Echo des Todes von Ulrike Renk

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 bei Aufbau - Taschenbuch.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Eifel / Aachen, 1990 - 2009.
Folge 1 der Constanze-van-Aken-Serie.

  • Berlin: Aufbau - Taschenbuch, 2009. ISBN: 978-3-7466-2549-2. 295 Seiten.
  • [Hörbuch] Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2009. Gesprochen von Ursula Berlinghof. ISBN: 3836804735. 9 CDs.

'Echo des Todes' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Die Psychologin Constanze van Aken und der Forensiker Martin Cornelissen, ihr Freund, haben plötzlich einen gemeinsamen Fall: Zwei Tote werden in der Nähe ihres Hause am Rursee gefunden. Zur selben Zeit wird ein ehemaliger Patient Constanzes entlassen. Zunächst will sie diese zeitliche Parallele nicht sehen, doch dann versucht jemand bei ihr einzudringen und schickt ihr eine erste Drohung.

Das meint Krimi-Couch.de: »Hohl tönende Eifel« 49°

Krimi-Rezension von Wolfgang Franßen

Auf der Heimatbühne des Verbrechens.

Eines darf man der 1967 in Detmold geborenen Autorin Ulrike Renk sicher nicht vorwerfen: Sie kennt sich in der Gegend aus, wo es zum Verbrechen kommt, und geht mit dem Alltag auf vertraulichem Fuße um. Fast schon zu viel Nähe kommt dabei auf. Wir werden mit einem Beziehungsgeflecht bekannt gemacht, das zwischen Eifel und Köln spielt, erfassen die Problematik eines Hausumbaus, erkennen Anflüchte von Eifersucht und teilen das profunde Wissen um jahrelanges, erfolgloses Temperaturmessen, um schwanger zu werden. Dabei erscheint die Bedrohung für die Kinderpsychologin und ehemalige Rechtsmedizinerin Constanze von Aken – wer hinter dem Familiennamen eine Analogie zur niederländischen Version des neben der Eifel zweiten Schauplatzes Aachen vermutet, ist ein Schelm – und dem Rechtsmediziner Martin Cornelissen durchaus greifbar.

Robert Theißen, für dessen Verurteilung Frau von Aken mitverantwortlich ist, wird auf freien Fuß gesetzt. Wird der Mann sich nicht an ihr rächen wollen? Leider versinkt die Gefahr im beiläufigen Morast aus Heimatkunde und fader Personenzeichnung. Constanze und Martin wirken wie aus einem Selbstfindungsroman abgekupfert, bei der die Frau sich mit Ahnungen, Spekulationen, zarten Hinweisen auf eine verblassende Liebe herumschlagen muss. Spannung kommt da eher beiläufig auf. Im Stile einer Bestandsaufnahme beschreibt die Autorin ihre Umwelt, ihre Empfindungen und soll einmal Gefahr aufkommen, kehrt die Heldin vom Laufen zurück, findet die Terrassentür unverschlossen vor und macht sich so ihre Gedanken, wer von der Milch getrunken und ihr Nachthemd mitgenommen hat.

Der Fallstrick ist ausgelegt

Nichts gegen einen Einbruch, der einem schlagartig klarmacht, wie verletzlich die Privatsphäre ist. Allerdings ist es besser, jeden Gedanken an Patricia Highsmith und ihrer klaustrophobische, allmählich fortschreitende Verschlingung der Angst zu vergessen, die zur personifizierten Bedrohung anwächst. Wo Highsmith den Alltag als gegeben betrachtet, ihn minutiös nachzeichnete, erscheint er in Echo des Todes wie das Resümee eines Tages, der von der Wohngemeinschaft zwischen Krimi und Empathie gewertet, abgehakt und mit Bedauern in die Nacht entlassen wird.

Es muss nicht immer Aktion sein

In die Idylle platzt das Grauen. Ein beliebter Plot. Es werden auch genügend Leichen gefunden, um ihn anzutreiben. Doch der Betulichkeit fehlt der Thrill. Was sich nicht unbedingt in blutrünstigen Bildern á la Gerritsen, Rice, Slaughter oder Hayder widerspiegeln muss. Auch wenn sich zu Anfang Maden in Augen, Nase und Mund tummeln, hebt sich Echo des Todes von grausamen Hype ab, der dem Wunsch nach Leichenfledderei Tür und Tor öffnet.

Dafür erliegt die Autorin der Gefahr von Plattitüden der Bloßstellung partnerschaftlicher Verwerfungen, sprachlicher Niederungen wie »Die Zeit schien sich wie Sirup zu ziehen«, »Zeit schien schneller zu vergehen, und immer knapper zu werden«, oder Altherrenwitze wie:

»Der Fall stinkt, aber ich habe keine Beweise, noch nicht einmal wirkliche Indizien. Es ist nur ein Gefühl.«
»Weibliche Intuition? Stimmt irgendetwas mit deinem Hormonhaushalt nicht? «

Hechelscheid ist überall.

Wer richtet sich nicht gern in der Idylle ein? Zumal wenn ein See in der Nähe ist. Ein Ort, um glücklich zu sein. Wäre da nicht das Schicksal eines geheimnisumwittertes Stalkers, der sein Unwesen treibt, wäre da nicht Charlie, der ehemalige Leichenspürhund, der das nächste Opfer findet und wäre da nicht die hübsche Assistentin, die dem geliebten Mann nachsteigt. Ganz zu Schweigen vom freigelassenen Theißen. Constanze von Aken reibt sich an ihrem Traum vom Glück mitsamt kriminellen Showdown und vorhersehbarem Täter ab.

»Ich hörte mich blechern an, ein Radio mit schlechtem Empfang.« – Treffender kann man diesen Eifelthriller nicht umreißen.

Wolfgang Franßen, Januar 2010

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Kai Ulrich zu »Ulrike Renk: Echo des Todes« 02.07.2017
Vielleicht tatsächlich ein für "hartgesottene" Männer nicht nachvollziehbares Buch. Das bisschen Krimi zwischen den ganzen überflüssigen Befindlichkeitsplattitüden hätte in einer dünnen Fibel Platz, bewegt sich mit dem Tempo einer Wanderdüne und nach der Hälfte kennt man im Gegensatz zur Protagonistin die Auflösung schon genau genug, dass jedes bisschen Spannung und Überraschung verloren geht.
Ich habe mich entsetzlich gelangweilt.
Reiner zu »Ulrike Renk: Echo des Todes« 01.05.2010
Nach der Lektüre war ich enttäuscht. Dieser Krimi strotzt vor Plattheit und erinnert an die kleinformatigen Fernseh-Serien, die aus Gründen der Kosten und der Einfaltslosigkeit einander wie Eier ähneln. Aber, ein noch größeres Problem habe ich mit dem Sprachhandwerk der Autorin. Da stimmt kein Bild, keine Gedankenkette wird sauber vermittelt. Alles wird herbeigeschrieben. Ich denke, die fehlende semantische Sauberkeit, der unausgeglichene Stil und die mangelnde Gedankenkraft bieten eine schwache Unterhaltung an.
Frau Renk sollte vielleicht das Genre wechseln - Lyrik. Schreiben muss dicht sein und fesseln. So kann man es lernen. Nun gut.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Bio-Fan zu »Ulrike Renk: Echo des Todes« 21.01.2010
Schwarzer Traktor auf weißem Grund - "Ein Eifelthriller" als Untertitel - der Verlag verspricht "Eifelspannung" - das alles weist auf einen Regionalkrimi hin und tatsächlich spielt "Echo des Todes" auch zwischen Nordeifel und Aachen, aber soviel Eifel ist doch nicht drin. dazu ist der Krimi zu sehr auf seine Protagonistin, der Psychiaterin Constanze van Aken, zu geschnitten.

Aus einer vertraulichen Ich-Perspektive lässt Autorin Ulrike Renk ihre Heldin von ihrem beruflichen und privaten Leben erzählen. Die Alltagssorgen einer gutsituierten Ärztin treten in den Hintergrund, als ein Unbekannter ihre Intimsphäre verletzt und zeitgleich in der Nähe ihres Wochenend-Domizils ( in der Eifel) eine nicht zu identifizierende Leiche gefunden wird.

Ulrike Renk ist eine gute Erzählerin. Ihre Dialoge sind modern und stimmig. Alterrenwitze, die der Rezensent entdeckt zu haben glaubt, hat die Autorin nicht nötig. Genauso wenig kann man ihr einen Abstieg in "sprachliche Niederungen" vorwerfen. Und was "die Gefahr von Plattitüden der Bloßstellung patnerschaftlicher Verwerfungen " bedeuten soll, weiß nur der Rezensent

Renks grosses Manko ist, dass sie es nicht schafft, in einer Stalkergeschichte das unabdingbare Bedrohungspotenzial aufzubauen. Selbst mit wenig Krimierfahrung erkennt man zu schnell, wer hinter den Kulissen, die Fäden zieht, und damit geht ein Großteil der Spannung verloren. Ein rasanter Schluß rettet da nur wenig.

Der Rezensent stellt richtig fest, dass die Fußstapfen einer Patricia Highsmith für Renk zu groß sind, (wenn sie denn überhaupt vorhatte, in diese zu treten), aber man sollte sie im Auge behalten.

Zum Schluß noch ein Wort zur Rezension von Wolfgang Franßen. Ich zitiere ihn selbst:

"Ich hörte mich blechern an, ein Rado mit schlechtem Empfang"

Treffender kann man diese Rezension nicht umreißen.
Claudia zu »Ulrike Renk: Echo des Todes« 02.01.2010
Das Buch scheint ein Frauenroman zu sein. Ich habe es mit Spannung gelesen und mich hat gerade diese scheinbar harmlosen Beschreibungen des Alltags gefesselt. Dadurch war für mich diese unterschwellige Bedrohung durch den Stalker viel greifbarer.Da zweifelt Conny doch glatt an ihrem Verstand - hat sie das Licht ausgemacht oder nicht? Die Tür verschlossen?Männer reagieren da anders, denke ich. "Wenn da jemand ist und mir was will, bekommt er es auf die zwölf".Stalkingopfer sind Frauen.Nach den vier Fischer Bänden fand ich zwar die Perspektive (1. Person und eben nur aus ihrer Sicht) ungewöhnlich, aber ansonsten hat mich die Renk mal wieder fesseln können.Ich kann das Buch nur weiter empfehlen (vielleicht nicht an hartgesottene Männer).
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