Blut und Knochen von Stuart MacBride

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel Flesh House, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: Großbritannien / Schottland / Aberdeen, 1990 - 2009.
Folge 4 der Logan-McRae-Serie.

  • London: HarperCollins, 2008 unter dem Titel Flesh House. 544 Seiten.
  • München: Goldmann, 2009. Übersetzt von Andreas Jäger. ISBN: 978-3-442-47029-7. 544 Seiten.

'Blut und Knochen' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Als in einem Container im Hafen von Aberdeen menschliche Leichenteile in den Fleischvorräten für eine Bohrinsel gefunden werden, beginnt ein wahrer Alptraum. Offenbar ist der »Fleischer« zurück, ein Killer, der vor vielen Jahren seine Opfer im wahrsten Sinne des Wortes abgeschlachtet hatte. Ken Wiseman war damals zwar gefasst und verurteilt worden, ist seit einiger Zeit aber wieder in Freiheit. Bald werden weitere Leichenteile gefunden, und von einigen offenbar verschleppten Opfern fehlt jede Spur. Nur Unmengen von Blut zeugen von den unvorstellbaren Gräueln, die sich in ihrem Haus zugetragen haben müssen. Fieberhaft suchen Detective Logan McRae und seine Kollegen nach dem »Fleischer« – doch der ist ihnen stets einen Schritt voraus …

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein überschwängliches, maßloses Schlacht-Spektakel mit Hintertür« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Wer diesen Schotten schon einmal live erlebt hat, weiß: Stuart MacBride ist ein Schelm. Sein Humor ist trocken, manchmal derb, oft clever und häufig brachial. Seine Komik ist zudem auch die seiner Krimis. Und das sollte man bei Blut und Knochen (im Original Flesh House) immer im Hinterkopf behalten. Denn so ekelerregend, abstoßend, bluttriefend und schlicht shocking MacBrides vierter Logan-McRae-Fall auch wirken mag – man darf ihn nicht bierernst nehmen. Nie und nimmer.

Blut und Knochen ist auf den ersten Blick nämlich ein ganz gewöhnlicher (nicht harmloser!) Serienmörder-Thriller, wie er heutzutage en masse auf dem Buchmarkt vorkommt. Von der Grundidee ist er so nichtmals originell: 1987 trieb im schottischen Aberdeen »Der Fleischer« sein Unwesen. Diesen Spitznamen hatte er von der Presse schnell, weil er seine Opfer durch die (Schlacht-)Bank weg ausnahm und deren Fleisch in mundgerechte Portionen aufteilte und am Tatort hinterließ. Fiese, ganz, ganz fiese Geschichte, sicherlich. Auf eine lange Karriere konnte »Der Fleischer« glücklicherweise nicht zurückblicken, Ken Wiseman wurde geschnappt und verurteilt – befindet sich jetzt aber wieder auf freiem Fuß. Und es soll nicht lange dauern, bis im Industriehafen Aberdeens das erste menschliche Fleisch auftaucht und für DS Logan McRae und & Co. schlaflose Zeiten anbrechen.

Die nächsten dreihundert Seiten kommen dann erstaunlich bekannt vor und Überraschungen bleiben, zumindest was den Plot angeht, aus – der Modus operandi ist Usus: Ach, in einem Verlies mit Stahlwänden wird munter geschlachtet und zubereitet? Familienangehörige müssen dabei zusehen? Deswegen muss Stuart MacBride so tief in die Effektekiste greifen, dass das Blut förmlich von den Seiten tropft. Allein weil er dies extensiv tut – ja, durchaus bis zum Brechreiz! – verbietet sich ein Vergleich MacBrides mit Ian Rankin, wie ihn wenig einfallsreiche Kritiker schon seit einiger Zeit anstellen.

So weit, so unspektakulär das Schlacht-Spektakel. Aber erinnern wir uns, dass MacBride ein Schelm ist. Natürlich ist ihm bewusst, dass seine Zoten, Pointen und Sprüche umso besser funktionieren, je mehr er dazwischen schockt und Gefühlsextreme auslotet. Letzteres macht der Schotte so überschwänglich und vergnüglich, er überzeichnet das Brutale so enorm, er übertreibt so maßlos, dass man Blut und Knochen als Persiflage auf den Serialkiller-Roman lesen muss.

Denn: Das, was MacBride an bizarren Szenen entwirft, was er für herrlich verschrobene Charaktere zeichnet, ist nicht nur streckenweise zum Schreien komisch (eine ganz besondere Art des britischen Humors vorausgesetzt), sondern dazu auch noch äußerst intelligent. Beispielsweise, wenn Schriftstellerkollege Mark Billingham in Form des Chief Constable Mark Faulds auftaucht. Oder wenn DI Steel, lesbische Vorgesetzte mit dem Charme eines erbrochenen Yorkshire-Puddings, McRae dazu nötigt, am vermeintlichen Tatort einen Maden-befallenen Schafskadaver aus dem Weg zu räumen, weil sich hinter der offensichtlichen Leiche die wahre verbergen müsse – frei nach Reginald Hill und seinem Ermittlerduo Dalziel und Pascoe, die Steel munter-quarzend zitiert. Klare Sache, dass der Kadaver dieses Vorhaben mit einem glatten Kantersieg für sich entscheidet.

Noch abstruser und unpassender für einen Serienmörder-Thriller als Situationskomik wie diese wird es, wenn ein Reporter der BBC McRae und seine Kollegen auf Schritt und Tritt mit seiner Kamera verfolgen darf, die Cops sogar wie Laien-Schauspieler mittendrin ihre Auftritte einüben (wo MacBride die Textform gar Richtung Drehbuch abändert) und sich die Jungs der Grampian Police eine eigene Verfolgungsjagd hinterher gemütlich und mit Schenkelklopfen auf DVD anschauen – eine Verfolgsjagd mit immerhin einem Todesopfer. Nein, das kann nicht für bare Münze gelesen werden und wenn es dies nicht kann, sollte man es auch tunlichst bei der reinen Mörderjagd vermeiden.

Wer Blut und Knochen als Thriller à la Karin Slaughter lesen möchte, kann dies wohlbemerkt tun. Dass mehr als fünfhundert Seiten wie im Nu vergehen, dass sich Nackenhaare sträuben, dass man das Licht beim Lesen möglichst hell einstellt – das sind Ergebnisse davon, dass Stuart MacBride sein Handwerk perfekt beherrscht. Für diejenigen, die seinen vierten McRae-Krimi mit ordentlichem Abstand angehen, bietet Blut und Knochen neben einem makaber-morbiden Nervenkitzel Slapstick der Premier League. Und ganz nebenbei genügend Anreiz dazu, beim nächsten Wochenendeinkauf einen großen Bogen um den Metzger zu machen und dem Gemüsehändler um die Ecke den Vorrang zu geben.

Lars Schafft, Mai 2009

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Joe zu »Stuart MacBride: Blut und Knochen« 16.01.2012
Nachdem ich bisher alle drei Bücher gelesen habe, und sie alle super fand, war ich von diesem regelrecht enttäuscht. Es ist nicht nur ekelerregend, sondern schlicht und einfach langweilig. Ich hatte echt Zweifel, daß dieses Buch vom selben Autor geschrieben wurde, wie die ersten drei. Die an sich gut gezeichneten Charakterer wurde bis ins surreale karrikiert. Ich hoffe nnur, die beiden nächsten Bücher sidn wieder besser.
Krimitante zu »Stuart MacBride: Blut und Knochen« 13.01.2012
wie der titel es schon sagt: blut und knochen (und fleisch), in jedem kapitel, ja fast auf jeder seite. drastisch, heftig und für mich, eindeutig zu viel davon. ich habe mich gefragt wo der mcbride aus den vorgängerbänden, dieser serie, geblieben ist. denn, dass er so viel schiere, unnötige brutalität, nicht nötig hat, hat er dort bewiesen. zudem ist das ende etwas konstruiert. ich werde die folgenden bände nur wegen der ersten beiden lesen. denn er kann´s ja wesentlich besser.- hoffe ich...
martin zu »Stuart MacBride: Blut und Knochen« 09.09.2011
eigentlich ein extrem spannendes und von schwarzem humor durchzogenes buch. eigentlich.
die story ist durchgehend spannend, die charaktere sind schräg gezeichnet.
ABER: die beschreibung der morde (en masse) finde ich so ekelhaft, dass ich mich dazwischen immer gefragt habe, warum ich sowas lese. auch, wenn macbride offenbar das thema serienmörder bis zum geht-nicht-mehr mit seiner speziellen art ausreizen will, bin ich da wirklich an meine grenzen gestoßen.
ohne der maßlosen übertreibung würde ich 95 grad vergeben, so sind es 75 geworden.
Angela1607 zu »Stuart MacBride: Blut und Knochen« 15.04.2011
Das ist mein erster MacBride und definitiv nicht der letzte. Die Story ist rasant und spannend, ein bissl weniger Blut hätte es schon sein können, aber das tut der Story keinen Abbruch.

Absolut genial find ich die schrullige Vorgesetzte von Logan, die haut jedem ein paar Sprüche um die Ohren sodass man zwischendurch auch was zu lachen hat :-D

Bis vor ein paar Minuten wußte ich gar nicht dass es eine Reihe von Logan McRae gibt.werd ich mir wohl mal zulegen müssen.

Meine Wertung: 89°
Schrodo zu »Stuart MacBride: Blut und Knochen« 30.12.2010
Als in einem Container im Hafen von Aberdeen menschliche Leichenteile in den Fleischvorräten für eine Bohrinsel gefunden werden, beginnt ein wahrer Alptraum. Offenbar ist der »Fleischer« zurück, ein Killer, der vor vielen Jahren seine Opfer im wahrsten Sinne des Wortes abgeschlachtet hatte. Ken Wiseman war damals zwar gefasst und verurteilt worden, ist seit einiger Zeit aber wieder in Freiheit. Bald werden weitere Leichenteile gefunden, und von einigen offenbar verschleppten Opfern fehlt jede Spur. Nur Unmengen von Blut zeugen von den unvorstellbaren Gräueln, die sich in ihrem Haus zugetragen haben müssen….
Herrlich sarkastisch und überspitzt dargestellte Charaktere, angefangen bei der kettenrauchenden Kampflesbe Steel über den Obercholeriker und Gummibärchen mampfenden Insch, bis hin zum Hauptdarsteller und everyones „Prügelknabe“, Ich-mach’s-jedem-Recht, Logan McRae.
Die reichlich trash-ige Geschichte pflügt mit ziemlichem Tempo durch das Buch. Blut, Knochen und natürlich Leichen gibt’s jede Menge im Verlauf der Story. Es wird gemordet, gemeuchelt und geschlachtet was das Zeug hält. Aber wenn sie nun glauben sie haben hier einen schockierenden, blutigen, abartigen Thriller, so sind sie schon ein wenig auf dem Holzweg. Hört sich alles viel schlimmer an, als es in Wirklichkeit ist. Herr MacBride schafft es mit einer Mischung aus Thriller mit schwarzem Humor und seiner teilweise sehr sarkastisch, ironischen Schreibeweise, das Grauen weitestgehend von den Köpfen der Leser fern zu halten.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Jenny zu »Stuart MacBride: Blut und Knochen« 19.12.2010
Vor weg muss ich sagen, dass ich seit einigen Jahren kaum ein Buch gelesen habe. Ich fand dieses Buch in einem Supermarkt und habe es einfach mit genommen.Blut und Knochen finde ich von anfang bis Ende spannend. Es ist definitv ekeleregend und mich hat es an so einigen Stellen geschaudert. Ich finde den Schreibstil von MacBride einfach nur super und vorallem humorvoll an manchen Stellen. Er hat so eine witzige Beschreibungen, wie z.B. "90cm bebendes Fett" ist mir bis jetzt in Erinnerung geblieben.
Besonders das Ende ist echt super spannend gestaltet. Ich habe teilweise 3-4 Stunden am Stück gelesen, weil ich es einfach nicht weglegen konnte.
Einige bemängeln, dass die Story zu rasant ist, aber genau das mag, man liest immer mehr und schneller, um endlich zu wissen, wie es aus geht! Ich kann dieses Buch einfach nur empfehlen.
wilson zu »Stuart MacBride: Blut und Knochen« 02.09.2010
Die Geschichte kam bei mir ziemlich langsam in fahrt, die letzten hundert Seiten waren aber durchaus spannend, das Ende enttäuschend. Am meisten gestört hat mich, dass ich beim lesen ständig das Gefühl hatte, ich lese die Livebeschreibung einer billigen Krimi-Serie. Zu Trivial, zu platt und statt einer cleveren Geschichte, ein simples aneinanderreihen von zugegeben recht heftigen Schlachterszenen. Den erwähnten 'Slapstick der Premier League' habe ich nicht wirklich gefunden, hin und wieder ein Lacher, das wars. In Erinnerung bleibt mir das Buch für den wirklich aus dem vollen geschöpften Versuch, das Serienkillerthema bis zum geht nicht zu überreizen.
Anja zu »Stuart MacBride: Blut und Knochen« 25.06.2010
Bei diesem Buch war es vielleicht von Vorteil, dass ich Vegetarierin bin (-:
Für mich ist ein Buch immer dann genial, wenn ich es nicht mehr aus den Händen legen kann. Bei diesem war das der Fall und wenn mir nachts nicht die Augen zugefallen wären, dann hätte ich es auch schneller fertig gelesen gehabt. Für mich war es der 4. MacBride und ich reue mich schon jetzt auf den nächsten. Ich lese die Bücher gerne in chronologischer Reihenfolge und auch bei dieser Reihe empfiehlt sich das sehr. Ich kann mir, durch die genaue Beschreibung der Charaktere, die Personen sehr gut vorstellen. Rankin ist genial und MacBride kommt sehr Nahe an ihn ran.
fuchs72 zu »Stuart MacBride: Blut und Knochen« 08.01.2010
Blut und Knochen ist mein erster Roman von Stuart McBride, und auch einer der wenigen Thriller, die ich bisher gelesen habe. Zugegeben, anfangs hab ich es bereut, die Buchempfehlung angenommen zu haben, die Beschreibung war mir doch etwas zu blutig. Normalerweise esse ich gern was beim Lesen. Das hab ich hier gelassen. Doch die Spannung war so groß, dass ich das Buch einfach nicht weglegen konnte. Besonders interessant finde ich, dass es in so einer Geschichte trotzdem Passagen gibt, über die man herzlich lachen kann. Vielleicht ist das aber auch nur die aufgestaute Hysterie. Mir gefiel am Besten der abschließende Kommentar von Insch zum Bild von Margareth Thatcher. Zeitweise habe ich etwas den Überblick über die Opfer verloren, zum Wer und Wann, aber das liegt vielleicht daran, dass ich das Buch zu schnell gelesen habe, um endlich voranzukommen und somit zum wahren Täter. Und das finde ich das Spannende daran, man muss ständig seine Meinung revidieren, wer dafür in Frage kommt. Es ist doch langweilig, wenn man schon von Anfang an weiß, dass am Ende "immer der Gärtner der Mörder ist". Und ich weiß es noch immer nicht, denn ich bin noch nicht ganz durch. Aber ich werde auf alle Fälle auch die anderen drei Bücher des Autors lesen, mit der vagen Hoffnung, dass sie vielleicht nicht ganz so anschaulich mit roter Farbe gemalt sind.
mineline zu »Stuart MacBride: Blut und Knochen« 01.01.2010
Geniales Buch. Spannung bis zum Schluß und endlich nach langem wieder ein Buch, wo man nicht gleich im dritten Kapitel weiß, wer nun wirklich der Mörder ist.
Es ist richtig, das wahnsinnig viel Blut fließt, aber ich glaube, damit ist zu rechnen, wenn man den Titel betrachtet.
Also, ich bin endlos begeistert und fast traurig, das ich bereits mit Blut und Knochen fertig bin.

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