Kind 44 von Tom Rob Smith

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel Child 44, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei DuMont.
Ort & Zeit der Handlung: Moskau, 1950 - 1969.
Folge 1 der Leo-Demidow-Serie.

  • New York: Grand Central, 2008 unter dem Titel Child 44. 439 Seiten.
  • Köln: DuMont, 2008. Übersetzt von Armin Gontermann. ISBN: 978-3832180560. 512 Seiten.
  • München: Goldmann, 2010. Übersetzt von Armin Gontermann. ISBN: 978-3-442-47207-9. 508 Seiten.
  • [Hörbuch] Bergisch Gladbach: Lübbe Audio, 2008. Gesprochen von Bernd Michael Lade. ISBN: 3-7857-3661-4. 6 CDs.

'Kind 44' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Moskau, 1953. Auf den Bahngleisen wird die Leiche eines kleinen Jungen gefunden. Nackt. Fürchterlich zugerichtet. Doch in der Sowjetunion der Stalinzeit gibt es offiziell keine Verbrechen. Und so wird der Mord zum Unfall erklärt. Der Geheimdienstoffizier Leo Demidow jedoch kann die Augen vor dem Offenkundigen nicht verschließen. Als der nächste Mord passiert, beginnt er auf eigene Faust zu ermitteln und bringt damit sich und seine Familie in tödliche Gefahr

Das meint Krimi-Couch.de: »Will alles – und greift deswegen nicht« 70°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Ein neuer Autor stellt sich vor, Jahrgang 1979, mit schwedisch-britischen Wurzeln. Als Thema seines Erstlings sucht er sich für Kind 44 mörderische Geschehnisse im stalinistischen Russland von 1953 aus, einer Zeit, die er nur aus den im Anhang verzeichneten Literaturnachweis kennt, zu der auch u. a. Alexander Solschenizins Werk »Archipel Gulag« zählt. Auf über 500 Seiten versucht Tom Rob Smith im Dumont-Verlag, daraus eine von Armin Gontermann übersetzte Story zu basteln.

Antiheld dieser Geschichte ist ein hochrangiger Offizier des NKWD (Narodny Kommissariat Wnutrennich Djel), dem Volkskommissariat. Zum Zeitpunkt dieser Geschichte, also 1953, war das NKWD allerdings nicht mehr unter diesem Namen aktiv, denn es wurde 1946 wieder in MWD umbenannt, das Ministerium für Innere Angelegenheiten. Hier dürften die Recherchen des Autors wohl nicht sonderlich genau gewesen sein.

Dieser Offizier namens Leo Demidow wird als absolut systemkonformer Mitläufer gezeigt, dessen Aufgabe es ist, subversive Elemente, die das Staatsgefüge unter Stalin gefährden, rigoros mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln auszumerzen. Hier zählt nicht der Mensch, hier zählt die uniforme Masse und der Polizeiapparat hat mit allen Konsequenzen zu versuchen, dass nichts, was es nicht geben darf, unter allen Umständen eliminiert wird.

Raisa Demidowa ist Leos Frau. Als Lehrerin hat sie dafür zu sorgen, dass dem sowjetischen Nachwuchs die Gebote des Stalinismus eingetrichtert werden. Ihr Umgang mit einem regimekritischen Kollegen ist nicht nur Leo suspekt, auch die Polizeimaschinerie hat ein Auge auf sie geworfen, denn Denunziation ist für den Machtapparat das Um und Auf bei der Erledigung von vermeintlichen Problemen.

Gegenspieler Leo Demidows ist sein ihm unterstellter Kollege Wassilij. Als Leo bei einer Säuberungsaktion plötzlich Gewissenbisse bekommt und Wassilij mit Waffengewalt an der Tötung zweier Kinder hindert, unterschreibt er damit das vorläufige Ende seiner Karriere, denn plötzlich sind Freund und Feind hinter ihm und seiner Frau her, so dass beide flüchten müssen.

Das allein wäre schon genügend Stoff für eine dramatische Liebes- und Lebensgeschichte, aber Tom Rob Smith baut auch noch reichlich grausige Morde an Kindern ein. Einen dieser Morde an einem Jungen muss Leo vertuschen, denn offiziell ist Russland frei von solchen Schandtaten. Dass der Vater des ermordeten Kindes zufällig auch noch ein Kollege ist, macht die Sache nicht leichter. Und im Verlauf der Handlung häufen sich die Untaten so eklatant, dass Leo seine Augen davor nicht verschließen kann und versuchen will, ohne Rücksicht auf persönliche Verluste, den oder die Mörder dingfest zu machen.

Was der Autor beherrscht, ist die atmosphärisch dichte Beschreibung der Zustände im Russland der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Die Schilderungen der Lebensumstände sind packend und eindringlich präsentiert. Hunger, Angst und körperliche Beeinträchtigungen sind an der Tagesordnung, nur wer systemkonform sein Bestes gibt, bekommt Vergünstigungen, wer dies nicht tut, dem droht die Strafversetzung in andere Landesteile und schlimmstenfalls der Gulag und der Tod.

Die Brutalitäten schlachtet Mr. Smith wortgewaltig aus und Actionszenen in einem Plumpsklo der russischen Eisenbahnen und sonstige Fluchtszenarien dürfen dabei nicht fehlen. Da schöpft der Drehbuchautor aus dem Vollen, als müsste er Stunteinlagen für John Woo abliefern. Allerdings wirken sie hier für die sehr stark konstruierte Handlung bis zum relativ abrupten Schluss nur wie Füllmaterial, während der Leser auf den ersten 200 Seiten nicht so recht weiß, worum es eigentlich geht. Ab der Mitte des Buches ist alles klar, da geht es nur mehr darum, ob Leo überlebt und welches Ergebnis er erzielen wird.

Für einen Erstling ist das Buch wirklich passabel. Bis zur Mitte könnte man, trotz ungenauer Recherche, eine schreiberische Topnote vergeben. Danach verflacht der Stoff zusehends zu einem Tränendrüsenactionschocker, der alles will und gerade deswegen nicht greift . Rundum bleibt aber doch ein sehr stimmungsvoll und flüssig geschriebener Krimi, der für einige Stunden Lesevergnügen sorgt, wenn man nicht allzu hohe Maßstäbe anlegt.

Wolfgang Weninger, Mai 2008

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Solitaire zu »Tom Rob Smith: Kind 44« 16.04.2018
Fand ich absolut spannend und für eine versierte Krimileserin mal was anderes mit dem Hintergrund der Stalinzeit. Wer düstere Krimiliteratur mit historischer Verknüpfung mag, für den dürfte "Kind 44" eine klare Empfehlung sein.

Der Charakter Leo Demidow verspricht noch mehr und macht auf Folgebände neugierig.
Lafleur zu »Tom Rob Smith: Kind 44« 04.06.2016
Eine Geschichte rund um Leo Demidow, dem seine menschenunwürdige Arbeit im Stalinismus schließlich zur eigenen Existenzbedrohung wird.
Mit der Handlung konnte Tom R. Smith sofort bei mir - als leidenschaftliche Krimi-Leserin und Geschichte Studentin - punkten. Geschickt verpackt er die Grausamkeiten des Systems, die Morde, eine Liebesbeziehung und zuletzt noch eine Familientragödie auf etwa 500 Seiten. Schon die ersten paar Seiten haben mich vollkommen überzeugt, und ich habe selten so einen gelungenen Einstieg gelesen. Der Autor schafft es auch während des Textes immer wieder Spannung aufzubauen. Es gab zwar durchaus einige wenige Textstellen, die weniger gut geschrieben waren, aber im Gesamten ist es eine sehr spannende und interessante Handlung!
Ich sehe mit voller Hoffnung den weiteren zwei Teilen rund um Leo Demidow entgegen, und hoffe, dass sie wenigstens etwas an den Erfolg des 1. Teils anschließen können.
Janko zu »Tom Rob Smith: Kind 44« 29.12.2015
Russland Anfang der 1950er Jahre. Genosse Stalin ist nach wie vor an der Macht und Russland ein kalter, brutaler Überwachungsstaat, in jeglicher Hinsicht im festen Würgegriff von Väterchen Frost. Leo Demidov, seines Zeichens Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes MGB in Moskau, wird von einem Kollegen denunziert und fällt daraufhin in Ungnade. Wie bereits von Abraham im Alten Testament, verlangt man von Leo ein enorm großes Opfer, um seine Loyalität zu prüfen, was ihn in einen argen Gewissenskonflikt drängt. Er soll seine eigene Frau denunzieren, was für selbige den sicheren Tod bedeuten würde. Leo wird in diese Intrige gegen sich und seine Frau Raisa derart hineingesogen, dass es für sie beide nahezu aussichtslos erscheint, aus eigener Kraft aus dieser Staatsaffäre heil und vor allem lebend herauszukommen. Soll Leo seine Frau über die Klippe springen lassen, um anderen Leuten in seinem Umfeld, wie auch sich selbst das Leben zu retten? Sein Gewissen plagt ihn. Er ist hin und her gerissen. Der Druck, der auf ihm lastet wird immer größer. Da Leo jedoch nicht einknickt, wird er auf unterstes Niveau degradiert und zur Miliz ins 1.000 km entfernte Wualsk versetzt. Obschon ihre Beziehung auf einem nur allzu wackligen Lügengebäude fußt, ist es auch für Raisa, die als Lehrerin arbeitet, die einzig verbliebene Chance mit ihm zu gehen, um weiterhin am Leben partizipieren zu dürfen. Vor Ort in Wualsk versucht Leo, ohne einen entsprechenden Auftrag erhalten zu haben, sogar gegen den ausdrücklichen Willen seiner Vorgesetzten, einem Kinder ausweidenden Serienkiller auf die Schliche zu kommen. Hierbei deckt er Zusammenhänge mehrerer örtlich recht weit voneinander entfernter, bestialischer Verbrechen auf. Mit seinen Ermittlungen auf eigene Faust begibt er sich auf verdammt dünnes Eis und bringt damit nicht nur sich, sondern auch Raisa wieder und wieder in Gefahr. Leo, der zu Anfang als unsympathischer Protagonist dargestellt wird, erkämpft sich durch die Veränderungen, die er im Laufe der Geschichte durchmacht nicht nur beim Leser, sondern auch bei Raisa immer mehr Sympathiepunkte. Nesterow, Leos neuer Vorgesetzter bei der Miliz in Wualsk wird jedoch immer misstrauischer, beginnt ihm schließlich Fallen zu stellen und seine Ermittlungen zu unterwandern. Die Untersuchungen zu den Vorfällen fordern immer mehr zu Unrecht Inhaftierte und auch Tote. Leo lädt immer mehr Schuld auf seine Schultern und ist alsbald abermals am Ende. An einer wahrhaftigen Investigation und Aufklärung der Fälle scheint beim Staat keiner so recht interessiert zu sein, würde man sich dadurch doch eventuell die Blöße geben, Unschuldige inhaftiert, gefoltert oder gar getötet zu haben. Erst, als sich Nesterow allmählich von Leos Theorien überzeugen lässt, nehmen die Ermittlungen Fahrt auf. Tom Rob Smith beschreibt auf 508 Seiten die gezwungene Zurückhaltung der einzelnen Protagonisten. Unter dem Druck der Staatsmacht musste man sich so einiges gefallen lassen, um keinen Repressionen ausgesetzt zu werden. Hinzu kamen die schlechte oder kaum vorhandene Infrastruktur, die Knappheit an Lebensmitteln, die Kälte, die Korruption, die Überwachung, die ständige Gefahr denunziert zu werden. Gemäß dem damaligen Motto: „Jeder ist verdächtig und zuerst einmal als schuldig zu betrachten, bis die Unschuld bewiesen ist.“ Widersprechen oder anders sein konnte den unmittelbaren Tod bedeuten. Durch das Verbreiten von Angst erreichte man Disziplin. Ein stumpfes, graues Gefühl voller Kälte macht sich beim Leser breit, wenn er immer mal wieder auf die damaligen Zustände gestoßen wird. Das harte Durchgreifen, die abartigen Foltermethoden, die Gehirnwäsche, das Ausnutzen der staatlichen Position - wenn man sich denn in solch einer glücklichen und privilegierten Lage befand -, Macht und Ohnmacht, all dies in einem System voller Gewalt und absichtlich verbreiteter Angst. Kritik am Staat bedeutete den sicheren Tod. Das Gebaren des russischen Staates zu dieser Zeit war nicht viel mehr und auch nicht viel weniger, als ein Pendant zum Nationalsozialismus. Homosexualität wurde als Krankheit angesehen, als Verbrechen geahndet und in der Regel mit hohen Gefängnisstrafen oder gar dem Tode bestraft. Jeder konnte auf solch einer Todesliste landen. Private Feinde der Milizbeamten wurden diffamiert. Pure Willkür herrschte vor. Ähnlich der Hexenverbrennung vor vierhundert Jahren. Stalins Tod am 05.03.1953 wurde daher auch von den meisten als Befreiung empfunden. An den damaligen Zuständen hat sich in den letzten Jahrzehnten offensichtlich aber leider noch nicht so enorm viel geändert. Tom Rob Smith zeichnet ein trostloses Bild der damaligen Gesellschaft, eingebettet in ein unnachgiebiges und grausames System, das auch vor den schlimmsten Gräueltaten nicht Halt machte. Wenn es die Politik so entschied, waren Menschenleben keinen Pfifferling mehr wert. Mehrere verschiedene Handlungsstränge werden so hintereinander arrangiert, dass es den Anschein macht, sie hätten offensichtlich keinen Bezug zueinander. Der Autor kann gut beschreiben. Es gelingt ihm eine permanente, unterschwellige Spannung aufzubauen und die verschiedenen Handlungsstränge mit Finesse nach und nach miteinander zu verknüpfen. Auf das Beschreiben des Lokalkolorits hätte er jedoch ein wenig mehr Wert legen können. Beim Lesen fiel mir recht bald auf, dass die Fälle auffällig viele Parallelen zum Ripper von Rostow aufwiesen (nicht nur Namens- und Ortsgleichheiten, auch die Durchführung der Taten an sich, sowie die ungefähre Anzahl der Opfer passte mit 53 in etwa überein). Tom Rob Smiths fiktive Geschichte fand nur ca. dreißig Jahre zuvor statt. Wenn man dann aber die Literaturhinweise auf Wikipedia zum Eintrag zum Ripper von Rostow liest, wird man auch hier auf Autor und Buch stoßen. Die ganze Geschichte hält immer wieder stark umgesetzte Ideen und drastische Wendungen bereit, die den Hauptprotagonisten in ständiger Lebensgefahr halten. Die Beschreibungen sind teilweise recht brutal, kalt, hilflos, aussichtslos und pervers. Trotz einiger, allerdings nicht weiter ins Gewicht fallenden Ungereimtheiten, handelt es sich bei "Kind 44" um ein erschreckendes, wenn auch zum Teil fiktives Abbild der damaligen Zustände in der Sowjetunion.
Meine Wertung: 90/100
stefed zu »Tom Rob Smith: Kind 44« 27.10.2015
Ein gutes, empfehlenswertes Buch.
Kein Krimi im herkömmlichen Sinne, das erweist sich hier jedoch als Gewinn. Das Russland der Stalinzeit wird sehr eindringlich und gut vorstellbar geschildert. Das "normale" Leben war schon grausam genug, dazu bedurfte es keiner uns bekannten Verbrecher bzw. Mörder. Die eigentliche Krimihandlung ist hier eigentlich nur der Mittel zum Zweck, um die gesamten Lebensumstände zu schildern. Das aber ist sehr gelungen. Meiner Meinung nach eine überdurchschnittliche lesenwerte Geschichte, 85%.
Sus90 zu »Tom Rob Smith: Kind 44« 04.10.2015
Zum Inhalt möchte ich eigentlich nichts mehr schreiben, da viele Kommentare davor schon viel inhaltliches klären.

Ein rundum gelungenes, spannendes Buch. Mit vielen geschichtlichen Fakten zu Russland zu Stalins Zeit. Es ist mal eine ganz andere Art Thriller.
Hat mir sehr gut gefallen.
Weitere Episoden über den Hauptakteur Leo würde ich definitiv lesen wollen, um auch zu erfahren wie es für ihn und seine Frau Raisa in Russland weiter geht.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
tassieteufel zu »Tom Rob Smith: Kind 44« 20.04.2015
Moskau Anfang der 50ger Jahre: auf den Bahngleisen wird die Leiche eines kleinen Jungen gefunden, nackt, verstümmelt und der Magen wurde herausgeschnitten. Laut der politischen Doktrin gibt es aber in der Sowjetunion der Stalinzeit keine Verbrechen. Daher wird Geheimdienstoffizier Leo Demidow zu der Familie des toten Jungen geschickt, um die Sache unter den Teppich zu kehren und als Unfall zu deklarieren. Leo ist linientreu und glaubt an seinen Staat, das ändert sich erst, als man seine Frau denunziert und er sich weigert sie ebenfalls als Spionin zu entlarven. Leo wird degradiert und nach Wualks versetzt. Dort stößt er auf weitere Kinderleichen, die nach dem selben Muster getötet wurden, wie der Junge in Moskau. Auf eigene Faust beginnt er zu ermitteln und stößt auf eine grauenhafte Mordserie, doch mit seinen Ermittlungen bringt er sich und seine Familie in größte Gefahr.

Die Geschichte beginnt im Winter 1953, kurz vor Stalins Tod. Hier ist es dem Autor sehr gut gelungen, die Lebensbedingungen in der stalinistischen Sowjetunion einzufangen und dem Leser ein sehr intensives und bedrückendes Bild dieser Zeit aufzuzeichnen. Den Mordfall an einem kleinen Jungen soll Geheimdienstoffizier Leo Demidow vertuschen, doch bis es dann zu den eigentlichen Mordermittlungen kommt, vergeht erst mal ein Drittel des Buches. Leo Demidow ist staatskonform und glaubt an die Doktrin des Staates. Er glaubt allerdings auch, dass seine Frau Raisa ihn liebt. Als man ihn zwingen will, seine Frau zu denunzieren, muß er einige unangenehme Wahrheiten über sich, seine Frau und seinen Staat erkennen und ab hier kann der Leser mitverfolgen, wie sich Leo vom gesetzeskonformen Geheimdienstoffizier zu einem Mann wandelt, der die Dinge hinterfragt und auch kritisch sieht. Als er strafversetzt wird und auf einen ähnlichen Mordfall wie in Moskau stößt, beginnt er gegen alle Widerstände zu ermitteln und nimmt dabei auch persönliche Repressalien in Kauf. Für mich kamen die Mordermittlungen ein wenig kurz, wie gesagt schildert der Autor gekonnt die Lebensumstände und läßt den Leser auch sehr intensiv am Schicksal seiner Hauptfigur teilhaben und läßt Leo Demidow eine wahre Odyssee erleben, aber gerade zum Schluß überstürzen sich die Ereignisse ziemlich und so bleibt einiges auf der Strecke. Insgesamt hat der Autor etwas zu viel in Geschichte hineingepackt und so wirkt am Ende einiges etwas konstruiert. Trotzdem bleibt eine spannende und düstere Geschichte, deren Intensität man sich beim Lesen nicht entziehen kann und die auch die eine oder andere Gänsehaut verursacht.

FaziT: für einen Serienauftakt ganz gelungen, der Autor schildert atmosphärisch dicht und sehr eindringlich das Leben in der stalinistischen Ära, allerdings kommt der Schluß ein wenig abrupt. Zwar werden alle Handlungsstränge miteinander verknüpft, aber das wirkt teilweise etwas zu konstruiert und unglaubwürdig. Trotzdem eine spannende Lektüre, bei der man mit der Hauptfigur mitfiebert.
Gabi Villmow zu »Tom Rob Smith: Kind 44« 20.04.2015
Das war mal ein absolut spannendes Buch. Ich konnte es nicht aus der Hand legen.
Eine unglaubliche Story, aber ich glaube, schon, dass gut recherchiert wurde.
Die Leiden der Menschen im Stalinismus lässt einem das Blut gefrieren. Das hat der Autor perfekt rübergebracht. Diese bedrückende Zeit, so düster dargestellt. Ich konnte mich gut reinversetzen.
Man war in dem System Katzte oder Maus.
Die Fortsetzung des Romans habe ich auch gleich gelesen.
Sabi zu »Tom Rob Smith: Kind 44« 25.02.2014
Es wurde genug über den Inhalt geschrieben deshalb lasse ich das weg.


Es reicht auch es weiter zu empfehlen und meiner Meinung nach ist es absolut empfehlenswert .


Ich fand das Buch von der ersten Seite an spannend und konnte es kaum weglegen.
Ich bin neugierig wie es mit Leo Demidow weiter geht und habe mir die zwei nächsten Bücher aus der Reihe schon bestellt.


Daumen hoch !
Nadja zu »Tom Rob Smith: Kind 44« 18.02.2014
Ich bin in etwa bei der Seite 300 angelangt und finde das Buch bis jetzt sehr spannend, da es vielseitig ist. Natürlich gibt es langatmige Passagen, jedoch sind sie nötig, um sich besser in die Charaktere hineinzuversetzen. Anscheinend gibt es kleine historische Unstimmigkeiten, so etwas anzukreiden ist jedoch etwas für Erbsenzähler. Schließlich ist das Buch nicht als "Historischer Roman" gekennzeichnet. Natürlich kann ich mir schon denken, wer der Mörder ist, jedoch bin ich mehr an der Geschichte als am Show Down interessiert. Daumen hoch, ich gebe 90 Punkte!
meni77 zu »Tom Rob Smith: Kind 44« 09.01.2014
Ich muss ganz ehrlich sagen, hätte mir von dieses Buch auch mehr erwartet, musste zwischendurch drei andere lesen, um es endlich zu Ende zu bringen. Smith schafft es nicht, eine Spannung aufzubringen, die Vorlage zur Story verspricht deutlich mehr, was man dann bekommt. Wer sich für Russland und die Zeit, in der es spielt interessiert, könnte vielleicht auf seine Kosten kommen, ein klassischer Thriller ist es sowieso nicht, dafür gibt es zu viel Leerlauf, ich werde demnächst auf Smith gut und gerne verzichten können, glaube auch nicht dass er sich recht lange am englischen Markt mir so etwas halten kann! Lediglich 50 Grad und dabei bin ich noch gnädig

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