Die Gefangenen von Green River von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1994
unter dem Titel Green River Rising,
deutsche Ausgabe erstmals 1996
bei Heyne.
414 Seiten.
ISBN-10: 3-453-13122-3, ISBN-13: 978-3-453-13122-4.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Texas, 1990 - heute.
'Die Gefangenen von Green River' ist erschienen als
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In Kürze:
Das texanische Gefängnis Green River ist bis zum Bersten überbelegt. Die Stimmung unter den Häftlingen ist bereits am Hochkochen, als die repressalien-Schraube noch mehr angezogen wird. Da kommt es zur Revolte. Der einzige, der den Teufelskreis von Gewalt und Provokation jetzt noch durchbrechen kann, ist der unschuldig verurteilte Arzt Ray Klein. Er, der eigentlich nur noch vierundzwanzig Stunden abzusitzen hat, muss alles tun, um ein Blutbad zu verhindern …
Das meint Krimi-Couch.de: »Ekelig grüner Gully-Glibber: An diesem Thriller werden sich die Geister scheiden!«
Krimi-Rezension von Bernd Neumann
Laut Zeitschrift »Buchkultur« zählt der Erstling des studierten Psychiaters(!) Tim Willocks zum »dreckigen Dutzend« innerhalb der Kriminalliteratur aller Zeiten. Unvorstellbar, dass es von diesem Kaliber noch weitere 11 existieren sollen!
Tim Willocks schreibt über ein betäubendes Gebräu aus Sex & Drugs & Force, das den alltäglichen Rhythmus im zum Bersten überfüllten Gefängnisses »Green River« diktiert.
Green River ist »der Vorhof der Hölle«: wer hier als schwarzes oder weißes Alpha-Tier anerkannt werden möchte, muss animalischste Urtriebe mit rein egoistischer Zielstellung in sich haben und diese imposant und mit Langzeitwirkung als Exempel zu statuieren.
Es gilt, Angst und Schrecken zu verbreiten. Ein konstant hoher Adrenalinspiegel stumpft seelisches und körperliches Schmerzempfinden ab. Auf dieser Basis der Menschenverachtung lässt sich mit nötigem Respekt eine hörige Gang halten. Der Häuptling der weißen Kampfmaschinen Nev Agry und sein Lakai, die Kampfmaschine Grauerholz, verfolgen auch den Leser Seite für Seite.
Im Green River herrscht das Gesetz der konsequenten Selektion. Nur die Stärksten überleben. Diese haben sich dann eine Machthierarchie konstruiert, wie sie unter freiem Himmel nie mehr erreichen würden. Deshalb fühlen sie sich hier, am Vorort der Hölle, bodenständig und verteidigen ihre Position mit Zähnen und Klauen, selbst bei Strafe des eigenen Untergangs.
Der seelisch kranke Anstaltsdirektor Hobbes sieht in diesem Gefängnis sein Lebenswerk. Er ist ein Anhänger des »panoptischen Systems«: Wenn sich alle Gefangenen unter der hohen Glasdachkonstruktion vom Green River unter ständiger Beobachtung fühlen, kommen sie nicht umhin, ihre Seele zu offenbaren und zu überprüfen. Das Problem: Die Schwerverbrecher kümmern sich einen Dreck um dieses System; hier herrscht das System der Selbsterhaltung.
In diesem Schmelztiegel menschenverachtender Gewalt und Moral kommt es zur Eskalation: Eine Gefängnisrevolte bringt das Fass zum Überlaufen, und alle sind mittendrin.
Auch der unschuldig verknackte Arzt Ray Klein, für den am kommenden Tag die lang ersehnte Entlassung bevorstehen würde. Auch die leicht nymphomanisch veranlagte, kettenrauchende Medizinerin Juliette Devlin, die im Green River eine Studie betreibt, ob es sich in Freiheit oder in Haft, mit oder ohne Besitz leichter sterben lässt.
»Die Gefangen von Green River« ist alles andere als ein »Frauenroman«, sondern heftigster Krimi-Hardcore, absolut nichts für Memmen und Mimosen (z.B. werden wahrscheinlich in keinem anderen Buch weltweit – einschließlich der Produkte von Beate Uhse & Co. – so häufig die äußerst kommunikativen Worte »Pimmel« und »Eier« strapaziert).
Bei dem als Zugabe ständig präsenten Gemeuchel und Gemetzel wird einem Angst und Bange – und dennoch liest man gespannt bis zum bitteren Ende weiter: Überstehen Klein und Devlin halbwegs unbeschadet an Körper und Geist, endet die sexuelle Metamorphose von Claude zu Claudine, von Claudine zu Claude und wieder zu Claudine irgendwann in Frieden?
Als Leser lebt man in der Hoffnung, dass das »Green River« hoffentlich nur der morbiden Phantasie des Psychiater-Autors Tim Willocks entsprungen ist. Ansonsten wäre es ein mögliches Präventionsmittel zum Wachrütteln für Menschen mit hoher krimineller Energie: »Wenn Du das noch einmal tust, landest Du im Green River!«
Trotz alledem: 94°, und dafür müsste man sich aus ethischen Gründen eigentlich schämen (wenigstens ein bisschen).
Anmkerung:
Das Buch wurde in 13 Sprachen übersetzt und ein Welterfolg.
Kleine Milchmädchenrechnung: Falls es neben der englischen und deutschen auch eine spanische, russische, portugiesische, französische, ja vielleicht sogar arabische, chinesische, indische, indonesische, pakistanische und vietnamesische Übersetzung geben sollte, haben über 66% der Menschheit die Möglichkeit, »Die Gefangenen von Green River« zu lesen. Und das dann vielleicht sogar dreimal (s. Rubrik unten: »Leserbewertungen«) – das erklärt vieles über die Absonderlichkeiten auf unserem kleinen Planeten.
Das meinen andere:
»Ein Thriller aus dem Vorhof der Hölle.« (Chicago Times)
»Elementar, unvergesslich. Man kann nicht aufhören.« (Daily Mail)
»Der beste Thriller seit ´Das Schweigen der Lämmer´.« (Daily Telegraph)
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| frolleinvomamt zu »Tim Willocks: Die Gefangenen von Green River« | 26.12.2007 |
|---|---|
| mase zu »Tim Willocks: Die Gefangenen von Green River« | 12.11.2007 |
| Frank zu »Tim Willocks: Die Gefangenen von Green River« | 29.07.2007 |
| Tanja zu »Tim Willocks: Die Gefangenen von Green River« | 19.06.2006 |
| Anja S. zu »Tim Willocks: Die Gefangenen von Green River« | 25.02.2006 |
| Anonym zu »Tim Willocks: Die Gefangenen von Green River« | 05.01.2005 |
| Analyzer zu »Tim Willocks: Die Gefangenen von Green River« | 06.06.2004 |
