Ertränkt alle Hunde von Thomas Adcock

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1994 unter dem Titel Drown all the Dogs, deutsche Ausgabe erstmals 1996 bei Haffmans.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.

  • New York: Pocket Books, 1994 unter dem Titel Drown all the Dogs. 341 Seiten.
  • Zürich: Haffmans, 1996. Übersetzt von Jürgen Bürger. ISBN: 3-251-30059-8. 411 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 1999. Übersetzt von Jürgen Bürger. ISBN: 3-492-25676-7. 411 Seiten.

'Ertränkt alle Hunde' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Detective Neil Hockaday aus New York ist auf der Suche nach den leeren Stellen im Familienstammbaum nach Irland gereist, ins Land seiner Vorfahren. Kaum gelandet, entgeht Hock nur knapp einem Attentat und muß erkennen, dass die irische Geschichte untrennbar mit ihm und New York verbunden ist.

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Stefan83 zu »Thomas Adcock: Ertränkt alle Hunde« 16.01.2009
Urlaub. Für Neil Hock Hockaday, dem völlig in seiner Arbeit aufgehenden Detective der New Yorker SCUM-Patrol, eher ein Fremdwort. Nachdem ihm ein verrückter Serienmörder namens Picasso noch beim letzten Mal einen Strich durch mögliche Freizeitplanungen gemacht hat, scheint diesmal der lang ersehnten Ruhe wohl nichts mehr im Wege zu stehen.

Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, der schwarzen Schauspielerin Ruby Flagg, reist er nach Irland, ins Land seiner Vorfahren, um seinen einzigen noch lebenden Blutsverwandten und im Sterben liegenden Onkel Liam zu besuchen. Von ihm erhofft sich Hock Antworten auf eine Vielzahl von Fragen die seinen Vater betreffen. Was ist nach dem Krieg mit ihm passiert? Warum hat er sich nie gemeldet? Wer war Aidan Hockaday eigentlich?

Doch schon kurz nach der Landung auf dem Dubliner Flughafen wird Hock klar, dass es mit einem ruhigen Aufenthalt auf der grünen Insel wohl eher nichts werden wird. Ruby und er entgehen nur knapp einem Attentat, bei dem ihr Chauffeur ums Leben kommt und das sie nach nur wenigen Stunden Aufenthalt schon ins Büro des Chiefs der Dubliner Garda befördert. Gleichzeitig kommt es in New York zu einer Reihe von Morden und mysteriösen Selbstmorden, deren Ursachen wohl in Hocks Abreise begründet liegen. Hocks Suche nach Antworten führt ihn tief hinein in die blutige und tragische Geschichte Irlands, die mit der seiner Familie untrennbar verknüpft zu sein scheint.

Im Roman Ertränkt alle Hunde, den er drei Jahre nach dem Edgar Award Gewinner Feuer und Schwefel folgen ließ, greift der Autor das zentrale Thema wieder auf, welches schon die beiden vorherigen Bände durchzog, nämlich Hocks unbeantwortete Fragen über seinen Vater, und bringt es zum Abschluss. Und er tut dies derart gekonnt, dass es mir schlichtweg die Sprache verschlagen hat. Egal welchem Genre man dieses Buch zuordnen möchte, denn anbieten würden sich derer viele, so geschickt vermischt Adcock Elemente des Hardboiled-Romans, des Krimi-Noirs und des Politthrillers, man würde dem Werk insgesamt nicht gerecht werden.

Wer den typischen Spannungsaufbau eines Krimis im Stile von Mord, Ermittlung und Auflösung erwartet, wird nichts davon hier vorfinden. Ertränkt alle Hunde verlässt diese oberflächliche Ebene und geht um einiges tiefer. Die Art und Weise wie Adcock sich in seine Figuren einfühlt, ihre Schwächen und Gedanken skizziert, ist schlichtweg meisterhaft. Man hat streckenweise förmlich das Gefühl die jahrhundertealte Verbitterung der Iren über die Unterdrückung durch die Engländer zwischen den Zeilen schmecken zu können, so gekonnt bringt der Autor die Gefühlswelt der Charaktere auf Papier. Die moralischen Grenzen sind schwimmend. Hell und Dunkel, Gut und Böse. All das ist in diesem Konflikt für den kein Ende in Sicht zu sein scheint, kein Maßstab mehr. Und trotz all dieser Düsternis unterhält das Buch blendend. Bis hin zu seinem leider etwas pathetisch ausgefallenen Ende, das aber mit einem richtigen Happyend geizt. Kein Wunder. Ist diese Geschichte doch keine amerikanische oder englische, sondern eine irische Geschichte.

Insgesamt ist Ertränkt alle Hunde ganz große Literatur, die ich Seite für Seite genossen und am Ende nur ungern weggelegt habe. Adcocks bisher bester und reifster Roman, mit dem er sich ganz weit nach oben in meine persönliche Bestenliste geschrieben hat.
5 von 6 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
William zu »Thomas Adcock: Ertränkt alle Hunde« 10.09.2006
Sehr empfehlenswert. Alles ist anders und doch so wie man's gelegentlich vermutet.

Hilfreich im Verständnis ist das Rätsel das Hock von seinem Onkel bekommt (der es wieder von Moira hat):
"ein Mann ohne Augen sah Pflaumen auf einem Baum. Weder hat er Pflaumen mitgenommen noch zurückgelassen. Wie ist das möglich?"

Zum ganzen Verständnisses des Buches ist es allerdings ziemlich den Zwist zwischen irland und England etwas zu kennen. (oder die Geschichte in den 60-70 iger jahren verfolgt zu haben)
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