Grabkammer von Tess Gerritsen

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel The Keepsake, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Limes.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Massachusetts / Boston, 1990 - 2009.
Folge 7 der Jane-Rizzoli-&-Maura-Isles-Serie.

  • New York: Ballantine Books, 2008 unter dem Titel The Keepsake. 413 Seiten.
  • München: Limes, 2009. Übersetzt von Andreas Jäger. 413 Seiten.
  • München: Blanvalet, 2011. Übersetzt von Andreas Jäger. 416 Seiten.
  • [Hörbuch] München: audio media, 2010. Gesprochen von Mechthild Großmann. ISBN: 978-3868045642. 6 CDs.

'Grabkammer' ist erschienen als HörbuchE-Book

In Kürze:

Dr. Maura Isles soll der Untersuchung eines sensationellen Fundes beiwohnen: einer ägyptischen Mumie, zufällig entdeckt im Keller eines Bostoner Museums. Doch bald wird klar: Die einbalsamierte Tote wurde erst kürzlich ermordet – und in ihrem Mund verbirgt sich eine Goldmünze mit geheimnisvoller Botschaft. Schnell gerät die junge Archäologin Josephine Pulcillo ins Visier der Ermittlungen von Detective Jane Rizzoli, weil sie über besondere Kenntnisse traditioneller Bestattungsmethoden verfügt. Als in Josephines Auto jedoch eine Moorleiche entdeckt wird und die junge Frau spurlos verschwindet, befürchten Jane und Maura das Schlimmste …

Das meint Krimi-Couch.de: »Schmierseifenoper für Hobbyarchäologen« 40°

Krimi-Rezension von Jochen König

In ihrem siebten gemeinsamen Abenteuer, das allzu viele kollektive Szenen gar nicht besitzt, werden Gerichtsmedizinerin Maura Isles und Detective Jane Rizzoli von Mumien, Schrumpfköpfen, Moorleichen und einer mysteriösen Archäologin auf Trab gehalten. Wenn sich dazu noch verhuschte Professoren, Verwirrungen in Liebesdingen, reiche Machtmenschen und echt gemeine Serienkiller gesellen, ist eine aufregende Zeit vorprogrammiert.

Alles beginnt ganz harmlos, mit dem Kellerfund einer Mumie, die sich als nicht ganz so antik entpuppt wie vermutet. Denn »Madam X« steckt ein Projektil im Bein, welches so gar nicht auf ein lange zurück liegendes Ableben hinweist.
In Windeseile wird aus der interessierten Beobachterin Maura Isles ein fleißiges Arbeitsbienchen, das einen Mord untersucht, der ein knappes Vierteljahrhundert zurückliegt und keine Jahrtausende. Und somit auch zum Fall für Jane Rizzoli und Kollegen Barry Frost wird.
Maura Isles bleibt in diesem siebten Auftritt erschreckend blass. Sie ist eine marginal exponierte Nebenfigur, die immer dann ein wenig rumschnippeln oder Beziehungsprobleme überdenken darf, wenn gerade Luft ist. Die ist zwar meist vorhanden, denn der Fall, bzw. die Mordfälle lösen sich quasi von selbst, aber Maura weiß nicht viel Wissenswertes mitzuteilen. Außer für einen müden und an den Haaren herbei gezogenen Spannungsmoment tritt sie kaum in den Vordergrund.

Ein labyrinthisches Museum, eine Mumie mit rätselhafter Vergangenheit, Geheimräume mit Schrumpfköpfen, da dürften eigentlich die drei Fragezeichen nicht weit sein. Doch weit gefehlt, aus der Schauermär mit detektivischem Hintergrund sollen sich düstere Familiengeschichten entwickeln, Beziehungsepisoden voller manischer Obsessionen. Dazu gruppiert sich noch ein stalkender Serienkiller aus der Plattitüdenkiste, eine dieser finsteren Gestalten, denen man schon in frühester Jugend an den Augen ansieht, dass es böse enden wird. Und genau so kommt es auch.
Trotz des nicht geringen Aufwands plätschert die Geschichte spannungslos vor sich hin, versucht zu punkten, indem Halbtote, Scheintote und ganz Tote sich ein wildes Stelldichein geben. Manchmal darf es auch ein garstiger Verwandter sein, der sich geschickt tarnt, um an vorderster Front agieren zu dürfen.
Gerritsen setzt diese Versatzstücke eher hilflos zusammen, scheut sich auch nicht vor langwierigen Exkursen in archäologische Spezialgebiete, in denen es um die Herstellungsdauer von Schrumpfköpfen und Moorleichen geht, verschwundene Armeen in der Wüste gesucht werden und Museumsarchivare ganze Särge verlegen. Sorgt das Rätsel um die wahre Identität der jungen und natürlich bildschönen Archäologin Josephine Pulcillo zunächst noch für bescheidenen Reiz – obwohl auch hier jedem Leser, der ein Buch mit dem ersten Kapitel beginnt, schnell dämmert, um wen es sich bei ihr handelt – vertändelt sich Gerritsen bald in harmlosen Plänkeleien, die meist damit zu tun haben, das jemand verschwindet und an anderer Stelle wieder auftaucht. Dass sich die Protagonisten bisweilen kreuzdämlich verhalten müssen, damit bestimmte Ereignisse eintreten können, gehört mittlerweile wohl zum Standard solch schwachbrüstiger Kriminalliteratur.
Grabkammer ist nicht mehr und nicht weniger als die durchschnittliche Folge einer belanglosen Krimi-Seifenoper, die nach Schema F gelangweilt abgespult wird. Die eingeflochtenen Beziehungsgeschichten sind von seltener Ödnis und Einfalt. Zu ganz großer Form läuft Gerritsen auf, wenn sie beschreibt wie sich Maura Isles in ungezügelter Liebe ihrem wankelmütigen geistlichen Beistand hingibt. Da wird mit »sündigen Küssen« das weite Feld des Kriminalromans endgültig verlassen und blanker Comedywahnsinn blitzt durch. Nicht gerade solcher der freiwilligen Natur.

Der größte Nachteil des Romans ist allerdings, dass eine kriminalistische Telenovela nach spätestens einer Stunde – inklusive Werbepausen – überstanden ist. Für das wenig nachdenkenswerte Buch, das nicht mal ein Schrumpfköpfchen geistig überfordern würde, braucht man rund das Vierfache an Zeit. Hat dann aber immerhin die niedergeschriebene Anleitung zur Hand, wie man lästig gewordene Feinde, Freunde, Verwandte und Angetraute im Moor konservieren oder bei Bedarf als schmucke Accessoires um den Hals tragen kann. Zumindest in Teilen.

Jochen König, Juni 2009

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steve006 zu »Tess Gerritsen: Grabkammer« 26.01.2014
Flott geschriebene Story, bei der das Blut aus dem Buch tropft!
Wer seine Ansprüche herunterschraubt hat Lesespaß ohne Ende, die Geschichte nimmt ihren Gang, der Leser staunt und wundert sich, was so alles in der Archäologie abgeht und zum Schluß werden die Täter auch noch abserviert.
Also spannende Unterhaltung ohne allzu großen Anspruch an den Intellekt des lesenden Publikums.
Rubi zu »Tess Gerritsen: Grabkammer« 04.06.2013
Vor kurzem erst habe ich Tess Gerritsen entdeckt und mir binnen 3 Wochen 6 ihrer Krimis als Hörbücher zugelegt und "verschlungen". Grabkammer war wieder ein sehr gutes Werk, wenn ich auch nicht 100% zufrieden bin. Allerdings meckere ich wirklich nur auf höchstem Niveau. Generell fand ich die Story sehr spannend und interessant, man lernt einiges über Mumifizierung und andere Konservierungsarten von Leichen, was ich keinesfalls eklig sondern einfach aufschlussreich finde. Die persönlichen Schicksale aller Protagonisten werden wie gewohnt herausgearbeitet und tragen einen großen Teil zur Bindung des Lesers (oder Hörers) an die Figuren bei. Ich mag es bei Gerritsen, dass immer wieder vertraute Personen auftauchen, mal mehr, mal weniger im Mittelpunkt stehen, man aber doch immer wieder das Gefühl hat, einen alten Bekannten wieder zu treffen. Die Handlung selbst fand ich streckenweise ein wenig konfus, was sich am Ende aber dann doch ziemlich logisch aufklärt. Der Schluss überrascht dann sowieso nochmal, fügt sich aber doch passend in die Gesamthandlung ein. Ein bisschen zu kritisieren habe ich die zeitweise Langatmigkeit, es gibt einige Passagen, in denen nicht wirklich etwas passiert, aber im Großen und Ganzen fand ich Grabkammer doch ganz gut.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
BernieBaer zu »Tess Gerritsen: Grabkammer« 07.03.2012
Besser als Blutmale ist dieses Buch auf jeden Fall. Man kann also festhalten, dass die Talsohle überschritten ist.

Allerdings kann auch Folge 7 mich nicht so richtig begeistern. Man vergleicht es halt immer mit den ersten Werken dieser Reihe.

Mit dem Mephisto-Club hatte ich ja schon bei Blutmale Probleme, leider ist auch bei Grabkammer noch leicht präsent.

Hoffentlich wird Totengrund wieder deutlich besser.

Ich vergebe hier 68 Grad.
Tony zu »Tess Gerritsen: Grabkammer« 22.11.2011
Ich frage mich, ob Tess Gerritsen es wirklich so nötig hat, die Spannung eines Buches durch mehr und mehr Perversitäten aufzubauen . Zumal die Spannung dadurch kaum wächst, sondern das Buch ehe abstoßend wirkt. Bei dem Buch hatte ich stets das Gefühl, dass der Autorin einfach die Phantasie ausgeht. Diese Lücken wollte sie mit der ausgefallensten Brutalität füllen. Im Allgemeinen war es kein zu schlechtes Buch, aber es wird - meiner Meinung nach - nicht zu ihren Besten gehören. Die ersten ca. 150 Seiten waren für mich nur ekelerregend. Später hat sich das mehr oder weniger gelegt und ich habe das Buch zu Ende geschafft. Dieses Buch bleibt für mich allerdings nur als ein Teil der Rizzolli-Isles-Reihe - mehr nicht. Wer die ganze Reihe vollständig liest, soll auch dieses Glied der "Kette" kennen.
manni zu »Tess Gerritsen: Grabkammer« 19.09.2011
Verschleisserscheinungen machen auch Tess Gerritsen zu schaffen. Wenn ich bedenke wie rasant die ersten Thriller der Serie daher kamen. "Hausfrauenkrimi" ist die richtige Umschreibung für die aktuelle Fliessbandproduktion der Autorin. Immer der gleiche Käse, dämliche Dialoge. das habe ich links und rechts alles schon gelesen. Schade für diese ehemals sehr spannende Krimiserie. 50 Punkte, mehr nicht, leider.
M-L zu »Tess Gerritsen: Grabkammer« 17.08.2011
Mir hat das Buch gut gefallen. Wie immer ist es sehr spannend aufgebaut,aber Frau Gerritsen läßt sich auch Zeit, ihre Personen zu entwickeln und den großen Konflikt von Maura aufzuzeigen. Die Archäologie finde ich sehr spannend und sie ist gut in diese Geschichte eingebaut. Ich habe es nicht bereut, mir dieses Buch zu kaufen.
HeJe zu »Tess Gerritsen: Grabkammer« 08.08.2011
Super!
Also mir hat das Buch richtig gut gefallen. Ich war zuvor etwas skeptisch, weil die Jane/Maura - Reihe etwas schwankend ist, was den Wow-Effekt angeht. Aber dieses Buch war wieder einmal Wow!

Es ist ein spannendes Werk, das zwar von Archäologie geprägt, aber nicht vollends eingenommen ist. Die Idee der Story ist interessant, der Schluss nochmal richtig rasant.

Mir gefällt, wie Tess Gerritsen ihren beiden Darstellerinnen ihren Schreibstil "anpasst": Bei Jane, der toughen Polizistenmutter (Gott sei Dank geht es weniger um das Muttersein) schreibt sie präzise, ohne Umschweife, klar und deutlich. Super! Und bei Maura, der einsamen, (liebes-)traurigen Gerichtsmedizinerin, passt Frau Gerritsen sich an ihre Darstellerin an: Es ist zäher, oft auch eintöniger vom Sprachgebrauch, plötzlich gar nicht mehr so klar und deutlich. Und das liebe ich! Bravo Frau Gerritsen!

Für dieses Buch gibt es 85 Grad!
Henriette zu »Tess Gerritsen: Grabkammer« 07.04.2011
In einem Bostoner Museum wurde eine alte ägyptische Mumie gefunden. Eine Sensation. Sie soll im Krankenhaus mit professioneller Technik untersucht werden. Dr. Maura Isles dar und soll an dieser Untersuchung teilnehmen. Doch zum Schrecken aller entpuppt sich die Mumie als einbalsamierte Tote aus der Neuzeit.
Bei genauer Untersuchung des Museumskellers entdeckt Jane Rizzoli Schrumpfköpfe, wovon einer auch noch nicht sehr alt ist.
Die junge Archäologin Josephine Pulcillo ist Mitarbeiterin des besagten Museums. Und sie gerät in das Visier von Jane Rizzoli. Jane beginnt, Josephine zu überprüfen. Es gibt genug Lücken und Hindernisse, die Jane keine Ruhe lassen.

Ich gestehe, dass ich die Jane-Rizzoli-Reihe von Tess Gerritsen liebe. Nicht, weil es eine weibliche Ermittlerin ist. Ich mag, wie Jane Rizzoli und Maura Isles dargestellt werden. Sie sind berufstätige Frauen in doch etwas außergewöhnlichen Berufen. Jane ist „nebenbei“ verheiratet und Mutter. Übt sie ihren Beruf mit Euphorie aus, fühlt sie sich von ihrem Kind weit entfernt. Maura ist heimlich liiert mit einem katholischen Priester, was für sie natürlich völlig unbefriedigend ist.

Zurück zur Geschichte. Ich war völlig fasziniert, wie Tess Gerritsen diese Morde und Toten im Bereich der Archäologie umgesetzt hat.
Der Schreibstil war leicht und verständlich.
Tess Gerritsen hat von Beginn an Spannung aufgebaut, die sich auch bis zum Ende gehalten hat.
Die Entwicklung der Geschichte meinte ich schon zwischendurch zu erkennen, doch dann gab es immer wieder unvorhergesehene Ereignisse, die alle Vorahnungen zunichtemachten.


[B]Fazit:[/B] Ich vergebe für diese spannende Unterhaltung fünf von fünf Sternen. Es hat alles an diesem Krimi gestimmt.
Esther P. zu »Tess Gerritsen: Grabkammer« 02.02.2011
das war nix !
da ich bereits alle anderen Rizzoli/Isles Romane gelesen habe, und auch alle für sehr gut befunden hatte, hab ich dann auch dieses gelesen und mich hinterher gefragt : warum ?
das private Geplänkel der beiden Damen kennt man ja nun schon, aber mittlerwele nimmt es überhand, und das sollte dann eher was sein für die Seifenoper-Couch.de oder ähnlichem Kram.
Spannung gab es in diesem Buch nicht wirklich , und die Motive der Täter erscheinen so unglaubwürdig erklärt dass man sich beim lesen leicht fragen kann was der Mist soll. vielleicht gehen nach so vielen Bänden auch einfach die guten Ideen aus bei Frau Gerritsen, man weiß es nicht, aber ich hoffe dass im Nachfolgeband die guten Ideen wieder zurück kehren.
*Tina* zu »Tess Gerritsen: Grabkammer« 09.08.2010
Mir hat "Grabkammer" wieder besser gefallen, als der Vorgänger "Blutmale". Die Dialoge waren weniger plakativ, es gibt zwar nach wie vor Wiederholungen, die ermüden und der Spannung abträglich sind, aber sie befinden sich in einem akzeptablen Rahmen. Dass Barry Frost auftaut, gefällt mir sehr gut, auch, dass das Liebes"drama" um Maura und Daniel nicht so im Zentrum steht, finde ich sehr erholsam. Das Buch finde ich sehr spannend, die Handlung ist nicht vorhersehbar, auch wenn die immer wieder gemachten Andeutungen, die gemacht werden, auf die weiteren Entwicklungen schließen lassen - was aber gut rüber kommt, man will wissen, wie's jetzt wirklich ist.
Ich habe auch alle anderen Tess Gerritsen-Krimis gelesen und ich finde, das Buch passt gut in die Reihe. Jane ist ein Charakter, der für mich sehr viel an Charme gewonnen hat (verglichen zB mit dem ersten Teil).

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