Café Größenwahn von Sybil Volks

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 bei Jaron.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin, 1910 - 1929.
Folge 2 der Kappe-Serie.

  • Berlin: Jaron, 2007. ISBN: 978-3897735552. 189 Seiten.

'Café Größenwahn' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Berlin 1912: Im legendären Café Größenwahn sucht der junge Eugen Hofmann Anschluss an die Künstlerkreise. Geldnot und sein Ehrgeiz, ein berühmter Dramatiker zu werden, führen ihn in rasantem Tempo auf die kriminelle Bahn. Der Hochstapelei folgt ein Raub und schließlich der fast perfekte Mord an einem Geldboten. Eugen H. schreibt ein Stück über sein Verbrechen und geht inkognito zur Premiere.

Das meint Krimi-Couch.de: »Seicht plätschernd 25°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Die Idee, einen Berliner Kriminalisten des beginnenden 20. Jahrhunderts zur Klärung fast authentischer Verbrechen auf Räuberjagd zu schicken und dabei unterschiedliche Autoren den Typus des Titelhelden entstehen zu lassen, ist im Grunde genommen sehr interessant. Begonnen hat die Reihe um Kriminalwachtmeister Kappe mit «Es geschah in Berlin 1910» von Horst Bosetzky, der mit «Kappe und die verkohlte Leiche» den Startschuss in der Buchreihe im Jaron Verlag machte.

Zwei Jahre später versucht die Lektorin und Autorin Sybil Volks in ihrem ersten Alleingang als Buchautorin das Romangeschehen in «Es geschah in Berlin 1912" weiter zu entwickeln und versucht auf 190 Seiten den Kriminalwachtmeister Kappe zu beleben. Dazu muss sie allerdings zuerst einen Täter ins Spiel bringen und diesen hat sie in Eugen Hofmann gefunden, der als richtiges Landei nach Berlin kommt, um berühmt zu werden.

Nach anfänglichen Orientierungsproblemen legt sich der junge Mann einen neuen Namen zu. Da Gerhard Hauptmann eines seiner Idole ist, nennt er sich fortan Georg Hartwig und versucht, über das Künstlercafé Größenwahn Anschluss an die elitären Kreise der Theaterwelt zu finden. Die Menschen, die er dort kennen lernt, sind so ganz anders als der weltfremde Naivling und um Anerkennung zu gewinnen, passt er sich deren Lebensweise an, obwohl ihm das Geld dazu fehlt.

Frau Volks schildert ausführlich, wie der Verlierertyp zusehends ins Kriminal rutscht, denn wenn erst ein Mal das Geld weg ist und man selbst, im Glauben ein großer Künstler zu sein, die Arbeit scheut, dann bleibt nur der Weg zur illegalen Geldbeschaffung. Doch schon der erste Geldbotenraub endet mit dem ungewollten Tod zweier Personen. Georg Hartwig nimmt das als unvermeidliches Übel, denn das Tagebuch seiner Unfähigkeit ist die Grundlage seines Theaterstücks, das die Bühnen der Welt erobern soll.

Eugen Hofmann, der mittlerweile gezwungen ist, seinen Namen mehrfach zu ändern, wird es den Kulturbanausen schon zeigen. Der nächste Raub wird alles Vorherige in den Schatten stellen und diesmal ist der Mord im Hotel Adlon eingeplant, denn sein Theaterstück muss spektakulär werden.
Damit will er nicht nur seine erfolglos Angebetete erobern, sondern auch den Berliner Theaterhimmel.

Und wo bleibt bei dieser Geschichte jener Mann, dessen zweiter Fall am Buchtitel angekündigt wird? Kriminalwachtmeister Kappe spielt bis zum gar nicht überzeugenden Schluss nur eine Statistenrolle, um die von der Autorin seicht plätschernde Geschichte gerade noch als Krimi durchgehen zu lassen. Von Spannung ist bei dieser Milieuschilderung aus dem alten Berlin leider keine Spur zu finden. Bestenfalls darf man diese fiktive Biographie des Eugen Hofmann noch als regionale Stimmungsskizze werten, die allerdings dem Krimileser kaum große Freude bereiten wird.

Wolfgang Weninger, August 2007

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Torsten zu »Sybil Volks: Café Größenwahn« 11.04.2014
Natürlich ist das Buch nicht in erster Linie als Krimi zu betrachten, sondern als Beschreibung des "damaligen" Berlins und eine Miliestudie.
Während im ersten Teil die historischen Aufstände der Moabiter Kohlenarbeiter behandelt wurden, ist es in dieser Folge eben die Künstler- und Bohemeszene Berlins am Beispiel eines der tatsächlich real existierendes Cafes dieser Zeit.
Und das scheint mir auch ziemlich genau recherchiert worden zu sein. Diese Szene war ja typisch für Berlin und nur für Berlin - weswegen der Roman so eben auf keinen Fall irgendwo in einer xbeliebigen anderen Stadt hätte spielen können wie in einem vorherigen Kommentar kritisiert wurde.
Trotzdem ist das von der Intensität mit der ky im ersten Buch die Vergangenheit hat lebendig werden lassen weit entfernt. Ebenso wie der Krimi- und Kappe-Anteil tatsächlich sehr gering ist und nicht an den Vorgänger heranreicht.
Trotzdem ist das ganze Konzept der Reihe wirklich einzigartig und ich werde mich ganz sicher wieter interessiert durch die Geschichte lesen.
Beinahe putzig übrigens der "Krieg" der Autorinnenunterstützer gegen Kritiker zu Anfang des Kommentarreigens.
Ob die Schar der Freunde / Verwandten / Kollegen der Autorin aus heutiger Sicht auch einsehen, dass sie mit der Schar der zweifellos manipulierten hohen Bewertungen und dem überschwänglichen Lob eher einen Bärendienst erwiesen haben?
Für mich übrigens ehrliche 50%
schnödelitus klatt zu »Sybil Volks: Café Größenwahn« 30.08.2012
Meiner Meinung nach ist Café Größenwahn eine gelungene - wenn auch mutmaßliche - Bestandsaufnahme des Berlins der Vorkriegszeit. Den Typus des Protagonisten kann man auch heute noch zu genüge antreffen (junge Leute aus der Provinz, die meinen, dass Berlin auf sie gewartet hat). Zudem entwickelt sich durch die Erzählweise große Sympathie für Eugen Hofmann, der gerade in der zweiten Hälfte nahezu Mr. Ripley-hafte Züge annimmt. Demzufolge ist Kappe hier auch eher Gegenspieler und bleibt meines Erachtens etwas Formlos. Da erhoffe ich mir in den nächsten Bänden doch mehr. Alles in allem hat mir das Lesen jedoch sehr Spaß gemacht - gerade die Beschreibung der szenischen Abläufe erachte ich als besonders gelungen, da sie passenderweise nschon fast theatrale Züge annehmen. Zwar verläuft die Kriminalhandlung hier eher nach dem Schema-Raskolnikow was aber dem gelungenen Psychogramm eines "Größenwahnsinnigen" keinen Abbruch tut!
Gabriele Jäger zu »Sybil Volks: Café Größenwahn« 26.09.2011
Ich schätze jede/n Krimi-Autor/in, der/die in der Lage ist, im Vorfeld eine Recherche zu betreiben, um den Stoff damit zu füttern. Uns Leser/innen wird etwas mit auf den Weg gegeben, das unser bisheriges Wissen erweitert, denn nicht jede/r hat diesen Erfahrungsschatz mit in die Wiege gelegt bekommen. Mein Dank gilt u.a. Frau Volks und Herrn Bosetzky. Krimi hin oder her- das ist persönliche Geschmacksache- und jede/r erlebt beim Lesen etwas Anderes, zumal wenn man Berliner/in ist.
Dante zu »Sybil Volks: Café Größenwahn« 10.10.2009
Die gesamte Reihe "Es geschah in Berlin" mit dem Kriminaler Kappe als Protagonisten und verschiedenen Autoren ist eine sehr gelungene und gut umgesetzte Idee.

Das Cafe Größenwahn basiert auf einem tatsächlich damals existierenden Cafe, in dem es hoch herging. Das Flair und die Atmosphäre des damaligen Berlins kommt super rüber und nebenbei ist es auch noch ein sehr unterhaltsamer Krimi.
detno zu »Sybil Volks: Café Größenwahn« 11.11.2008
Nach -KYs erstem Fall des Kriminalwachtmeisters Hermann Kappe ("Die verkohlte Leiche") habe ich auf eine starke "Fortstetzung" gehofft.

Weder bei der Person des Hermann Kappe noch bei der Beschreibung der Reichshauptstadt im Jahr 1912 konnte Sybil Volks an Band 1 angeknüpfen. Kappe durfte erst zum Schluss auftreten und die Story hätte überall in jeder größeren Stadt spielen können. Der "authentische historische Background" (Klappentext) war, bis auf die Nennung einiger Künstlernamen und dem Untergang der "Titanic", nicht zu bemerken.
Es kann mit Band 3 ("Der Ehrenmord" von Jan Eik) nur besser werden.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Gundi Roschach zu »Sybil Volks: Café Größenwahn« 18.09.2007
Ich habe das Buch gelesen. Es hat mir sehr gut gefallen. Es war mehr als nur ein Krimi. Ich wurde nicht nur gut und spannend unterhalten, sondern habe viel über eine vergangene Epoche erfahren.
Die klare Sprache hat mir auch sehr gut gefallen.
Ich kann es nur empfehlen.
Viele Grüße
Gundi Roschach
Jochen zu »Sybil Volks: Café Größenwahn« 06.09.2007
Nur kurz: m.E. ist im süffisanten Unterton der Inhaltsangabe, das seicht plätschernde, das Weninger wahrnimmt, bereits intendiert.
Muss da tatsächlich nochmal explizit drauf hingewiesen werden? Ich denke nicht.
K.-G.Beck-Ewe zu »Sybil Volks: Café Größenwahn« 05.09.2007
60 bis 65 wäre meine Einteilung auf der Basis der Spannung. Rein erzählerisch hat mir die Geschichte aus der Sicht des "Gestörten" ganz gut gefallen - weil ich wie gesagt zunächst gar nicht nach Herrn Kappe suchte, den ich seit der Lektüre der anderen beiden Titel der Reihe aber durchaus schätze. Freunden der Geschichte des Intelligenzia-Milieus würde ich es eher mit 70 bis 75 Punkten empfehlen - aber nicht unbedingt als Krimi. Aber ein Buch kann ja uach gut sein, ohne ein Krimi zu sein ;-)
Lars Nussbaum zu »Sybil Volks: Café Größenwahn« 05.09.2007
Mein Schüppchen, dein Schüppchen...

Auch für mich ist das Thema erledigt, allerdings versehen mit einem letzten Hinweis darauf, dass das was für Sie eine Unterstellung ist, von mir als simple in den Raum geworfene Frage gedacht war. Kenntlich gemacht durch Satzstellung und entsprechende Interpunktion. Die Antwort darauf habe ich von Ihnen und Frau Kuppler erhalten. Und ich habe auch den Eindruck, dass Sie jetzt verstanden haben, was mich an der Aktion gestört hat.

Ich habe übrigens noch nie 100 Punkte hier vergeben. Meine Höchstwertung waren wohl mal 89 Punkte für einen Hill-Krimi. Klar darf man 100 Punkte vergeben, dafür reicht die Skala ja soweit. Vielleicht ist Café Größenwahn ja wirklich sowas besonderes... Denn nur ein wirklich schlechter Roman ist ein Roman, über den man gar nicht reden würde. ;-)

Und jetzt - quasi zum Abschluss - fallen Sie wahrscheinlich komplett vom Stuhl: Ihre Reaktion auf den Kommentar von Jochen könnte aus meiner Feder stammen. ;-)

Letzte freundliche Grüße,
Lars Nussbaum
Lisa Dickreiter zu »Sybil Volks: Café Größenwahn« 05.09.2007
Lieber Herr Nussbaum,
vielleicht sollten Sie auch mal Ihre jüngsten Kommentare durchlesen: "Viel interessanter ist aber, was sich hier in den Kommentaren abspielt. Hat hier eine gekränkte Autorin ihren Freundes- und Bekanntenkreis mobilisiert, um ihre Ehre wieder herzustellen? Einen solchen Aufmarsch an Lektoren, Regisseuren und Drehbuchautoren hat man hier ja noch nie erlebt. Und dann wird dieses Buch so einheitlich in den Himmel gelobt, dass sich einem die Fingernägel kräuseln."

Für mich unterstellen Sie Frau Volks ihren Freundes und Bekanntenkreis mobilisiert zu haben. Und genau dieser Verdacht hat Sie ja erst dazu bewegt, sich hier zu Wort zu melden.

Und wenn Sie für sich das Recht in Anspruch nehmen, durchaus über die Jahre weiser zu werden - dann gestehen Sie mir und meinem "angreifenden" Kommentar doch auch bitte zu, dass wir mit den Jahren weiser werden - ich bin schließlich erst 29 (aber das wissen Sie sicher über Google :-)). Gleiches Recht für alle, oder wie war das?

Und noch etwas, auch wenn Sie das vielleicht stört: ich als Kommentator habe das Recht 100% zu vergeben - auch wenn der Rezensent nur 25% gibt. Und für meine 100% liefere ich in meinem Kommentar genügend nachvollziehbare Argumente. Genau wie Frau Kuppler.

Lieber Herr Nussbaum, für mich ist das Thema erledigt. Wir fangen an uns im Kreis zu drehen, und ehrlich gesagt, ist es mir egal, was für Komplott und Manipulationstheorien Sie hinter unseren Kommentaren und Wertungen sehen.

Herzliche Grüße
Lisa Dickreiter

@ Jochen: "Denn sie ist durchaus sachlich und bietet Argumente, die gegen den Roman sprechen (seicht, plätschernd, spannungslos, etc.)"

Bezeichnungen wie seicht plätschernd oder spannungslos sind ersteinmal Behauptungen. Herr Weninger führt an keiner Stelle in seiner Rezension auf WARUM die Geschichte seiner Meinung nach spannungslos oder seicht plätschernd ist. Die Abschnitte 1-5 beinhalten: eine Beschreibung des Kettenromans und eine Inhaltsangabe des Krimis. Im letzten Absatz folgt dann die Wertung, die aber nicht begründet wird. WARUM findet Herr Weninger den Schluss nicht überzeugend ( Beispiele für Argumente: zu offen, zu abrupt, deus ex macchina, unlogisches Ende, etc)? WARUM findet Herr Wenninger die Geschichte seicht plätschernd (Beispiele für Argumente: keine überraschenden Wendungen, Milieuschilderungen dominieren Handlung, flache Figuren, keine interessanten Verbrechen, etc)?

Wie gesagt, ich habe per se nichts gegen Negativ-Kritiken - wenn sie argumentativ und nicht behauptet daherkommen. Eine 25% Wertung braucht aber starke Argumente. Und die kann ich in Herrn Weningers Kritik nicht finden.

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