Der Metzger holt den Teufel von Thomas Raab

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 4 der Willibald-Adrian-Metzger-Serie.

  • München: Piper, 2010. ISBN: 978-3-492-05419-5. 400 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2011. ISBN: 978-3-492-27362-6. 352 Seiten.

'Der Metzger holt den Teufel' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Willibald Adrian Metzger bekommt Gesellschaft. Denn nicht nur die Polizei rückt ihm im wahrsten Sinne des Wortes zu Leibe, auch eine schöne Unbekannte tritt unvermutet in sein Leben. Alles beginnt damit, dass am Morgen nach dem Besuch eines klassischen Konzerts auch für eine Musikerin des Orchesters der Schlussakkord erklingt – vorbei ist es für den Metzger mit der Ruhe. Und es dauert nicht lange, bis er neben weiteren Musikerinnen mit durchschnittener Kehle und einem unleidlichen Kommissar auch noch schwerwiegende private Probleme am Hals hat.

Das meint Krimi-Couch.de: » Des Metzgers vierter Auftritt – und keine Ermüdungserscheinungen« 89°Treffer

Krimi-Rezension von Jochen König

Willibald Adrian Metzger hat es mal wieder schwer. Seine Danjela möchte bei ihm einziehen, doch er sperrt sich. Und bekommt einen gänzlich anderen Mitbewohner: Kommissar Pospischill, den die Launen seiner Gattin Trixi auf des Metzgers Chesterfield-Sofa getrieben haben. Der eher eigenbrötlerische Metzger gewöhnt sich wider Erwarten an die Situation, was eine zukünftige Wohngemeinschaft mit seiner Liebsten in einem rosigeren Licht scheinen lässt.

Doch bevor es soweit kommt, wird dem rundlichen Restaurator sein Sakko von einem Skater geklaut – und wiedergebracht (während der Skater verschwindet), eine verschollene (Halb)schwester taucht auf, die, atemberaubend aussehend und augenscheinlich mit dem Metzger schäkernd, die Djurkovic zunächst zur eifersüchtigen Verbündeten Trixi Pospischills werden lässt. Willibald Adrian Metzger entgeht zunächst, dass die Zeichen auf Beziehungssturm stehen, muss er sich doch um einen lukrativen Restaurationsauftrag kümmern, der ihn mitten hinein in die Welt des österreichischen Hoch- und Finanzadels führt. Dass die von Bigotterie und Dekadenz durchsetzt ist, lässt sich bald ahnen, doch wie tief Verbrechen und Laster ihre Stachel in diese illustre Gemeinschaft gebohrt haben, wird erst nach und nach deutlich. Dass es eine Beziehung zu den Morden an Musikern des »weltbesten« Orchesters gibt, auch. Doch bis dahin stecken der Metzger, seine neu gewonnene Schwester Sophie, Eduard Pospischill und sein Team inmitten eines verzweigten Gestrüpps, das seine dornigen Spuren an jedem der Beteiligten hinterlassen wird.

Was soll man groß sagen? Thomas Raab wird mit jedem Buch um Willibald Adrian Metzger besser. So gelungen der Vorgänger auch war, Der Metzger holt den Teufel übertrifft ihn noch. Raab gelingt die Waage zwischen Witz, der sich meist aus kleinen, klugen Alltagsbeobachtungen und deren eigenwilligen Interpretationen seiner Protagonisten nährt, Ernsthaftigkeit und spannender Krimihandlung gut wie selten.

Das ist wunderbar austariert, die Gags besitzen das richtige Timing und ziehen einem Buch, das teilweise unglaublich traurig ist, den Boden nicht unter den Füßen weg. Es menschelt zwischen den Figuren und trotz aller Komik, behalten sie Tiefe, Glaubhaftigkeit und Würde. Zudem wirkt die Handlung um einen zutiefst gestörten Serienmörder nicht aufgesetzt, sondern passt sich ins Ganze ein. Und bleibt auch im letzten Drittel spannend, wenn sich die wahren Schuldigen entlarven, und der geneigte Leser schneller als die Polizei schaltet.

Gut zu Gesicht steht dem Roman, dass er nicht zu einer reinen Metzger/Djurkovic-Show ausartet, sondern um prägende und tragende Nebenfiguren erweitert wird. In erster Linie sind dies Sophie Wildhalm, die herbeigezauberte Schwester des Metzgers, der Junge Oskar, der trotz einer scheinbaren Behinderung den Metzger unter seine Fittiche nimmt; Irene Moritz die toughe Polizistin und selbstverständlich Eduard Pospischill samt Gattin Trixi, die die vielleicht größte Wandlung in der Wahrnehmung des Romans und seiner Figuren macht.

Die Motivation des Orchester-Musiker killenden Soziopathen ist zwar nicht ganz neu, aber nachvollziehbar und stimmig entwickelt. Wenn der Metzger bei Restaurationsarbeiten dem Mörder Schicht um Schicht näher kommt, erinnert das gar an die Blütezeit italienischer Giallos, als den Schößen scheinbar heiler Familien manch messerschwingender Massenmörder mit niedlichem Gesicht entkroch.

Düsterer ist er geworden, der Herr Raab, und das steht ihm und dem Metzger, der mehr Rückgrat denn je beweisen muss, gut. Sämtliche Figuren bleiben wandlungsfähig, die Handlung wird mit dem nötigen Ernst voran getrieben, ohne all die kleinen Gags am Wegesrand verkümmern zu lassen. Dies gibt der ironischen Demontage des Kultur-, Adels- und Alltagswesens jene Verankerung, die sie über eine bloße Ansammlung beiläufiger Possen weit hinaus hebt sowie die Spannungsdramaturgie locker und leicht stützt, anstatt sie zu untergraben. So kann es weitergehen …

Jochen König, November 2010

Ihre Meinung zu »Thomas Raab: Der Metzger holt den Teufel«

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Bixalotta zu »Thomas Raab: Der Metzger holt den Teufel« 01.09.2017
!!!ACHTUNG, SPOILER!!!

Weiß nicht, ob dieser Beitrag an dieser Stelle passt.

Also ich habe das Buch gestern fertig gelesen und bin ehrlich gesagt etwas enttäuscht.
Einige Fragen sind für mich offen geblieben:

- Auf was bezieht sich der Titel (wer ist der Teufel, den der Metzger holt?)?
- War die verkleidete Antonia Lenz nun Herbert Homolka?
- Hat Homolka sich absichtlich der Polizei eingeschleust, um seine Taten besser durchführen zu können oder war das Zufall?
- Warum musste Eduard Pospischill genau sterben? Im Buch steht, dass sein Mord vom Mörder auch geplant war - warum, was hatte das für einen Nutzen für ihn?
- Mussten die Musikerinnen jetzt im Endeffekt nur sterben, damit der Mörder die Taten Rupert von Sowieso in die Schuhe schieben kann?

Die ganze Auflösung finde ich etwas an den Haaren herbeigezogen... Ein Kind, das "in die Seelen anderer Menschen schauen kann"; ein Serientäter, der sich bei der Polizei einschleust, dadurch aber nicht wirklich Vorteile für seine Taten hat; und und und...
Was meint ihr dazu?
Hewoleo zu »Thomas Raab: Der Metzger holt den Teufel« 11.03.2012
Was lässt sich zu "Der MEtzger holt den Teufel" sagen?
Wer der besagte Teufel ist, ist spannend (habe es nicht rausgefunden, habe es aber auch in Häppchen beim Trainieren gelesen).
Sprachlich sind wieder viele Gustostücke zu finden, Raab ist eine Ausnahmeerscheinung in diesem Punkt.
Die Geschichte ist gut aufgebaut, Überraschungsmomente vorhanden, kurz gesagt sehr empfehlenswert.
Daniela Freitag zu »Thomas Raab: Der Metzger holt den Teufel« 14.04.2011
Der Metzger holt den Teufel ist wunderbar zu lesen. Zur Zeit wäre es toll, "der Metzger holt den Osterhasen" zu lesen, nur Osterkrimis sind rar am Markt. Vielleicht kann Thomas Raab mit seinem Schreibtalent Abhilfe schaffen und den Metzger und die traditionellen Osterbräuche zusammenbringen. Ein richtig guter Osterkrimi wird dringend gebraucht.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Banon zu »Thomas Raab: Der Metzger holt den Teufel« 25.10.2010
Ein herrlich unterhaltsames Buch hat der Thomas Raab da wieder geschrieben.
Das mag für einen Krimi nicht unbedingt so vorteilhaft klingen, hier geht es allerdings nicht anders.
"Der Metzger holt den Teufel" hat wieder alle Zutaten seines Vörgängers.
Es gibt eine spektakuläre Mordserie und dem Metzger stehen einige Überraschungen in seinem privaten Leben bevor. Diesmal gewährt uns der Autor (s)einen Blick in die Welt der Reichen und Schönen. Da wird so manches Klischee bedient- aber wenn es der Wirklichkeit entspricht, kann auch ein Autor nichts machen... . Überhaupt ist die Stärke dieses Buches die aus der genauen Beobachtung kommende Beschreibung menschlicher Verhaltensweisen. Das ist kurzweilig und amüsant, weil es klug beobachtet wurde.

Überzeugend ist aber diese Sprache, die so eigentümlich spöttelnd und karrikierend daherkommt und sich so gar nicht modern gibt. Das passt ganz wunderbar zum Protagonisten und erzeugt eine Stimmung, die vielleicht an eine alte s/w-Komödie erinnert. Die Krimihandlung ist keineswegs zu leicht oder einfach gestrickt. Man muß schon aufpassen, sich nicht zu sehr durch Raabs sprachliche Finten ablenken zu lassen.

Ich kann das Buch nur empfehlen, denn so oft kommt es nicht vor, dass ich durch die Lektüre eines Buches zum Lachen gebracht werde. Und ein bisserl bös ist es sicherlich auch...
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