Abendruh von Tess Gerritsen

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 unter dem Titel Last to die, deutsche Ausgabe erstmals 2013 bei Limes.
Folge 10 der Jane-Rizzoli-&-Maura-Isles-Serie.

  • New York: Ballantine, 2012 unter dem Titel Last to die. 338 Seiten.
  • München: Limes, 2013. Übersetzt von Andreas Jäger. ISBN: 978-3-8090-2578-8. 448 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2013. Gesprochen von Mechthild Großmann. gekürzt. ISBN: 383711967X. 6 CDs.

'Abendruh' ist erschienen als Hardcover Hörbuch

In Kürze:

Sie sind die einzigen Überlebenden schrecklicher Familientragödien. Erst wurden ihre Eltern und dann obendrein die Pflegefamilien brutal ermordet. In Abendruh, einem Internat in der Abgeschiedenheit Maines, sollen sie ihre Sicherheit wiedergewinnen und in ein normales Leben zurückfinden. Doch obwohl die Schule hermetisch gesichert ist, kommt es zu höchst beunruhigenden Vorfällen, und drei Jugendliche bangen um ihr Leben. Maura Isles, die eine persönliche Verbindung zu Abenruh hat, ist vor Ort, als die Bedrohung eskaliert …

Das meint Krimi-Couch.de: »Showdown im Schlossturm« 88°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Drei Jugendliche überleben auf rätselhafte Weise Mordanschläge, bei denen jeweils ihre komplette Pflege-Familie ausgelöscht wird. Und das bereits zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit, denn ihre leiblichen Familien wurden zuvor ebenfalls ermordet. Zwei der Kinder sind bereits in dem Internat Abendruh untergebracht, das dritte wird von Detective Jane Rizzoli ebenfalls dorthin gefahren. Der Ratschlag dazu kam von ihrer Freundin Maura Isles, die dort gerade eine Art Patenkind besucht. Claire, Will und Teddy sind nun in bester Gesellschaft, denn alle Zöglinge der seltsamen Schule haben ihre Angehörigen durch ein Gewaltverbrechen verloren, und die Lehrer ebenfalls. Schon bald zeigt sich anhand weiterer Todesfälle, dass die Jagd des perfiden Mörders noch nicht zu Ende ist. Aber das Internat ist vielfach gesichert, Eindringlinge haben kaum eine Chance, ungesehen in das Schloss zu kommen. Jane Rizzoli stochert gemeinsam mit ihrem zunächst skeptischen Partner lange im Ungewissen herum, und kommt der Lösung des Falles erst langsam näher. Im dramatischen und dynamischen Finale wird es dann für alle Beteiligten lebensgefährlich.

Abendruh war mein erster Roman von Tess Gerritsen – und ich war gleich begeistert. Die gut zu lesende Geschichte ist von Beginn an spannend, und auch private Nebenereignisse mindern den Spannungsbogen nicht. Während die beiden Protagonistinnen der Lösung des Falles nur schrittweise näher kommen, hat man als Leser nur phasenweise einen kleinen Informationsvorsprung, da Rizzoli und Isles an unterschiedlichen Orten ermitteln. Aber das wird meistens schnell wieder aufgelöst, und die überraschenden neuen Erkenntnisse steigern jeweils die Dynamik. Die wahren Zusammenhänge für die Mordserie werden erst kurz vor Schluss enthüllt, und bis dahin tappt der Leser völlig im Dunkeln – zumindest ist es mir so ergangen. Das Finale ist ebenso fulminant wie überraschend, wirklich brillant geschrieben.

Die Autorin präsentiert so einige Personen und Gruppen, die durchaus ungewöhnlich sind. Da ist der so genannte Mephisto-Club, eine ziemlich obskure Organisation, deren Ziel es ist, aus Verbrechensopfern wieder widerstandsfähige und überlebenstüchtige Menschen zu machen. Diesem Zweck soll das Internat dienen – Maura Isles ist jedoch der Meinung, dass auf diese Weise vor allem neue Rächer und Kämpfer gegen das Böse rekrutiert werden sollen. Aber auch die Gerichtsmedizinerin ist der Auffassung, dass trotz aller Vorbehalte »Abendruh« vorläufig der beste Ort für die traumatisierten Kinder ist, wo sie einigermaßen sicher sind und sich von den schrecklichen Erfahrungen bei ihren persönlichen Familientragödien erholen können.

Dann ist da der knorrige Förster und Wildhüter des Internats, der den Kindern das Bogenschießen beibringt – zum Zwecke der Jagd, aber auch zur Selbstverteidigung. Wie so viele der Protagonisten hat er dunkle Flecken in seiner Vergangenheit. Das gilt für die Schulpsychologin, weitere Lehrer, aber auch für den Leiter des Mephisto-Clubs. Und dann sind da vor allem die Polizistin und die Gerichtsmedizinerin. Jane Rizzoli und Maura Isles sind den Fernseh-Zuschauern durch ihre gleichnamige Serie bestens bekannt. Im aktuellen Roman müssen sich die sonst sehr eng zusammen arbeitenden Freundinnen erst wieder zusammen raufen. Die Pathologin hat gegen einen Kollegen ihrer Freundin ausgesagt, aber es kommt zu mehreren Aussprachen – und alles ist wieder gut.

Diese Nebengeschichten, dazu gehört auch das bunte Familienleben von Detective Rizzoli, wird von Tess Gerritsen eher beiläufig eingebaut. Meistens dienen diese Momente zum Luftholen beim Leser, bevor es in der Kriminalgeschichte mit neuer Dynamik weiter geht.

Der Plot selbst ist ziemlich kompliziert angelegt, und sorgt dafür, dass man als Leser aufmerksam bei der Sache bleibt, denn es dauert wirklich lange, bis die Ermittler die merkwürdigen Einzelaspekte zu einem einigermaßen nachvollziehbaren Bild zusammensetzen. Tess Gerritsen präsentiert einige fachliche Details, die die Nackenhaare senkrecht stehen lassen, ohne dabei zu blutig zu werden. Und es gibt auch einiges zum Nachdenken, denn es geht um Vertrauen zwischen Freunden, zwischen Lehrern und Schülern, bei den Schülern untereinander. Es geht um subjektive Sicherheitsgefühle, um Geldgier, Pflichtbewusstsein – und vieles mehr. Es war mein erstes Buch von Gerritsen, aber sicher nicht das letzte, denn das Lesevergnügen war absolut ungetrübt.

Andreas Kurth, Mai 2013

 

Ihre Meinung zu »Tess Gerritsen: Abendruh«

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Carolina zu »Tess Gerritsen: Abendruh« 01.08.2016
Ich habe in meinem Verzeichnis nachgesehen, ich habe vor diesem Buch schon 11 Bücher von dieser Autorin gelesen - offensichtlich war ich vor Jahren davon begeistert. Dieses Buch hat mir aber nicht besonders gefallen! Am Ende überstürzen sich die Ereignisse und es wird turbulent - anfänglich dauerte es ja ziemlich lang bis sich die Sache abzeichnete - und etwas unglaubwürdig.
Es ist wie bei vielen anderen Autoren, zuerst sind die Bücher oiriginell und wirklich spannend und nach einigen Jahren fehlt einfach der Schwung, der Biss ist weg. Der Autor, die Autorin hat sich "ausgeschrieben".
Nur merken das zwr die Leser, nicht aber die Verfasser.
Edith Sprunck zu »Tess Gerritsen: Abendruh« 26.01.2015
Ein emotional geladener Krimi mit psychologischen Einstreuungen. Das Buch ist flüssig und spannend geschrieben, die Handlung erfolgt in gemäßigtem Tempo und bietet manche Überraschung auf dem Weg zur Lösung des komplizierten Falles. Die Atmosphäre ist bisweilen regelrecht schaurig. Erregend ist in erster Linie, dass so viele Kinder von Verbrechen elementar betroffen sind. Insgesamt ein raffiniert komponierter Plot, dem aber trotzdem das "gewisse Etwas", das ich aus den vorausgegangenen Büchern kenne, abgeht. Vielleicht ist das aber auch nur ein "Sättigungseffekt" in Sachen Rizzoli"Isles.
rolandreis zu »Tess Gerritsen: Abendruh« 13.08.2014
Lange Zeit habe ich Gerritsen gern gelesen, doch mittlerweile nach dem 10. Rizzoli Fall lässt mein Interesse stark nach. Ich bin der Meinung dass Gerritsen einfach nicht mehr an die Qualität früherer Bücher herankommt. So ist es einfach nur in einem Thriller langweilig seitenweise über die Ehekrise von Rizzolis Eltern zu lesen. Der Thriller plätschert daher so dahin. in Summe ein Thriller für Gerritsen-Fans, teilweise spannend, aber nichts was mich vom Hocker gerissen hat.
volker.reads zu »Tess Gerritsen: Abendruh« 15.07.2014
Boston scheint ein sehr, sehr mörderisches Pflaster zu sein. Auch dieser Roman: klasse, absolut spannend und unberechenbar wie eine Klapperschlange. Wen stört es da, dass die Story zwar mit Ernst und hohem Realitätsbezug geschildert wird, jedoch nicht im Entferntesten je so passieren würde/könnte. Gerritsen macht süchtig, hat immer wieder neue, frische und spannende Stories zu erzählen...
Hupfdidue zu »Tess Gerritsen: Abendruh« 28.02.2014
Es war mein erstes Buch überhaubt von Tess Gerritsen und ich war schon ziemlich begeistert... Im Gegensatz zu meinen Vorschreibern empfand ich jedoch den Anfang als völlig fesselnd und bei mir ließ dann eher im Mittelteil die Spannung nach, weil ich alles etwas langatmig und zu weit her geholt empfand. Alles in allem war ich aber begeistert vom ganzen Schreibstil und dem Aufbau. Ich werde gleich im Anschluss weitere von ihr ordern und freue mich darauf.

So wie es sich hier anhört, gibt es ja NOCH bessere.
Madam zu »Tess Gerritsen: Abendruh« 20.09.2013
Ich bin auch absoluter Tess Gerritsen- Fan, fand dieses Buch aber auch nicht das beste von ihr. Die Story ist überkonstruiert und sowas von weit hergeholt..wenngleich das Finale überraschend und spannend ist. Zudem wurde man zu lange in die Irre geleitet.. dabei wäre gerade dieser Irrweg als Hauptstrang plus Auflösung der Hammer gewesen. Und dann steckt nichts weiter als ein SOLCHES Motiv dahinter..pf...Tess Gerritsen ist nicht die erste, bei der man das Gefühl hat, dass manche Autoren so extrem bemüht sind, einen reißerischen Thriller zu schreiben, dass manchmal übers Ziel hinaus geschossen wird. Aber schlecht ist das Buch auch nicht.
TI NI zu »Tess Gerritsen: Abendruh« 21.06.2013
Ich muss sagen das ich mir das Buch voller Vorfreude gekauft habe,dann aber doch relativ enttäuscht war als ich es endlich durch hatte.
Ich habe alle Bücher der Rizzoli&Isles Reihe gelesen und war bis jetzt immer begeistert!! Tolle Stories, tolle Charaktere, wahnsinnig spannend!
Abendruh fand ich dagegen eher langweilig. Der Einstieg war zu lang geschrieben und etwas Spannung kam erst auf den letzten 30 Seiten zu Stande:(
Es wurde zu viel über die Schule geschrieben und für mich war es zu viel Anthony Sansone und Mephisto Kram. Manchmal hatte man das Gefühl das es gar nicht mehr um einen Thriller geht sondern eher um irgendwelche Verschwörungen. Schade-ich hoffe das nächste wird wieder besser;)
CaroCH zu »Tess Gerritsen: Abendruh« 19.06.2013
Ich finde es wieder ein sehr gelungenes Buch von Tess Gerritsen!! Sehr spannend und im Gegensatz zu meiner Vorschreiberin Anja, finde ich die Auflösung und das Motiv doch sehr schlüssig. Obwohl das Licht wirklich erst ganz am Schluss angeht ;o)

Die Geschichte ist ähnlich einem Puzzle aufgebaut und ich finde es faszinierend wie dann das Ganze von verschiedenen Ermittlungs-Parteien zusammengesetzt wird.

Wieder ganz toll gemacht Frau G. und ich erwarte sehnsüchtig Ihr nächstes Buch!!
Anja S. zu »Tess Gerritsen: Abendruh« 10.06.2013
Ich bin ein großer Fan von Frau Gerritsen, und viele ihrer Bücher gehören zu meinen Lieblingen. Dieses hier jedoch leider nicht!!!
Die Handlung ist etwas wirr bzw. die Auflösung nicht schlüssig. So ganz verständlich wird das Motiv, das den Verbrechen zu Grunde liegt (es wird schwierig, hier nichts zu verraten), leider nicht. Generell muss ich sagen, dass mich die Geschichte aus Jane Rizzolis Privatleben (kehrt Rizzolis Mutter etwa doch zu ihrem Vater zurück?) mehr interessiert hat als die Handlung, das ist immer ein schlechtes Zeichen.
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