Mord in Babelsberg von Susanne Goga

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2014 bei dtv.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin, 1910 - 1929.
Folge 4 der Leo-Wechsler-Serie.

  • München: dtv, 2014. ISBN: 978-3423214865. 352 Seiten.

'Mord in Babelsberg' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Berlin 1926. Im Hof einer eleganten Wohnanlage in Kreuzberg wird die Leiche einer Frau entdeckt, die mit einer Scherbe aus rotem Glas erstochen wurde. Kommissar Leo Wechsler muss am Tatort erkennen, dass es sich bei der Toten um seine ehemalige Geliebte Marlen Dornow handelt, die er seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Er erzählt niemandem von seiner Verbindung zu der Toten, auch nicht seiner Frau Clara, sondern stürzt sich verbissen in die Ermittlungen. Wie sich herausstellt, hatte Marlen sich von wohlhabenden Männern aushalten lassen, zuletzt von einem Politiker, der ein enger Mitarbeiter des Außenministers Gustav Stresemann ist. Kurze Zeit später gibt es einen zweiten Toten: Viktor König, der gefeierte Filmregisseur, wurde ebenfalls mit einer roten Glasscherbe erstochen …

Das meint Krimi-Couch.de: »Vielschichtiger Plot mit sympathischem Protagonist.« 75°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Juni 1926. Der bekannte Regisseur Viktor König wird für seinen neuen Film in höchsten Tönen gelobt. Kriminalkommissar Leo Wechsler hat derweil ganz andere Probleme. Aufgrund eines Doppelmordes an zwei Kindern wird sein Vorgesetzter, der legendäre Kriminalrat Ernst Gennat, nach Breslau geschickt, um dort den Kollegen zu helfen. So muss sich Wechsler selbst mit dem aktuellen Fall herumschlagen, der ihn an seine persönlichen Grenzen bringt. Im Innenhof einer vornehmen Wohnanlage in Kreuzberg wird die Leiche einer attraktiven Frau gefunden, bei der es sich um Marlene Dornow handelt, die sich ihren Lebensunterhalt von wohlhabenden Männern finanzieren ließ. Auch Wechsler hatte nach dem Tod seiner ersten Frau eine kurze intime Beziehung mit Marlene und müsste daher den Fall eigentlich abgeben. Aber er will die Ermittlungen trotz allem selber leiten, sehr zum Unmut seiner Kollegen Walther und Sonnenschein, die schnell mitbekommen, in welcher Beziehung ihr Chef zu dem Opfer einst stand. Die Ermittlungen gestalten sich zunächst schwierig, doch dann werden die Ermittler zu einem weiteren Mordfall gerufen, der eigentlich nicht in ihre Zuständigkeit fällt. In Neubabelsberg in Potsdam wird Regisseur König vor seiner Haustür mit einer roten Glasscherbe erstochen; genau wie zuvor Marlene Dornow …

Ermittle-Legende Ernst Gennat darf nicht fehlen.

Leo Wechsler ermittelt bereits in seinem vierten Fall in Berlin, Mitte der 1920er Jahre. Wie bei Serien nicht unüblich, sollte man die Romane in der richtigen Reihenfolge lesen, um vor allem den Entwicklungen auf privater Ebene besser folgen zu können. Genau hier setzt die Autorin Susanne Goga einen Schwerpunkt der Handlung, da – wie oben ausgeführt – Wechsler ein Verhältnis zu der ermordeten Frau hatte. Dies will er nicht nur vor seinen Kollegen, sondern vor allem vor seiner Frau Clara verbergen, was sich um ein Haar als verhängnisvoller Fehler erweist, da Clara sein Verhalten missversteht. Mord in Babelsberg führt in die aufstrebende Filmwelt der deutschen Metropole, wo aber bisweilen nur Stummfilme gedreht werden. Neben Wechslers Privatleben ist die Filmindustrie der zweite von drei besonders herausgebildeten Aspekten des vorliegenden Romans.

Der dritte Punkt ist eine Verneigung vor Berlins Kultkommissar Ernst »Buddha« Gennat, der jedoch persönlich recht früh aus der eigentlichen Handlung ausscheidet, da er nach Breslau gerufen wird. Ausführungen zu dem (hier angesprochenen) realen Mordfall in Breslau sind in Regina Stürickows Mörderische Metropole Berlin zu finden. Von der gleichen Autorin liegt übrigens auch das Buch Der Kommissar vom Alexanderplatz vor, welches Ernst Gennat gewidmet ist beziehungsweise dessen Arbeit in den Vordergrund rückt. Dass von ihm entwickelte »Mordauto« erfährt zu Beginn des Romans Mord in Babelsberg ebenfalls eine kurze Erwähnung. Mord in Babelsberg ist ein solide aufgebauter Kriminalroman, der seinen historischen Hintergrund eher dezent, aber effektiv einsetzt. So führt eine heiße Spur in die Nähe von Außenminister Gustav Stresemann.

»Eduard Hellwig, die rechte Hand des Außenministers? Das ist nun wirklich heikel.«
»Möchten Sie, dass jemand anderes die Befragung übernimmt?«
»Wieso sollte ich? Das ist ihr Fall. Wir haben keine hauseigenen Diplomaten, die sich um solche Angelegenheiten kümmern. Ich vertraue auf Ihre Diskretion und Ihren Takt.«

Zum Mitraten eignet sich der Fall zwar nur bedingt, aber die durchaus sympathischen Figuren (insbesondere Wechsler) bieten ein weiteres Fundament zum Einstieg für Serienfreunde. Leser, die sich zudem für die Metropole Berlin interessieren, sollten ebenfalls zugreifen.

Jörg Kijanski, Mai 2014

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