Totenfeuer von Susanne Mischke

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 bei Piper.
Folge 3 der Bodo-Völxen-Serie.

  • München; Zürich: Piper, 2010. 300 Seiten.

'Totenfeuer' ist erschienen als

In Kürze:

Meterhoch schlagen die Flammen des Osterfeuers. Und der wohlvertraute Geruch brennenden Holzes zieht durch das Dorf. Auch Kommissar Bodo Völxen will den Samstagabend traditionsgemäß bei Bier und Schnaps genießen – bis in den glühenden Scheiten des Feuers eine Leiche entdeckt wird. Bis zur Unkenntlichkeit verkohlt, liefert nur eine auffällige Gürtelschnalle einen ersten Hinweis. Doch bald wird nicht nur Bodo Völxen klar, dass der Tote mehr als eine Todsünde begangen hat …

Das meint Krimi-Couch.de: »Schwierige Ermittlungen im eigenen Dorf« 80°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Bodo Völxen hat dem Drängen seiner Frau nachgegeben, und wird an den volkstümlichen Bräuchen in seinem Wohnort Holtensen am Deister teilnehmen. Dabei interessiert ihn weniger das archaische Osterfeuer, vielmehr will er bei Bier und Schnaps mit den Nachbarn in Ruhe klönen. Als dann bei Zusammenschieben des Feuers plötzlich eine angekohlte Leiche auf der Frontlader-Schaufel liegt, ist es mit der Ruhe vorbei. Der Hauptkommissar muss sein Team alarmieren und den Fall vor der eigenen Haustür aufklären. Als die Identität des Toten endlich feststeht, wird es richtig kompliziert für die Mordkommission Hannover, denn die Kumpanei im Dorf macht die Ermittlungen zu einer wahren Tortur.

In einem Interview nach dem ersten Roman um die Ermittler in der niedersächsischen Landeshauptstadt hat Susanne Mischke im Gespräch geäußert, sie wisse noch nicht, wie viele Folgen dieser Reihe sie schreiben werde. Schließlich wolle sie sich nicht auf so eine Serie festlegen lassen. Das muss sie auch nicht, aber dem mittlerweile dritten Band über das Team um Bodo Völxen und seine teilweise recht eigenwilligen Mitstreiter sollte sie noch einige Episoden folgen lassen. Denn es gelingt der Autorin, die Figuren glaubwürdig und sympathisch weiter zu entwickeln. Und das macht für Leser und Schriftstellerin den großen Reiz einer solchen Serie aus – da steckt noch genug Potenzial drin.

Das Privatleben des Teams wird recht unaufdringlich und authentisch begleitet. So steht das Küken des Teams, Jule Wedekin, kurz vor ihrer Verbeamtung – und ist höchst unglücklich in einen verheirateten Kollegen aus einer anderen Abteilung verliebt. Veteranin Oda Kristensen macht sich Sorgen um ihre 16-jährige Tochter, und Heißblut Fernando Rodrigez wohnt als 35-Jähriger immer noch bei seiner Mutter – denkt aber endlich ernsthaft ans Ausziehen. Und Bodo Völxen selbst hat nach wie vor seine liebe Not mit Familie und Schafherde. Da kommen die Mord-Ermittlungen im eigenen Dorf zur absoluten Unzeit. Wer selbst mal in so einem kleinen »Kaff« gewohnt hat, kennt die sozialen Zwänge, von denen sich auch der Leiter einer Mordkommission in der Landeshauptstadt nicht freimachen kann. Kenntnisreich und wortgewandt schildert Susanne Mischke diese dynamische Gemengelage aus Landjugend, örtlichen Jägern, Handwerkern und Landwirten. Und auch der Dorf-Pastor darf in der Geschichte nicht fehlen.

Wie gewohnt baut die Autorin einen gefälligen Spannungsbogen auf, der durch falsche Fährten, knifflige Vernehmungen und persönliche Befindlichkeiten immer wieder mit Nahrung gefüttert wird. Einmal mehr überzeugt Mischke mit gründlicher Recherche und der detailreichen Kenntnis der Gegebenheiten in Hannover und Umgebung. Dieser von ihr gewohnte Standard wird mit einer gut konstruierten Erzählung untermauert. Zwar betont die Autorin in einer kurzen Nachbemerkung ausdrücklich, dass es keine realen Vorbilder für die von ihr geschilderten Lebensgeschichten gibt, aber dass es solche oder ähnliche Biografien in Deutschland gab und gibt, ist ja kein Geheimnis. Selbst wenn man den Teil der Geschichte, in dem es um die Aneignung des Gutes im Dritten Reich geht, unberücksichtigt lässt, steckt genug Brisanz in der geschilderten Familiengeschichte. So genannte Altenteiler, die sich nahezu bis zum Lebensende ein Mitspracherecht auf landwirtschaftlichen Betrieben oder ehemaligen Höfen herausnehmen, dürften zu etlichen familiären Dramen führen – mehr darf hier nicht verraten werden. Auf jeden Fall ist die Erzählung für mich rundum glaubhaft und nachvollziehbar. Einmal mehr also ein echtes Lesevergnügen aus der Feder von Susanne Mischke – und ich freue mich jedenfalls auf eine weitere Episode mit dem knurrigen Völxen und seiner Truppe.

Andreas Kurth, Juli 2011

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Darixfriends zu »Susanne Mischke: Totenfeuer« 22.04.2013
Der Krimi handelt im ländlichen Raum, in der Nähe von Hannover. Freundlich beschriebenen Charakter, leichte Landidylle, mit einer stark alkoholkonsumierenden Landjugend.
Beim Osterfeuer wird eine verbrannte Leiche gefunden. Hauptkommissar Völxen nimmt am Ort des Geschehens die Ermittlungen auf. Viel dörfliche Atmosphäre, ein HK, der fortwährend seinen ausgebüxten Hammel und die beschädigte ehemals heile Dorfwelt sucht. Viele Nettigkeiten, Dorfjugendliche die eine Leiche verschwinden lassen, den Täter erpressen, ein HK der dies als „ Lapsus“ mehr oder weniger toleriert. Wenn man nicht so genau hinsieht, einige schwülstig, platte Formulierungen übersieht, sich an sprachlichen Derbheiten nicht stört, dann ist der Krimi eher Durchschnitt
DianeW zu »Susanne Mischke: Totenfeuer« 24.07.2011
es ist jetzt schon ein paar Wochen her, dass ich das Buch gelesen habe, aber mir hat es sehr gut gefallen, wie auch die anderen Krimis aus der Reihe.
Gut als gebürtige Hannoveranerin natürlich gefärbt durch etwas Lokalkollirit, aber ich mag die Figuren der Kriminalisen sehr gerne. es ist eine sehr sympathische Gruppe. Die Fälle sind interessant - auch hier wieder im Zusammenhang mit der schönen Tradition "Osterfeuer". (Die es hier in Bayern leider nicht gibt). Es ist immer eetwas Witz dabei. und die lösung des falles auch nciht trival. ich freue mich schon auf weitere ..
riwi zu »Susanne Mischke: Totenfeuer« 27.06.2011
naja, es gab schon schlechteres von s. mischke, allerdings auch bedeutend bessere romane. diese bodo-völxen-reihe haut nun wirklich nicht vom hocker, überwiegend langweilig, hin und wieder humorvoll, das wars dann.wo sind sie, die klasse romane wie "liebeslänglich", "eisheilige", mondscheinliebhaber"?
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