Vergebung von Stieg Larsson

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel Luftslottet som sprängdes, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Heyne.
Folge 3 der Lisbeth-Salander-Serie.

  • Stockholm: Norstedt, 2007 unter dem Titel Luftslottet som sprängdes. 848 Seiten.
  • München: Heyne, 2008. Übersetzt von Wibke Kuhn. ISBN: 978-3-453-01380-3. 848 Seiten.
  • München: Heyne, 2009. Übersetzt von Wibke Kuhn. ISBN: 978-3-453-43406-6. 861 Seiten.
  • München: Heyne, 2010. Übersetzt von Wibke Kuhn. ISBN: 978-3-453-50387-8. 861 Seiten.
  • [Hörbuch] Bergisch Gladbach: Schall & Wahn, 2009. Gesprochen von Dietmar Bär. ISBN: 3837100421. 8 CDs.

'Vergebung' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Mit einer Kugel im Kopf wird Lisbeth Salander in die Notaufnahme eingeliefert. Sie hat den Kampf gegen Alexander Zalatschenko, berüchtigter Drahtzieher mafiöser Machenschaften, ein weiteres Mal knapp überlebt. Aber wird sie gegen den schwedischen Geheimdienst bestehen können, der alle Kräfte mobilisiert, um sie ein für alle Mal mundtot zu machen? Zu groß ist die Gefahr, dass sie die Verbindung zwischen Zalatschenko und  der schwedischen Regierung aufdeckt. Unterdessen arbeitet Mikael Blomkvist unter Hoch- druck daran, Salanders Unschuld zu beweisen. Es fehlen nur noch wenige Details, und er wird das Komplott gegen Salander aufdecken. Auch als seine Ermittlungen von höchster Stelle massiv behindert werden, führt Blomkvist seine Arbeit un beirrt fort. Er weiß genau, dass er nur noch diese eine Chance hat, um Lisbeth Salander zu retten. 

Das meint Krimi-Couch.de: »Die hohe Erwartungshaltung vollauf erfüllt« 96°Treffer

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Endlich ist er da – der Abschlußband Vergebung von Stieg Larssons Millennium-Trilogie, dessen ersten beiden Teile das Krimi-Publikum durchweg begeistern konnten. Vergebung beginnt genau dort, wo Verdammnis endete, und wer die Vorgängerbände noch nicht kennt und sich den Spaß nicht nehmen lassen will, der sollte hier erst beim nächsten Zwischentitel weiterlesen.

Nachdem Lisbeth Salander die Auseinandersetzung mit ihrem Vater, dem russischen Spion Alexander Zalatschenko alias Karl Axel Bodin sowie ihrem Bruder, dem brutalen Killer Ronald Niedermann mehr tot als lebendig mit einer Kugel im Gehirn überstanden hat, kämpft sie nun im Göteborger Krankenhaus um ihr Leben. Dreier Morde wurde sie beschuldigt und von der schwedischen Polizei gejagt. Doch ihre Unschuld ist noch immer nicht erwiesen. Auch Zalatschenko liegt mit schweren Verletzungen, die ihm Lisbeth in Notwehr mit einer Axt beigebracht hat, im gleichen Krankenhaus. Nachweisen kann man ihm seine schweren Verbrechen jedoch nicht. Im Gegenteil: er beschuldigt seine Tochter Lisbeth des Mordversuchs an ihm.

Niedermann wurde zwar vom Journalisten Mikael Blomkvist unschädlich gemacht, doch der Unfähigkeit eines Polizeibeamten ist es zu verdanken, dass sich der Killer befreien konnte, dabei einen weiteren Polizisten tötete, und nun auf der Flucht ist. Lisbeth Salander wird im Krankenhaus aufgrund ihres bevorstehenden Prozesses abgeschirmt und Blomkvist ist weitgehend auf sich allein gestellt in seinem Bestreben, Lisbeths Unschuld und vor allem ihre psychische Gesundheit zu beweisen und die wahren Schuldigen zu überführen. Natürlich nicht ganz uneigennützig, denn für seine Zeitschrift »Millennium« soll dies eine Riesenstory werden.

Doch auch Mitglieder der SiPo, der Schwedischen Sicherheitspolizei, sind in die Verbrechen verwickelt. Und die kämpfen gegen Blomkvist und dessen Verbündete mit harten Bandagen …

Die Millennium-Trilogie zählt zu den Meilensteinen des Krimi-Genres

Selten bin ich mit einer solch hohen Erwartungshaltung an ein Buch herangegangen wie hier, wussten doch die beiden Vorgängerbände in allen Belangen zu überzeugen. Wurde in diesen beiden Romanen des öfteren die lange Einleitung als einer der wenigen Kritikpunkte genannt – was ich persönlich nicht nachvollziehen kann -, so dürfte hier diesbezüglich nicht zu meckern sein, denn es geht gleich in medias res.

Die Handlung lebt von Larssons faszinierenden Charakteren. Eine Protagonistin wie Lisbeth Salander sucht aufgrund ihrer Unangepasstheit, ihrer Intelligenz sowie ihrer sozialen Verantwortungslosigkeit ihresgleichen, genießt sie doch trotz ihrer negativen Eigenschaften die volle Sympathie des Lesers. Mikael Blomqvist als Kontrapunkt bildet mit ihr ein »Team« zweier Eigenbrötler, das verschiedener, aber dennoch auch ähnlicher nicht sein könnte. Auch die Nebendarsteller hat der Autor exquisit gezeichnet. Eine Erika Berger brilliert über die gesamte Reihe hinweg. Mikaels Schwester Annika Giannini als Lisbeths Anwältin, Susanne Linder und Monica Figuerola tragen ihren Großteil zum Genuss von Vergebung bei. Doch auch die Charaktere auf der anderen Seite sind nicht einfach nur Bösewichte, sondern Figuren mit Tiefgang.

Mehr noch als in den bisherigen Bänden geht Larsson auf die schwedische Politik der vergangenen fünfzig Jahre ein und kritisiert das Demokratieverständnis der Verantwortlichen.

Des Weiteren kann ich den Grundtenor meiner Rezension zu Verdammnis hier wiederholen: Spannung pur, harte Action, schnelle Szenen- und Perspektivwechsel, eine intelligent konstruierte Handlung, die bis in die letzten Einzelheiten durchdacht ist und bei der am Ende jeder Faden aufgedröselt wird, so dass für den Leser auch wirklich keine Fragen offen bleiben.

Abschließend muß man sagen, dass Vergebung die hohe Erwartungshaltung vollauf erfüllen konnte. Stieg Larsson begeistert den Leser auf den 850 Seiten des Romans, wie es selten ein Autor schafft. Die Millennium-Trilogie zählt für mich bereits jetzt zu den Meilensteinen des Krimi-Genres. Mehr noch als beim Vorgänger ist jedoch die Reihenfolge der Serie zu beachten. Verdammnis ohne Verblendung – das war im Prinzip machbar. Vergebung ohne Verdammnis – das ist absolut nicht zu empfehlen. Wer den zweiten Band der Reihe nicht gelesen hat, dem fehlt einfach zu viel, um in den vollen Lesegenuss zu kommen.

Peter Kümmel, April 2008

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Rainer Büchner zu »Stieg Larsson: Vergebung« 21.10.2015
mich wundert etwas, dass niemand darauf hinweist: für Lisbeth gibt es ein vorbild in der krimi-literatur. Kay
Scarpettas Lucy in den romanen von Patricia Cornwell. so ganz hat Stieg Larsson also diese figur nicht erfunden. er hat sie eher verschärft. macht ja nichts, aber man sollte es erwähnen, finde ich.
PMelittaM zu »Stieg Larsson: Vergebung« 06.09.2015
Nachdem im letzten Band Lisbeth Salander schwer verletzt wurde und nur gerade so überlebt hat, liegt sie nun im Krankenhaus und steht zudem weiter unter Mordverdacht. Auch der Angriff auf ihren Vater, der im selben Krankenhaus liegt, wird ihr zur Last gelegt. Mikael Blomkvist tut alles, um Lisbeth zu helfen …Der dritte und letzte Teil der Millenium-Trilogie hat es wieder in sich. Er schließt direkt an die Geschehnisse aus „Verdammnis“ an. Stieg Larsson erzählt sehr komplex und gesellschaftskritisch und dennoch hochspannend, so dass man diesen Roman (wie auch die beiden vorhergehenden) kaum aus der Hand legen mag. Mir hat unglaublich gut gefallen, dass es in diesem Roman mehr und mehr Menschen gibt, die bereit sind, sich auf Lisbeths und Mikaels Seite zu stellen, so dass der Roman bei allem Üblen, was passiert, dennoch eine eher positive Stimmung aufbaut.Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist sind zwei sehr interessante, nicht eher unzugängliche und sehr komplexe Charaktere, die der Autor dem Leser perfekt nahe bringt. Auch die anderen Charaktere sind gut durchdacht, sie wirken durchgehend authentisch. Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, so dass der Leser mitunter schon mehr weiß als die Protagonisten, was aber der Spannung keinen Abbruch tut, im Gegenteil, es liefert Gründe zum Mitzittern.War „Verblendung“ noch eigenständig zu lesen, sollte man „Verdammnis“ und „Vergebung“ unbedingt in der richtigen Reihenfolge lesen. Auch wenn der Autor eigentlich noch weitere Bände verfassen wollte, schließt „Vergebung“ die Trilogie zufriedenstellend ab. Dass dennoch geplant wurde, einen weiteren Band schreiben zu lassen, hat mich zunächst überrascht. Mittlerweile ist „Verschwörung“ erschienen, lesen werde ich ihn auf jeden Fall und bin schon gespannt, ob er annähernd an Stieg Larssons Romane heranreicht.Von mir bekommt „Vergebung“, wie auch die ganze Trilogie, eine uneingeschränkte Leseempfehlung. Diese Romane sind absolute Highlights und jeder sollte sie gelesen haben.
Eule Buer zu »Stieg Larsson: Vergebung« 30.07.2015
Ich stimme Herrn Peter Zenker zu. Er hat vollkommen recht. Beim ersten Teil hatte ich so meine Schwierigkeiten, aber nach 50 Seiten hat es bei mir klick gemacht und ich bin süchtig geworden und habe mir den zweiten und dritten Teil geholt, bevor ich den ersten Teil überhaupt bis zur Hälfte gelesen habe. Ich bin ja der Meinung, man sollte ganz ohne Vorurteile an ein Buch gehen und sich seine Meinung bilden, wenn man das Buch gelesen hat. Herrn David Lagercrantz kenne ich nicht, habe noch nie ein Buch von ihm gelesen, kann mir aber also kein Urteil über ihn und seine Bücher erlauben. Aber irgendwie habe ich was gegen die Fortsetzung der Millenium-Trilogie von Stieg Larsson. Denn nur Herr Larsson könnte diese Serie fortsetzen und kein anderer. Man kann ja immer behaupten, die Fortsetzung wäre im Sinne von Herrn Larsson. Aber trotzdem interessieren mich die Meinungen der Leser, die den vierten Teil von Herrn Lagercrantz gelesen haben.
Peter Zenker zu »Stieg Larsson: Vergebung« 30.07.2015
Das sind 3 super Krimis, die man auf einen Sitz lesen musste. Danach als Film nochmals aufwärmen, aber leider fallen beim Film jede Menge Details unter den Tisch, aber das ist halt Film.
Jegliche Kritik bzgl. evtl. Wiederholung oder Kaffee machen sind kleingeistig und werden den Romanen in keinster Weise gerecht.
Jeder Roman für sich ein Krimi Kunstwerk als Trilogie nicht zu toppen.
Da kommt zu keiner Sekunde Langeweile auf.


Angeblich gäbe es ja noch Band 5 u. 6, die der Stieg Larsson vor seinem Tod noch verfasst, aber da streiten Witwe und Verlag. seit 2007 und geht nichts voran
mfg
Peter
Sina zu »Stieg Larsson: Vergebung« 26.06.2015
Stieg Larsson - VergebungAnders als meine Vorredner muss ich zuerst gestehen, dass ich oft quergelesen habe, weil mir manches zu langatmig erschien.
Ich erinnere nur an die stets wiederkehrenden Floskeln: er/sie kochte sich einen Kaffee und machte sich belegte Brote.Aber dies ist wahrscheinlich "meckern" auf hohem Niveau.
Insgesamt fand ich alle drei Bücher gut geschrieben und die Figur Lisbeth Salander spannend dargestelt.
Jedoch gehörtJusse Adler Olson zu meinen absuluten Favoriten. Aber dies ist ja mein persönliches Empfinden.
Zitronenfalter zu »Stieg Larsson: Vergebung« 23.09.2014
Ich finde es nachvollziehbar, dass einige Leute hier Probleme mit Stieg Larsson haben. Vorweg: ich kannte ihn - dem Namern nach, nicht persönlich - , bevor er Romane schrieb. Nämlich von Expo.

Und das scheint mir Teil des Problems zu sein: Larsson saugt sich nichts aus den Fingern, sondern schreibt über die Realität - wer das nicht glauben mag, kann ja mal bei Wiki nach "SiPo" oder dem "Palme-Mord" suchen. Das Leitmotiv der Trilogie - Gewalt gegen Frauen - mag auch einigen nicht bekömmlich sein, ist aber Realität.

Mir gefällt der letzte Teil der Reihe am wenigsten. Das ist wirklich zu konstruiert und unglaubwürdig - wann wären jemals Geheimdienstler irgendwo öffentlich vorgeführt worden? Und hätten nicht bemerkt, dass sie selbst überwacht werden?
Andererseits enthält der Band wiederum so viele erschreckende Hinweise über NSA und Konsorten, dass er allein schon deshalb Pflichtlektüre sein sollte.

Insgesamt natürlich wieder Lesesog et.all., aber von mir nun wirklich nur 95°.
Stefan83 zu »Stieg Larsson: Vergebung« 20.01.2013
Man kann zu ihm und seinen Werken stehen, wie man will. Fakt ist: Stieg Larrson hat mit seiner „Millennium“-Trilogie nicht nur zur Wiederauferstehung des skandinavischen Kriminalromans beigetragen (ob z.B. Jussi Adler Olsen heute ohne Larssons Vorarbeit einen derartigen Erfolg verzeichnen würde, ist mehr als fraglich), sondern auch viele ehemalige Leser zurück zum Buch geholt und dabei gleichzeitig für reichlich Diskussionsstoff gesorgt. Während die einen den langatmigen Beginn der drei Bände genauso bemängeln wie die überzeichneten Charaktere, sind es bei anderen gerade diese Kritikpunkte, welche als Detail- und Einfallsreichtum hoch gelobt werden. Gerade der rund um die Romane entstandene Hype, macht es schwer bis unmöglich, sie richtig zu bewerten, den posthumen Erfolg Stieg Larssons einigermaßen objektiv einzuordnen. Allein der „Bestseller“-Aufkleber lässt schon bei vielen Krimi-Kennern die Alarmglocken läuten, ist diese „Auszeichnung“ doch oft gleichbedeutend mit fadem, ideenlosem Mainstream. Und gerade hier, so zumindest, meine Ansicht, ist Stieg Larsson die Ausnahme von der Regel.

Richtig, seine literarischen Stilmittel sind nicht selten limitiert, der künstlerische Anspruch nur schwer vergleichbar mit Genre-Größen wie James Ellroy, Ross Thomas oder Don Winslow. „Gourmets“ bekommen daher vielleicht eher wenig geboten. Rechnet man das Ganze aber mal auf die grundlegende Aufgabe des Krimis, nämlich Spannung zu erzeugen, herunter, ergibt sich ein ganz anderes Bild. Hier hat Stieg Larsson mehr als nur seine Aufgaben gemacht – er hat neue Maßstäbe gesetzt. Und diese führt er konsequent in „Vergebung“ zum Abschluss, dem ursprünglich nicht als solches geplanten Ende einer der bemerkenswerten Trilogien der letzten Jahre – und einem Meilenstein des Genres.

Die Handlung knüpft nahtlos an die Ereignisse von „Verdammnis“ an, weshalb die Reihenfolge, noch mehr als beim Vorgänger, unbedingt einzuhalten ist, um sich nicht den Lesespaß schon im vorneherein zu nehmen.

Lisbeth Salander hat die Auseinandersetzung mit dem russischen Spion Alexander Zalatschenko und dessen Handlanger Ronald Niedermann überlebt. Mit schwersten Schussverletzungen am Kopf liegt sie im Göteborger Krankenhaus, wo die Ärzte alles in ihrer Macht stehende tun, um sie zu retten. Während sich Salander nur langsam erholt, sammeln sich außerhalb ihres Zimmers bereits die Feinde. Dreier Morde beschuldigt wird sie immer noch polizeilich gesucht. Und auch Zalatschenko, der im gleichen Krankenhaus untergebracht ist, will Anklage wegen Mordversuchs erheben. Allein Mikael Blomkvist kämpft, weitestgehend auf sich allein gestellt, an ihrer Seite. Gemeinsam mit seiner Schwester, der Anwältin Annika Giannini, bereitet er sich auf den bevorstehenden Prozess vor, in dem er Lisbeths Unschuld genauso beweisen will, wie ihre psychische Gesundheit. Doch der Weg dahin ist steinig und hart.

Zalatschenko, als ehemaliger Informant des Geheimdienstes inzwischen ein Staatsrisiko, ist, wie Lisbeth Salander, ins Visier einer Gruppe der Schwedischen Sicherheitspolizei gerückt, welche alles daran setzt, ihre alte Verbrechen zu vertuschen. Ein erbarmungsloser Wettlauf um die Wahrheit beginnt …

Dies ist wohlgemerkt nur ein kurzer Anriss der eigentlichen Handlung, die viel zu komplex ist, um sie mit nur wenigen Worten beschreiben zu können. Statt einem einzigen roten Faden gibt es hier gleich ein Dutzend Stränge, welche sich ineinander verzweigen und die Ereignisse immer wieder aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. Auffällig ist dabei Larssons Kunst, keinen dieser Nebenschauplätze als Mittel zum Zweck verkommen oder gar im Nichts versanden zu lassen. Ganz im Gegenteil: Ein jedes kleines Rädchen greift hier in das andere, hat seinen Platz in diesem gewaltigen Gefüge, welches mit jeder weiteren Zeile unaufhaltsam auf das explosive Finale zusteuert. Egal mit wie vielen verschiedenen Ebenen Larsson jongliert – nie verliert er den Überblick oder gar ein kleines Detail aus dem Auge. Mit schon beängstigender und an Besessenheit grenzender Genauigkeit wird jeder Faden am Ende aufgelöst. Selten habe ich ein Buch gelesen, dessen intelligent konstruierte Handlung derart durchdacht vorgetragen wurde, wie in „Vergebung“.

Es ist diese Liebe zum Detail, welche Larssons „Millennium“-Trilogie, zumindest in meinen Augen, komplettiert. Die vielen kleinen Geschichten im Schatten und doch im Kontext des großen Ganzen sind es, die den Büchern letztlich ihre Tiefe verleihen. Sicherlich geht dieser Reichtum an Einzelheiten auf Kosten der kurzweiligen Action. Von Langatmigkeit kann aber, auch angesichts der schnellen Szenen- und Perspektivwechsel, keinerlei Rede sein. „Vergebung“ ist, wie schon „Verdammnis“, ein derbes, kantiges, oft brutales Stück Spannungsliteratur, dessen Wendungen in einigen Passagen zwar die Glaubwürdigkeit arg strapazieren, nie aber ihre Wirkung verfehlen.

Wer von Anfang an am Ball bleibt, sich auf alles einlässt und nicht nur das Geheimnis um Salander näher ergründen will, bekommt eine Mischung aus Polit- und Justiz-Thriller geboten, die sich über die volle Distanz genießen lässt. Eine jede Figur trägt hier ihren Teil als Steinchen im Mosaik bei, sorgt für diese gewisse Prise Realismus, welche uns Leser mitfiebern, mitleiden und mittrauern lässt. „Vergebung“ ist voller großer Momente und dramatischer Szenen, voll von Pathos und doch gleichzeitig auch von menschlicher Sensibilität. Stieg Larsson ist somit eine meisterhafte Gratwanderung gelungen, die man natürlich kritisieren, aber in vielen Dingen auch kaum besser machen kann. Einziger negativer Aspekt in meinen Augen: Die Waagschale kippt doch im letzten Band sehr zu Gunsten der „Guten“, welche, den in „Vergebung“ inzwischen nicht mehr unsichtbaren Feinden, stets eine Nasenlänge voraus sind, worunter das Spannungsmoment leider, zumindest im Vergleich zu „Verblendung“ und „Verdammnis“ etwas leidet.

An der Gesamtwertung ändert das letztlich aber kaum etwas. Stieg Larssons viel zu früher Tod beendet mit „Vergebung“ frühzeitig eine außergewöhnliche Reihe mit zwei noch außergewöhnlicheren Hauptcharakteren, an denen sich künftige Kriminalromane, nicht nur aus Skandinavien, messen lassen müssen. Ein großes, beeindruckendes und lange nachwirkendes Leseerlebnis – derart begeistert hat mich schon lange kein Autor mehr in die Wirklichkeit entlassen. Chapeau und Tack så mycket, Herr Larrson!
Karsten L. zu »Stieg Larsson: Vergebung« 04.01.2013
Das einzig Gute an Stieg Larsson ist, dass er recht früh gestorben ist und somit nichtnoch mehr von diesem fürchterlichen Kram veröffentlichen konnte.

Wie seine anderen (überflüssigen) Bücher platzt auch dieses vor überbordender Moral und trieft vor politischer Korrektheit. Das dürfte auch der einzige Grund sein, weswegen seine Bücher veröffentlicht wurden: Wer so stark moralisiert und politisch korrekt ist, der darf wohl nicht übergangen werden.

Dafür ist er unfähig, einen Spannungsaufbau und eine glaubhafte Persönlichkeitsentwicklung seiner Handlungsträger hinzubekommen. Die Entwicklung und der Ausgang der Geschichte ist absehbar, die Nebengeschichten überflüssig und langweilig.
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Mr.Crime zu »Stieg Larsson: Vergebung« 12.09.2012
Der letzte Band der Trilogie von Stieg Larsson fesselt, wie seine beiden Vorgänger, von der ersten bis zur letzten Seite. Es ist wie ein Sog, dem man nicht entrinnen kann. Der Abschluss der Millenium-Trilogie bietet Nervenkitze auf höchstem Niveau. Die Charakteren haben Tiefgang und sind nicht alleine auf Blomkvist und Salander beschränkt. Viele schnelle Szenenwechsel die schlussendlich zum ganz grossen Showdown im Richtersaal führen.

Fazit: Es fällt sehr schwer das Buch zur Seite zu legen, bis endlich alles geklärt ist. Leider ist nach diesem Thriller endgültig Schluss und vorbei. Jammerschade.
Ich verneige mich vor dieser fesselnden „Schreibhöchstleistung“, ein Meilenstein des Krimi-Genres!
Rolf Müller zu »Stieg Larsson: Vergebung« 19.08.2012
Rolf Gerhard,kann mich mit meiner Meinung weder Sandra Schäfer noch Bebe anschließen.
Habe die Verdammnis gelesen und die Fernsehserie gesehen.
Bin nach wie vor begeistert, aber auch traurig darüber, dass es das vierte Buch, wie kürzlich im Spiegel angedeutet, nicht geben wird. Ich finde, Eva Gabrielsson, sollte doch doch mit Joakim Larsson einen Kompromiss finden, damit man vielleicht doch noch erfahren kann, wie Lisbeth Salander im Leben weiterkommt.
Natürlich bin ich auch, obwohl schon ein alter Mann, von Lisbeths Handeln, Noomi Rapace als Darstellerin finde ich phänomenal.
Wenn Sandra Schäfer oder Liane die Bücher auf den Flohmarkt geben wollen, sollen sie sie mir schicken, ich kauf sie ab.
Für mich steht Larsson auf einer Stufe mit Henning Mankel.
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