Der geheimnislose Junge von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2009
bei Eichborn.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Köln, 1990 - 2009.
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Frankfurt am Main: Eichborn, 2009.
ISBN:
978-3-8218-5849-4. 510 Seiten.
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München: btb, 2011.
ISBN:
978-3-442-74135-9. 512 Seiten.
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[Hörbuch] Frankfurt am Main: Eichborn, 2009.
Gesprochen von Matthias Keller.
ISBN:
3-8218-6318-8. 7 CDs.
'Der geheimnislose Junge' ist erschienen als
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In Kürze:
Packend, düster und voller dramatischer Wendungen – in seinem ersten Fall versucht der Kölner Kommissar Zbigniew Meier das Geheimnis eines verschwundenen Jungen zu lösen. Ein Essen mit den Eltern seiner jugendlichen Freundin? Zbigniew, sprich Dz-big-niäff, Meier, Hauptkommissar im KK51 der Kölner City-Polizei Stolkgasse, hat ziemlich schlechte Laune, bevor er von seinem türkischen Kollegen Zeynel in einen vermeintlichen Routinefall hineingezogen wird: Ein Junge wird von seinen Eltern vermisst. Je mehr Meier über das vermögende Elternhaus und den wohlbehüteten Schüler eines Kölner Elitegymnasiums in Erfahrung bringt, desto sicherer ist er, dass der 15-jährige Timo einfach abgehauen ist. Kurz darauf wird in Turin der Torso eines Jungen gefunden, der missbraucht und grausam verstümmelt wurde. Auf seinem Rücken eingezeichnet: eine Karte von Frankreich. Und obwohl der tote Junge nicht Timo ist, glaubt Zbigniew Meier an einen Zusammenhang. Auf eigene Faust macht er sich auf den Weg nach Houlgate in der Normandie – an jenen Ort, an dem Timo mit seiner Familie den letzten Urlaub verbracht hat und an dem sich sein Leben entscheidend verändern sollte.
Brüggenthies beschreibt amüsante Momentaufnahmen. Wie in der Anfangsszene, in der er seine Leser lange Zeit im Unklaren darüber lässt, wer da seine Monatskarte in der falschen Hose vergessen hat und vom Kontrolleur aufgefordert wird, die U-Bahn zu verlassen. Und der Übeltäter kommt auch noch davon. Auch wenn die Pointe oftmals sitzt, unterstreichen die ersten Seiten bereits den Hang des Autors zur Ausdauer.
Nachdem sein Held Zbigniew Meier von Bonn nach Köln gezogen ist, heißt der liebste Kollege ausgerechnet Zeynel Aspendos. ZZ Top halt. Nicht der letzte Verweis auf die Musikszene. Das mag der Marotte entspringen, sich ironisch gebrochen von bereits bewährten ermittelnden Paaren abzugrenzen. Der Autor rückt im Verlauf die alltägliche Polizeiarbeit verdächtig nahe an den Versuch, Lokalkolorit via fernsehgerechter Tatortgenauigkeit zu erzeugen. So stellt man sich das Leben da draußen vor. In ihren Büros. Die Herren Kommissare. Köln. Die Häuser der Reichen. Ihr leicht unterkühlter Umgang mit sich selbst. Derrick lässt grüßen.
Donnerstags von 17 bis 19 Uhr
Zwischendurch bricht Brüggenthies scheinbar das Klischee, indem er seinem Zbigniew eine Affäre mit einer Siebzehnjährigen andichtet.
Das Mädchen hat genug Krimis gesehen, sie begriff, wie es war als Kriminalbeamter.
Und dann geht sie ihm an die Hose und befriedigt seine Männerphantasie. Wie die Mädchen halt so sind mit siebzehn. Unbedarft. Naiv. Immer auf einen Spaß aus und fordernd, nach vorne stürmend. Sie wird als frühreif bezeichnet, stattet den Kommissar gleich mit dem Makel aus, mit einer Minderjährigen geschlafen zu haben, und lässt ihn als jemanden dastehen, der selbst gegen das Gesetz verstößt. Der lieben Lust wegen. Und das vor dem Hintergrund der Ermittlungen gegen einen Pädophilenring.
Die Dialoge klingen häufig bemüht. Der Blick des Ermittlers ist en détail geschärft, doch die Beschreibung farblos bis hin zur bloßen Aufzählung. Die Geschichte wirkt, als nehme ein Sozialarbeiter den Leser an die Hand und führe ihn durch eine Hard Boiled Geschichte, in der weder die Pubertät, noch die Vereinsamung, noch der seelische Abgrund fehlen darf. Auch wenn das vermeintliche Opfer nicht das Opfer ist, verpuffen die Überraschungen in den Untiefen zu großer Längen. So schimmert selbst Kölns rosarotes Wölkchenspektakel vor allem wegen den Braunkohlekraftwerken in der Nähe so anziehend. Alles birgt ein Geheimnis, vertraue dich bloß nicht dem Himmel an.
Über den Dächern von Köln regiert der Blickkontakt
Der 1968 in Münster geborene Brüggenthies schreibt Drehbücher und ist Komponist für Filmmusik. Er will genau sein. Von der Hildegardschule mit der stereotypen Schulleiterin, über Eltern, die ihrem Jungen verbieten in die erste Etage zu gehen, wenn sie sich außer Haus befinden, über einen Fünfzehnjährigen, der scheinbar alles tut, was ihm geheißen wird, bis hin zur schleppend ereignislosen Diskussion in der Teambesprechung des KK51.
Da hilft nur die Intuition weiter. Eine Gabe, die bei Zbigniew Meier sehr ausgeprägt ist. Irgendwie muss der Fall ja gelöst werden. Wunder fallen so selten vom Himmel. Sie führt ihn schließlich bis in die Normandie.
Sprachlich ärgern allzu oft Verschleifer wie »Die Mutter ist äußerst bleich geworden, alle Erregung mit einem Schlag, fortspülend, Gedankenfetzen wischen durch den Kopf« und natürlich hat der Kommissar danach einen Moment, in dem »der Gedanke wie ein Blitz durch den Kopf fährt«. Gegen Ende darf er sogar damit glänzen, dass Lenas Geruch noch auf seiner Haut liegt.
Mit Brüggenthies streifen wir durch eine Geschichte, die sich dahinschleppt und zwischendurch aufgepeppt wird. Leider verstärkt sich im Verlauf der Eindruck, dass es sich um einen Blick von außen handelt, um eine Beschreibung, wie ein Fall sich anfühlen muss. Weniger um den Blick von innen, aus den Figuren heraus.
Zuviel farbloses Konstrukt, dessen zwischenzeitlich kräftiger Pinselstrich nicht verhehlen kann, dass trotz aller Heimlichkeiten der Roman bleibt, wie der Titel es verspricht: geheimnislos.
Wolfgang Franßen, Dezember 2009
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| fresno89 zu »Stephan Brüggenthies: Der geheimnislose Junge« | 15.09.2011 |
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| manni zu »Stephan Brüggenthies: Der geheimnislose Junge« | 20.06.2011 |
| Anette zu »Stephan Brüggenthies: Der geheimnislose Junge« | 26.07.2010 |
| Caruso vom Niederrhein zu »Stephan Brüggenthies: Der geheimnislose Junge« | 29.12.2009 |


