Roter Drache von Thomas Harris

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1981 unter dem Titel Red Dragon, deutsche Ausgabe erstmals 1988 bei Heyne. 447 Seiten. ISBN-10: 3-453-02542-3, ISBN-13: 978-3-453-02542-4. Übersetzt von Sepp Leeb.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Florida, 1970 - 1989.

'Roter Drache' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Ein Killer verbreitet Angst in Florida. Er hat schon zehn Menschen umgebracht. Und die Mordserie reisst nicht ab. Der Täter, von der Presse »Die Zahnschwuchtel« genannt, ein von seinen Obsessionen gequälter, missgestalteter Mann, identifiziert sich immer mehr mit dem Roten Drachen nach William Blakes Gemälde …

Das meint Krimi-Couch.de: »Eine erstklassige Story über die Jagd auf einen schizophrenen Massenmörder« 80°

Krimi-Rezension von Michael Matzer

Will Graham ist eigentlich Spezialist für gerichtsmedizinische Untersuchungen. Er ist weder Profiler noch beim FBI oder der Polizei. Dennoch wird er von FBI-Agent Jack Crawford gebeten, als Sonderermittler an der Aufklärung einer Mordserie mitzuhelfen. Da Graham bei seiner letzten Menschenjagd – auf einen gewissen Dr. Hannibal Lecter – gerade noch mit dem Leben davonkam (er lag im Hospital und hat immer noch Alpträume), ist er keineswegs geneigt mitzumachen.

Zunächst. Aber da er selbst eine Familie hat und der Mörder bereits Familien ausgelöscht hat, betrachtet er es als seine Pflicht, gegen den Serienkiller vorzugehen. Natürlich bittet ihn seine Frau, nicht zu kämpfen. Was man nicht alles verspricht.

Der Serienkiller hat in Atlanta (Georgia) und Birmingham zehn Menschen getötet: zwei komplette Familien. Das FBI befürchtet den dritten Anschlag in drei Wochen: Es bleibt also nur wenig Zeit. Graham entdeckt, dass der Mörder die toten Mitglieder der jeweiligen Familie in neue Positionen arrangierte, so dass ihre toten Augen dem eigentlichen Akt zuzuschauen scheinen: der Vergewaltigung, Verstümmelung und Ermordung der Hausherrin.

Will Graham muss die psychologische Einsicht des Psychiaters Dr. Lecter in Anspruch nehmen. Ihre Dialoge sind ebenso bizarr wie jene, die Lecter mit Clarice Starling führen wird. Durch das Psychogramm erkennt Graham: Der männliche Weiße delektiert sich am Anblick seiner Opfer und macht Bilder. Als Graham und das FBI der »Zahnschwuchtel« mit Hilfe des Klatschreporters Freddie Lounds eine Falle stellen wollen (mit Graham als Köder), schlägt der Killer zurück: Das tut der Gesundheit des Reporters überhaupt nicht gut …

Und der Wahnsinnige, der sich für den »Großen Roten Drachen« hält und entsprechend tätowiert ist, ist seinen ratlosen Verfolgern einen Schritt voraus. Er hat sich mit Reba angefreundet und lädt – wider seine ureigenen Instinkte – die blinde junge Frau in sein Haus ein. Wenn sie sehen könnte, was er sieht: William Blakes Gemälde des »Großen Roten Drachen« (siehe Bild oben) im Schlafzimmer.

Doch dann hat Graham endlich die Erleuchtung, als er nach einem vermissten Filmprojektor sucht. Es kommt zu einem Showdown, wie es sich gehört: Nun kämpft Will Graham also doch. Aber es muss sein, um Reba vor dem sicheren Tod zu bewahren – und sein eigenes seelisches Gleichgewicht.

Der Roman erzählt von einer Menschenjagd wie einem Kampf um die Balance zwischen »Gesundheit« und »Wahnsinn«, was im Endeffekt auf den scheinbaren Gegensatz zwischen »Gut« und Böse» hinausläuft. Denn was uns im Kino-Film verschwiegen wird, ist ja die Entstehungsgeschichte der psychischen Verfassung des schizophrenen Mörders. Thomas Harris hat sie in mehreren Rückblenden dargestellt. Sie führt zu einem Verständnis des Mörders, wenn auch nicht zu einen Ein-Verständnis mit dem, was er zu tun versucht, wenn er der Rote Drache ist.

Im Verlauf der Menschenjagd erfahren wir mehr und mehr über Will Graham. Genau wie seine Frau Molly und sein Stiefsohn Willy machen wir uns langsam ernsthafte Sorgen um seine geistig-seelische Gesundheit: Er versetzt sich zu stark in Opfer und Mörder hinein. Das führt zwar schließlich zur rettenden Erkenntnis, wer der Gejagte ist, doch Graham ist psychisch viel zu nahe dran am Wahnsinnigen, um nicht selbst Schaden zu nehmen.

Vor der Episode mit Freddie Lounds, etwa um die Seite 200, diskutieren die Angehörigen des FBI sowie Graham um das richtige Vorgehen: Wie stellt man ihm einen Falle? Wie benutzt man dabei einerseits Dr. Lecter und andererseits die Klatschzeitung? Das geht meiner Meinung nach viel zu lange hin und her (und schließlich in die Hose). Erst als der Mörder die arme Reba McClane kennenlernt, erhält die Handlung wieder dynamischen Impulse – sie führen schließlich zu einem der zwei Finales.

Und was uns heute merkwürdig vorkommt: Da wird immer noch mit altertümlichen «Datafax»-Geräten hantiert, als handle es sich um Großrechner, die man wie seinen Augapfel hüten muss. Über dieses Stadium der technischen Evolution sind wir zum Glück hinaus.

«Roter Drache», der erste Hannibal-Lecter-Thriller, ist eine erstklassige Story über die Jagd auf einen schizophrenen Massenmörder, der zeitweilig glaubt, er sei ein Drache. Ein Sonderermittler, Will Graham, soll ihn zur Strecke bringen – gar nicht so einfach. Zum anderen ist «Roter Drache» eine faszinierende psychologische Studie über das, was gemeinhin als «Wahnsinn" bezeichnet wird: der Mörder und Hannibal Lecter – sind beide verrückt? Doch möglicherweise ist Will Graham gar nicht so verschieden von ihnen. Er versteht sie auffallend gut.

Ihre Meinung zu »Thomas Harris: Roter Drache«

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AbteilungLSD zu »Thomas Harris: Roter Drache« 05.04.2010
Ich habe das Buch nun schon seit längerem im Regal stehen (mit sämtlichen Nachfolgewerken) und habe es vor zwei tagen ausgelesen.
Selten habe ich einen logisch so durch und durch klasse durchdachten, spannenden, überraschungsgeladenen und genialen Thriller gelesen, wie diesen. Wobei Thriller ja vielleicht nicht 100% die korrekte Bezeichnung ist, denn allzu aktionsgeladen ist diese Lektüre nicht.

Dennoch fiebert man mit Graham, dem untersuchenden Inspektor mit, auf der Suche nach der Zahnschwuchtel.

Absolut TOP und empfehlenswert! Bin schon mitten im Nachfolger... die Reihe wird verschlungen werden.
Bell zu »Thomas Harris: Roter Drache« 14.04.2009
Vor vielen Jahren hatte ich mal "Das Schweigen der Lämmer", jetzt den ersten Teil "Roter Drache" gelesen. Der Roman ist richtig gut - intelligent, spannend, verstörend, vor allem, wenn man die Gedanken und Handlungen Dolarhydes miterlebt.

Der etwas unfreiwillige Ermittler Will Graham wird in seiner Zerrissenheit zwischen "ein normales Leben mit der Frau und ihrem Sohn im Haus am Strand leben" und "die alten Instinkte einsetzen, um den Gedanken und Gefühlen eines Psychopathen nahe zu kommen, um ihn zu überführen" unglaublich gut dargestellt. Seine Figur ist sehr tragisch und trägt zu der düsteren Stimmung des Romans bei.

Besonders intensiv wird der Roman dadurch, dass man immer die Perspektive der jeweiligen Figur einnimmt - so kennt man die Gedanken der Ermittler, die des Mörders, aber auch die des potentiellen Opfers, der blinden Reba.

Die Szenen, in denen Dolarhyde auftritt, ob allein oder mit einem Gegenüber, sind so intensiv, dass ich zwischendurch richtig gebannt war. Auch seine sich entwickelnde Persönlichkeitsspaltung wird sehr anschaulich dargestellt.

Einige aufeinanderfolgende Kapitel handeln nur von Dolarhydes Vergangenheit und lassen mehr als erahnen, warum er ein geisteskranker Mörder geworden ist.

Ich kann das Buch jedem Psychothrillerfan nur empfehlen, es ist etwas Besonderes in dem Genre.

90 Grad
Lylith zu »Thomas Harris: Roter Drache« 22.11.2008
Der erste Teil der Erzählungen um Hannibal Lecter beginnt eher träge. Die ersten Schritte von Graham mögen zwar notwendig sein, sind jedoch sehr langatmig formuliert und bringen nicht allzu viele Erkenntnisse. Sobald das Augenmerk der Geschichte sich jedoch auf Dolarhyde richtet und seine Aktivitäten der Gegenwart und die Ereignisse in seiner Kindheit beleuchtet, gewinnt die Erzählung an Tempo und Spannung. Harris ist es gelungen einige faszinierende Charaktäre zu kreieren, deren Verhalten und Motive real wirken und somit überzeugend sind. Vor allem Reba und Francis bilden eine interessante Charakterkonstellation, deren Kontrastreichtum und gleichzeitige Harmonie nur von der Beziehung Lector/Starling überboten wird.
Im Gegensatz dazu wirken die Spannungen und Probleme in der Familie Graham eher künstlich und aufgesetzt und treten im Gesamteindruck der Geschichte in den Hintergrund. Dies mag auch ein Grund dafür sein, daß der Showdown am Ende der Erzählung so abrupt wirkt und die gefühlsneutrale und sterile Atmosphäre eines gut geschriebenen Zeitungsartikels vermittelt.
Fazit: Ein schwerfälliger Anfang, ein plötzliches und liebloses Finale, allerdings eine sehr gut geschriebene und packende Handlung in der Mitte, mit einigen wohlgeformten Charaktären.
Alexandra1981 zu »Thomas Harris: Roter Drache« 06.09.2008
Da mein Bücherregal zur Zeit nicht genug (interessanten) Stoff zu bieten hat, habe ihc mir vorgenommen, die Harris-Reihe noch einmal zu lesen. Das war eine gute Entscheidung wie sich heraus stellte. Roter Drache ist wirklich ein geniales Buch, welches man keine Minute aus der Hand legen möchte. Es ist einfach herrlich, wie es der Autor versteht einen in die Geschichte einleben zu lassen. Durch die liebe zum Detail hat man förmlich das Gefühl, in die Geschichte mit eingebunden zu sein.
Bei Thomas Harris sollte man wirklich jedes seiner Bücher als ein eigenes Kunstwerk betrachten und keine Vergleiche zu den anderen Lecter-Storys ziehen.
Jedenfalls ist Roter Drache absolut und uneingeschränkt empfehlenswert.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
sue82 zu »Thomas Harris: Roter Drache« 13.07.2008
Das Buch ist sehr gut geschrieben und spannend bis zur letzten Seite. Obwohl schon ziemlich früh bekannt ist wer der Mörder ist, schaffte es der Autor die Story trotzdem, durch Rückblenden und der Wechsel zwischen dem FBI und dem Psychopathen, am Laufen zu halten.
Fazit: Sehr zu empfehlen, 85°
JaneM. zu »Thomas Harris: Roter Drache« 07.04.2008
"Roter Drache" ist ein hervorragender Thriller. Noch immer!! Schade, dass ein so gutes und spannendes Werk immer vor dem Hintergrund des legendären "Schweigen der Lämmer" gesehen wird.
kuhhaut zu »Thomas Harris: Roter Drache« 22.02.2008
also ich finde as buch echt gut weil ich bis zum schluss echt gespannt war ich hab in meinem leben(19 jahre) noch nicht allzu viele bücher gelesen also fällt mir ein vergleich recht schwer aber eines weis ich wenn man sich (so wie ich) für phsychopaten und deren lebensgeschichte interesiert dann ist dieses buch echt emphelenswert.
da hat thomas harris echt was gutes hinbekommen und ich finde das buch sollten noch viele andere leute lesen damit thomas harris vielleicht auf die idee kommt und noch ein paar bücher schreibt in denen sowas vorkommt denn das kann er echt gut
Taxigurke zu »Thomas Harris: Roter Drache« 13.09.2006
Ich habe beim lesen verschiedener Bewertungen festgestellt, das sehr oft das eine Buch mit einem anderen verglichen wird, und dadurch schlechter bewertet wird, als es in Wahrheit ist. Sicherlich kann man einen Vergleich ziehen, dennoch versuche ich ein Buch für sich alleine zu bewerten. Es gab Bücher, die in Bewertungen recht schlecht oder nicht so gut abgeschnitten haben, ich habe sie dann aber trotzdem gelesen und es waren durchaus sehr gute Bücher, nur halt nicht so brillant wie ein Vorgänger mit Bestnoten.(nur mal so als Denkanstoß für weitere Bewertungen gedacht) Ich fand die Story sehr gut, zumal es einem irgendwann verständlich war, warum er zum "roten Drachen" muitiert ist. Was nicht bedeutet, das man mit seinen Taten einverstanden ist. Man konnte es lediglich nachvollziehen. Aus der Hand legen war bei diesem Buch nicht möglich, man (ich) musste und wollte es zu Ende lesen. Man konnte mit jeder Person im Buch ein Gefühl und ein Bild aufbauen, ohne das es nervte, wie der Autor einem versuchte uns dieses zu vermitteln. Finde ich persöhnlich auch ganz wichtig bei einem guten Buch. Dadurch wird eine Storry doch gleich viel lebendiger. Es war durchgehend spannend gehalten, interessant in der Darstellung des Mörders (Pshyche) und der Schluß sehr gut, aber nicht ganz so wie man es erwartet hatte!!! ;-))) Ist ein absolut empfehlenswertes Buch.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
marquee zu »Thomas Harris: Roter Drache« 17.01.2006
Obwohl Harris kein "literarischer" Autor ist und sich um Stil und Sprache wenig kümmert, konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen. Harris schreibt von Dingen, von denen er etwas versteht - er war ja selbst profiler.

Den Killer finde ich etwas überzeichnet. Das gleiche gilt natürlich auch für die Figur des Hannibal Lecter. Als Charakterstudie eignen sich die Bücher von Harris also wenig. Es ist die Art, wie uns Harris die Denkweise von profilern nahebringt, die die Spannung seiner Bücher ausmachen. Jeder möchte solche Schlüsse ziehen können.
totes gummibärchen zu »Thomas Harris: Roter Drache« 09.01.2006
ein geiles buch ich habe es gerade nur so verschlungen es ist unglaublich noch nie hat mich ein buch so fazieniert bzw. seine schreibweise total geil nur weiter zu empfehlen also gerne echt nochmal dies ist ein absolutes meisterwerk genauso wie seine anderen werke die auch schon richtig geil waren..... morgen muss ich dieses buch meiner klasse vorstellen und ich freu mich schon auf ihre gesichter wenn ich ein paar stellen vorlesen darf *grins*..................................ja das war eigentlich so meine meinung wer teilt sie noch gibt es überhaupt jemand hier dem das buch nicht gefallen hat?? viele grüße und noch viel spaß beim weiterlesen wünsch ich euch allen

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