Lemmings Himmelfahrt von Stefan Slupetzky

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 2 der Lemming-Serie.

  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2005. 288 Seiten.
  • [Hörbuch] Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2006. Gesprochen von Stefan Slupetzky. 8 CDs.

'Lemmings Himmelfahrt' ist erschienen als Hörbuch

In Kürze:

Der Lemming ist wieder in Schwierigkeiten. Gerade hat ihn seine Freundin hinausgeworfen, und kurz danach schießt ein Verrückter auf ihn. Zum Glück trifft es zwar einen anderen, der tot zusammenbricht, doch jetzt sucht die Polizei den Lemming als Mörder. Da hilft es nur, den wirklichen Täter zu finden, und der Lemming ist mal wieder in einen Fall verwickelt, der ihn völlig überfordert.

Das meint Krimi-Couch.de: »Wortgewaltiger, morbider Humor in breitestem Wienerisch« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Leopold Wallisch, genannt Lemming, Ex-Polizist und reichlich herunter gekommen, wacht auf und steht im Nassen. Ein ansonsten relativ harmloses Erdbeben hat einen Wasserrohrbruch ausgelöst und jetzt schwimmen ihm die Pantoffel bei der Wohnungstür hinaus. Soll sich der Hausherr darum kümmern, Lemming schnappt seinen Koffer und begibt sich morgens um Vier zu seiner Freundin. Dort kommt er aber nicht unter, denn diese vergnügt sich gerade anderweitig.

Um diese Zeit haben am Wiener Naschmarkt die letzten Lokale noch geöffnet und andere sperren schon wieder auf. Lemming geht ins Café Dreher, um seinen Kummer zu ersäufen. Der Typ am Nebentisch verarscht ihn deswegen ordentlich, spendiert ihm trotzdem ein paar Drinks aus seiner Whiskyflasche. Irgendwann wird es dem Lemming zuviel. Er haut ab, der Unbekannte hinter ihm her und nur wenige Schritte außerhalb des Lokals taucht zwischen den Marktbuden eine Gestalt auf, zückt eine Pistole und schießt auf den Lemming, trifft aber den hinter ihm stehenden Mann tödlich und haut schnellstens ab. Es sieht aus, als ob der Lemming der Mörder wäre. Also hat er nichts Besseres zu tun, als unterzutauchen.

Ab ins Sanatorium, ab in diese obskure Anstalt

Durch seine Kontakte zur Gerichtsmedizin erfährt der Lemming, dass der Tote Pfleger in einem Sanatorium für geistig Behinderte war. Und auch der Mörder soll ein Insasse des Instituts sein. Doch die Polizei fahndet nach dem Lemming. Da bleibt ihm wohl nichts Anderes übrig, als zu seiner Entlastung selbst den Mörder zu finden und wenn er sich dazu als Patient in dieser obskuren Anstalt einschleusen muss.

Stefan Slupetzky hat im rororo-Verlag »Lemmings Himmelfahrt« veröffentlich, in dem der skurrile Lemming seinen zweiten Fall erlebt. Der Lemming, von den Frauen Poldi genannt, ist nicht gerade eine Geistesgröße und bewegt sich demgemäss in eher unterdurchschnittlichem Milieu, was der Autor zum Anlass nimmt, seine Dialoge teilweise in breitestem Wiener Dialekt ablaufen zu lassen. Da darf sich derjenige, der des Wienerischen nicht mächtig ist, schon arg seine kleinen grauen Gehirnzellen anstrengen, um dem Idiom auf die Spur zu kommen. Aber genau das macht einen Teil des morbiden Humors aus, auf dem Slupetzky gekonnt herum reitet.

Politiker und Ärzte werden zur Zielscheibe von Witz und Spott

Abgesehen davon findet der Leser auch genügend Situationskomik, damit die Spannung nicht gar zu übermächtig wird. Und für die etwas elitärer denkende Leserschaft hat der Autor auch nicht vergessen sozialkritische und philosophische Themen aufzugreifen, bei denen es zum Einen darum geht, die Denkweisen der manipulierten Massen an den Pranger zu stellen, zum Anderen zwangsläufig die Herkunft und Existenz von Verhaltensmustern derer zu dokumentieren, die als Politiker, Beamte, Ärzte usw. durch gelegentliches Fehlverhalten mit Recht Zielscheibe von Witz und Spott sind.

Als Krimi betrachtet ist des »Lemmings Himmelfahrt« eine ganz brauchbare Geschichte, die über passable Spannung und nicht zu komplizierte Handlungsabläufe verfügt. Die Geschichte lebt aber in erster Linie von der Wortgewalt des Autors, mit der er die absonderlichsten Gestalten kreiert und ihnen Worte und Gedanken in den Mund legt. Dabei kommt natürlich die schwarze Seele des Wieners prachtvoll in Schwung und bietet eine Mischkulanz zwischen dem »Herrn Karl« (verkörpert durch Helmut Qualtinger) und dem Proletencharme eines Edmund Mundl` Sackbauer (genial dargestellt von Karl Merkatz). Hintergründigkeit und Wiener Herz bieten hier eine Einheit, die es fast unmöglich macht, dieses Buch nicht zu mögen.

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Sonny zu »Stefan Slupetzky: Lemmings Himmelfahrt« 10.05.2008
Meine Erwartungen an den zweiten Fall wurden voll und ganz erfüllt. Wie im Vorherigen ist der "Fall" an sich nicht sonderlich spektakulär. Aber Lemmings Ermittlungsmethoden, der politisch nicht immer ganz korrekte Humor und letztlich wieder die herrlich skuril gezeichneten Charaktere gleichen das locker aus.

Auch dieses Buch kann ich wieder nur empfehlen.
betschi zu »Stefan Slupetzky: Lemmings Himmelfahrt« 01.05.2007
Ein Meisterstück! Erneut mischt Slupetzky Humor, Spannung, Absurdität und Tiefgang und er schafft es, mit seinem Humor niemals verletzend zu sein. Wahrlich eine Kunst!

Die Handlung ist eigentlich ziemlich banal, strotzt aber voller überraschender Elemente. So finde ich beispielsweise die "Art" der Hinweise, welche dem Lemming bei der Lösung des Falles helfen, ausgesprochen raffiniert. Woher Slupetzky diese genialen Einfälle hernimmt, ist mir ein Rätsel.

Ich kann das Buch jedenfalls uneingeschränkt empfehlen. Bei mir landet es ganz klar auf den vordersten Plätzen - wie bereits der erste Fall des Lemming - und ich hoffe, die Serie geht mit dem dritten Band so weiter oder wird gar noch getoppt (falls dies überhaupt möglich ist).
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
kue zu »Stefan Slupetzky: Lemmings Himmelfahrt« 31.08.2006
Auch der zweite Lemming-Roman ist von einem lockerleichten Humor und Absurdität geprägt. Großen Anteil daran hat die Tatsache, dass den Lemming seine Flucht bzw. Suche unmittelbar in die psychiatrische Klinik "Unter den Ulmen" führt. Beeindruckend finde ich dabei, dass der Autor es schafft, seinen Humor niemals auf Kosten der Kranken basieren zu lassen.
Der Fall selber hat mir nicht so gut gefallen wie der erste Lemming, was wahrscheinlich daran liegt, dass der Autor die Handlung fast ausschließlich auf das Gelände der Klinik beschränkt hat. Auch war der Täter diesmal wesentlich früher zu erraten. Trotzdem gehört der Roman in das Spitzenfeld meiner ganz individuellen Jahreswertung und hat neugierig auf den bald erscheinenden dritten Lemming gemacht.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Pascal zu »Stefan Slupetzky: Lemmings Himmelfahrt« 19.09.2005
Der erste Fall des Lemming war schon hervorragend. Doch dieses Buch gehört mit zum Besten, das ich je gelesen habe. Es ist mir schleierhaft, wie Slupetzky diese Leistung toppen will. Besser geht nicht. Es passt einfach alles. Spannung, Story, Charaktere, Atmosphäre - alles stimmig. Zwar ist die Himmelfahrt nicht ganz so skuril, wie der Vorgänger, aber dafür einem breiteren Publikum zugänglicher. Gratulation.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
hansjuergen zu »Stefan Slupetzky: Lemmings Himmelfahrt« 14.07.2005
Der Beschreibung von W.W. ist wenig hinzu zu fügen. Wenn der Autor aus dem Lemming keinen Lemming werden läßt, könnte es Wien-Touren zu den Schauplätzen der Romane geben. Es ist schon gut, wenn man die Stadt ein wenig kennt und mag.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
kreitigga ans zu »Stefan Slupetzky: Lemmings Himmelfahrt« 31.05.2005
Das mit Abstand beste Buch, das ich jemals gelesen habe.
Mit Witz, Charme und vor allem wienerischen Humor begeistert mich Slupetzky vom Anfang bis zum Schluss.
Überaschungseffekte, laute Lacher und tiefe Seufzer vorprogramiert.
Vorzüglich und genial!!!
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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