Das Lächeln der toten Augen von Ulrich Hefner

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 bei Leda.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Ostfriesland & Nordsee, 1990 - 2009.
Folge 5 der Martin-Trevisan-Serie.

  • Leer: Leda, 2009. ISBN: 978-3939689171. 464 Seiten.

'Das Lächeln der toten Augen' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Eine Serie von Selbstmorden Jugendlicher erschüttert das Wangerland und den hohen Norden. In Horumersiel erhängt sich der Sohn eines reichen Industriellen aus Wilhelmshaven. Hauptkommissar Trevisan wird beauftragt, den Selbstmord zu untersuchen und stößt innerhalb der Familie auf eine Mauer des Schweigens. Die Freunde des toten Jungen sind fassungslos und stellen auf eigene Faust Ermittlungen an. Sie glauben, dass der Vater des Toten seinen eigenen Jungen in den Tod trieb. Sie ahnen jedoch nicht, dass sie mit ihren eigenmächtigen Ermittlungen am Rande eines Abgrundes wandeln und selbst in Lebensgefahr geraten, denn hinter der Fassade des biederen Geschäftsmannes verbirgt sich ein Teufel in Menschengestalt. Erst als einer der Jugendlichen auf rätselhafte Weise umkommt, ahnt Trevisan, das sich hinter dem Selbstmord von Sven Habermann (so hieß der Junge, der sich in Horumersiel erhängte) mehr verbirgt, als nur die Tat eines fehlgeleiteten und orientierungslosen Sechzehnjährigen. Seine Ermittlungen führen ihn mitten hinein in die magische und mystische Welt des Aberglaubens. Er kommt der unglaublichen Wahrheit sehr nahe, doch ehe Trevisan handeln kann, verschwinden die Habermanns von der Bildfläche. Die Spuren führen nach Dänemark. Als bald darauf das Wrack eines Flugzeugs in der Nordsee geborgen wird, scheint klar, dass die Habermanns bei ihrer überstürzten Flucht mit ihrer Privatmaschine abgestürzt sind. Doch Trevisan ermittelt weiter, denn wie es scheint, ist er einem ungeheuren Komplott auf der Spur, in das noch weitere wohlhabende Familien aus dem hohen Norden verstrickt sind. Doch ehe er sich versieht, wird er selbst zur Zielscheibe. Als er nach seiner Arbeit nach Hause zurückkehrt, ist Paula spurlos verschwunden. Als nun selbst Betroffener einer Straftat wird er des Falles entbunden und muss die Ermittlungen abgeben, doch Trevisan pfeift auf die Vorschriften. Auf eigene Faust ermittelt er weiter, denn er weiß: Paula befindet sich in höchster Gefahr.

Das meint Krimi-Couch.de: »Nicht zu viel gewollt und deswegen mehr erreicht« 77°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Wilhelmshaven, Ostfriesland: Wie verzweifelt muss ein Sechzehnjähriger aus gutem Hause sein, dass er sich mit einem Elektrokabel um den Hals vom Geländer des ersten Stocks der Ferienwohnung seines schwerreichen Vaters stürzt und sich dabei zu Tode stranguliert? Sehr, wie der Abschiedsbrief schnell herausstellt. Den Vater hat Sven Halbermann aufs Blut gehasst, weil dieser ihm wohl die erste Liebe genommen hat. So diffus die Anschuldigung ist, so schnell hätte der Fall zu den Akten gelegt werden. Doch die Lage spitzt sich schnell zu für die Kripo um Kommissar Martin Trevisan: Svens Clique weiß deutlich mehr, als Trevisan & Co. – ihr liegt der »echte« Abschiedsbrief vor, in dem Sven seinen Vater recht offensichtlich beschuldigt, sein brasilianisches Au-pair-Mädchen umgebracht zu haben.

Auge um Auge, Zahn um Zahn denken sich die Jugendlichen und wollen Svens Vater erpressen. Doch mit dem ist nicht zu spaßen. Zwei Killer hat er auf sie angesetzt. Und was mit dicken Stahltüren geschützte Kellerräume in dessen Villa mit einem alt-nordischen Kult aus Dänemark zu tun haben, kann und will noch keiner im beschaulichen Ostfriesland erahnen …

Ulrich Hefner ist kein Debütant mehr, Das Lächeln der Toten Augen ist bereits sein vierter Roman um Martin Trevisan von der Wilhelmshavener Kripo. Er kennt sein Personal und lässt es privat leiden, wenn der Fall noch nicht viel hergibt. So erleben wir Trevisan als aufgebrachten Vater, der seiner pubertierenden Tochter hinterherspioniert und nicht selten vor ihrer verschlossenen Zimmertür steht. Gar kein verkehrter Kniff, spielen doch Sechzehnjährige mehr als eine Nebenrolle und halten so ein homogenes Bild.

Wunderbar gelingen Hefner auch die Perspektivwechsel, die den Leser über lange Zeit – wie im Prolog – völlig ahnungslos belassen, ohne dabei zu langweilen. Da schwenkt er kurz die Kamera auf einen Fischkutter auf hoher See oder irgendwohin nach Dänemark, wo sich eine Art Großmeister an den »Alten Schriften« belabt. Auf eine Schießerei im Hafenvierteil, auf die Leiche des nächsten Jungen. Das ist komplex geplottet, gekonnt konstruiert und gerade bei den Szenen mit »Action« blüht Hefner auf.

Wo viel Licht, ist aber auch Schatten. Zum einen verärgert es schon, dass – mal wieder – ein Klappentext mehr als die Hälfte des Buches vorausnimmt. Und da man schon so lange keinen Wallander-Krimi mehr zur Hand hatte, fällt einem erst jetzt auf, dass man Kapitel, die mit Wetterbeschreibungen enden, eigentlich gar nicht vermisst hatte. Dazu will man dem Autor zurufen: weniger ist mehr! Der Protagonist muss nicht in wenigen Kapiteln erst verständnislos, dann dankbar und irgendwann auf welche Art auch immer nicken. Da kann und muss Hefner dem Leser mehr Text-Verständnis zutrauen, was gleichzeitig auch der Figur des Martin Trevisan zugute käme.

Das Lächeln der toten Augen ist dennoch ein guter bis sehr guter Polizeiroman. Einer, von dem sich so mancher Tatort etwas abgucken könnte. Nicht überfrachtet, nicht zu viel gewollt und deswegen mehr erreicht. Präzise an den Stellen, wo es um die Ermittlung geht. Nebulös, an denen, die den Hintergrund betrachten.Ein pflichtbewusster Kommisar in der Hauptrolle, der gleichzeitig ein kämpferischer wie glaubwürdiger Vater ist. Krimi menschlich – ohne Kitsch, mit dem Etikett »überaus spannend«.

Lars Schafft, September 2009

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wampy zu »Ulrich Hefner: Das Lächeln der toten Augen« 16.02.2015
„Das Lächeln der toten Augen“ ist ein Frieslandkrimi von Ulrich Hefner, der 2009 bei LEDA als Taschenbuch erschienen ist. Kommissar Trevisan von der Wilhelmshavener Kriminalpolizei wird mit den Ermittlungen im Fall eines erhängt aufgefundenen Jugendlichen betraut. Als kurze Zeit später ein Freund des Jugendlichen unter mysteriösen Umständen zu Tode kommt, ist klar, das es um mehr als eine Familientragödie geht. Als dann auch noch seine Tochter Paula entführt wird, wird Trevisan von den Ermittlungen entbunden. Doch das hindert Trevisan nicht daran, sich weiter um den Fall und um die Suche nach seiner Tochter zu kümmern.
Das Buch ist im Drehbuchstil geschrieben, d. h. Viele kurze Kapitel mit vielen Dialogen und häufig wechselnden Schauplätzen. Die Sprache ist klar, einfach und leicht verständlich. Die Spannung steigt fortwährend und man fiebert mit dem Kommissar mit, gerade auch weil er seine Ecken und Kanten hat. In regelmäßigen Abständen sind gut beschriebene Actionelemente eingefügt, die für zusätzliche Dramatik sorgen. An diesen Stellen wird der Krimi zum Thriller, und das im positiven Sinne. Dieser Trevisan enthältmehr Thrillerelemente als seine Vorgängerbände. Mir persönlich gefallen die ruhigen Stellen besser, weil es mehr Friesland und mehr Trevisan ist. Insgesamt hat mir der lesenswerte Krimi gut gefallen.
Meine Wertung 85/100
Janko zu »Ulrich Hefner: Das Lächeln der toten Augen« 25.09.2012
„Das Lächeln der toten Augen“ ist ein solide umgesetzter, recht nüchtern verfasster Plot mit einigen kleinen inhaltlichen Fehlern, die allerdings gegenüber der stets aufrecht gehaltenen Spannung und der sehr interessant verwobenen Story nicht weiter ins Gewicht fallen. Durch den häufigen Wechsel zwischen den einzelnen Szenerien (Drehbuchstil/Anm. des Autors), wird man stets auf die Folter gespannt und will wissen wie es weitergeht. Dadurch wird es schwer den richtigen Punkt zu finden, wenn man das Buch mal unterbrechen muss. Man will einfach weiterlesen. Die Story ist im hohen Norden angesiedelt und spielt hauptsächlich an der Nordsee, ein wenig in Dänemark und sogar in Grönland. Ihre Protagonisten und die jeweiligen Situationen, in die sie hineingeraten sind stets lebensecht und realistisch dargestellt. Gespickt mit ein wenig nordischer Mystik und keltischem Brauchtum kommen hier auch interessante und wissenswerte Themen keinesfalls zu kurz. Meine Wertung: 81°
Chrisu zu »Ulrich Hefner: Das Lächeln der toten Augen« 19.10.2010
Sven Halbermann wird erhängt aufgefunden. Ursache: Selbstmord. Dann kommt ein Freund von ihm auf mysteriöse Weise ums Leben. Was steckt wirklich dahinter? Hauptkommissar Trevisan und seine Abteilung durchforsten das Leben von Simon Halbermann und machen eine grausame Entdeckung im Keller seiner Villa. Die Freunde der beiden Toten werden in die Mangel genommen und es wird ein Abschiedsbrief von Sven entdeckt, der weitere Vorkommnisse ans Tageslicht bringt und die Ermittlungen werden nach Dänemark ausgeweitet. Und dann wird Paula, die Tochter von Trevisan entführt. Wer ist der Drahtzieher dieser Ereignisse? Halbermann ist mit seinem Flugzeug bei einem Unwetter abgestürzt. Seine Frau hat man tot im Flugzeug gefunden, aber von ihm fehlt jede Spur. Es wird ermittelt, dass Halbermann und Gunther Behrends, Landtagsabgeordneter zusammen studiert haben und beide gehören einem Kulturverein an, der sich um Kelten und Brauchtümer der damaligen Zeit befaßt.
Dieses Buch von Ulrich Hefner ist genauso interessant zu lesen, wie die Bücher von Mankell. Und auch Hefner hat seinen Wallander - Hauptkommissar Trevisan.
Auf jeden Fall werden noch weitere Bücher von Hefner den Weg in mein Bücherregal finden.
Birgit zu »Ulrich Hefner: Das Lächeln der toten Augen« 27.06.2010
Das erste Buch, dass ich mir auf Empfehlung der Krimicouch gekauft habe und ich war hochzufrieden. Spannend bis in die Haarspitzen! Ich kann diesen Krimi wirklich nur weiterempfehlen - so schnell habe ich schon lange kein Buch mehr gelesen.

Sollten alle Hefner-Romane so spannend sein, freue ich mich schon auf die nächsten langen Winterabende.
Eichelober zu »Ulrich Hefner: Das Lächeln der toten Augen« 26.10.2009
Hefner ist eben ein echter Polizist, der sich in der Materie auskennt und auch um das polizeiliche Alltagsgeschäft weiß. Er ist ja schließlich durch eine harte Schule gegangen.

Zudem ist er ein Meister der Spannung.

Weiter so und noch viel mehr.


Dann ist der Durchbruch garanitiert und wir werden die Bücher im Fernsehen anschauen.
Harry zu »Ulrich Hefner: Das Lächeln der toten Augen« 19.08.2009
Ich habe bislang alle Hefner-Romane gelesen und fand sie durchweg spannend (und da ich weiß wovon er schreibt) auch sehr realitätsnahe. Der neue Fall für unseren friesischen Kollegen Trevisan setzt die Folge fort, ohn abzufallen. Dieses Buch ist nach Schwarz-Lilafür mich die Nummer 2 der Serie.
Schade nur, dass man so schnell durch ist, ich freue mich bereits auf den nächsten Krimi
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