Roter Drache von Thomas Harris

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1981 unter dem Titel Red Dragon, deutsche Ausgabe erstmals 1988 bei Heyne.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Florida, 1970 - 1989.

  • New York: Putnam, 1981 unter dem Titel Red Dragon. 348 Seiten.
  • München: Heyne, 1988. Übersetzt von Sepp Leeb. ISBN: 3-453-02542-3. 447 Seiten.
  • München: Heyne, 1993. Übersetzt von Sepp Leeb. ISBN: 3-453-06966-8. 446 Seiten.
  • München: Heyne, 1995. Übersetzt von Sepp Leeb. ISBN: 3-453-08991-X. 446 Seiten.
  • München: Heyne, 2002. Übersetzt von Sepp Leeb. ISBN: 3-453-86158-2. 454 Seiten.
  • München: Heyne, 2004. Übersetzt von Sepp Leeb. ISBN: 3-453-87875-2. 446 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Heyne, 2001. Gesprochen von Hans Peter Hallwachs. gekürzt. ISBN: 3-453-19862-X. 3 CDs.

'Roter Drache' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Ein Killer verbreitet Angst in Florida. Er hat schon zehn Menschen umgebracht. Und die Mordserie reisst nicht ab. Der Täter, von der Presse »Die Zahnschwuchtel« genannt, ein von seinen Obsessionen gequälter, missgestalteter Mann, identifiziert sich immer mehr mit dem Roten Drachen nach William Blakes Gemälde …

Das meint Krimi-Couch.de: »Eine erstklassige Story über die Jagd auf einen schizophrenen Massenmörder« 80°

Krimi-Rezension von Michael Matzer

Will Graham ist eigentlich Spezialist für gerichtsmedizinische Untersuchungen. Er ist weder Profiler noch beim FBI oder der Polizei. Dennoch wird er von FBI-Agent Jack Crawford gebeten, als Sonderermittler an der Aufklärung einer Mordserie mitzuhelfen. Da Graham bei seiner letzten Menschenjagd – auf einen gewissen Dr. Hannibal Lecter – gerade noch mit dem Leben davonkam (er lag im Hospital und hat immer noch Alpträume), ist er keineswegs geneigt mitzumachen.

Zunächst. Aber da er selbst eine Familie hat und der Mörder bereits Familien ausgelöscht hat, betrachtet er es als seine Pflicht, gegen den Serienkiller vorzugehen. Natürlich bittet ihn seine Frau, nicht zu kämpfen. Was man nicht alles verspricht.

Der Serienkiller hat in Atlanta (Georgia) und Birmingham zehn Menschen getötet: zwei komplette Familien. Das FBI befürchtet den dritten Anschlag in drei Wochen: Es bleibt also nur wenig Zeit. Graham entdeckt, dass der Mörder die toten Mitglieder der jeweiligen Familie in neue Positionen arrangierte, so dass ihre toten Augen dem eigentlichen Akt zuzuschauen scheinen: der Vergewaltigung, Verstümmelung und Ermordung der Hausherrin.

Will Graham muss die psychologische Einsicht des Psychiaters Dr. Lecter in Anspruch nehmen. Ihre Dialoge sind ebenso bizarr wie jene, die Lecter mit Clarice Starling führen wird. Durch das Psychogramm erkennt Graham: Der männliche Weiße delektiert sich am Anblick seiner Opfer und macht Bilder. Als Graham und das FBI der »Zahnschwuchtel« mit Hilfe des Klatschreporters Freddie Lounds eine Falle stellen wollen (mit Graham als Köder), schlägt der Killer zurück: Das tut der Gesundheit des Reporters überhaupt nicht gut …

Und der Wahnsinnige, der sich für den »Großen Roten Drachen« hält und entsprechend tätowiert ist, ist seinen ratlosen Verfolgern einen Schritt voraus. Er hat sich mit Reba angefreundet und lädt – wider seine ureigenen Instinkte – die blinde junge Frau in sein Haus ein. Wenn sie sehen könnte, was er sieht: William Blakes Gemälde des »Großen Roten Drachen« (siehe Bild oben) im Schlafzimmer.

Doch dann hat Graham endlich die Erleuchtung, als er nach einem vermissten Filmprojektor sucht. Es kommt zu einem Showdown, wie es sich gehört: Nun kämpft Will Graham also doch. Aber es muss sein, um Reba vor dem sicheren Tod zu bewahren – und sein eigenes seelisches Gleichgewicht.

Der Roman erzählt von einer Menschenjagd wie einem Kampf um die Balance zwischen »Gesundheit« und »Wahnsinn«, was im Endeffekt auf den scheinbaren Gegensatz zwischen »Gut« und Böse» hinausläuft. Denn was uns im Kino-Film verschwiegen wird, ist ja die Entstehungsgeschichte der psychischen Verfassung des schizophrenen Mörders. Thomas Harris hat sie in mehreren Rückblenden dargestellt. Sie führt zu einem Verständnis des Mörders, wenn auch nicht zu einen Ein-Verständnis mit dem, was er zu tun versucht, wenn er der Rote Drache ist.

Im Verlauf der Menschenjagd erfahren wir mehr und mehr über Will Graham. Genau wie seine Frau Molly und sein Stiefsohn Willy machen wir uns langsam ernsthafte Sorgen um seine geistig-seelische Gesundheit: Er versetzt sich zu stark in Opfer und Mörder hinein. Das führt zwar schließlich zur rettenden Erkenntnis, wer der Gejagte ist, doch Graham ist psychisch viel zu nahe dran am Wahnsinnigen, um nicht selbst Schaden zu nehmen.

Vor der Episode mit Freddie Lounds, etwa um die Seite 200, diskutieren die Angehörigen des FBI sowie Graham um das richtige Vorgehen: Wie stellt man ihm einen Falle? Wie benutzt man dabei einerseits Dr. Lecter und andererseits die Klatschzeitung? Das geht meiner Meinung nach viel zu lange hin und her (und schließlich in die Hose). Erst als der Mörder die arme Reba McClane kennenlernt, erhält die Handlung wieder dynamischen Impulse – sie führen schließlich zu einem der zwei Finales.

Und was uns heute merkwürdig vorkommt: Da wird immer noch mit altertümlichen «Datafax»-Geräten hantiert, als handle es sich um Großrechner, die man wie seinen Augapfel hüten muss. Über dieses Stadium der technischen Evolution sind wir zum Glück hinaus.

«Roter Drache», der erste Hannibal-Lecter-Thriller, ist eine erstklassige Story über die Jagd auf einen schizophrenen Massenmörder, der zeitweilig glaubt, er sei ein Drache. Ein Sonderermittler, Will Graham, soll ihn zur Strecke bringen – gar nicht so einfach. Zum anderen ist «Roter Drache» eine faszinierende psychologische Studie über das, was gemeinhin als «Wahnsinn" bezeichnet wird: der Mörder und Hannibal Lecter – sind beide verrückt? Doch möglicherweise ist Will Graham gar nicht so verschieden von ihnen. Er versteht sie auffallend gut.

Ihre Meinung zu »Thomas Harris: Roter Drache«

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quaker zu »Thomas Harris: Roter Drache« 30.09.2013
Ein unglaublich guter Thriller! Dieses Buch ist von Anfang bis Ende mehr als gelungen. Die gesamte Geschichte um Francis Dolarhyde ist perfekt dargestellt. Man kann sich richtig gut in die Gefühlswelt des Serienkillers hinein versetzen.

Ich war auch etwas überrascht, dass Dr. Lecter eigentlich nur eine Nebenrolle in dem Buch vertritt, aber das tut der Spannung und der Qualität keinen Abbruch.

Mittlerweile hab ich nun auch "Schweigen der Lämmer" gelesen und muss sagen:
Beides sind sehr gute Bücher, wobei ich allerdings "Der rote Drache" einen Tick besser finde.
Toyota zu »Thomas Harris: Roter Drache« 31.03.2012
Das Buch war ganz interessant geschrieben, teilweise auch spannend und nervenaufreibend, aber so richtig warm geworden bin ich damit nicht. Teilweise war es recht langweilig, da zu viel drumherum erzählt wurde. Erst zum Schluss hin, gab es eine pikante und auch positive Wende. Dennoch bin ich immer wieder aufs neue fasziniert von Autoren, die so etwas schreiben.
RalfBoscher zu »Thomas Harris: Roter Drache« 30.01.2011
20 Jahre sind vergangen, seitdem der mit mehreren Oskars preisgekrönte Thriller „Das Schweigen der Lämmer“ in die Kinos kam . Ein beeindruckender, spannender Film nach der Vorlage des ungeheuer spannenden, düsteren Romans von Thomas Harris. Ein riesiger Publikumserfolg für Autor und Filmschaffende. Und für viele der Grund, nach dem Vorgängerroman „Roter Drache“ zu greifen, dem ersten Auftritt des intellektuellen, kunstsinnigen Kannibalen Hannibal Lecter, dem heute wohl berühmtesten Serienmörder.

Die Konstellation ist in beiden Romanen ähnlich. Ein grausamer Serienmörder, welcher nicht zu fassen ist. Hannibal Lecter im Hochsicherheitsgefängnis wird um Mithilfe gebeten, um hinter das Motiv des Serienmörders zu kommen.

Doch dieses Mal ist es keine Anfängerin wie Clarice Starling, welche Lecter dazu bringen soll, zu kooperieren. Es ist der erfahrende FBI-Profiler Will Graham, jener Mann, der aufgrund seines Einfühlungsvermögens Lecter hinter Gitter gebracht hatte und von Lecter bei seiner Verhaftung fast getötet wurde. Will Graham hatte damals den Dienst quittiert, zu nah waren ihm die Dämonen der vom ihm Gejagten gekommen. Doch nun stellt er sich den düstersten Abgründen wieder, und ihn als Leser dabei zu begleiten ist faszinierend, erschreckend, nichts für schwache Nerven.

„Roter Drache“ ist so dicht geschrieben wie „Das Schweigen der Lämmer“. Die Hauptfiguren sind aber noch differenzierter ausgearbeitet. Beide Romane sind Klassiker des Genres. Harris` Schaffen ist auf einer Höhe, welche er mit seinen späteren Roman rund um Hannibal Lecter leider nicht mehr erreicht.
lolli zu »Thomas Harris: Roter Drache« 22.12.2010
Ich lese das Buch gerade aber bin auf den letzten 50 Seiten. Ich hab vor kurzem das Schweigen der Lämmmer gelesen fand es aber besser als Roter Drache. Ich finde dieses Buch ist sehr außführlich und deshalb auch teilweise langweilig. Jetzt wird es aber spannend. Für meinen Geschmack kommmt Lecter etwas zu wenig darin vor, denn ich finde er macht diese Bücher um einiges bessser.
Fazit: Das Buch ist leider nur Teilweise gelungen und die anderen sind um einiges besser.
AbteilungLSD zu »Thomas Harris: Roter Drache« 05.04.2010
Ich habe das Buch nun schon seit längerem im Regal stehen (mit sämtlichen Nachfolgewerken) und habe es vor zwei tagen ausgelesen.
Selten habe ich einen logisch so durch und durch klasse durchdachten, spannenden, überraschungsgeladenen und genialen Thriller gelesen, wie diesen. Wobei Thriller ja vielleicht nicht 100% die korrekte Bezeichnung ist, denn allzu aktionsgeladen ist diese Lektüre nicht.

Dennoch fiebert man mit Graham, dem untersuchenden Inspektor mit, auf der Suche nach der Zahnschwuchtel.

Absolut TOP und empfehlenswert! Bin schon mitten im Nachfolger... die Reihe wird verschlungen werden.
Bell zu »Thomas Harris: Roter Drache« 14.04.2009
Vor vielen Jahren hatte ich mal "Das Schweigen der Lämmer", jetzt den ersten Teil "Roter Drache" gelesen. Der Roman ist richtig gut - intelligent, spannend, verstörend, vor allem, wenn man die Gedanken und Handlungen Dolarhydes miterlebt.

Der etwas unfreiwillige Ermittler Will Graham wird in seiner Zerrissenheit zwischen "ein normales Leben mit der Frau und ihrem Sohn im Haus am Strand leben" und "die alten Instinkte einsetzen, um den Gedanken und Gefühlen eines Psychopathen nahe zu kommen, um ihn zu überführen" unglaublich gut dargestellt. Seine Figur ist sehr tragisch und trägt zu der düsteren Stimmung des Romans bei.

Besonders intensiv wird der Roman dadurch, dass man immer die Perspektive der jeweiligen Figur einnimmt - so kennt man die Gedanken der Ermittler, die des Mörders, aber auch die des potentiellen Opfers, der blinden Reba.

Die Szenen, in denen Dolarhyde auftritt, ob allein oder mit einem Gegenüber, sind so intensiv, dass ich zwischendurch richtig gebannt war. Auch seine sich entwickelnde Persönlichkeitsspaltung wird sehr anschaulich dargestellt.

Einige aufeinanderfolgende Kapitel handeln nur von Dolarhydes Vergangenheit und lassen mehr als erahnen, warum er ein geisteskranker Mörder geworden ist.

Ich kann das Buch jedem Psychothrillerfan nur empfehlen, es ist etwas Besonderes in dem Genre.

90 Grad
Lylith zu »Thomas Harris: Roter Drache« 22.11.2008
Der erste Teil der Erzählungen um Hannibal Lecter beginnt eher träge. Die ersten Schritte von Graham mögen zwar notwendig sein, sind jedoch sehr langatmig formuliert und bringen nicht allzu viele Erkenntnisse. Sobald das Augenmerk der Geschichte sich jedoch auf Dolarhyde richtet und seine Aktivitäten der Gegenwart und die Ereignisse in seiner Kindheit beleuchtet, gewinnt die Erzählung an Tempo und Spannung. Harris ist es gelungen einige faszinierende Charaktäre zu kreieren, deren Verhalten und Motive real wirken und somit überzeugend sind. Vor allem Reba und Francis bilden eine interessante Charakterkonstellation, deren Kontrastreichtum und gleichzeitige Harmonie nur von der Beziehung Lector/Starling überboten wird.
Im Gegensatz dazu wirken die Spannungen und Probleme in der Familie Graham eher künstlich und aufgesetzt und treten im Gesamteindruck der Geschichte in den Hintergrund. Dies mag auch ein Grund dafür sein, daß der Showdown am Ende der Erzählung so abrupt wirkt und die gefühlsneutrale und sterile Atmosphäre eines gut geschriebenen Zeitungsartikels vermittelt.
Fazit: Ein schwerfälliger Anfang, ein plötzliches und liebloses Finale, allerdings eine sehr gut geschriebene und packende Handlung in der Mitte, mit einigen wohlgeformten Charaktären.
Alexandra1981 zu »Thomas Harris: Roter Drache« 06.09.2008
Da mein Bücherregal zur Zeit nicht genug (interessanten) Stoff zu bieten hat, habe ihc mir vorgenommen, die Harris-Reihe noch einmal zu lesen. Das war eine gute Entscheidung wie sich heraus stellte. Roter Drache ist wirklich ein geniales Buch, welches man keine Minute aus der Hand legen möchte. Es ist einfach herrlich, wie es der Autor versteht einen in die Geschichte einleben zu lassen. Durch die liebe zum Detail hat man förmlich das Gefühl, in die Geschichte mit eingebunden zu sein.
Bei Thomas Harris sollte man wirklich jedes seiner Bücher als ein eigenes Kunstwerk betrachten und keine Vergleiche zu den anderen Lecter-Storys ziehen.
Jedenfalls ist Roter Drache absolut und uneingeschränkt empfehlenswert.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
sue82 zu »Thomas Harris: Roter Drache« 13.07.2008
Das Buch ist sehr gut geschrieben und spannend bis zur letzten Seite. Obwohl schon ziemlich früh bekannt ist wer der Mörder ist, schaffte es der Autor die Story trotzdem, durch Rückblenden und der Wechsel zwischen dem FBI und dem Psychopathen, am Laufen zu halten.
Fazit: Sehr zu empfehlen, 85°
JaneM. zu »Thomas Harris: Roter Drache« 07.04.2008
"Roter Drache" ist ein hervorragender Thriller. Noch immer!! Schade, dass ein so gutes und spannendes Werk immer vor dem Hintergrund des legendären "Schweigen der Lämmer" gesehen wird.

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