Die Chirurgin von Tess Gerritsen

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel The Surgeon, deutsche Ausgabe erstmals 2002 bei Limes.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Massachusetts / Boston, 1990 - 2009.
Folge 1 der Jane-Rizzoli-&-Maura-Isles-Serie.

  • New York: Ballantine Books, 2001 unter dem Titel The Surgeon. 413 Seiten.
  • München: Limes, 2002. Übersetzt von Andreas Jäger. ISBN: 3-8090-2458-9. 413 Seiten.
  • München: Blanvalet, 2004. Übersetzt von Andreas Jäger. ISBN: 3-442-36067-6. 413 Seiten.
  • Augsburg: Weltbild, 2007. Übersetzt von Andreas Jäger. ISBN: 978-3828988613. 413 Seiten.
  • [Hörbuch] Augsburg: Weltbild, 2006. Gesprochen von Michael Hansonis. ISBN: 382898648X. 6 CDs.
  • [Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2009. Gesprochen von Claudia Michelsen. gekürzt. ISBN: 3837100820. 4 CDs.

'Die Chirurgin' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

In Boston dringt ein Unbekannter nachts in die Wohnungen von allein stehenden Frauen ein, unterzieht sie einem gynäkologischen Eingriff und tötet sie. Die einzige Spur führt Detective Thomas Moore und Inspector Jane Rizzoli zu der jungen Chirurgin Catherine Cordell, die drei Jahre zuvor nach ähnlichem Muster überfallen wurde, den Täter aber in Notwehr erschoss. Und bald wird klar, dass Catherine erneut zur Zielscheibe eines psychopathischen Mörders geworden ist ... 

Leseprobe

Das meint Krimi-Couch.de: »Raffinierte Plot-Konstruktion«

Krimi-Rezension von Michael Matzer

Es ist ein ungewöhnlich heißer und schwüler Sommer in Boston. Detective Thomas Moore ist schon auf dem Weg zu einem kühlen See in den Bergen, um dort Urlaub zu machen, als er zum Dienst zurückgerufen wird, um einen Aufsehen erregenden Fall zu übernehmen: Bevor das Opfer Elena Ortiz mit einem glatten Schnitt durch die Kehle getötet wurde, hat ihr Mörder sie einer gynäkologischen Operation nach allen Regeln der Kunst unterzogen. Ihr Martyrium hatte Stunden gedauert.

Sowohl der ruhige, über 40 Jahre alte Moore als auch seine extrem ehrgeizige Kollegin Jane Rizzoli fühlen sich bald an einen ähnlichen Fall aus der Vergangenheit erinnert: Die junge Diana Sterling, Tochter aus reichem Hause, war auf die gleiche Weise ermordet worden; auch sie wurde vor dem Gnadenstoß operiert. Den Polizisten wird klar, dass sie es mit einem Serienmörder zu tun haben: Er besitzt offensichtlich medizinische Fachkenntnisse und wird von der Presse bald »Der Chirurg« genannt. Die Zeit drängt: Wahrscheinlich hat der Killer bereits sein nächstes Opfer auserkoren.

Ein Computerrecherche bringt das Ermittlerteam auf die Spur einer ähnlichen Mordserie, die aber bereits drei Jahre zurückliegt und sich im südlichen Savannah ereignete. Der Täter Andrew Capra wurde allerdings von seinem letzten Opfer in Notwehr erschossen. Dennoch suchen Moore & Rizzoli Dr. Catherine Cordell in der städtischen Klinik auf. In der Szene, in der wir sie kennenlernen, rettet sie einem gerade eingelieferten Verkehrsopfer das Leben. Offensichtlich verfügt sie über Nerven aus Stahl.

Doch die Polizisten haben herausgefunden, welche Qualen Catherine erlitt, als sie sich in der Gewalt des Savannah-Killers befand. Kein Wunder, dass sie zunächst unter keinen Umständen an jenes Geschehen erinnert werden möchte. Aber dann erfährt sie, dass Elena Ortiz Mitglied einer Selbsthilfegruppe im Internet war, der auch sie selbst angehört: Hier schildern vergewaltigte Frauen ihre Erlebnisse, in der Hoffnung, psychologischen Beistand und Verständnis zu finden, denn in der patriarchalischen Gesellschaft werden Vergewaltigungsopfer immer noch stigmatisiert und ausgestoßen. Solche Frauen schweigen lieber, statt sich zu offenbaren. Auch Catherine Cordell.

Merkwürdige Unstimmigkeiten treten in Catherines Alltag auf: Laborkittel und Stethoskop sind verlegt, und jemand scheint sie zu beobachten und ihren Dienstplan ganz genau zu kennen. Und der Beobachter scheint auch ihre Vergangenheit zu kennen: Aber Andrew Capra ist doch tot, oder nicht? Oder hatte er einen Partner, der ihn nachahmt? Falls ja, würde dieser Partner nicht danach streben, sich an Catherine für ihre Tötung Capras zu rächen?

Während sich Moore in Catherine verliebt und mit ihr schläft (was ihm eine Strafmission einbringt), macht Rizzoli eine aufregende Entdeckung und begibt sich in höchste Gefahr. Doch für Catherine, die schöne, nervenstarke Chirurgin, ist die Zeit abgelaufen: Der »Chirurg« schnappt sie sich.

Krimiautorinnen wie die britische Mo Hayder und die Amerikanerin Tami Hoag sind mit mir einer Meinung: Dies ist Krimistoff erster Güte, der nicht nur den Schlaf raubt, sondern auch Fingernägel in existenzielle Gefahr bringt. Ich habe das Buch in zwei Tagen durchgelesen – es geht sicher noch schneller.

Mal abgesehen von der raffinierten Konstruktion des Plots so baut die Autorin auf zwei wichtige Grundsteine: die authentische, geradezu akribische Schilderung des Chirurgenalltags einerseits und zweitens glaubwürdige, lebendige Figuren wie Catherine, Moore und Rizzoli. Daran hatte ich nicht das Geringste auszusetzen.

Probleme hatte ich zeitweilig aber mit dem Täter. Seine Gedankengänge sind in beinahe aufsatzartigen Sequenzen dazwischengeschaltet. In diesen Gedanken und Fantasien scheint er sich und sein Tun zu rechtfertigen. Er verweist auf alte, antike Rituale wie etwa Agamemnons Opferung seiner Tochter vor dem Beginn des Trojanischen Krieges. Das scheint mir lediglich eine mythologisierende Überhöhung zu sein, um sein brutales Tun ins rechte Licht zu rücken. Außerdem begründet dies keineswegs, warum er seinen weiblichen Opfer die Gebärmutter entfernt: Trophäen?

Raffinierter sind da schon seine Beobachtungen – die Opfer, so weiß der Killer, sind seelisch geschwächt: leichte Opfer. Auffallend ist der wiederholte Vergleich dieser Frauen mit Gazellen, die zu leichten Opfer des Raubtiers werden, das im Dschungel der Großstadt auf Pirsch geht. Auch dies in meinen Augen eine unzulässige, zumindest aber unangemessene Symbolisierung bzw. Metapher.

Man muss mit der Präsentation des Killers nicht hundertprozentig einverstanden zu sein, um diesen guten Thriller genießen zu können. Zwar reicht er noch lange nicht an psychologische Meisterwerke wie »Das Schweigen der Lämmer« heran, doch Gerritsen hat eine Kombination aus Psycho- und Medizinthriller geschrieben, die auf mehr hoffen lässt.

Ihre Meinung zu »Tess Gerritsen: Die Chirurgin«

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Kallia zu »Tess Gerritsen: Die Chirurgin« 11.01.2012
Es ist das erste Buch von Tess Gerritsen, dass ich gelesen habe. Mich hat es gleich von Anfang an gefesselt. Konnte es dann ab der Hälfte nur mit Widerwillen aus der Hand legen. Es ist total spannend geschrieben und bis zum letzten drittel bleibt unklar, wer der Mörder denn überhaupt ist. Einfach nur toll. "Der Meister" steht schon in meinem Bücherregal. :)
Giorgio zu »Tess Gerritsen: Die Chirurgin« 01.09.2011
Das ist einfach heisser Stoff. Sowas von spannend, dass mir vor allem im letzten Drittel der Puls raste und ich jede freie Minute zum lesen investiert hab. Und die blutrünstigen Details sind ganz nach meinem Gusto.
Etwas mühsam fand ich die vielen medizinischen Fachausdrücke. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es von Gerritsen noch besseres gibt aber ich werde es bald wissen.
Von mir gibts ein 95°
Inés zu »Tess Gerritsen: Die Chirurgin« 31.05.2011
Super gut geschrieben und unheimlich fesselnd!! Schwer aus den Händen zu legen wenn man einmal dran ist. Nicht eine langweilige Passage drin. Es ist vor allem mitfühlend, als sei man mittendrin.
Es ist jedoch nichts für schwache Nerven und Neigung zu Alpträumen ;)

Das nächste von Tess Gerritsen steht schon im Regal :) Danke für die tolle Arbeit!!
Tony zu »Tess Gerritsen: Die Chirurgin« 05.05.2011
Ganz schön blutig, Mrs. Gerritsen! Und trotzdem ein Klasse-Buch! Mit Abstand eins der besten Thriller, die ich in der letzten Zeit gelesen habe. Mittlerweile lese ich bereits das dritte Buch aus dieser Reihe (Detective Rizzoli & Dr. Isles) und ich muss feststellen, dass Tess Gerritsen zu einer meiner absoluten Lieblingsautorinnen geworden ist. Ich würde auch jedem empfehlen, die Bücher-Reihe genau in der richtigen Reihenfolge zu lesen - so kann man sich am besten in die Welt der Protagonisten versetzen und viele Zusammenhänge in Büchern besser verstehen. Dann entstehen vielleicht manche Fragen und Enttäuschungen nicht, weil Einiges einfach nachvollziehbarer wird.

Zurück zum Buch: es ist unheimlich spannend geschrieben. Ich wurde sofort vom Buch ergriffen und konnte einfach nicht aufhören zu lesen. Einige medizinische Begriffe störten mich überhaupt nicht, da diese sehr verständlich erklärt werden und ich es sehr interessant fand, weil dies mein Wissen erweitert.

Im Buch fließt wirklich sehr viel Blut. Und trotzdem überschreitet TG die gewisse Grenze nicht. Was ich bei ihr auch absolut toll fand und immer noch finde: sie lässt den Leser an den Ermittlungen "teilnehmen" und mitdenken. Man wird nicht vor fertige Tatsachen gestellt, sondern man erlebt die ganze Polizei-Arbeit "live" und arbeitet mit. Man lebt buchstäblich mit den Protagonisten.

Das Einzige, was mich manchmal stützig macht, ist die Fantasie der Autorin. Wenn sie solche Fantasien entwickelt - was muss sich bei ihr im Kopf abspielen?

Wie gesagt, das Buch finde ich einfach nur toll, auch wenn es sehr brutal ist. Wirklich nichts für schwache Nerven. Aber so soll ein guter Thriller auch sein.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Katja zu »Tess Gerritsen: Die Chirurgin« 10.02.2011
Das Buch gefällt mir unterm Strich sehr gut. Zeitweise war es mir nicht möglich es beiseite zu legen. Als wäre ich in dem Geschehen dabei und dränge genauso daruf den Fall aufzudecken. Beim Umblättern des Buchdeckels ist es, als öffnet sich für mich ein Vorhang und das Theaterstück beginnt.

Die Darsteller waren gut beschrieben und den Wechsel zwischen verletzlicher Persönlichkeit und dem starkem Willen, der Maskerade der Tapferkeit gefiel mir außerordentlich gut. Gut nachvollziehbar war jeder Schritt, auch wenn ich mir an manchen Stellen weniger trockenes Fakten zusammentragen gewünscht hätte und dafür mehr offene Fragen und somit einen höheren Spannungsgrad.

Leicht enttäusch war ich vom Ende, denn es war überhaupt nicht so, wie ich es mir wünschte. Ich hätte gerne gelesen wie ein enger Vertrauter von Dr. Cordell der blutrünstige Täter gewesen wäre. Sich am Ende aufschlüsselt, dass eine Person, die Ihr unendlich nahe steht Sie doch die ganze Zeit hintergangen hat, ihr doch nur was vorspielte, um im letzten Akt die Maskerade fallen zu lassen und Sie zu Fall zu bringen.


Ich bin ein Freund von einem bitteren Ende oder zumindest einem letzten Schocker, der einen nochmal den Atem anhalten lässt. Nochmal den letzten Anreiz gibt, darüber nachzudenken und sich zu fragen, wie die Person im Verlauf des Buchs auf mich gewirkt hat und am Ende doch alles anders kommt.

Dennoch bleibt für mich "Die Chirurgin" ein fabelhaftes Buch mit detailreichen Beschreibungen. Und es ist durchaus ein Buch, bei dessen Ende man traurig ist, dass man nicht länger Teil dieser Geschichte ist und sie leider schon vorüber ist. Ich kann es nur weiter empfehlen.
MrNice zu »Tess Gerritsen: Die Chirurgin« 18.11.2010
In Boston dringt ein Unbekannter nachts in die Wohnungen von allein stehenden
Frauen ein, unterzieht sie einem gynäkologischen Eingriff und tötet sie. Die einzige
Spur führt Detective Thomas Moore und Inspector Jane Rizzoli zu der jungen Chirurgin
Catherine Cordell, die drei Jahre zuvor nach ähnlichem Muster überfallen wurde, den
Täter aber in Notwehr erschoss. Und bald wird klar, dass Catherine erneut zur Zielscheibe
eines psychopathischen Mörders geworden ist ...
..
„Die Chirurgin" war mein erstes Buch von Tess Gerritsen und ich war begeistert. Innerhalb von 3 Tagen habe ich diesen Roman verschlungen und fühlte mich in die Geschichte gezogen. Allerdings gibt es einen Mängelpunkt, da ich ziemlich rasch, so zirka zu 2/3 des Buches, ahnte, wer hinter den Morden steckt.
Bemerkenswert bildhaft stellt die Autoren die Protagonisten der Geschichte dar, fast meint man zu denken, den ein oder anderen Charakter zu kennen oder in seinem Bekanntenkreis wiederzufinden ;o). So empfand ich es. Weder die beiden Polizisten, noch die Chirurgin Cordell wirken überspitzt und/oder arrogant, überdreht oder unfehlbar.
Die Geschichte, die Gerritsen gewählt hat, ist erschreckend und unheimlich, fieberhaft litt ich mit den Opfern mit, versuchte die Denkensweise oder die Beweggründe des Täters zu verstehen und zu begreifen.
Immer wieder (auch bei anderen Romanen) muss ich daran denken, dass solche Fälle in der Realität tatsächlich geschehen und bin jedes Mal fast wie gelähmt, da man anscheinend nichts dagegen tun kann.
..
Dieses Buch hat seine 5 Sterne verdient.
Sarah_Ch zu »Tess Gerritsen: Die Chirurgin« 28.09.2010
Hmm...manche kann ich gar nicht verstehen. Ich bin einfach nur begeistert von dem Buch.

Ich hatte zuvor nur "Leichenraub" und "Grabkammer" gelesen und war so begeistert, dass ich mir direkt die ganze Jane-Rizzoli-&-Maura-Isles-Reihe gekauft und in einem Rutsch gelesen habe.

So muss ein Buch sein- fesselnd und spannend, sodass man es nicht mehr aus der Hand legen kann.

Super Buch!
Pela zu »Tess Gerritsen: Die Chirurgin« 08.09.2010
Liebe Leute, meine Vorautoren kann ich nicht verstehen!

Klar ist die feministische Botschaft ziemlich dick, wenn die Helden OP-Schwestern, eine Kommissarin und eine Chirurgin sind, während die männlichen Studenten reihenweise in Ohnmacht fallen. Oder wenn Frauen als Daueropfer geschildert werden, die in heißen Sommernächten dem gewaltätigen Treiben der Männer schutzlos ausgeliefert sind. Welcher Mann fühlt sich beim Lesen nicht unberechtigterweise in eine schublage gesteckt, in die er nicht will?

Aber, lieber Zlatko, die meisten Vergewaltigungen werden nun mal - noch - von Männern an Frauen verübt. Und es ist auch eine Tatsache, dass viele Frauen in typischen Männerberufen härter an ihrer Karriere arbeiten müssen, wenn sie nicht das Glück eines hollywoodreifen Aussehens haben. Alle diese Facetten legt die Autorin eben schnörkellos dar. Lediglich das Ende hatte für mich zu viel vom Schweigen der Lämmer, um noch spannend zu sein.

Fazit an die männlichen Leser: Schluckt es einfach, Kerls! Es ist ein hervorragender Krimi! An die weiblichen Leser: Das Buch ist GENAU DAS RICHTIGE, wenn Ihr gerade von einem Typen sitzengelassen wurdet!
zlatko112 zu »Tess Gerritsen: Die Chirurgin« 20.07.2010
Hatte mir leider noch mehr von diesem Buch erhofft. Die Autorin setzt zu sehr auf Detaillierung brutaler bzw. blutiger Szenen. Dies stellt zwar Ihre guten chirurgischen Recherchen unter Beweis, steigert aber oft eben nicht die aufgebaute Spannung und wird mit der Zeit etwas nervig. Zudem ist die feministische Botschaft in diesem Buch etwas zu dick aufgetragen für meinen Geschmack. Wohlwollend vergebe ich an dieser Stelle 75°.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Besucher zu »Tess Gerritsen: Die Chirurgin« 05.07.2010
Ich finde das Buch miserabel und kann den Hype darum absolut nicht nachvollziehen. Die Geschichte ist total dünn und langweilig erzählt. Die Charktere sind allesamt Klischee-Knallchargen und die gefühligen Schilderungen des Innenlebens der beiden Hauptakteurinnen sowie der Beziehung zwischen Catherine Cordell und dem Detective haben das sprachliche Niveau eines Groschenromans. Wer an ein Buch höhere Ansprüche stellt als an eine Vorabend-Soap sollte die Finger davon lassen.

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