Schlangenkopf von Ulrich Ritzel

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 bei btb.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin, 2010 - heute.
Folge 6 der Berndorf-Serie.

  • München: btb, 2011. ISBN: 978-3-442-75297-3. 448 Seiten.

'Schlangenkopf' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Eine Frühlingsnacht in Berlin. Ein junger Mann geht am Alten Garnisonsfriedhof vorbei, ein Landrover lauert im Dunkel und nimmt langsam Fahrt auf, am Ende liegt ein Toter auf der Straße – und Ex-Kommissar Hans Berndorf, mittlerweile Fachmann für private Ermittlungen, scheint als einziger an der Auflösung dieses Verbrechens interessiert. Besonders brisant: der Tote war vermutlich Opfer einer Verwechslung, die eigentliche Zielperson schwebt immer noch in höchster Gefahr. Als Berndorf dies begreift, ist er selbst schon ins Visier von Leuten geraten, die drei Nummern zu groß für ihn sind. Die es nicht zulassen, dass die lukrative Endabwicklung der glänzenden Geschäfte, die sie im zurückliegenden jugoslawischen Bürgerkrieg getätigt haben, von einem ausgedienten Polizisten durchkreuzt wird. Doch manchmal scheitern die Mächtigen an Dingen, die zu unbedeutend sind, als dass sie sie ins Kalkül gezogen hätten. Ein Politiker gerät in die Verlegenheit, sich nicht mehr groß äußern zu können. André, ein halbwüchsiger Taschendieb, erbeutet ein Notebook mit verfänglichen Informationen. Ein kleiner Betrüger wittert die Chance zum großen Betrug. Eine geschwätzige alte Dame hat einen verfänglichen Zeitungsausschnitt aufbewahrt. Und Berndorf lernt, was für ein nützliches Gerät ein Spaten sein kann. Aber wird er damit durchkommen?

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Bio-Fan zu »Ulrich Ritzel: Schlangenkopf« 21.10.2013
Das falsche Opfer

Was haben Ulrich Ritzel, D.B. Blettenberg und Bernhard Jaumann gemeinsam? Sie sind Schriftsteller, schreiben exzellente Kriminalromane – mehrmals mit dem Deutschen Krimipreis geehrt - doch der große Durchbruch ist allen Drei nicht gelungen. Warum? Sie streifen durch die Welt, nehmen das Gute und Schöne wahr, aber ihr Fokus ist dahin gerichtet, wo die Weltmechanik knirscht und kracht. Der politische Kriminalroman ist ihr Metier und ihnen ist durchaus bewusst, dass sie damit nicht das ganz große Publikum ansprechen können. Das ist bedauerlich für beide Seiten.

Ulrich Ritzels „Schlangenkopf“ ist der 6. Roman (der 7. - „Trotzkis Narr“ - ist gerade erschienen) aus der Hans-Berndorf-Reihe, die der Autor 1999 begann und die zweimal („Schwemmholz“ und „Beifang“) mit Platz1 des DKP ausgezeichnet wurde.
Der Serienheld ermittelte bisher als Kriminalhauptkommissar in Ulm und um Ulm herum. Nun im Ruhestand lebt er in Berlin, zusammen mit seiner Lebensgefährtin Barbara Stein. „Ruhestand“ heißt für Berndorf nicht, untätig sein. Er hat sich ein kleines Büro eingerichtet und führt private Ermittlungen durch.

Als ein jugendlicher Türke aus seiner Nachbarschaft überfahren wird, bittet dessen Familie Berndorf, den Fall zu untersuchen. Berndorf besichtigt den Unfallort und stellt sofort fest – die Spurensicherung wird es bestätigen – dass es sich nicht um einen tödlichen Unfall mit Fahrerflucht handelt, sondern um eine gezielte Tötung. Während das Engagement der Polizei eher bescheiden ist, hängt Berndorf sich voll rein. Die Schwester des Opfers teilt ihm mit, dass die Jacke, die der Bruder in besagter Nacht trug, nicht seine eigene ist. Die auffällige Jacke und die darin befindlichen Schlüssel führen Berndorf zu Zlatan Sirko, einem aus Kroatien stammenden Bosnier. Doch der hat sich abgesetzt.
Die Spur verbreitert sich, weist in die hohe Politik zu Bundestagsabgeordneten, Finanziers, Waffenlobbyisten und -händlern. Auch die deutschen Geheimdienste misch(t)en kräftig mit.

Von Berlin aus wirft Ulrich Ritzel mit den Augen seines Hauptprotagonisten Berndorf einen Blick auf das ehemalige Jugoslawien. Der Blick geht zurück in die 1990er Jahre, als mit der Auflösung des Warschauer Paktes auch der Vielvölkerstaat auf dem Balkan auseinanderfiel und verheerende Auseinandersetzungen die Folge waren. Verwirrende Kriegsereignisse – der Eindruck, da kämpfe jeder gegen jeden, war gar nicht so falsch. Am ehesten wird uns der Begriff „Ethnische Säuberungen“ im Gedächtnis bleiben.
Ulrich Ritzel deutet auf den Umstand, dass schon Anfang der 1990er Jahre, zu Beginn des Krieges, Waffen (Panzer, Kampfflugzeuge und Raketenwerfer) aus den Beständen der NVA auf der kroatischen Seite zu finden waren. Ritzel geht der Frage nach, wie sie wohl dorthin gelangt seien könnten.

Hans Berndorf, Ritzels Held, Ex-Kommissar und nun privater Schnüffler, ist ein ruhiger Vertreter seiner Zunft. Ich fühlte mich gleich an den Fernsehkommissar Keller (Erik Ode) erinnert. Altersgraue Eminenzen, deren Kombinationsgabe fast schon an Hellseherei grenzen. Auch Berndorf wird im vorliegenden Fall den Täter entlarven. Ritzels Eigenart ist es wohl, einige Schicksale offen zu lassen, wie das richtige Leben es vorgibt.

„Schlangenkopf“ war meine erste Begegnung mit Ulrich Ritzel und seinem Ermittler Hans Berndorf. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase konnte ich mich gut mit diesem nachdenklichen Protagonisten anfreunden. Die Spannung des Kriminalromans resultiert nicht aus einem tempogeladenen, actionreichen Handlungsablauf, sondern ergibt sich aus den immer größer werdenden Dimensionen des Falles. Ulrich Ritzel hat einen neuen Fan.
vifu zu »Ulrich Ritzel: Schlangenkopf« 15.08.2012
Nach dem etwas breit gefächerten Einstieg, entwickelt sich die Story nahe an der aktuellen Berliner Realität und nimmt ganz schön an Spannung und Speed zu.
Die Personen sind glaubwürdig.
Kein entspannendes Urlaubs-Strandbuch, sondern ein, die Politikstrukturen erhellender, packender Polit-Roman!
Unbedingt lesen!!
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