Der Metzger sieht rot von Thomas Raab

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 bei Leykam.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 2 der Willibald-Adrian-Metzger-Serie.

  • Graz: Leykam, 2008. ISBN: 978-3701176199. 319 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2009. ISBN: 978-3-492-25463-2. 319 Seiten.

'Der Metzger sieht rot' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Was tut man nicht alles aus Liebe? Willibald Adrian Metzger, der feinsinnige Restaurator, zum Beispiel überwindet seine Abneigung gegen Massenveranstaltungen und begleitet seine heiß verehrte Danjela Djurkovic zu einem Heimspiel des Fußballspitzenclubs Kicker Saurias, mit tragischem Ende. Denn auch der Tod löst diesmal seine Eintrittskarte und zeigt auf dem Spielfeld dem nigerianischen Ersatztormann vor allen Augen die finale rote Karte.Sport ist Mord, der Metzger hat es ja schon immer gewusst. Dieser lapidare Satz soll sich jedoch noch mehrfach bewahrheiten. Dass Tags darauf die neugierige Danjela Djurkovic vor dem Stadion zusammengeschlagen und lebensgefährlich verletzt wird, ist dabei nur der Anfang. Der sonst so friedliche Metzger folgt seiner aufkeimenden Wut, und die schickt ihn nicht nur auf die Spur des Täters, sondern auch in dermaßen finstere Regionen, dass ihm plötzlich die Idee, es könnte doch ein Zusammenhang zwischen dem Tod des Tormanns und dem Mordanschlag auf seine Danjela bestehen, gar nicht mehr so an den Haaren herbeigezogen scheint …

Das meint Krimi-Couch.de: »Eine humorige Holzhammerattacke« 52°

Krimi-Rezension von Jochen König

Da lässt sich der Restaurator Metzger, Willibald Adrian mit Vornamen, von seiner Freundin, der fußballbegeisterten Danjela Djurkovic zum Besuch eines Fußballspiels der »Kicker Saurias« überreden und wird gleich zum Zeugen eines Todesfalls. Der ungeliebte, dunkelhäutige Torwart Kwabena Owuso bricht während der zweiten Halbzeit tot auf dem Fußballballfeld zusammen. Noch vor dem Metzger wittert die Danjela eine finstere, tödliche Intrige hinter dem Zusammenbruch. Als sie nachforscht, wird sie selbst das Opfer einer üblen Begegnung mit einem Baseballschläger. Krank von Grippeviren und Sorge macht sich der Willibald zusammen mit der besten Freundin seiner Danjela und dem Kommissar Pospischill auf die Suche nach den Tätern und mutmaßlich fremdenfeindlichen Hintergründen. Dabei gerät er in die Quere einer kunstbeflissenen Killerin, deren teilweise unsittlichen Avancen sich der Willibald nur schwer und mit Blessuren entziehen kann. Am Ende werden einige Handlanger entlarvt, während die Drahtzieher vermutlich weiter ihre Kreise ziehen.

Eigentlich ist das Thema Fußball – besonders im deutschsprachigen Kriminalroman – geradezu prädestiniert: Leidenschaft, Missgunst, Kampf, Intrigen, Profilneurosen, Neid, Erfolgsdruck und vor allem eine Menge Geld – wie geschaffen für literarische Reisen in verbrecherische Abgründe. Doch sind derartige Bücher rar gesät – gute zum Thema natürlich besonders. Und auch Thomas Raabs Der Metzger sieht rot wird sich nicht mit Glanz und Gloria einreihen.

Zwar spielen Fußball und Vereinsmeierei eine Rolle, doch noch mehr ist Raabs Roman eine Liebesgeschichte und eine nahezu willkürliche Ansammlung von Alltagsbetrachtungen. Die Liebesgeschichte zwischen dem leicht verklemmten Willibald und seiner kroatischen, komatösen Wuchtbrumme Danjela ist recht warmherzig ausgeführt, leidet aber an der gleichen Geschwätzigkeit wie die mitunter seitenlangen Bonmots, die Raab mit Vorliebe zum Besten gibt. Manch einer ist sogar gelungen, besonders wenn Thomas Raab den österreichischen Kulturbetrieb karikiert (was aber vermutlich jeder österreichische Humorist im Schlaf beherrscht), doch meist plätschert der Text umständlich dahin, beschreibt nicht nur einen Weg, den man längst kennt, sondern auch noch Hölzchen und Stöckchen am Wegesrand und wie sie dort hingeraten sind. Das ist bestenfalls sanft erheiternd, das gesamte Buch kommt sowieso eher daher wie das Soloprogramm eines mäßig begabten Komödianten, denn als ironischer Kriminalroman mit einem marginalen Hauch von Spannung.

Jetzt könnte das Herumtändeln ja seinen eigenen Witz haben, diese Verweigerungshaltung gegenüber einer stringenten Handlungsführung und einer Spannungsentwicklung. Wenn denn die pittoresken Exkursionen eines Willibald Adrian Metzger und seiner Mitmenschen mehr wären als selbstgefällige Erläuterungen des Offensichtlichen – bis auf wenige Ausnahmen. Aber das Buch leidet unter einem Erklärungswust, der noch ausführt, das man als Balljunge dazu angehalten ist, »diverse verirrte Pässe per Hand oder Fuß zurück ins Spielfeld zu befördern«. Da wäre der Leser möglicherweise auch alleine drauf gekommen.

Raab nimmt seine Leser an die Hand und lullt sie ein, damit niemand merkt, wie viel heiße Luft sich hinter all dem gemütlichen Schmäh und den schalen Witzen verbirgt. Da dürfen Vereinsvorsitzende »Fürst« und »König« heißen und die kaltblütige Killerin – mit einer leichten Aversion dagegen, Frauen zu töten – sich »Dominique Nemesis« nennen. Nicht, dass sich aus der Namensgebung Konsequenzen ergeben, es ist einfach ein weiterer belangloser Witz in einem belanglosen Buch.

Zwar steigert sich Der Metzger sieht rot auf den letzten hundert Seiten, wenn die Handlung für Momente Oberhand über die endlosen Vergleichsketten gewinnt, die meist banal sind und oft genug aus falschen Tönen bestehen – schon mal von »der Wucht einer Intensivstation« erschlagen worden? – aber er bleibt trotzdem eine humorige Holzhammerattacke, die im Gewand einer feinsinnigen Kriminalsatire daherkommt.

Wer über Begriffe wie »Herumgeballerunterhaltung« oder »Popischill-Fallauflösung« herzlich lachen kann, der ist beim Metzger gut aufgehoben. Ich wende mich ab mit Grausen und denke eher daran in die DVD-Ausgabe der Mittsiebziger Serie »Hallo Hotel Sacher …Portier« mit Fritz Eckhard zu investieren, die Raabs Werk an leicht hinterfotzigem Schmäh, Esprit und Klugheit locker in den Schatten stellt.

PS.: Nicht über die Artikel vor den Namen der Protagonisten zu Beginn der Rezension wundern. Nur ein kleiner Vorgeschmack auf die aufgeblasene Attitüde des Romans.

Jochen König, Juli 2008

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uknig zu »Thomas Raab: Der Metzger sieht rot« 18.10.2015
Dieser Roman mit dem eigenwilliger Restaurator Willibald Adrian Metzger ist nach meinen Informationen noch nicht verfilmt, aber wäre dazu durchaus geeignet. Zumal der grandiose Robert Palfrader eine hervorragende Besetzung ist. Der Fall – ein Mord im Fußball-Milieu – ist ein wenig dünn und spielt nur eine untergeordnete Rolle, viel interessanter sind Schmäh und Witz. Raab schreibt ganz lustig, aber im Film kommt das noch besser. Und an manchen langen Satz muss sich der Leser erst gewöhnen.
Bernie Baer zu »Thomas Raab: Der Metzger sieht rot« 20.11.2012
Mein zweiter Roman von Thomas Raab nach dem "Nachsitzen".

Der Wortwitz und Sakasmus des Autors gefällt mir außerordentlich gut.

Leider fällt die Story dieses Romans aber deutlich zum 1. Buch ab.
Auch fand ich den Schluß nicht sehr befriedigend.

Ist natürlich alles Geschmackssache aber ich werde auch noch die Fortsetzungen - allein schon ob des Humors - kaufen und lesen.

Für diesen Roman bleibt es aber "nur" bei 72 Grad.
top28 zu »Thomas Raab: Der Metzger sieht rot« 13.11.2010
Alsso, wer humorvolle etwas brave Krimis mag, sollte den Raab probieren. Zuerst muss der Leser sich aber mit den langen, verschraubten Sätzen abfinden. Dann gelingt die Freude an den kleinen Arabesken des gekonnt schreibenden Autors um so mehr. Der Krimi ist dahinter weniger wichtig, die Hauptfigur, der Möbelrestaurator ist merkwürdig genug um einem schöne Leseabende zu bescheren. Raab schreibt immer appetitlich und wen die kriminellenMachenschaften im Profifussball interessieren, der dürfte viele Parallelen entdecken.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Karl Rochus zu »Thomas Raab: Der Metzger sieht rot« 07.08.2008
Erstaunt über die wirklich schlechte Rezi zum Metzger, bin ich durchwegs vergnügt über die Kommentare hier. Mein Kompliment an den Autor, der hier selbst sehr neutral Stellung nimmt. Geschmäcker sind halt verschieden.
Die Art und Weise, seinen Geschmack kundzutun, spricht auch immer für sich.
DAZU: Ich konnte mich über "der Metzger sieht rot" prächtig amüsieren. Und dass die Geschichte vielleicht gelegentlich etwas langsam voranschreitet, ist in Anbetracht der feinen humoristischen Klinge des Autors und der enorm breit gefächerten Thematik des Buches ganz leicht zu verkraften.
Für den Metzger braucht man Zeit und Muße. Und das ist durchaus ein Qualitätskriterium.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Jochen zu »Thomas Raab: Der Metzger sieht rot« 10.07.2008
Lieber Herr Raab,

danke!
Es hätten sogar ein paar Grad mehr sein können, ich stehe mit der Punktwertung etwas auf Kriegsfuß.
Jetzt bin ich doch glatt versucht, es nochmal mit ihrem nächsten Werk zu probieren;-) Oder lieber nicht?
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Thomas Raab zu »Thomas Raab: Der Metzger sieht rot« 10.07.2008
Liebes crimi-couch Team, lieber Jochen König!

Mit Verwunderung lese ich heute Morgen die Kommentare zur Rezension von Herrn König. Menschen die Bücher schreiben, und mit dem Glück gesegnet sind, einen Verlag zu finden, stellen sich damit Menschen. Und das Wunderbare an den Menschen bitte, ist ihr Reichtum an verschiedenen Gesinnungen, Meinungen, Geschmäckern, Geschichten, ...
Die Abhandlung von Johann König hat also aus SEINER Sicht absolut Berechtigung.
Ich danke ihnen, lieber Herr König, dennoch für die immerhin 38 Grad, das
hätten ja auch weniger sein können.
Den untergriffigen Stil rund um das Thema „Metzger“ samt Wortgefechte empfinde ich als äußerst befremdlich, Mensch, das ist ja nur ein Buch, ebenso nicht nachvollziehen kann ich Verschwörungstheorien, dass Verlage oder Autoren keine Kritik vertragen, du meine Güte!!!

Freu mich zwar über die „mir“ zuteil gewordene Aufmerksamkeit, möge das
Buch zerrissen, gelobt, oder was auch immer werden, wenn das mit Respekt
und Esprit passiert, noch schöner, bitte aber dennoch, alle mit Würde ihre Arbeit tun zu lassen, sowohl die Kritiker, als auch uns Autoren.

Liebe Grüße aus Wien ins weite Netz
Thomas Raab
8 von 8 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Rhea Kundra zu »Thomas Raab: Der Metzger sieht rot« 09.07.2008
Lieber Lars S.!

Seien sie bitte so lieb und scheren sie nicht auch die Menschen über einen Kamm. Nur weil sie von mir keine Mailadresse bekommen, das ist doch freiwillig ODER?, und nur weil ich noch keinen Kommentar geschrieben habe, bin ich weder ein Raab-Pilz, der aus der Erde schießt, noch ein wütender Raab-Fan, und nur weil da offenbar irgendwer falsch recheriert, warum schreiben sie; hervorragend recheriert liebe Raab fanS, plural? was soll da jemand denken, der heir reinliest und den metzger gerne gelesen hat?

entwürdigen sie doch nicht auch noch selbst die quulität der krimi-couch seite...
Meinungsfreiheit darf übrigens nicht nur für ihre Rezensenten gelten, und da bin ich mit Herrn Lars N. einer Meinung, das muss ein Plattform, wie die ihre, eine Herr König, ... schon aushalten können, besonders, wenn sie auch gerne, was ja nicht schlecht ist, wilde stiere loslässt.


Herzliche Grüße, und sich bitte anderen Dingen widmen

Rhea Kundra
2 von 4 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Nussbaum zu »Thomas Raab: Der Metzger sieht rot« 09.07.2008
Und noch eines: Zu diesem Zeitpunkt 4 Wertungen, insgesamt 80 Punkte im Durchschnitt. Eine Wertung kennen wir (J. König, 38 Punkte).
Um auf einen 80-er Schnitt zu kommen (=320 Punkte) fehlen also noch 282 Punkte... geteilt durch 3... also jeweils 94 Punkte von den anderen Bewertern...

Mäusken, ick hör dir trapsen...
Nussbaum zu »Thomas Raab: Der Metzger sieht rot« 09.07.2008
Lieber Lars Schafftt,

wozu lesen? Mal einfach so provokant gefragt... Die 38° lassen einem (Verleger/Lektor/Autor/Freund/Frau/Nachbarn/Mitschüler) doch schon die Hutschnur hochgehen. Und dann liest man zwei Absätze an, die diese Tendenz belegen und peng!

Sicher, Sie haben die Verantwortung für den Inhalt dieser Seite, Sie entscheiden, was Sie hier dulden können und was nicht. Aber dieses Geplänkel ist doch harmlos und als Kritiker sollte Herr König das auch abkönnen. Oder?

Rezensenten-Bashing führt doch eher dazu, einen Bogen um ein Buch zu machen, als eine schlechte Rezension selbst. Ich fühle mich immer köstlich unterhalten, wenn ich sowas lese. Viele andere sicher auch. Bitte weiter machen lassen.

Und noch eines in eigener Sache: Ich hinterlasse im Internet aus Prinzip nicht mehr meine E-Mail. Hoffe aber, inzwischen einigen geneigten Lesern hier hinlänglich bekannt zu sein. :-)

Lars N.
1 von 5 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Lars@Krimi-Couch zu »Thomas Raab: Der Metzger sieht rot« 09.07.2008
Klasse, so viele Kommentare und alles von Lesern, die nichtmals ihre E-Mail-Adresse hinterlassen, aber gerne auf Herrn König eindreschen, die Rezension aber offensichtlich gar nicht genau gelesen haben.

Weitere Kritik unter der Gürtellinie werde ich hier nicht mehr dulden, Beschwerden darüber bitte direkt an chefredaktion@krimi-couch.de

Es spricht nebenbei für sich, dass hier eine König-Rezension zitiert wird, die gar nicht auf der Krimi-Couch erschienen ist - hervorragend recherchiert, liebe Raab-Fans!
3 von 4 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.

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