Kalte Herzen von Tess Gerritsen

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1996 unter dem Titel Harvest, deutsche Ausgabe erstmals 2000 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Massachusetts / Boston, 1990 - 2009.

  • New York: Pocket Books, 1996 unter dem Titel Harvest. 344 Seiten.
  • München: Goldmann, 2000. Übersetzt von Kristian Lutze. ISBN: 3-442-43485-8. 383 Seiten.
  • München: Goldmann, 2003. Übersetzt von Kristian Lutze. ISBN: 3-442-35880-9. 383 Seiten.
  • München: Goldmann, 2005. Übersetzt von Kristian Lutze. ISBN: 3-442-36296-2. 383 Seiten.

'Kalte Herzen' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Die junge Abby ist eine erstklassige Medizinerin, die sich auf Transplantationen spezialisiert hat. Ihre steile Karriere gerät eines Tages in Gefahr, als sie ein Spenderherz einem todkranken Jungen und nicht der schwerreichen Nina Voss einpflanzt. Kurze Zeit später bekommt Nina Voss doch ein neues Herz, und Abby beginnt, auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen, woher das Spenderherz stammte.

Das meint kirmi-couch.de: »Spenderherzen – eisgekühlt« 72°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Abby DiMatteo ist eine idealistische junge Assistenzärztin in einem Bostoner Krankenhaus, deren großes Ziel es ist, Chirurgin in der Transplantationsabteilung zu werden. Aus einfachen Verhältnissen hat sie sich mit viel Ehrgeiz hochgearbeitet. Selbstverständlich ist ihre Arbeit mit viel Stress verbunden, manchmal kann sie das Krankenhaus mehrere Tage lang nicht verlassen.

Doch wenn sie einem Patienten wie dem 17-jährigen Josh O’Day helfen kann, dann wiegt das jede Anstrengung auf. Dabei war es verdammt knapp, bis der Junge sein neues Herz bekam. Denn eigentlich sollte das Spenderherz, das zunächst für Josh vorgesehen war, in letzter Minute der Frau des reichen Victor Voss eingepflanzt werden. Doch für Abby und ihre Kollegin Vivian war klar, dass für diese kurzfristige Änderung nur das Geld von Voss verantwortlich sein konnte. In einem dramatischen Alleingang sorgen die beiden Ärztinnen dafür, dass das Herz durch eine empfängergebundene Spendererklärung doch an Josh geht. Vivian muß diese Tat mit ihrem Job bezahlen, Abby kommt mit einem Verweis davon. Möglicherweise hat sie dies der Tatsache zu verdanken, dass sie mit Mark Hodell liiert ist, einem Chirurgen des Transplantationsteams.

Mrs. Voss erhält dann aber nur wenige Tage danach doch ein Spenderherz. Ein großer Zufall, denn üblicherweise sind die Wartezeiten lang, bis ein passendes Transplantat zur Verfügung steht. Abby wird mißtrauisch und forscht nach, woher das Herz kommt und stösst dabei auf einige Ungereimtheiten.

Als Abby schließlich wenig später auf einer Party das Angebot erhält, ins Transplantationsteam einzusteigen, scheint ihr großer Traum in Erfüllung zu gehen. Sie vergisst ihre Zweifel zunächst, doch dann wird sie wegen angeblicher Fehler in mehreren Fällen angezeigt. Abby ist klar, dass nur Victor Voss hinter der Kampagne stecken kann, der ihr die Aktion mit dem ersten Spenderherz nicht verziehen hat.

Was mir bisher an den Büchern von Tess Gerritsen aufgefallen ist, ist die unglaubliche Routine, mit der die ehemalige Ärztin schreibt, obwohl sie noch nicht mal seit zehn Jahren schriftstellerisch tätig ist. Deshalb war ich jetzt besonders auf ihren Debütroman gespannt. Überraschenderweise hat man auch hier bereits den Eindruck, dass eine erfahrene Autorin am Werk war.

Schwarz-weiß gemalte Charaktere, eine nette Liebesgeschichte und dramatische Rettungsaktionen in letzter Sekunde sowie nicht zuletzt der in medizinischen Romanen niemals fehlende Einsatz des Defibrilators, das sind die Zutaten, aus denen spannende Thriller für leichte anspruchslose Unterhaltung gemacht werden. Dies klingt negativer, als es gemeint ist. Natürlich sollte man wissen, auf was man sich einlässt. Für Liebhaber anspruchsvoller Kriminalromane ist Gerritsen natürlich nicht empfehlenswert, doch wer Kathy Reichs oder Patricia Cornwell mag, dem seien ihre Romane sprichwörtlich ans Herz gelegt. Denn darin, wie man Spannung erzeugt, macht der Amerikanerin kaum ein anderer Autor des Genres Konkurrenz.

Da Gerritsen selber Ärztin ist, darf man ihr bei den medizinischen Abläufen und Hintergründen, die gut erklärt werden, getrost Glauben schenken. Und daß es sich bei dem von ihr gewählten Thema Organhandel nicht um reine Fiktion handelt, sollte dem gebildeten Leser klar sein. Nähere Informationen, die die Ärztin Gerritsen zu diesem Thema erhielt, waren übrigens der Grund dafür, dass sie Schriftstellerin wurde.

Daß es sich bei »Kalte Herzen« um ein Debüt handelt, das wird dann zum Schluß doch recht deutlich. Denn zum schriftstellerischen Handwerk gehört mehr als ein guter Plot und hervorragende Spannungserzeugung. Alle geknüpften Fäden am Ende auch wieder fein säuberlich aufzudröseln, das hat die Autorin leider versäumt. Natürlich überlassen auch erfahrene Autoren einiges der Phantasie des Lesers, viele sind auch zufrieden mit einem furiosen Finale und einem Happy-End, doch sollte dies nicht über einige handwerkliche Schnitzer hinwegtuschen.

Oft kritisiere ich deutsche Verlage für die Übersetzung des Originaltitels. Hier muß ich dafür mal ein Lob aussprechen. Denn besser als der wenig aussagekräftige Originaltitel »Harvest« (= Ernte) passt hier im doppelten Sinne »Kalte Herzen«. Dann außer der Tatsache, dass die Spenderherzen nur eisgekühlt transportiert werden dürfen, hat die Autorin auch einige kaltherzige Charaktere erschaffen.

Ihre Meinung zu »Tess Gerritsen: Kalte Herzen«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Schmoekertante zu »Tess Gerritsen: Kalte Herzen« 01.01.2011
Empfehle Rip Gerbers "Killervirus". Dabei geht es um ein genmanipuliertes Herzpflaster, das Menschen eingesetzt wird, die ein Loch in ihrer Aorta haben (angeblich leidet jeder fünfte Mensch unter Herzkrankheiten). Gleichzeitig wurde in einem Labor der amerikanischen Armee ein Virus entwickelt, das noch letaler und ansteckender als das Ebola-Virus ist. Erst sieht es so aus, dass alle die Menschen, die dieses Herzpflaster, das aus genmanipulierter Schweinehaut besteht, eingesetzt bekommen haben, an dem Virus sterben. Doch später wird gezeigt, dass sich reiche, einflussreiche Leute wie Politiker ohne Zulassung so ein Pflaster haben einsetzen lassen, weil sie den Ausbruch eines Virus, der ihren Labors entkommen ist, befürchtet haben und das eben genau dieses genmanipulierte Stück Schweinehaut sie vor dem Virus schützt. Spannend und sehr interessant.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Kerde zu »Tess Gerritsen: Kalte Herzen« 15.11.2009
Das ist nun das 5.Buch von Tess Gerritsen, welches ich ( "Wenig-Leser")innerhalb von 3 Tagen und vor allen Naechten nur so verschlungen habe. ich liebe ihre Art, einen immer wieder mit Unerwartetem zu ueberrschen, wo sich mir die Haare vor Schreck am ganzen Koerper aufstellen. Beim Lesen bin ich so in der Szenerie - besser als in jedem Tatort. Sensationelle Autorin, wirklich empfehlenswert!
Eselchen zu »Tess Gerritsen: Kalte Herzen« 24.10.2009
Die Szenenwechsel, die anscheinend nichts miteinander zu tun haben und mich anfangs verwirrten, wurden mehr und mehr miteinander verwoben, dass sich mir die Nackenhaare sträubten. Vom gemütlichen Dahinlesen bin ich ab Mitte des Buches nicht mehr davon losgekommen... Auch wenn der Schluss auf 3 Seiten seinen Showdown hatte und hier und da vielleicht Fragen offen ließ war ich absolut begeistert. Gerritsens detailreiche Beschreibungen und medizinischen Hintergründe sind einfach hervorragend und machen alles erschreckend realistisch.
mg11 zu »Tess Gerritsen: Kalte Herzen« 22.10.2009
Sehr gutes Buch. Ich finde es immer erfrischend, wenn auch mal andere Themen (wie hier z.B.: Organhandel) in Krimis/Thrillern behandelt werden. Zusätzlich erweitert das den eigenen Horizont. Es müssen nicht immer Psychopathen sein, denen das Blut etlicher Opfer an den Händen klebt, um ein Buch spannend zu machen.

Klasse Buch!!!
Katha2305 zu »Tess Gerritsen: Kalte Herzen« 29.04.2009
Super Buch. Äußerst spannend bis zur allerletzten Seite. Auch wenn sich schon ein paar Seiten vorher abzeichnete, wer die Täter sind, war es so spannend, dass ich bis spät in die Nach wach bleiben musste, um das Buch fertig zu lesen!
Erschreckend war, dass das Thema wahrscheinlich gar nicht so unrealistisch ist...
Die Fokussierung auf die Krankenhausärztin war mal was ganz anderes und der Blick hinter die Kulissen des Krankenhausalltags einer Assistensärztin war super interessant.
Lesenswert!
Stacy88 zu »Tess Gerritsen: Kalte Herzen« 13.02.2009
Auch wenn hier keine Fortsetzung der persönlichen Entwicklung von Jane und Maura zu finden ist, war ich von dem Buch nicht enttäuscht. Es ist immer für mich wieder erstaunlich, wie leicht Tess Gerritsen uns durch eine direkte und unverblümte, aber dennoch detaillierte Beschreibung das Gefühlsleben der Akteuere nachempfinden lässt.
So hält auch dieses Buch höchstens vier Tage, bis es ausgelesen ist und ich warte gespannt auf die nächste Taschenbuchausgabe aus der Rizzoli-Serie.
Lisa zu »Tess Gerritsen: Kalte Herzen« 19.05.2008
Zunächst einmal: ich habe das Buch regelrecht verschlungen, habe es gestern abend zu Ende gelesen und mir heute gleich meinen zweiten Gerittsen-Roman gekauft.
Dann stand hier auf der Seite, dass das Buch verfilmt worden sei. Ich habe ein wenig herumgesucht und schließlich auf Gerritsens Originalhomepage gelesen,dass noch keines ihrer Bücher verfilmt worden ist! Das wollte ich nur für diejenigen erwähnen, die ebenfalls vergeblich nach Informationen über den Film suchen oder gesucht haben;-) .
Schade, mich hätte der Film wirklich interessiert. Aber das Buch fand ich auf jeden Fall sehr sehr gut!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Christiane34 zu »Tess Gerritsen: Kalte Herzen« 21.04.2008
Eigentlich bin ich keine Fan von den so genannten Medizin Thrillern. Aber bei dieses Buch hat mich wirklich beeindruckt.
Nachdem ich schon einige Buecher von Tess Geritsen kenne, Jane Rizzoli Reihe, habe ich mir dieses am letzten WE vorgenommen.
Und ich wurde auch nicht enttaeuscht. Wer Jane und Maura erwartet, der wird sie hier nicht treffen.
Aber Frau Gerritsen ist es gelungen ein ernstes, trauriges Thema spannend zu beschreiben.
Auch wenn ich vergleich zu anderen Buechern von ihr "nur" wenig Blut fliesst ist das Thema des Buches mehr als grausig.
Fast schon schmerzhaft.
Soweit ich weiss ist dies das erste Buch welches Tess Gerritsen geschrieben hat. Es lohnt sich.
Bio-Fan zu »Tess Gerritsen: Kalte Herzen« 21.01.2008
Wer, wie ich, von der Rizzoli/Isles-Reihe enttäuscht ist (Todsünde), findet hier spannende Abwechslung. Zugeben: Medizin-Thriller mag nicht jeder. Aber Gerritsen versteht es, die Problematik der Organtransplantation, damit verbunden leider auch der Organhandel, einfühlsam darzustellen. Der Druck auf die Tränendrüse fehlt natürlich nicht, doch bleibt er im Rahmen des für einen Thriller erträglichen.
Nicht vergessen sollte man, dass "Kalte Herzen" Gerritsen Romandebüt ist, so dass wir großzügig über die paar Unzulänglichkeiten am Ende der Geschichte hinwegsehen sollten.
Amouna zu »Tess Gerritsen: Kalte Herzen« 27.12.2007
Das Buch war nicht schlecht, wenn auch stellenweise vorhersehbar. Mich erinnerte es zu sehr an "Die Firma", nur an Krankenhaus- / OP-Schauplätzen, ansonsten das selbe Muster: Auffallend viele Todesfälle unter den Transplantationsexperten, mafiöse Strukturen und russische Waisenkinder, deren Organe gehandelt werden. Naja, es gibt sowohl bessere als auch schlechtere Bücher, von mir daher 75°.

Dies sind nur die ersten 10 Kommentare von insgesamt 32.
» alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zu Kalte Herzen

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: