Ein dunkler Sommer von Thomas Nommensen

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2014 bei Rowohlt.
Folge 1 der Arne-Larsen-Serie.

  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2014. 416 Seiten.

'Ein dunkler Sommer' ist erschienen als

In Kürze:

Ein kleines Mädchen. Entführt. Tot. Ein Familienvater. Verdächtigt. Verurteilt. Zehn Jahre später …Es ist Hochsommer, als die neunjährige Ulrike entführt wird  und in ihrem Gefängnis umkommt. Schnell findet sich ein Verdächtiger: Zeugen wollen Jens Brückner mit dem Mädchen gesehen haben. Bis zuletzt beteuert er seine Unschuld. Vergeblich. Zehn Jahre später wird Brückner aus der Haft entlassen. Er hat alles verloren: Arbeit, Freunde, Familie. Kurz darauf wird der Hauptbelastungszeuge von damals ermordet. Anonyme Drohbriefe kursieren und Brückner ist plötzlich spurlos verschwunden. Ein Racheakt? Zu naheliegend, findet der ermittelnde Kommissar Arne Larsen. Und auch sein Vorgänger Gregor Harms, der sich noch immer die Schuld am Tod des Mädchens gibt, zweifelt inzwischen, ob er vor zehn Jahren den Richtigen hinter Gitter gebracht hat. Als schwere Unwetter Norddeutschland heimsuchen und wieder ein Kind verschwindet, scheinen sich die Ereignisse von damals auf unheilvolle Weise zu wiederholen. Doch diesmal vermag niemand zu sagen: Wer ist Opfer und wer Täter? Der Auftakt zur Reihe um den jungen, hochsensiblen und eigenwilligen Hauptkommissar Arne Larsen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Interessanter Debütroman.« 75°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Vor zehn Jahren starb die kleine Ulrike unter denkwürdigen Umständen. Der leitende Ermittler Gregor Harms machte einen mehr als unglücklichen Eindruck, wurde anschließend in den Innendienst und dann in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Zu  zehnjähriger Haft wurde Jens Brückner verurteilt, der seine Strafe inzwischen abgesessen hat. Kurz nach seiner Entlassung erhalten mehrere Beteiligte von damals kuriose Drohbriefe und anonyme Anrufe. Dann wird auf seinem Werkstattgelände Oskar Sartorius ermordet; auch er war in den Tod von Ulrike verwickelt.

Für Hauptkommissar Arne Larsen und sein Team eilt die Zeit, denn neben Jens Brückner verschwindet plötzlich erneut ein Kind. Wiederholen sich die damaligen Ereignisse?

Einige Wendungen überraschen.

Der Debütroman von Thomas Nommensen überzeugt zunächst durch seinen Aufbau. In chronologischer Abfolge eines halben Monats im Juli werden zunächst mehrere Akteure vorgestellt. Wie bei einem Puzzle werden sodann Teilchen für Teilchen die einzelnen Elemente zusammen gesetzt. Dabei erfährt der Leser nicht nur die aktuellen Geschehnisse, sondern vor allem  Häppchenweise  was sich vor zehn Jahren zugetragen hat, denn offenbar ist klar, dass Brückner nicht für den Tod des Mädchens verantwortlich war. Sollte er sich auf einem Rachefeldzug befinden?

Durchaus geschickt werden immer wieder Momente heraufbeschwört, bei denen man  denkt, jetzt sei alles geklärt. Dabei wird man nicht selten mit seinen Gedanken  sogar richtig liegen, aber die eigentliche Auflösung ist dann doch überraschend (ob positiv oder negativ ist einmal mehr Geschmacksache). Die »Lösung nach der Lösung« hätte allerdings nicht sein müssen.

Figurenzeichnung eher dürftig.

Wer sich bei skandinavischen Autoren darüber ärgert, dass das Privatleben der Hauptfiguren oft mehr Platz einnimmt wie der eigentliche Krimiplot, der wird hier erfreut sein. Nehmen wir nur den Protagonisten Larsen. Seine Freundin weilt auf Arbeitsreise im Amazonas und ist daher nicht erreichbar und seinen allein lebenden Vater hat er auch schon lange nicht mehr besucht. Ganz so schlimm ist es zwar nicht, aber eine echte Sympathiefigur wird Larsen zumindest in seinem ersten Fall nicht, da er zu wenig greifbar wird. Eine ständig spürbare Distanz  oder ist es Arroganz  gegenüber seinem engsten Mitarbeiter bringt ihm ebenfalls keine Pluspunkte; dafür hätte man ihn dann schon wieder noch »überheblicher« darstellen müssen (vgl. beispielsweise die Darstellung von Benedict Cumberbatch als Sherlock in der gleichnamigen TV-Serie).

Sei’s drum. Für einen Debütroman bietet Ein dunkler Sommer eine schön vertrackte und (teilweise) wendungsreiche Geschichte, die nach kleinen Anlaufschwierigkeiten deutlich an Tempo zulegt. Die weiteren Fälle werden zeigen, in welche Richtung es geht. Tendenz: Nach oben!

Jörg Kijanski, Juni 2014

Ihre Meinung zu »Thomas Nommensen: Ein dunkler Sommer«

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janaka zu »Thomas Nommensen: Ein dunkler Sommer« 16.01.2015
Ein heißer Sommer in Schleswig-Holstein, die 9jährige Ulrike wird vermisst und tot aufgefunden. Schnell schießt sich der Hauptkommissar Gregor Harms auf Jens Brückner ein. Er ist kurz vorher mit der Kleinen gesehen worden. Sein Zeuge Oskar Sartorius ändert seine Aussagen und wird somit zum Hauptbelastungszeugen. Jens Brückner kommt ins Gefängnis.
10 Jahre später wird er frei gelassen und steht vor einem Scherbenhaufen, keine Arbeit, keine Freunde und seine Frau hat sich scheiden lassen. Er erstellt eine Liste mit Leuten, mit denen er reden will, denn all die Jahre hat Jens Brückner seine Unschuld beteuert. Er habe lediglich das Fahrrad von Ulrike repariert.
Sein erster Weg führt ihn zu Sartorius, um ihm einen Beleg zu zeigen, der das Alibi doch bestätigt. Doch dieser lacht ihn nur aus und schmeißt ihn aus seiner Werkstatt. Als Jens Brückner ein zweites Mal mit ihm reden will, ist Sartorius tot, in einer Blutlache liegend und ein Schraubendrehen steckt in seinem Kopf. Brückner flieht.

Tage später wird die Leiche entdeckt und Kommissar Arne Larsen und Frank Kuhlmann ermitteln in diesem Fall. Im Laufe der Ermittlungen stoßen sie auf den Fall Ulrike und wollen mit Brückner reden, doch dieser ist wie vom Erdboden verschwunden.
Verschiedene Menschen bekommen anonyme Briefe und mysteriöse Anrufe. Steckt Brückner dahinter? Was ist sein Motiv?
Hauptkommissar a.D. Gregor Harms macht seine eigenen Recherchen, denn er ist sich gar nicht mehr so sicher, ob er den richtigen in den Knast gebracht hat.
Dann verschwindet ein weiteres Kind und es sind wie damals große Unwetter angekündigt. Wiederholt sich die ganze Tragödie noch einmal?

Mit seinem Debüt-Krimi "Ein dunkler Sommer" entführt uns der Autor Thomas Nommensen ins schöne Schleswig-Holstein, meiner Heimat. Zwar ist die Stadt "Nordermühlen" fiktiv, aber die Umgebung um Kiel ist authentisch und gut beschrieben worden.
Sein Schreibstil ist spannend und fesselnd, gleich mit dem Prolog hat er mich gepackt.
Dort beschreibt die düstere und beklemmende Situation des kleinen Mädchens sehr bildhaft, ich bekam eine Gänsehaut. Die Spannung wird die ganz Zeit über gehalten und endet mit einem spektakulären Finale.

Verschiedene Handlungsstränge in einem Krimi steigern die Spannung, der Leser ist somit näher am Geschehen. Über jedem Kapitel steht eine Zeitangabe und um welchen Protagonisten es geht. Auch wenn der Leser nähere Einblicke in die Gedankenwelt der verschiedenen Personen hat, ist die Auflösung zum Schluss sehr überraschend, denn der Autor legt ständig falsche Fährten. Zum Schluss führt er alle Stränge gekonnt und in einem spanenden Showdown zusammen.

Das Ermittlerteam Larsen und Kuhlmann gefällt mir ausgesprochen gut, sie haben Ecken und Kanten und müssen erstmal als Team zusammen wachsen. Sie machen hier noch zu oft Alleingänge und hören einander nicht zu. Hier ist Entwicklungspotential für weitere Krimis.

Der Protagonist Gregor Harms hat mich sehr berührt, seine Aussetzer haben mich als Leser mitleiden lassen. Ist das eine beginnende Demenz? Aufgrund dieser Angst geht er auch zu keinem Arzt und versucht in der ihm verbleibenden klaren Zeit, dem Täter auf die Spur zu kommen.

Fazit:
Diese komplexe Geschichte mit den psychologischen Ansätzen macht dieses Debüt sehr spannend, und der schöne klare und bildhafte Schreibstil macht es zu einem absolutem Lesegenuss.
Diesen Krimi kann ich nur empfehlen und gebe 5*.
Igelmanu66 zu »Thomas Nommensen: Ein dunkler Sommer« 19.11.2014
Vor 10 Jahren, in einem heißen Sommer, starb ein kleines entführtes Mädchen einen grausamen Tod. Jens Brückner, der Verurteilte von damals, wird nun aus der Haft entlassen - um kurz darauf spurlos zu verschwinden. Es ist wieder Sommer, es ist wieder heiß... und mehrere Personen erhalten anonyme Drohbriefe und mysteriöse Anrufe. Als dann auch noch der Hauptbelastungszeuge von damals ermordet wird, scheint der Fall klar zu sein: Jens Brückner ist auf einem Rachefeldzug! Aber warum? Wurde er am Ende unschuldig verurteilt? Während Kommissar Arne Larsen noch dem alten Verbrechen nachspürt, verschwindet erneut ein Kind...

Das war spannend! Mal wieder ein Krimi, den ich am liebsten gar nicht aus der Hand gelegt hätte. Ohnehin sprechen mich Fälle, bei denen es um Kinder geht, besonders intensiv an - ein Gefühl, das sicher viele andere Leser nachvollziehen können. Das Schicksal des kleinen Mädchens ging mir richtig an die Nieren - und dann das nächste verschwundene Kind! Würde es hier auch so ein schreckliches Ende geben?

Aber es ging ja nicht nur um die Kinder. Stark im Vordergrund der Handlung steht die Psyche mehrerer Charaktere. Ganz eindeutig hat hier nicht nur eine Person ein Problem und das erhöht natürlich den Reiz! Da wird mit Schuldgefühlen gekämpft und unter Alpträumen gelitten, aber es wird nicht deutlich, ob diese Gefühle durch tatsächlich begangene Taten hervorgerufen werden oder vielleicht "nur" durch Erlebnisse. Verstärkt wird die seelische Pein noch dadurch, dass die Personen sich wohl selbst nicht immer sicher sein können, was sie getan haben. Stichworte hier: Verdrängung und Demenz. Entsprechend habe ich auch die Überschrift meiner Rezi gewählt: "Kannst du dir wirklich trauen?" Eine furchtbare Vorstellung, wenn man sich das fragen muss!
"Und du wirst dich beeilen müssen, Gregor. Wenn es mit deinem Gedächtnis so weitergeht - wie lange wirst du dann noch sinnvoll handeln können? Einen Tag, eine Woche, einen Monat?"

Die weiteren Charaktere kommen ebenfalls sehr menschlich rüber. Larsen beispielsweise hat Beziehungsprobleme und gerät immer wieder in Konflikte mit seinem Partner. Diese privaten Dinge hatten für mich genau das richtige Maß: Sie ließen mir die Personen nahe kommen ohne jedoch durch ein Zuviel die Spannung auszubremsen.

Es gibt also viel zu rätseln: Was passierte vor 10 Jahren? Und was geschieht nun? Wer verschickt diese anonymen Botschaften, wer ermordete den Hauptbelastungszeugen und was ist mit dem verschwundenen Kind? Dabei ist alles sehr eindringlich geschrieben, die extreme Wetterlage betont und intensiviert die Geschehnisse. Wie dunkle Wolken zieht die Bedrohung auf, sie hängt in der Luft, wird immer drückender.

Fazit: Psychologisch dicht und sehr eindringlich geschrieben. Ein tolles und spannendes Debut!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Schneeglöckchen zu »Thomas Nommensen: Ein dunkler Sommer« 26.07.2014
Ich habe "Ein dunkler Sommer" auf Empfehlung gelesen und es hat sich gelohnt. Interessant und meist spannend bis zur endgültigen Auflösung. Im Laufe der Geschichte ahnt der Leser immer mehr, wie das alles zusammenhängen könnte. Es kommen jedoch einige Überraschungen.
Der gesamte Krimi ist jeweils abwechselnd aus Sicht der Hauptbeteiligten im Präsens geschrieben, was anfangs für ein wenig Verwirrung bei mir gesorgt hat.Auch konnte ich mich mit dem Ermittler Arne Larsen und seinem Kollegen Kuhlmann noch nicht so richtig anfreunden. Da muß der Autor noch nachlegen, sollte dieses Debut der Auftakt zu einer Reihe sein.
Gerne hätte der Figur Jens Brückner auch noch mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden können.
Trotzdem ist es gut gelungen und eine Leseempfehlung!
Annette Traks zu »Thomas Nommensen: Ein dunkler Sommer« 25.07.2014
Vor 10 Jahren war die damals 9-jährige Ulrike Wegner entführt worden und bei einem Unwetter qualvoll in ihrem Versteck, einer Kanalisation, ertrunken. An ihrem Tod gab die breite Masse dem damals ermittelnden Kommissar Gregor Harms die Schuld:
Er verhaftete den vermeintlichen Entführer Jens Brückner, bevor er die Beamten zu dem Mädchen führen konnte. Obwohl er immer wieder seine Unschuld beteuerte, wurde Brückner zu 10 Jahren Haft verurteilt, die er nun abgesessen hat. An einem heißen Juli-Tag wird er entlassen und kurz darauf findet man den damaligen Haupt-Belastungszeugen tot auf. Andere Personen erhalten Drohbriefe mit kryptischen Botschaften oder ominöse Anrufe.
Immer wieder spielt dabei der Song „It's raining again" der Gruppe Supertramp eine Rolle. Was hat es damit auf sich? Befindet sich Jens Brückner auf einem Rachefeldzug?

Der Kieler Hauptkommissar Arne Larsen und sein Kollege Frank Kuhlmann, die die Ermittlungen aufnehmen, stoßen auf Ungereimtheiten und glauben bald nicht mehr so recht an den Ex-Häftling als Täter.
Als sich kurz darauf über Norddeutschland ein Unwetter zusammenbraut, verschwindet erneut ein Kind in der gleichen Wohngegend wie vor 10 Jahren und Larsen und Kuhlmann müssen sich in den alten Fall vertiefen.

Auch Gregor Harms, mittlerweile außer Dienst, gehört zu den Empfängern eines Drohbriefes. Er glaubt inzwischen selbst nicht mehr an Brückners Täterschaft im Fall Ulrike und wird nicht damit fertig, dass er damals einen unverzeihlichen Fehler beging, der vermutlich ihren Tod zur Folge hatte.

Resümee:
Dies ist das Krimi-Debüt des Autors und somit der 1. Fall des Kieler Ermittler-Duos Arne Larsen und Frank Kuhlmann.
Das Buch ist chronologisch in Kapitel eingeteilt, in denen jeweils eine in der Überschrift genannte Person der Protagonist ist. Da dieser anfangs stets wechselt, hatte ich zunächst Schwierigkeiten, in die Handlung hineinzukommen:
Lange Zeit standen die einzelnen Abschnitte für mich beziehungslos nebeneinander, erst nach und nach erschloss sich ein Zusammenhang, Verflechtungen wurden deutlich.

Nach der anfänglichen scheinbaren Ruhe nimmt die Handlung dann, einer Lawine gleich, immer mehr an Fahrt auf, reißt etliche Personen mit sich und nähert sich unaufhaltsam einer Katastrophe, um in einem an Dramatik nicht zu überbietenden Showdown zu enden. Oder, um im Bild des Sommers zu bleiben:
Hitze - lähmende Schwüle - dunkle Wolken - Sturm - Unwetter.
Diese Steigerung führt zu einer großen atmosphärischen Dichte, die oft bedrückend wirkt.
Dabei spielt die Sprache eine ganz wesentliche Rolle: Der Autor gehört zu jenen, die es hervorragend verstehen, stilistische Mittel gezielt einzusetzen.
Die Handlung selbst ist in sich absolut schlüssig, der Leser denkt zwischendurch sogar immer wieder, der weitere Verlauf sei klar vorgezeichnet. Obwohl ich tendenziell damit auch meist richtig lag, blieb es jedoch bis zur schockierenden Auflösung sehr spannend, denn ich musste immer wieder „Kurskorrekturen" vornehmen.

Einzige Kritikpunkte:
Dem ehemaligen Ermittler Gregor Harms wird meines Erachtens zu viel Raum gegeben, insbesondere seiner persönlichen Situation. Er bekommt wesentlich schärfere Konturen als sein Nachfolger Arne Larsen, der vergleichsweise blass bleibt.
Und beim furiosen Showdown wäre etwas weniger mehr (Glaubhaftigkeit) gewesen.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
unclethom zu »Thomas Nommensen: Ein dunkler Sommer« 01.07.2014
Für mich ist der Autor eine der Entdeckungen dieses Jahres.
Es ist dem Autor bestens gelungen eine düstere Atmosphäre zu erzeugen. Seine Protagonisten und Schauplätze sind so bildhaft beschrieben, man hat das Gefühl dass man das Buch nicht liest sondern, man erlebt es. Die Protagonisten wirken allesamt sehr glaubhaft und man hatte nie das Gefühl dass es konstruiert sei. Ganz großes Kino, Kopfkino vor allem, das nicht aufhören wollte zu rattern.
Der Autor schickte einen immer wieder auf falsche Fährten so dass es nahezu unmöglich war vor dem Ende herauszufinden wer denn nun der Schuldige ist. Großartig, so werden moderne Kriminalromane geschrieben, wobei man meinen könnte, dass es sich hier um einen Thriller handelt. Ich fühlte mich zu jeder Zeit aufs beste unterhalten, deswegen von mir hier 5 von 5 Sternen und das hochverdient.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
WortGestalt zu »Thomas Nommensen: Ein dunkler Sommer« 19.06.2014
„Ein dunkler Sommer“ konnte mich unglaublich überraschen! Der Krimi von Thomas Nommensen erzeugt eine derart starke Atmosphäre, wie es nur wenigen Büchern gelingt und lässt beim Lesen die tatsächliche Umgebung nahezu verschwinden. Nommensens Beschreibungen lösen einen aus der Realität und setzen einen direkt in seiner Geschichte ab, sodass man fast spüren kann, wie die Hitze der Julitage die Landschaft austrocknet, wie sich der blaue Himmel über die weite Landschaft Schleswig Holsteins wölbt, wie das Lichtspiel in den Blättern eines Baumes Schatten wirft und wie nach und nach die Luft immer dicker wird, bevor das herannahende Unwetter über das Land fegt und alles auf genau das eine Finale hinausläuft, das am Ende einer jeden Hitzewelle steht.

Und hier ist es vom Autor überaus gelungen inszeniert, den Krimi-Plot mit der Entwicklung einer heißen Sommerperiode zu koppeln, denn bei „Ein dunkler Sommer“ unterstützt diese Wetterlage die Entwicklung der Story und lässt eine sehr intensive Stimmung entstehen, die mich während des ganzen Buches begleitet hat.

Die Geschichte spielt im Juli, ein warmer Sommer hat die Region fest im Griff, die Luft flirrt über dem Asphalt, es ist heiß. Genau wie vor 10 Jahren, als ein kleines Mädchen sterben musste. Entführung mit Todesfolge lautete damals das Urteil, das über einen Mann gefällt wurde, der als Täter schuldig gesprochen wurde. Nun hat er seine Strafe abgesessen, wird aus der Haft entlassen. Und wenige Monate später wird der Hauptbelastungszeuge von damals ermordet aufgefunden.

Ein neuer Fall? Oder war der alte Fall nie wirklich abgeschlossen? Hauptkommissar Arne Larsen und sein Kollege Frank Kuhlmann tappen lange Zeit im Dunkeln, und es ist spannend, als Leser dabei zuzusehen, wie die fehlenden Puzzleteile nach und nach auftauchen, die Ermittler aber noch nicht in der Lage sind, Zusammenhänge herzustellen. So ist man gerade zu Beginn der Handlung Larsen und Kuhlmann immer einen Schritt voraus und möchte sich frustriert an die Stirn klatschen, wenn ein neuer Hinweis nicht richtig gedeutet werden kann! Das macht beim Lesen natürlich diebisch viel Freude und erhöht die Bindung an die Geschichte ungemein. Doch den kleinen Vorsprung verliert auch der Leser bald und schwankt zwischen Ahnung und Ungewissheit einer erschreckenden Auflösung entgegen.

Sprachlich wie auch inhaltlich finde ich diesen Krimi nahezu perfekt und angenehm anspruchsvoll! Man fühlt sich stilistisch absolut gut aufgehoben, denn da weiß einfach jemand, wie man mit Worten Stimmung erzeugt. Die Figuren, ihr Auftreten und die Dialoge fügen sich dieser Stimmung perfekt und bilden so ein stimmiges Gesamtkonzept. Für mich passten die einzelnen Figurenzeichnungen perfekt zur Handlung, einziger Kritikpunkt war für mich tatsächlich der Epilog.

Den hätte man für mein Empfinden weglassen müssen, er erscheint mir wie ein unnötiges Anhängsel. Als würde man auf ein perfektes Stück Torte, das schon mit einem schönen Sahnehäubchen versehen ist, noch einen Löffel Schlagsahne oben draufklatschen. Das macht irgendwie das schöne Bild kaputt und ist einfach zu viel. Bis dahin war es für mich nämlich ein 5-Sterne-Krimi!

Fazit: Dennoch insgesamt ein überaus gelungener Krimi, der mich vor allem mit seiner unglaublich dichten Atmosphäre begeistern konnte! Auch dem Plot wird raffiniert der Weg bereitet, die stetig ansteigende Spannung erzeugt ein schönes Lesetempo und das Gleichgewicht zwischen Figuren und Handlung rundet das Buch zusätzlich ab. Wer einen gehaltvollen Sommer-Krimi sucht und genug von Krabben- und Küstenklatsch hat, sollte hier zugreifen! „Ein dunkler Sommer“ ist ein empfehlenswerter Kriminalroman und mausert sich zum Sommer-Lesetipp!!

Bewertung: Dicke 4 Sterne von mir und eine Leseesmpfehlung für den Krimisommer 2014!
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Baerbel82 zu »Thomas Nommensen: Ein dunkler Sommer« 17.06.2014
Schuld und SühneWer ist das Opfer, wer ist der Täter? Das ist hier lange die Frage. Um es gleich vorweg zu nehmen, „Ein dunkler Sommer“ von Thomas Nommensen ist für mich DAS Krimi-Highlight dieses Jahres! Doch worum geht es?Ort der Handlung ist das fiktive Nordermühlen in Norddeutschland: Ein kleines Mädchen wird entführt und stirbt einen qualvollen Tod. Jens Brückner wird verurteilt, weil sein Alibi geplatzt ist. Aber ist er wirklich der Täter oder auch ein unschuldiges Opfer?Zehn Jahre später: Als Brückner aus der Haft entlassen wird, hat er alles verloren. Auf Anraten seines Therapeuten hat er sich eine Liste gemacht und besucht nun alle Personen, die im Prozess eine Rolle gespielt haben. Will er sich rächen?Kurz darauf wird Oskar Sartorius, der eine kleine Werkstatt betreibt, grausam ermordet. Er war im Prozess der Hauptbelastungszeuge. Hat der Täter von damals wieder zugeschlagen? Hauptkommissar Arne Larsen und sein Team ermitteln.Gregor Harms, Larsens Vorgänger, der Brückner seinerzeit ins Gefängnis gebracht hatte, ist inzwischen im Ruhestand. Er fühlt sich jedoch immer noch schuldig, weil er den Tod des kleinen Mädchens nicht verhindern konnte. Als abermals ein Kind verschwindet, wird auch Harms erneut aktiv.In dem äußerst komplexen Fall sind Ermittler und Leser enorm gefordert und werden immer wieder auf falsche Fährten gelockt. Geradezu brillant führen die Spuren zu scheinbar Verdächtigen, um dann ins Leere zu laufen. Thomas Nommensen geht dabei als Erzähler wirklich geschickt vor, denn er schildert das Geschehen aus verschiedenen Perspektiven.Die Tiefen der menschlichen Psyche, die vom Autor aufgezeigt und ausgeleuchtet werden, lassen zuweilen den Atem des Lesers stocken. Neben dem ausgezeichneten Spannungsbogen ist der Plot an sich hervorragend gelungen. Und dass der Autor im Finale nochmals richtig Gas gibt, rundet das Lesevergnügen ab.Mit Arne Larsen hat der Autor eine Figur erschaffen, die ein wenig an Tony Hill, den Profiler in den Krimis von Val McDermid erinnert. Aber Larsen ist noch jung und hat meiner Meinung nach noch reichlich Potenzial. Und so freue ich mich schon heute auf den nächsten Fall.Fazit: Wer ist das Opfer, wer ist der Täter, was ist sein Motiv? Thomas Nommensen erzählt die hochkomplexe Geschichte in perfektem Tempo und mit stetig steigender Spannung bis zum überraschenden Ende. Definitiv mein Krimi-Highlight dieses Jahres, deshalb satte 5*!
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