Der Todesmeister von Thomas Elbel

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2017 bei Blanvalet.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin, 2010 - heute.
Folge 1 der Viktor-von-Puppe-Serie.

  • München: Blanvalet, 2017. ISBN: 978-3734104145. 512 Seiten.

'Der Todesmeister' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze

Viktor von Puppe lässt sich vom Innenministerium zum Berliner LKA versetzen, weil er auf eigene Faust das Verschwinden seiner Freundin Paula aufklären möchte. Er wird dem Team von Ken Tokugawa und Begüm Duran zugewiesen und muss direkt in einem brisanten Fall ermitteln: die Leiche eines jungen Mädchens wurde aus der Spree geborgen. Alles deutet darauf hin, dass sie das Opfer eines Snuff-Video-Drehs geworden ist. Weil sie die Nichte des Justizsenators war, wird dem Fall oberste Priorität eingeräumt – aber sind wirklich alle Beteiligten an einer schnellen Aufklärung interessiert? Viktor und seinen Kollegen kommen bald Zweifel.

Das meint Krimi-Couch.de: Snuff-Videos werden in kleinem Theater zur grausamen Realität 75°

Krimi-Rezension von Nicole Goersch

Blitzlichtartig werden die Szenen im Prolog beleuchtet. Man fühlt sich als Leser selbst mit der Hilflosigkeit und der Verwirrtheit konfrontiert, als würde man immer nur kurz in der Realität auftauchen, bis langsam die Erkenntnis durchsickert, dass die vermeintliche Sicherheit nicht vorhanden ist.

Der Täter begrüßt sein Opfer mit dem Satz »Willkommen im Grand Guignol – dem Kabarett des Schreckens«. Das Grand Guignol war ein kleines Theater in Paris, in dem gruselige Horrorstücke gezeigt wurden. Gegründet Endes des 19. Jahrhunderts, zeigte es bis in die 1960er Jahre hinein rabiate Aufführungen, in denen vergewaltigt und gemordet wurde, was allerdings mit Hilfe von Tricks und Schauspiel dargestellt wurde. Ganz im Gegensatz zu dem heutigen Grand Guignol, in dem in Snuff-Videos grausame Realität gezeigt wird.

Die Sprache bedient sich großzügig derber Schimpfwörter und ungehobelter Flüche. Das mag zwar die heutige Sprechweise widerspiegeln, wirkt aber mitunter aufgesetzt und provozierend gewollt.

Extravagante und überspitzte Figuren tummeln sich

Die Charaktere sind sehr individuell und wirken wie ein wildes Sammelsurium der Kuriositäten. Zuweilen erscheint das überzeichnet und mitunter überkarikiert, so etwa bei der Rechtsmedizinerin Stella.

Der Leser wird direkt mit vielen Eindrücken konfrontiert, die explizit und breitfächrig die Figuren charakterisieren. Diese haben ihre Marotten und Fehler, wodurch man sie unmittelbar kennenlernt. Dabei gibt es auch bizarre Situationen, in denen die Reaktionen nur schwer in den logischen Ablauf der Handlung passen, etwa wenn Ken Tokugawa offenherzig von seinem Vorgesetzten erzählt, der ihn mal vor einer Dienstaufsichtsbeschwerde gerettet hat, oder wenn Stella bei ihrem ersten Date Kens Vergangenheit ausbreitet.

Hier wurde ein Tummelplatz absonderlicher Gestalten geschaffen, an dem es eins nicht gibt: Eintönigkeit. Dadurch bekommt die Geschichte eine Dynamik, die sich schwungvoll steigert wie bei einem Musikstück, das lauter werdend auf seinen Höhepunkt zusteuert. Langweilig wird es nie, auch wenn sich der Autor zu Beginn durchaus Zeit lässt.

Viele Zufälle führen die Ermittler in die richtige Richtung

Zum Ende hin spielt der Zufall ab und an eine entscheidende Rolle, um die Ermittler in die richtige Richtung zu schubsen. Auch bleibt der eine oder andere Erzählstrang offen, was irritierend ist. Wer überrascht Viktor im Haus seines Großvaters? Wer war der Chef, dem sein Mitarbeiter das iPad mit dem Snuff-Video entwendet hat?

Der Autor hält sich nicht mit ausführlichen Folterbeschreibungen auf, aber die Andeutungen reichen schon aus, um es einem eiskalt den Rücken runterlaufen zu lassen. Das Thema ist erschreckend aktuell und in seiner Dimension kaum zu begreifen.

Thomas Elbel, bisher eher im fantastischen Bereich zu Hause, hat mit »Der Todesmeister« seinen ersten Kriminalroman geschrieben, der zudem der Auftakt einer Serie um Viktor von Puppe und sein Team ist, deren nächster Band dank des geschickten Cliffhangers wieder Spannung und Abwechslung verspricht.

Nicole Goersch, Januar 2018

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walli007 zu »Thomas Elbel: Der Todesmeister« 01.03.2018
Ein neues Team

Viktor Puppe (eigentlich von Puppe) bemüht sich um eine Abordnung an die Mordkommission. Sein neuer Chef ist misstrauisch, was will der Jurist bei den normalen Ermittlern. Allerdings herrscht Personalmangel und so weist er seinen neuen Mitarbeiter dem Team bestehend aus Kenji Tokugawa und Begüm Duran zu. Schon bald wird den dreien der Fall einer am Spreeufer angespülten Mädchenleiche übertragen. Es stellt sich heraus, dass es sich bei der Toten um die Nichte des Justizsenators handelt, was dem Fall einen besonderen Stellenwert gibt. Erstaunlich, dass die Verwandten die Ermittlungen eher behindern.

Ein neues Team findet sich zusammen. Kenji, der Sohn einer Einheimischen und eines japanischen Vaters; Begüm, die alleinerziehende Mutter, und Viktor, mit Wurzeln, von denen er nichts mehr wissen will. Nach einigen Wortgefechten verständigt man sich doch auf eine recht gute Zusammenarbeit, auch wenn es mit Andeutungen und Blicken manchmal hoch hergeht. Schnell ergeben sich Spuren, die auf einen bestimmten Täter hindeuten. Der Fall wird offiziell abgeschlossen, doch die Ermittler gehen heimlich einem unglaublichen Verdacht nach und bekommen Steine in den Weg gelegt. Wie dem begegnen? Aufhören oder Weitermachen? Weitermachen natürlich und so entwickelt sich quasi eine zweite Untersuchung hinter dem Rücken des Chefs.

Berlin, eine pulsierende Stadt, in der es eigentlich nichts gibt, das es nicht gibt. Doch auch in dieser lebendigen Metropole ist es nicht an der Tagesordnung, dass ein junges Mädchen grausam ermordet wird. Man nimmt dem Team den Feuereifer ab, mit dem es die Arbeit aufnimmt. Sie müssen sich erst zusammenraufen und das tun auf eine für den Leser unterhaltsame schlagfertige Weise, die alle gleichermaßen sympathisch werden lässt. Manchmal ermitteln sie einzeln, doch gemeinsam sind sie stark. Sie ergänzen sich in ihren Erfahrungen und Fähigkeiten. Und sie sind authentisch in ihre Umgebung hineingeschrieben. Man fühlt sich versucht, die Plätze und sei es auch nur im Internet aufzusuchen.

Ein lesenswerter erster Band um Viktor Puppe, dem mindestens noch ein zweiter folgen soll. Ein neues Team, das Serienpotential hat.
Krimisofa.com zu »Thomas Elbel: Der Todesmeister« 20.02.2018
Thomas Elbel ist Dichterjurist, der gelernter Jurist ist und sich später als Schriftsteller versuchte. Bei der Schriftstellerei versuchte er sich anfangs im Fantasy- und Science-Fiction-Genre, wo er durchaus erfolgreich war – später riet ihm sein Agent dazu, sich im Krimi-Genre zu probieren, was er mit „Der Todesmeister“ dann auch tat. Thomas Elbel hat übrigens weitläufig Verwandte mit Nachnamen Puppe. Georg Puppe hat im 19. Jahrhundert gelebt und war Mediziner - der Nachname seines Protagonisten kommt also nicht von ungefähr.

Viktor Puppe ließ sich, wie oben erwähnt ins LKA Berlin versetzen - vordergründig um dem Fall seiner vermissten Freundin nachzugehen, doch das soll möglichst keiner mitbekommen, weshalb er es im Geheimen versucht. Puppe hat nicht nur einen eigenwilligen Namen, sein Charakter ist ebenfalls gewöhnungsbedürftig und wurde mir zu keiner Zeit sympathisch. Einerseits trauert er seiner Freundin nach, andererseits steigt er mit der nächstbesten Frau direkt an seinem ersten Tag im LKA ins Bett und ist dabei eigentlich an seiner anatolischen Kollegin Begüm Duran interessiert - er dürfte also einen sehr ausgeprägten Testosteronhaushalt haben. Bei seinem Bewerbungsgespräch legt er einen Sherlock-Holmes-Move hin, mit dem er seinen zukünftigen Chef überzeugt – Sherlock Holmes verschwindet danach aber wieder und kommt nie wieder.

Neben Begüm, die ihn von Anfang an abweisend behandelt, arbeitet Viktor mit Ken zusammen - Ken heißt eigentlich Kenji und hat japanische Wurzeln. Er dürfte einen ähnlich hohen Testosteronspiegel wie Viktor haben, nur dass er ihn im Gegensatz zu seinem neuen Kollegen offen auslebt und als Macho sondergleichen auftritt, dem gerne mal ein sexistische Spruch herausrutscht. Genau genommen waren mir aus der Multikulti-Truppe keiner sympathisch. Wer hingegen sympathisch ist, ist Jenny; sie ist  das Opfer und avanciert im Verlauf der Geschichte immer mehr zum Hauptcharakter.

Die Geschichte ist durchaus spannend und flüssig zu lesen - Leerläufe gibt es kaum. Die Erzählstränge wechseln sich immer wieder ab; neben dem um Viktor Puppe gibt es noch den um Jenny, dem Täter und ein paar andere - dabei wird die Geschichte aber nie unübersichtlich, sondern verläuft ziemlich linear. Immer wieder streut Elbel unnützes Wissen ein, was zwar nicht uninteressant ist, aber teilweise fehlplatziert wirkt. Hier hatte ich teilweise das Gefühl, dass Elbel es unbedingt unterbringen wollte, um smart rüberzukommen. Was auffällt, sind die - selbst für ein Rezensionsexemplar - vielen Schreibfehler; zig das/dass-Fehler, Apostroph-Fehler, fehlende Wörter, überflüssige Wörter. Ich bin beileibe kein Deutschprofessor und habe selbst meine Defizite, aber ich hoffe, dass bei den käuflich erwerbbaren Exemplaren alle Fehler ausgebessert wurden, sonst kann das Lesen frustrierend werden.

Auf dem Buchrücken steht, dass das Buch für Fans von Sebastian Fitzek und Andreas Gruber sei - ersteres kann ich ausschließen, da Fitzek in der Regel weder Ermittlungskrimis, noch Serien schreibt. Andreas Gruber macht das zwar, seine Charaktere - allen voran Marten S. Sneijder mit seiner verschrobenen Art - sind aber überaus sympathisch. Man hat sie einfach gerne. Viktor Puppe ist hingegen nicht nur verdammt spießig, sondern auch mindestens genau so langweilig - seine Verbindung zu Josef Mengele ist noch das interessanteste, aber die wird nur kurz behandelt.

Das klingt alles relativ hart, aber die Figuren prägen in einem Buch die Geschichte; da kann der Plot noch so ausgetüftelt sein; wenn der Großteil des Ensembles entweder spießig, sexistisch, sexsüchtig oder nicht teamfähig ist - und jede dieser Eigenschaften wird durch mindestens eine Figur in „Der Todesmeister" repräsentiert -, dann macht es nur halb so viel Spaß, das Buch zu lesen.

Tl;dr: „Der Todesmeister“ von Thomas Elbel kann zwar eine gute Geschichte vorweisen, scheitert aber an seinen Charakteren, die zwar kantig, aber alles andere als sympathisch sind. Weiters glänzt Elbel mit unnützem Wissen, das aber zeitweise fehlplatziert und hineingequetscht wirkt.
wampy zu »Thomas Elbel: Der Todesmeister« 14.01.2018
Buchmeinung zu Thomas Elbel – Der Todesmeister

Meine Meinung:
Dies ist mein erstes Buch von Thomas Elbel und es hat Stärken und Schwächen. Zu den Schwächen zählt die oft übertriebene Darstellung von Figuren. Da sollen Figuren cool sein im Umgangston, aber es wirkt sexistisch. Da trifft die Hauptfigur Viktor Puppe eine hübsche Pathologin und schon sind sie in der Kiste. Dies gilt auch für die beiden anderen Ermittler Kenji Tokugawa und Begüm Duran. Jeder hat seine Probleme und leidet daran. Durch die überzogene Darstellung wirken die Figuren irgendwie konstruiert und leblos. Kenji und Viktor sind hochgebildet, selbstbewußt, in bester körperlicher Verfassung und beide hüten ihr eigenes Geheimnis. Begüm ist alleinerziehende Mutter, die erhebliche Probleme mit dem Vater ihres Kindes hat. Alle drei wirken unnahbar und agieren lange Zeit wie geborene Einzelgänger. Auch ihr Chef agiert überzogen und hat ein Geheimnis (natürlich!). Dagurch gibt es viele Nebenhandlungen und der eigentliche Fall tritt in den Hintergrund. Aber Thomas Elbel kann erzählen. Die Tagebuchauszüge des toten jungen Mädchens und die Beschreibung der Vorgänge um die entführten Mädchen sind einfühlsam und atmosphärisch dicht. Durch häufige Perspektivwechsel wird Tempo erzeugt. Gerade die Szenen aus der Sicht des Täters erzeugen Gänsehaut. Trotz aller Defizite kommt gehörig Spannung auf und ich habe mit den Entführten gezittert und gelitten. Bei der Beschreibung der Folterungen zeigt der Autor ein gelungenes Mass an Darstellung, die die Vorstellunskraft des Lesers aktiviert und sich dennoch nicht in blutigen Details verliert. Es gibt einen ordentlichen Showdown und es endet nicht in eitel Sonnenschein. Das hat mir gut gefallen.

Fazit:
Dieses Buch leidet daran, dass der Autor oft zu viel will, sowohl bei den Figuren als auch bei der Handlung. Als er sich auf den Fall und seine Auflösung konzentriert wird es erheblich besser. Von mir gibt es trotz deutlicher Mängel deshalb drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten). Ich werde den Autor weiter verfolgen und hoffe, dass er seine Schwächen abstellen kann, denn erzählen – das kann Thomas Elbel.
claudi-1963 zu »Thomas Elbel: Der Todesmeister« 31.12.2017
"Sprechen wir von der Kinderprostitution oder dem Missbrauch der Kleinsten, dann sprechen wir von nichts weniger als der Hölle! Kein Schattenreich kann satanischer sein als das, was wir Menschen uns in diesem Sektor leisten." (Christa Schyboll)
Victor von Puppe ist frisch aus dem Innenministerium zum LKA Berlin gewechselt. Keiner weiß jedoch das er einen triftigen Grund für seinen Wechsel hat. Doch dann wird an der Oberbaumbrücke die Leiche der 16-jährigen Nichte des Justizsenators, tot aufgefunden. Viele Folter- und Missbrauchsspuren weisen auf einen brutalen, skrupellosen Täter hin. Mit seinen beiden Kollegen Begüm Duran und Kenji Tokugawa versuchen sie in dem Fall zu ermitteln. Auch im Internet tauchen Videos auf, die einen perversen Täter zeigen wie er ein junges Mädchen tötet. Doch dann finden sie einen weiteren Toten, der für die Taten verantwortlich gemacht wird. Doch Victor und Ken sind sich sicher, dass er nicht allein der Täter war. Wer möchte das sie nicht weiter in dem Fall ermitteln? Hat der Justizminister und Onkel der Toten da seine Finger mit im Spiel? Das Tagebuch von Katharina gibt ihnen weiter Aufschlüsse doch Victor und Ken müssen weitere Beweise finden. Eine gefährliche Suche nach dem Täter beginnt, der in den oberen Kreisen nicht gern gesehen wird.

Meine Meinung:
Ein sehr guter Auftakt für Thomas Elbels ersten Thriller. Wir Leser haben es seinem Agenten zu verdanken, dass er diesen geschrieben hat. "Der Todesmeister" ist ein sehr brutaler, anspruchsvoller, fesselnder und auch teils realitätsnaher Thriller, der allerdings nichts für schwache Nerven ist. Den bei den Folter- und Tötungsszenen ist der Autor nicht gerade zimperlich. Mehrere Handlungsstränge führen durch das Buch zum einen die Vergangenheit des Täters und der Nichte des Senators. Aber man erfährt auch ein wenig über die Vergangenheit der Ermittler und natürlich die Gegenwart mit dem brutalen Verhalten des Täters. Ein wenig flammt teils überspitzter Humor bei den Ermittlern auf, um die Lage etwas zu entspannen. Der Schreibstil ist sehr gut und interessant, sodass der Spannungsbogen nur selten abflacht. Mich jedenfalls konnte das Buch überzeugen und fesseln und es hat mich am Ende nicht mehr losgelassen. Wieder einmal konnte man lesen, wie Menschen durch Missbrauch in ihrer eigenen Kindheit, selbst zu Tätern werden können. Ich freue mich, das es einen weiteren Fall mit den Ermittlern geben wird und vergebe 5 von 5 Sterne. Ich finde, dieses Buch ist ein Muss für alle Thrillerfans.
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