten intelligenten Polizisten Katz und des bösen stupiden Polizisten Spiegel.

Adelmans Roman ist überaus logisch aufgebaut, so daß man jeden Schritt nachvollziehen kann. Auch hier wieder eine Ausnahme: wieso Gil in einer Zeitung, die seinen Vater so aufregte, sofort den richtigen Artikel fand und die entsprechenden Schlüsse zog, konnte ich nicht nachvollziehen. Leider etwas vorhersehbar verlief die Auflösung. Aufgrund der geringen Anzahl in Frage kommender Personen war mir schon relativ schnell klar, wer denn der »Unbekannte aus der Gleichung« ist.

Eine Ideale Urlaubslektüre. Kein Buch, bei dem die Gehirnwindungen besondere Anstrenungen unternehmen müssen, aber ein Buch, dass so spannend geschrieben ist, dass man es kaum zur Seite legen kann.

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