Goldblond von Tom Wolf

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 bei berlin.krimi.verlag.
Folge 7 der Honoré-Langustier-Serie.

  • Berlin: berlin.krimi.verlag, 2005. ISBN: 3898095010. 256 Seiten.

'Goldblond' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Honoré Langustier, inzwischen 76, genießt in einer Villa am Heiligen See seinen Ruhestand eher schlecht als recht. Nichts als Langeweile – selbst in seiner Freimaurerloge. Doch da erschüttern plötzlich seltsame Todesfälle den Orden. Prinz Heinrich, ebenfalls Freimaurer, bittet Langustier um Hilfe. Und schon bald stoßen der ehemalige Leibkoch, seine zauberhafte Urenkelin Gerardine, der Reisebegleiter des gerade in Berlin eingetroffenen Weimarer Großherzogs, der Legationsrat Goethe, auf die Spur eines Serienmörders …

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein anspruchsvoller, fundierter historischer Krimi mit Hercule-Poirot-Finale« 80°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Honoré Langustier langweilt sich schrecklich auf seinem Altersruhesitz in Potsdam nachdem ihn seine Majestät Friedrich II., König von Preußen, vor einem Jahr den Ruhestand befohlen hat. Bis dahin war Langustier, inzwischen stolze 76 Jahre alt, Zweiter Hofküchenmeister des Königs und machte sich nebenbei als dessen »Privatdetektiv« nützlich. Diesem Umstand verdankt es Langustier, dass sich der Kreisphysikus Doktor Heim eines Tages an ihn wendet, der tags zuvor von dem Berliner Polizei-Kommissar Distel um eine Leichenschau gebeten wurde. Der Berliner Hofpostamtssekretär Brandes wurde aufgehangen an einer Brücke gefunden, welche bei der Bevölkerung als Ort heidnischer Mysterienkulte gilt. Die Strangulationsmerkmale deuten eindeutig darauf hin, dass Brandes keinen Selbstmord verübt hat. Die Neugierde Langustiers ist natürlich sofort geweckt und so nimmt er mit Heim die Ermittlungen auf.

Sehr schnell finden die beiden heraus, dass Brandes erst zwei Tage vor seinem Tod an einer geheimen Besprechung teilgenommen hat, bei welcher auch der Bruder von Friedrich II., Heinrich, Prinz von Preußen, zugegen war. Dieser sorgt derzeit für einige politische Irritationen, da er seinem Bruder nicht die gewünschten Truppen zusendet, welche dieser im Kampf gegen Österreich benötigt, um mit Waffengewalt die Bayrische Erbfolge zu verteidigen. Sollte etwa eine geheime Verschwörung stattfinden, von der Brandes zu viel wusste?

Knapp zwei Wochen später trifft Langustier den Geheimen Legationsrat Goethe, der mit seinem Herzog auf der Suche nach einem Ordensschwindler ist, der vorgibt, im Besitz hoch geheimer Kenntnisse zu sein und nach eigenen Angaben unter dem Namen »Egyptische Bauhütte« eine neue Form der Maurerei betreibt. Langustier sagt Goethe seine Hilfe zu, wird jedoch bereits am nächsten Tag zu Prinz Heinrich befohlen. Dieser eröffnet Langustier, dass es bereits einen weiteren Toten gab und erst heute Morgen eine dritte Leiche entdeckt wurde. Da die Berliner Polizei überfordert scheint, bittet Heinrich Langustier offiziell um Hilfe und legitimiert ihn, als »Amtsperson mit besonderen Aufgaben«. Bei dem Toten findet sich ein Schreiben, welches sich an den Obersten Großmeister der Egyptischen Maurerei richtet. Recht bald entdeckt Langustier, dass auch die ersten beiden Toten den Idealen der Freimaurerei huldigten …

Nach Titeln wie Königsblau, Rabenschwarz und Purpurrot legt Tom Wolf mit »Goldblond« bereits seinen siebten Preußen-Krimi vor, in dem der Koch des Königs gleichzeitig die Rolle des Ermittlers übernimmt. Angesichts des inzwischen stattlichen Alters von Honoré Langustier (76) könnte sich die Serie jedoch bald ihrem Ende zuneigen, was sehr schade wäre, denn dem eigenwilligen Detektiv würde man gerne noch öfters folgen.

Wie ein Aufkleber des Buchcovers belegt, handelt es sich aber nicht nur um einen Preußen-Krimi, sondern gleichzeitig auch um einen »Freimaurer-Krimi«. Und damit kommen wird gleich zum entscheidenden Punkt dieses Romans, der übrigens hervorragend in die Ära Preußens zur Zeit Friedrich II. (später Friedrich der Große) einführt, denn der Autor verlangt seinen Lesern ein Höchstmaß an Konzentration ab. Nicht nur, dass der Kreis der Verdächtigen schon groß genug ist, die Anzahl der übrigen mitwirkenden Personen ist ebenfalls nicht zu verachten. Bei einer Familienfeier verliert selbst Langustier bei all den Kindern, Enkeln, Urenkeln den Überblick und der Leser kann an dieser Stelle nur schnell weiterblättern.

Darüber hinaus bemüht sich der Autor dem Leser die Ideen und Rituale der Freimaurer näher zu bringen, wobei man hier ebenfalls schnell den Überblick verlieren kann, bei all den Großlogen, Logen und Zirkeln, mit denen der der Freimaurerei unkundige Leser freilich nicht viel anzufangen weis. Nicht zuletzt deshalb, weil sich deren Namen allzu oft nicht erschließen. Immerhin erfährt man aber, was es mit der Bedeutung der drei Weltkugeln im Namen der Großen National-Mutterloge »Zu den drei Weltkugeln« auf sich hat, einer von insgesamt fünf noch heute bestehenden Großlogen. Doch als wäre dies alles noch nicht ausreichend, garniert der Autor seine Handlung mit ausführlichen Beschreibungen der Entstehung / Quellen der einzelnen Orden und Logen, was nichts anderes bedeutet, als noch mehr Zahlen und noch mehr Namen.

Wer dies jedoch tapfer über sich ergehen lässt und hierbei die Ruhe bewahrt, findet einen hervorragenden historischen Krimi. Atmosphärisch dicht überzeugt der Roman ebenfalls in sprachlicher Hinsicht, wenngleich einem die gelegentlich verwendete alte Sprachweise à point etwas zu irritieren vermag, gleichwohl birgt sie für zusätzliche Authenzität. Die schlüssige und akzeptable Auflösung des Falles hat der Autor bei zahlreichen literarischen Vorbildern abgeschaut, denn zum Schluss gibt es ein Festessen der Tafelloge unter Anwesenheit aller Verdächtigen und Langustier löst den Fall in bester Hercule-Poirot-Manier.

Anzumerken sei noch, dass Friedrich II., da im Krieg gegen Österreich gerade nicht in Berlin weilend, nur indirekt vorkommt und Legationsrat Goethe, welcher mit seinem Werther angeblich die Massen in den Selbstmord trieb, nur wenige kleine Gastauftritte hat, bei denen er übrigens nicht gut davon kommt.

Wer nur gelegentlich bei einem guten Roman spannende Unterhaltung sucht, sollte dieses Buch nicht in Erwägung ziehen, da es einen in diesem Fall schnell an die eigene Leistungsgrenze führt. Wer hingegen anspruchsvolle und fundiert recherchierte historische Romane zu genießen weis, sollte sich unbedingt auf das Buch einlassen.

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