Totengleich von Tana French

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel The likeness, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Scherz.

  • New York: Viking, 2008 unter dem Titel The likeness. ISBN: 978-0670018864. 466 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Scherz, 2009. Übersetzt von Ulrike Wasel & Klaus Timmermann. ISBN: 978-3-502-10192-5. 780 Seiten.
  • Augsburg: Weltbild, 2010. Übersetzt von Ulrike Wasel & Klaus Timmermann. ISBN: 978-3828995918. 780 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2010. Übersetzt von Ulrike Wasel & Klaus Timmermann. mit Leseprobe zu Tana French: Sterbenskalt. ISBN: 978-3-596-17543-7. 784 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Argon, 2009. Gesprochen von Maren Eggert. ISBN: 3866108427. 6 CDs.

'Totengleich' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Als die junge Polizistin Cassie Maddox in ein verfallenes Cottage außerhalb von Dublin gerufen wird, schaut sie ins Gesicht des Todes wie in einen Spiegel: Die Ermordete gleicht ihr bis aufs Haar. Wer ist diese Frau? Wer hat sie niedergestochen? Und hätte eigentlich Cassie selbst sterben sollen? Keine Spuren und Hinweise sind zu finden, und bald bleibt nur eine Möglichkeit: Cassie Maddox muss in die Haut der Toten schlüpfen, um den Mörder zu finden. Ein ungeheuerliches Spiel beginnt. »Ich kannte sie von irgendwoher, hatte das Gesicht schon tausendmal gesehen. Dann trat ich einen Schritt vor, um genauer hinzuschauen, und die ganze Welt verstummte, gefror, während Dunkelheit von allen Seiten herantobte und in der Mitte gleißend weiß nur das Gesicht der jungen Frau blieb, denn das war ich.«

Das meint Krimi-Couch.de: »Lohnendes Konditionstraining« 80°

Krimi-Rezension von Jochen König

Cassandra »Cassie« Maddox ist zurück. Nach den Ereignissen in Knocknaree (nachzulesen in Grabesgrün) hat sie sich ins Dezernat für Häusliche Gewalt versetzen lassen und pflegt mit ihrem Freund Sam eine beschauliche Beziehung; möglichst weit entfernt von den Irrungen und Wirrungen, die sie mit ihrem ehemals besten Freund und Partner Rob Ryan durchleben musste. Wenn da nicht diese Sehnsucht wäre – die Cassie im Schießstand auslebt. Bis plötzlich die Leiche einer jungen Frau auftaucht. Nicht nur, dass sie den Namen trägt, den Cassie während ihrer Zeit als Undercover-Polizistin benutzte, bis sie niedergestochen wurde. Lexie Madison sieht Cassandra auch wie aus dem Gesicht geschnitten aus.

Ein Umstand, der Cassie sowohl entsetzt wie fasziniert und ihren alten Mentor Frank Mackey auf eine abenteuerliche Idee bringt. Cassie soll in die Rolle der Toten schlüpfen, ihr Leben übernehmen und ermitteln. Ein heikles Unterfangen, denn Lexie lebte in einer WG, deren verbleibenden vier Mitglieder ein eingeschworenes Team bilden und zudem dringend tatverdächtig sind. Trotz des Widerwillens ihres Verlobten Sam und ihrer eigenen Skrupel, lässt sich Cassie auf das waghalsige Spiel ein. Und sieht sich bald mit einem weiteren Problem konfrontiert: was, wenn das geborgte Leben einen derartigen Reiz ausübt, dass man es möglicherweise behalten will? Und so droht Cassie zwischen den Ermittlungen, ihrer Vergangenheit, und der Suche nach sich selbst und ihren Möglichkeiten verloren zu gehen.

War Grabesgrün mit 670 Seiten bereits von voluminösem Umfang, legt Totengleich noch einmal 110 Seiten drauf. Leider ist diese Länge diesmal tatsächlich der größte Schwachpunkt des Buches.

So dauert es 150 Seiten, bevor Cassie ihre neuerliche Undercover-Mission antritt. Wobei von Beginn an klar ist, dass genau dies passieren wird. Cassies Zerrissenheit, ihre Ängste und Wünsche werden zwar deutlich, aber gemessen an dem von Grabesgrün vorgelegten Standard, bleibt die junge Polizistin blass. Während der Erzähler des Debüts, Rob Ryan, mit seinen inneren Dämonen ringen musste und den Kampf – zumindest zwischenzeitlich verlor -, kämpft Cassie weitgehend gegen die Anforderungen und Ansprüche der Außenwelt. Sie ist weit gefestigter als Rob; und auch wenn dieser Umstand im Verlauf des Romans zunehmend in Frage gestellt wird, bleibt sie die farblosere Figur. Erst als sie auf der verzweifelten Suche nach der idealen Familie ins Wanken gerät, nimmt die Dramatik zu. Und kulminiert in der Umkehrung einer Schlüsselsituation aus Grabesgrün. Hier wie dort versuchen sich Brüderchen und Schwesterchen verzweifelt telefonisch mitzuteilen. Doch wie üblich ist der trennende See viel zu tief. Während Brüderchen wenigstens noch eine treffende Analyse des Lebensabschnittsgefährten Cassies ins Telefon hauchen kann, verharrt Schwesterchen in einem Akt des Schweigens.

An diesen Stellen zeigt sich die wahre (literarische) Größe Tana Frenchs. Sie mag (zu) ausschweifend sein, verliert sich manchmal im Wust ihrer Analysen, aber sie bleibt eng an ihren Figuren und ihren Geschichten. Und so gelingen ihr im Kleinen große An- und Einsichten. Denn sie braucht keine hanebüchenen Aufhänger, um die Strudel und Klippen menschlichen Miteinanders zu umreißen. Niemand rennt mit dem Verdacht auf Hepatitis durch die Gegend oder verzweifelt an seinem harten Schicksal gramgebeugt über ausgeweideten Leichen.

Tana French ist eine Meisterin des gepflegten Understatements. Ihre Morde passieren im Off und rücken nicht mehr als nötig in den Blickpunkt. French behält immer die Menschen hinter den stigmatisierenden Begriffen Täter, Opfer, Ermittler im Zentrum ihrer Erzählung. Ihr geht es um die Bedingungen und Auswirkungen, die Verbrechen und der Umgang damit auf Lebens-Gemeinschaften besitzen. Und natürlich die Relativität des Begriffes »Wahrheit«. Sowohl Rob Ryan wie Cassie Maddox definieren Wahrheit als eine Art höchstes Gut und belegen auf unterschiedliche Weise, dass die Suche nach Wahrheit sowohl zum Gang auf Messers Schneide werden kann und zugleich individuellen Interessen gehorcht. Totengleich zeigt das noch eindeutiger als sein Vorgänger.

Cassie Maddox lässt sich gefangen nehmen von der Stimmung in Lexie Madisons WG. Es gibt Augenblicke, in denen ihr das geborgte Leben verlockender scheint als ihr reales. Abby, Daniel, Justin, Rafe, vier Namen, viermal der verzweifelte Versuch die eigene Vergangenheit zu verleugnen, das Versagen, den Verlust der genetischen Familie durch eine selbst gewählte zu ersetzen. Und plötzlich findet man sich im Puppenheim wieder. Denn auch wenn man Ideale träumt, lassen sich menschliche Begehrlichkeiten und das Eindringen der Außenwelt kaum wegdiskutieren und -tanzen. Am Ende – oder Anfang – steht ein Mord. Nicht nur Cassies Lebensentwurf wird in Frage gestellt. Und ob der Schluss des Romans eine Art »Happy End« oder den Verlust eines Lebenstraums darstellt, muss der Leser selbst entscheiden.

Tana French macht es ihren Lesern nicht leicht. Sie erschafft einen eigentlich sehr überschaubaren Kosmos (das Whitethorn-Haus und seine fünf Bewohner, eine Hand voll Polizisten und noch weniger Außenstehende) und füllt ihn an mit Gedanken, kleinen Plänkeleien und großen Lügen. Das bewegt sich langsam vorwärts, kreist gelegentlich um sich selbst und nimmt erst gegen Ende Tempo auf. Große, wilde Aktionen sucht man vergebens, es sind Nuancen, die sich verändern, kleine Splitter, die eine anscheinend homogene Gemeinschaft in Fetzen reißen können.

Dabei deutet French wenig und überlässt dem Leser selbst Schlüsse zu ziehen – dem diesmal aber mit etwas weniger Input mehr geholfen wäre. Denn manches an Beziehungen und Entwicklungen ist bereits evident, wenn Cassie es zum zweiten oder dritten Mal subsumiert. So braucht man für den fünfhundertseitigen Mittelteil Geduld und Langmut; der sich aber auszahlt. Denn im Einfangen von Stimmungen, den Veränderlichkeiten der eigenen Wahrnehmung und der Beurteilung von Handlungen und Fakten ist French meisterlich.

Vor allem besitzt sie eine eigene Stimme, die ihre Literatur meilenweit von adeligem Beziehungskladderadatsch und vor Betroffenheitskitsch triefenden Lagunenkrimis zahlreicher KollegInnen abhebt. Von extrapolierten Schlachthausplatten sowieso.

Jochen König, September 2009

Ihre Meinung zu »Tana French: Totengleich«

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g.werner zu »Tana French: Totengleich« 07.11.2011
Wenn ich hier die überwiegend positiven Beurteilungen lese bin ich ratlos. Oder ich habe ein anderes Buch gelesen. Da schlüpft eine irische Detectivin in die Rolle einer amerikanischen Studentin. Spätestens nach 2 Stunden wäre sie schon durch die Sprache aufgefallen. Amerikansich und irisch sind so ähnlich wie schwäbisch und bayrisch. Dann unterliegt sie auch noch fast dem Stockholmsyndrom - sehr proffessionell . Das alles wird in epischer Breite dargestellt, Psychologie und Philosophie werden krankhaft bemüht dem allen einen interlektuellen Touch zu geben - die Blumenkinder der 60iger lassen grüßen. Das Buch landete bei Oxfam - dürfen sich auch noch andere drüber ärgern.
JaneM. zu »Tana French: Totengleich« 04.11.2011
Die Handlung ist bereits, insbesondere von Ailis und Bellexr, treffend beschrieben worden. Ja, fast 800 Seiten sind viel. Diese werden aber nicht durch Langatmigkeit vergeudet, sondern Tana French beschreibt ausgesprochen gekonnt Atmosphäre und psychische Prozesse der Protagonisten.
Der Maßstab "kurz und knapp" ist bei Artikeln in einer Tageszeitung angebracht, aber nicht bei Literatur. Zumindest solange die Autorin etwas mitzuteilen hat- und das ist hier der Fall.
MaryBlue zu »Tana French: Totengleich« 19.09.2011
Habe auch gestern das Buch fertig gelesen und war ebenso begeistert. Besonders am Schluss hat die Spannung so richtig angehalten und ist nicht ins Unglaubwürdige abgerutscht (wie leider so oft der Fall). Auch wenn man bedenkt, dass es sich im Prinzip nur um einen Mord handelt, der bearbeitet wird - die Lesefreude bleibt immer bestehen!

Echt gelungen!
Christine Bäuchl zu »Tana French: Totengleich« 22.05.2011
...das 800 Seiten-Buch Totengleich war seit langem das beste, was ich gelesen hab!!!
Bin beeindruckt, wie einfühlsam und intensiv Sie die Nähe und die Aura der Bewohner schildert, Sie schreibt echt Klasse!! - ich Lese absolut gerne und freu mich immer mal wieder wenn mir ganz besondere Bücher in die Hände fallen (hatte es aus der Bücherei)
P.S. besser 800 Spannende Seiten als 400 mittelmäßige...!!!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
DaTilt zu »Tana French: Totengleich« 24.03.2011
Wie bereits geschrieben, ist dieses Buch sehr langatmig. Eigentlich rechtfertigt die Story keine 800 Seiten. Insbesondere finde ich, dass das Ende viel zu sehr in die Länge gezogen ist. Der Hauptcharakter der Story handelt an fast keiner Stelle logisch, ebensowenig ein Großteil der anderen Bewohner des Hauses. Das geht einen auf Dauer doch ziemlich auf die Nerven.

Da das Buch sprachlich ganz OK ist und teilweise insbesondere im Mittelteil, der mir eigentlich ganz gut gefallen hat, Atmosphäre aufkommt, bekommt dieses Buch von mir 60 Grad. So schnell werde ich aber nicht mehr zu einem Buch von Tana French greifen.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Loreley zu »Tana French: Totengleich« 18.02.2011
Es ist immer schwierig, wenn nicht unmöglich, an einen perfekten Vorläufer anzuknüpfen. Tana French ist das, meiner Meinung nach, gelungen. Der Trick, den Nachfolger aus der Perspektive der "Zweitprotagonistin" des Erstlings zu erzählen, ist clever. Der Leser betritt ein bekanntes Gebiet unter anderer Leitung.
Cassie Maddox hat ihr Päckchen zu tragen, die 150 Seiten zu Thema: "Soll ich oder soll ich nicht" habe ich ihr freundlicher Weise gegönnt. Und so ein Doppelgänger, auch wenn er tot ist, ist schon eine harte Nuss.
Harte Nüsse sind desgleichen die Bewohner der "Lexie WG" und wenn wir es genau nehmen: solche Leute gibt es doch gar nicht.
Darin liegt für mich u.a. eine der Stärken der Autorin. Sie kriegt es hin, dass Romantik-Freaks nicht konstruiert wirken.
Wie auch immer: viele Seiten brauchen viel Zeit. Der Vorwurf einer Zeitverschwendung kann bei diesem Buch nicht erhoben werden.
spacecowboy zu »Tana French: Totengleich« 05.02.2011
Dieser Krimi lebt von seinen Charakteren; bis ins kleinste wurde hier an den Figuren gefeilt. Was dieser Roman nicht bietet ist Action. Diese wäre in der Handlung tatsächlich nur störend. Der Plot entsteht nur rund um die fünf Hauptfiguren. Die Autorin versteht es sagenhaft, den Spannungsbogen durch die Beziehungen unter den Handelnden aufzubauen.

Dazu kommt ein Storyansatz, den ich vorher noch nicht in diesem Genre erlebt habe. Eine Ermittlerin wird als Ersatzperson einer Toten in diesen Ring der Protagonisten eingeschleust, um undercover das seltsame Verhalten der Verdächtigen zu untersuchen. Was zu Anfang unglaublich und nicht vorstellbar klingt, bekommt aber im weiteren Verlauf des Geschehens immer mehr Hand und Fuß. An einigen Textstellen möchte man glauben, dass Tana French gerne das Genre "Krimi" verlassen möchte; in der Tat steht sie in einigen Passagen vor der Grenze zur Phantastik. Aber eben auch nur fast, denn so dichtgewoben die Darstellung der Psyche jedes Einzelnen der Protagonisten geschildert wird, ist es nicht leicht herauszufinden, was Realität oder Wunschdenken ist. Das Bild, was jeder in der Gruppe (einschließlich der Ermittlerin) von dem anderen hat, verklärt sich manchmal ins mystische. Und genau das macht meines Erachtens die Stimmung dieses Romans aus.

Ich bin von diesem Roman sehr positiv überrascht, für mich ist das der Beste Krimi seit langer, langer Zeit. 97°
Marthe zu »Tana French: Totengleich« 15.09.2010
Wieder ein Fan. Nach "Grabesgrün", daß ich spannend, aber unbefriedigend fand, weil sich die Geschichte der Kinder nicht auflöst, fand ich den Folgeroman im Regal meiner Mutter.
Ich las und las und las. Ich war die ganzen 780 Seiten lang gespannt. gerade weil sich die Erzählung so langsam und detailliert fortbewegt. Ich fand die Zeit des Lesens adäquat der Zeit der Ermittlung.
Ich bin für lange Räusche und nicht für kurze Koitüsse.
Es ist einfach alles stimmig, nachvollziehbar und keine Kunstgriffe, die nicht standhalten.
Ich würde sofort den nächsten ebenso langen Roman von Tana French lesen.
Martha zu »Tana French: Totengleich« 31.07.2010
Das Buch ist VIEL ZU LANG! Die Geschichte an sich finde ich zwar unrealistisch, aber spannend, aber man schafft es einfach nicht, diese gefühlten acht Millionen Seiten zu lesen, denn jede Beschreibung einer Stimmung, einer Laune, einer Umgebung, eines Gedanken wird so endlos und langatmig ausgewalzt, daß ich immer wieder ganze Passagen oder sogar Seiten übersprungen habe. Ich wollte wirklich wissen, wie die Geschichte ausgeht, aber irgendwann konnte ich nicht mehr. Schade. Dieses Buch hätte man problemlos um die Hälfte kürzen können.
Bellexr zu »Tana French: Totengleich« 30.04.2010
Detective Cassie Maddox, mittlerweile in die Abteilung für häusliche Gewalt versetzt, erhält eines Abends einen Anruf von ihrem Freund Sam, Detective bei der Mordkommission. Sie soll schnell zu einem verlassenen Cottage kommen. Dort angekommen trifft sie auch auf ihren ehemaligen Chef Frank, für den sie während ihrer Undercoverzeit gearbeitet hatte. Im Cottage liegt die Leiche einer jungen Frau, die Cassie zum Verwechseln ähnlich sieht. Die junge Frau wohnte mit vier anderen Studenten auf Whitethorn House. Um den Mord schnell lösen zu können, unterbreitet Frank ihr den Vorschlag, in das Leben der jungen Literaturstudentin zu schlüpfen. Anfangs weigert sich Cassie, doch je mehr sie über Lexie erfährt, umso mehr wird sie von der Idee gefangen genommen. Und so beginnt sie ihre Undercoverarbeit bei den jungen Leuten.

Diese leben in ihrer eigenen Welt, sind eine verschworene Gemeinschaft, betrachten Whitethorn House als ihr Zuhause und kapseln sich vom Rest der Welt ab. Nicht, dass die Einheimischen ein Interesse daran hätten, mit den Studenten in Kontakt zu kommen. Ganz im Gegenteil, Whitethorn House und die Familie March, der einer der Studenten angehört, werden von den Einheimischen seit Generationen gehasst und als Unterdrücker angesehen. Liegt hier das Mordmotiv verborgen oder war es doch einer der vier Mitbewohner, der Lexie ermordet hat? Diese Frage soll Cassie alias Lexie klären und gerät dabei immer mehr in den Sog dieser verschworenen Gemeinschaft.

Tana French lässt sich viel Zeit für ihre Geschichte, die sie aus Sicht von Cassie rückblickend erzählt. So ist man sofort hautnah dabei, wie Cassie mit ihrer Entscheidung ringt, überhaupt diesen Job anzunehmen und wie sie sich anschließend immer mehr vom Zauber der verschworenen Gemeinschaft einfangen lässt. Abby, Rafe, Daniel und Justin ergänzen sich hervorragend, scheinen jedes Geheimnis des anderen zu kennen, vermeiden jede Erinnerung an die Vergangenheit, leben nur im Hier und Jetzt, in ihrer eigenen realen Welt und doch spürt Cassie und somit auch der Leser, dass hier unterschwellig etwas brodelt, dass nicht alles so ist wie es scheint. Mitten hinein in dieses Gefühlwirrwar gerät Cassie. Anfangs noch ständig auf der Hut, sich ja nicht durch kleine, unbedachte Gesten oder Äußerungen zu verraten, verfällt sie immer mehr dem Charme des Hauses und der Herzlichkeit ihrer Mitbewohner und fühlt sich bald als eine von ihnen, was auch Frank nicht verborgen bleibt.

Der Autorin gelingt es praktisch von der ersten Seite an durch ihren bild- und lebhaften, fesselnden, lebendigen Schreibstil, einen bei der Geschichte mit Leben zu lassen. Die Story ist von Anfang an schlüssig aufgebaut und durchweg spannend erzählt. Ihre Beschreibungen der Charaktere sind so lebendig, dass man sich schnell ein Bild der jeweiligen Personen machen kann. Und trotzdem bleiben sie einem rätselhaft. Ihr gelingt es mühelos, Abby, Rafe, Daniel und Justin sympathisch zu zeichnen, doch bleibt unterschwellig das Gefühl, dass vielleicht einer der vier der Mörder von Lexie sein könnte. So geht es dem Leser wie Cassie, man möchte es nicht wirklich glauben. Und hiermit spielt Tana French geschickt, denn immer wieder sind neue Wendungen schlüssig in die Geschichte eingebaut, sodass man sich bezüglich Mörder und seinem Motiv nie sicher sein kann.

Was mir auch sehr gut gefallen hat, ist, dass Tana French ihre Geschichte nicht mit der Auflösung des Falls beendet, sondern sich noch einmal Zeit nimmt, offene Fragen und Cassies Leben danach noch ein bisschen weiter zu erzählen. So ist die Story wirklich bis zum Ende absolut rund und schlüssig erzählt.

Fazit: Eine spannende Geschichte, die sehr lebendig und warmherzig erzählt wird und durch ihre bildhafte Sprache überzeugt.

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