Leichenraub von Tess Gerritsen

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel The Bone Garden, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Limes.

  • New York: Ballantine Books, 2007 unter dem Titel The Bone Garden. 448 Seiten.
  • München: Limes, 2008. Übersetzt von Andreas Jäger. ISBN: 978-3-8090-2539-9. 448 Seiten.
  • München: Blanvalet, 2010. Übersetzt von Andreas Jäger. ISBN: 978-3-442-37226-3. 442 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2008. Gesprochen von Mechthild Großmann. ISBN: 3866048807. 6 CDs.

'Leichenraub' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Julia Hamill gräbt gerade den Garten ihres kürzlich erworbenen Hauses um, als sie einen grausigen Fund macht: den skelettierten Schädel eines Menschen. Mit den Mitteln der modernen Gerichtsmedizin kann Dr. Maura Isles die harten Fakten schnell bestimmen: Die Leiche ist knapp zweihundert Jahre alt – eine Frau, die ganz offensichtlich einem Mord zum Opfer fiel. Doch wer ist die unbekannte Tote? Und wer hat sie im Garten des alten Hauses verscharrt? Diese Fragen lassen Julia Hamill keine Ruhe, und sie beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Eine alte Kassette voller Dokumente führt sie dabei in die Vergangenheit Bostons – zu den ersten Versuchen, mithilfe von Forensik, Pathologie und Autopsien einen Kriminalfall zu lösen. Und zu dem Medizinstudenten Norris Marshall, der hofft, einen gefährlichen Frauenmörder zu stellen – und, vom Ehrgeiz verblendet, seine einzige Zeugin in höchste Gefahr bringt …

Das meint Krimi-Couch.de: »historischer Arztroman, getarnt als Krimi« 75°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Leichenraub hat zwar eine Handlung in der Gegenwart, aber eigentlich ist das nur ein gekonnt gemachter Aufhänger um ins beginnende 19. Jahrhundert abzuschweifen, wo sich auch der eigentliche Kriminalfall abspielt. Der amerikanische Titel The Bone Garden bezieht sich deutlich auf die Gegenwart, in der Julia Hamill beim Umgraben ihres Gartens auf Knochenreste stößt, die nach einer Untersuchung zweifelsfrei schon sehr lange in der Erde liegen. Mit Hilfe des kauzigen Henry Page beginnt Julia in Briefen aus der Vergangenheit zu graben und stößt so auf die Lebensgeschichte von Rose Connoly und Norris Marshall.

Rose Connollys Schwester stirbt kurz nach der Geburt ihrer Tochter und sie nimmt sich des kleinen Mädchens an, damit der Vater nicht an das Neugeborene kommt und es verkaufen kann. Denn die Menschen gehören zu den Ärmsten der Armen in den dunkelsten Vierteln Bostons. Dort im Westend geistert ein Monster mit schwarzen Schwingen und dem Gesicht eines Totenschädels, der Ripper, der vor den Augen von Rose eine Krankenschwester ermordet. Und ihm liegt daran keine Zeugen zu hinterlassen.

Norris Marshall, auch nicht gerade aus begüterten Kreisen, studiert Medizin und hat beweist beim Sezieren von Leichen ein goldenes Händchen, wodurch ihm das Wohlwollen der Lehrenden sicher ist. Aber Lernen kann man nur, wenn es auch Anschauungsmaterial gibt und deswegen benötigt die Universität Leichen, die skrupellose Menschen aus ihren Gräbern holen und verkaufen. Deshalb auch der deutsche Titel Leichenraub. Auch die Opfer des Rippers landen auf dem Seziertisch. Doch zuvor hat auch Norris Marshall den Ripper bei der Arbeit gesehen. Doch keiner glaubt ihm und die Polizei hält ihn selbst für den Killer aus dem Westend.

Rose und Norris haben also ein gemeinsames Interesse mit dem Leben davon zu kommen und den Killer zu entlarven. Dabei kommen sie sich natürlich näher …

Wenn auch die Rahmengeschichte nicht das Gelbe vom Ei ist, so hat doch der Großteil der geschichtlichen Handlung ordentlich Potential für einen Krimi. Gerritsen kann hier natürlich ihre medizinische Vorbildung bestens verwerten und der Ausflug in die Geschichte ist von Anfang an packend geschrieben. Die unsäglichen hygienischen Zustände in Entbindungsanstalten und an der medizinischen Fakultät werden in deutlichen Bildern geschildert, zu einer Zeit als Ignaz Semmelweis in Europa noch nicht als Retter der Mütter bekannt war. Und diese schaurigen Tatsachen sind wohl auch das wichtigste Spannungselement im ganzen Thriller. Das Elend der Unterschicht und der krasse Gegensatz zur Oberschicht bieten den scharfen Kontrast zwischen dem Norris Marshall immer wieder pendelt. Der junge Mann ist wohl die am besten skizzierte Figur in diesem Histo-Krimi, ein Wanderer zwischen den Welten, der sich in beiden Kreisen bewegen muss.

Rose Connolly ist ein starkes Mädchen, das ohne Rücksicht auf Verluste ihr karges Leben bewältigt, damit sie das Kind ihrer Tochter aufziehen kann, ohne sich dabei verkaufen zu müssen. Wie schwer der Stand einer ledigen Frau mit einem Kind in der damaligen Gesellschaft war, wird von der Autorin sehr eindringlich geschildert und mehr als einmal bekommt man bei diesen Zuständen eine Gänsehaut, denn Gerritsens Bildsprache ist hier sichtlich spannender als die gesamte Handlung, die natürlich in der Gegenwart ihren Schlusspunkt findet.

Wer ein Faible für Arztromane und/oder Geschichtskrimis hat, der kann bei diesem Buch keinen Fehler machen. Wären da nicht die eher langweiligen Passagen aus der Jetztzeit, die den Lesefluss ständig unterbrechen, könnte man Leichenraub eine Höchstwertung geben.

Wolfgang Weninger, Februar 2012

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JaneM. zu »Tess Gerritsen: Leichenraub« 26.09.2011
Auch wenn hier schon erwähnt: "Leichenraub" ist ein- soweit ich das beurteilen kann- gut recherchierter historischer Kriminalroman. Die Gegenwartshandlung dient im Prinzip nur zur groben Rahmenhandlung.

Julia findet bei der Gartenarbeit neben ihrem neu erworbenen Haus ein Skelett. Nachdem ( Auftritt Maura Isles) klar ist, dass es sich zwar um eine ermordete Frau (Schädel eingeschlagen) handelt, die Tat aber eher historisch ist, wird die Angelegenheit nicht weiter verfolgt. Kurz darauf meldet sich bei Julia der fast 90jährige Henry, ein Cousin der jüngst verstorbenen vorherigen Besitzerin und der "Familienchronist". Gemeinsam begeben sich beide auf eine Reise in die Vergangenheit, indem sie sich durch den brieflichen Nachlass der alten Dame lesen:

Ein Handlungsstrang beschreibt die Situation von 4 Medizinstudenten in den 1830 Jahren. Während 3 Söhne aus wohlhabendem Haus sind, ist einer (Norris) Farmerssohn und kann sich nur mühsam über Wasser halten. Sein Zubrot muss er sich illegal als "Assistent" eines schmierigen Leichenräubers verdienen. Denn um die Heilkunde zu erlernen, wollen Leichensektionen vorgenommen werden. Doch es mangelt an "Anschauungsmaterial". So wohnt Norris tagsüber der Öffnung von Leichen im Hörsaal bei, die er in der Nacht zuvor, selber ausgraben musste. Nach der Leichenöffnung geht es dann ungewaschen auf die Entbindungsstation, wo über die Frage, warum so viele Frauen am Kindbettfieber sterben gerätselt wird.
Auf eben der Entbindungsstation trauert die junge Rose, eine irische Einwanderin, um ihre Schwester, die nach der Geburt ihrer Tochter an der heimtückischen Krankheit starb. Rose, nun ohne weitere Angehörige, versucht sich allein mit der neugeborenen Nichte durchzuschlagen.
Plötzlich geschehen mehrere Morde an Mitarbeitern des Krankenhauses. Sowohl Rose, als auch Norris geraten in Verdacht...
Eine fesselnde Schilderung über die Geschichte der Medizin und die Entwicklung von Hygiene, aber auch über die Lebenssituation in den Armenvierteln dieser Zeit mit einer Vielzahl an schrägen Charakteren. Leider auch mit schwülstiger Liebesgeschichte. Dennoch absolut lesenswert.
tedesca zu »Tess Gerritsen: Leichenraub« 03.05.2011
Bei diesem Buch handelt es sich um einen historischen Roman, der nichts mit Gerritsens üblichen Thrillern gemeinsam hat. Sie zeigt hier, wie gut sie erzählen kann, wie wenig sie auf schockierende Effekte angewiesen ist, um ihren Geschichten und Figuren Leben zu verleihen.

Natürlich wird ein Geheimnis aufgedeckt, natürlich gibt es einen gruseligen Serienmörder, aber dies bildet nur den Rahmen für eine Erzählung, in der es vor allem um die Menschen in den 1830er-Jahren in den USA geht, wo jede vierte Frau im Kindbett starb, vor allem in den eigens dafür vorgesehenen Geburtskliniken. Wenn man liest, wie der Arzt eine Frau nach der anderen untersucht und sich dazwischen immer wieder die Hände am selben Handtuch abwischt, das am Schluss blutdurchtränkt ist, wird einem regelrecht übel. Noch dazu, wo der kurz vorher im Hörsaal eine Leiche seziert hat, ohne sich danach die Hände zu waschen. Wie er zu dieser Leiche gekommen ist, ist eine andere Sache, auf die hier ebenfalls im Detail eingeangen wird.

Parallel zur Geschichte der jungen Rose, die verzweifelt darum kämpft, für ihre verwaiste Nichte zu sorgen, finden wir einen zweiten Handlungsfaden in der Gegenwart, wo Julia und ein Nachkomme der Menschen, die im 19. Jahrhundert so unglaubliche Dinge erlebt haben, das Geheimnis um eine in Julias Garten gefundene Leiche anhand von Briefen aufrollen und letztendlich lüften.

Ein feines Leseerlebnis mit viel Gefühl und Spannung, auf jeden Fall vergleichbar mit den Büchern von Kate Morton & Co.

Die ungekürzte englische Version wird hervorragend von Susan Denaker gelesen, somit war auch das Hörbuch eine wahre Freude!

Ein kleiner Hinweis für die Fans von Maura Isles: sie spielt nur eine sehr kleine Rolle in diesem Roman!
Trudie zu »Tess Gerritsen: Leichenraub« 06.02.2011
Faszinierendes Buch in dem die Gegensätze in der Vergangenheit sehr deutlich beschrieben werden.
Besonders interressant war meiner Meinung nach der historische Hintergrund.
Einziger negativer Punkt ist aus meiner Sicht die Liebesgeschicht zwischen Tom und Julia.
Leichenraub war das erste Buch, das ich von Tess Gerritsen gelesen habe.
Ich werde sicher auch noch weitere lesen.
Kann das Buch nur empfehlen
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Ratgirl79 zu »Tess Gerritsen: Leichenraub« 09.01.2011
Also auch wenn dieses Buch nicht zu den üblichen von Tess Gerritsen passt, habe ich das Buch sehr gerne gelesen. Ob er historische Hintergrund tatsächlich passt, kann ich nicht so wirklich beurteilen, aber ich fand die Geschichte sehr gut zu lesen und mitzuraten. Allerdings bleiben mir persönlich ein paar zuviele Fragen offen.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Anne Marie Meij zu »Tess Gerritsen: Leichenraub« 28.12.2010
Habe sehr viele Bücher von Tess G. gelesen und habe dann auch voller Erwartung angefangen zu lesen und.wurde bitterlich enttäuscht. Dieses Buch werde ich sicherlich nicht in meinem Bücherschrank stellen. Die angedeutete Liebesgeschichte zwischen Julia und Tom ist vollkommen überflüssig und passt besser zu einem esoterik Roman. Für mich ist das Buch eine sehr holperige Mischung aus Krimi, Historischer Roman und unglaubwürdiger Liebesgeschichte. Irgendwie passt das Buch nicht zu Tess Gerritsen!
detno zu »Tess Gerritsen: Leichenraub« 09.12.2010
Sechs CDs eines Hörbuchs, das ständig zwischen Gegenwart und der Zeit um 1830 in Boston wechselt.

Insbesondere die Beschreibung Zeit vor gut 180 Jahren mit ihren starken sozialen Spannungen ist atemberaubend. NIcht die Morde, sondern das Verhältnis der Oberschicht zu den "da Unten" ist sehr einfühlsam geschildert. Ohne auf den Inhalt weiter eingehen zu wollen, ist einziger Minuspunkt die übersinnlich angehauchte Liebesgeschichtein der Gegenwart zwischen Julia und ihrem Nachbarn. Hier hat Tess Gerritsen etwas zu dick aufgetragen.

Ein Hörbuch lebt oder fällt mit dem Vorleser. Hier ist es Mechthild Großmann, deren Vortrag ich nur als grandios bezeichnen kann. Es gabetliche Szenen, da war ich unfähig, die Stop- oder Pause-Taste zu drücken.

90° für das Hörbuch "LEICHENRAUB".
MrNice zu »Tess Gerritsen: Leichenraub« 18.11.2010
Alles fängt damit an, dass ein Skelett im Garten gefunden wird. Anschliessend Reist man während der Geschichte ständig in die Vergangenheit und wieder zurück in die Gegenwart. Die Geschichte im 19. Jahrhundert ist interessant, was man von der in der Gegenwart nicht sagen kann. Sie beschränkt sich grösstenteils auf das Lesen von Unterlagen.

In meinen Augen wäre es besser gewesen die ganze Geschichte auf die Vergangenheit zu beschränken. Es gäbe einen besseren Lesefluss und auf viel Unnötiges könnte verzichtet werden.
Sarah_Ch zu »Tess Gerritsen: Leichenraub« 27.09.2010
Leichenraub war das erste Buch von Tess Gerritsen, welches ich gelesen habe.

Ich war so begeistert, ich habe mir direkt sieben weitere Bücher von ihr gekauft und sie alle nacheinander gelesen. Das neue Buch von ihr wird mit Sicherheit wieder in meinem Regal landen!

Leichenraub ist klasse geschrieben und so spannend, dass man es gar nicht aus der Hand legen kann.

Der Wechsel zwischen den Zeiten macht das Buch besonders.

Einfach klasse!
Barbara zu »Tess Gerritsen: Leichenraub« 16.09.2010
Wer schon lange keinen wirklich mitreissenden Krimi gelesen hat, sollte unbedingt Leichenraub von Tess Gerritsen lesen! Fesselnd bis zur letzten Minute, dieses Buch begleitet einen überall hin, weil man es nicht einfach beiseite legen kann! Fantastisch, mitreissend, spannend, exzellent recherchiert, mehr kann man sich nicht wünschen!
Anna zu »Tess Gerritsen: Leichenraub« 15.08.2010
Ich habe schon sehr viele Bücher von Tess Gerritsen gelesen. Aber das historische Buch "Leichenraub" war das erste Buch, welches mich so mitgenommen hatte, dass ich am Schluss weinen musste. Tess Gerritsen hat einen besonders guten Schreibstyl, sie weiss genau, wie sie ihre Leser überzeugen kann. Dazu fand ich es auch höchst interessant, mal zu sehen, wie die Medizin im 18 Jahrhundert gewesen ist und was man schon alles machen konnte. Auch ein Blick in die Armut war sehr gut. Ich finde dieses Buch super und empfehle es allen, die Historik, Spannung, Medizin lieben und ein Tess Gerritsen-Fan sind. Viel Spass beim Lesen

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