Minus 18 Grad von Stefan Ahnhem

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2016 unter dem Titel Arton grader minus, deutsche Ausgabe erstmals 2017 bei List.
Folge 3 der Kommissar-Fabian-Risk-Serie.

  • Stockholm: Forum, 2016 unter dem Titel Arton grader minus. 560 Seiten.
  • Berlin: List, 2017. Übersetzt von Katrin Frey. ISBN: 978-3-471-35124-6. 560 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: HörbuchHamburg, 2017. Gesprochen von David Nathan. ungekürzte Ausgabe. ISBN: 3957130530. 2 CDs.

'Minus 18 Grad' ist erschienen als TaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

In Helsingborg an der schwedischen Westküste wird ein Auto aus dem Hafenbecken geborgen. Eigentlich wäre der Fall klar: ein Unfall. Doch bei der Obduktion stellt sich heraus, dass der Fahrer schon lange tot war, als das Auto ins Wasser stürzte.

Kommissar Fabian Risk und seine Kollegen untersuchen den mysteriösen Todesfall. Jemand glaubt, den Toten erst letzte Woche gesehen zu haben. Wie ist das möglich? Risk hat einen Verdacht, aber der ist so absurd, dass er ihn zunächst selbst nicht glauben will.

Eins ist allerdings sicher: Es wird noch weitere Opfer geben, ein Serienmörder ist am Werk. Nur durch Zufall ist die Polizei jetzt auf seine Spur gekommen. Der Tote im Hafenbecken war nicht das erste Opfer, und noch lange nicht das letzte …

Das meint Krimi-Couch.de: »Brutale Kids und eiskalte Killer« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Beiderseits des Öresunds hat es die Polizei einerseits mit brutalen Morden an Obdachlosen, andererseits mit akribisch geplanten Tötungen wohlhabender Bürger zu tun. Während auf dänischer Seite Irene Lilja nahezu im Alleingang ermittelt, stehen in Schweden Fabian Risk und seine Kollegen vor überaus rätselhaften Mordfällen. Die Dänen haben es mit brutal ausgeführten Morden an Obdachlosen zu tun, in Schweden werden Menschen getötet, und ihre Identität gestohlen, um ihre Vermögen an sich zu reißen. Lilja hat mit ihrem Kampf gegen intrigante Kollegen genauso viel zu tun, wie mit der Suche nach den Tätern.

Für Fabian Risk und seine Kollegen geht es dagegen darum, überhaupt erstmal Zusammenhänge zu finden, Motive zu suchen – und dann die gefährlichen und skrupellosen Killer zu jagen. Beide Fälle werden schließlich ziemlich persönlich – und im dramatischen Finale auch noch lebensgefährlich für einige Protagonisten.

Problematisches Familienleben geschickt in die Handlung eingebaut

In Minus 18 Grad hat Fabian Risk bereits seinen dritten Fall zu bewältigen, und Autor Stefan Ahnhem zeigt sich in Hochform. Über den ersten Band Und morgen Du habe ich geschrieben, er sei der vielversprechende Auftakt einer neuen Reihe, und das zeigt sich auch im neuen Roman von Ahnhem. Private Probleme der Haupt-Protagonisten sind ja bei etlichen Lesern eher verpönt, weil es manche Autoren in dieser Hinsicht übertrieben haben. Ahnhem geht damit allerdings überaus kreativ um und baut das problematische Familienleben von Fabian Risk im neuen Roman geschickt in die spannende Handlung ein.

Die Polizeieinheit um den findigen Kommissar hat der Autor recht facettenreich gestaltet, dem Leser werden einige interessante Nebenfiguren geboten. Da gibt es spezielle Begabungen für die schwierige Ermittlungsarbeit, und vor allem die dänische Polizistin muss einiges an Ellenbogen zeigen, um überhaupt im Geschäft zu bleiben. Ein »police procedural«-Roman im besten Sinne des Wortes.

Stefan Ahnhem hat einen raffinierten Plot konstruiert

Zwar wird dem Leser frühzeitig die Tätersicht in beiden Mordserien präsentiert, aber die schwierigen und teilweise problematischen Ermittlungen der Polizisten stehen jederzeit im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Stefan Ahnhem hat einen überaus raffinierten Plot konstruiert, wer akribische Polizeiarbeit mag, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Der Doppel-Handlung in Schweden und Dänemark muss man dabei aufmerksam folgen, wenn man selbst miträtseln und den Überblick behalten will. Allerdings hält der Autor einige Wendungen und Sackgassen bereit – für Leser und Ermittler gleichermaßen.

Vor allem in Helsingborg werden die Fragezeichen für Fabian Risk und seine Kollegen immer größer, als eine Leiche nach der anderen gefunden wird. Der Autor wechselt dabei zuweilen ansatzlos zwischen scheinbar heiler Welt – und neuen brutalen Morden. Die menschlichen Abgründe lassen auch routinierte Thriller-Leser bei der Lektüre mitunter die Luft anhalten.

Das Buch ist Kriminalliteratur in ihrer besten Form

Sehr gelungen finde ich, wie hier zwei Handlungsstränge in ein Buch gepackt werden, deren Zusammenhang erst ziemlich spät deutlich werden. Und dabei wirkt das Ganze keineswegs über-konstruiert, sondern man fiebert als Leser einfach auf beiden Seiten des Öresunds gleichermaßen mit. Und der Autor präsentiert hier zwei unterschiedliche Typen von Tätern. Es geht um Langeweile und Thrill, um Gier und Rache, um tiefe Gefühle und oberflächliches Denken.

Der Anfang wirkt noch durchaus überschaubar, aber Ahnhem zieht schon bald das Tempo enorm an.

Kaltblütigkeit zeichnet so manchen Mörder aus, hier wird das ziemlich auf die Spitze getrieben. Ich kann das nicht näher schildern, ohne zuviel zu verraten, aber die schwedischen Ermittler werden echt an die Grenze des Erträglichen getrieben bei einigen Leichenfunden. Wobei es nicht um besondere Brutalität geht, sondern um die Kaltschnäuzigkeit und Skrupellosigkeit des Mörders.

Stefan Ahnhem fährt ein großes Personal-Tableau auf, wechsel ständig das Tempo und die Schauplätze. Bei manchem Buch fragt man sich, warum der Verlag »Thriller« drauf druckt. Hier steht nur Kriminalroman drauf – aber es ist definitiv Thriller drin. Mitreißend, fesselnd, und überaus lesenswert – Kriminalliteratur in ihrer besten Form.

Andreas Kurth, Mai 2017

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charliene zu »Stefan Ahnhem: Minus 18 Grad« 26.06.2017
Ich habe mich schon lange nicht mehr so über ein Buch geärgert wie über dieses. Leider "musste" ich es zu Ende lesen weil im Urlaub akuter Mangel an Lesestoff geherrscht hat. Wahrscheinlich aber hätte ich es besser liegen lassen, oder vor dem Urlaub genauer hingeschaut - selber schuld.
Die Idee zur Geschichte ist sicherlich gut und spannend. Auch dass zwei Fälle parallel geführt werden hat seinen Reiz. Aber von wegen guter Polizeiarbeit . naja. Da können es sich die Ermittler doch tatsächlich erlauben während einer so brisanten Geschichte ins Wochenende zu gehen. Heisse Spuren werden immer mal wieder übersehen oder liegen gelassen, Tatorte, die schon vor über einem Jahr, bei einem vermeintlich anderen Mord, gesichert wurden geben immer noch Spuren her. Ebenso bei einem, schon länger zurückliegenden Vermisstenfall, wird das Umfeld der vermissten Person von der Polizei offensichtlich nicht angeschaut und so kommt es, dass brisante Unterlagen nur darauf warten, bis die Ermittler im aktuellen Fall per Zufall darauf stossen.
Es gäbe noch viele Ungereimtheiten und wie schon erwähnt, ich habe mich nur geärgert.
Edith Sprunck zu »Stefan Ahnhem: Minus 18 Grad« 09.06.2017
Ich kann mich den Lobeshymnen von Andreas Kurth und PMelittaM nur voll anschließen. Bei einem kleinen Detail hat der Fehlerteufel Andreas Kurth ein Schnippchen geschlagen. Oder saß Kim Sleizner aus dem dänischen Team, der Dunja Hougaard immer noch um jeden Preis los werden will, Herrn Kurth im Nacken? Dunja, die schon im Vorgängerband für Furore gesorgt hat, gehört nämlich "auf Streife" nach Dänemark und nicht Irene Lilja, die im schwedischen Team mitmischt. Ansonsten ist alles Notwendige schon auf den Punkt gebracht. Ein Meisterwerk an Krimi, der eigentlich ein Thriller ist. Extrem spannende Handlung kombiniert mit lebensechter Darstellung der Gedanken- und Gefühlswelten nahezu aller wichtigen Beteiligten. Herausragend! Eine weitere Folge mit Risk werde ich mir sicherlich nicht entgehen lassen.
PMelittaM zu »Stefan Ahnhem: Minus 18 Grad« 31.05.2017
Ein Auto, das einen Unfall hat, ein toter Fahrer – ein klarer Fall? Nein, denn bei der Obduktion stellt sich heraus, der Fahrer war schon länger tot. Mord also? Problematisch ist nur, dass der Tote kurz vorher noch auf verschiedene Personen getroffen ist. Wie kann das sein? Dies ist nicht das einzige Rätsel, das das Team um Astrid Tuvesson und Fabian Risk lösen muss.

Doch nicht nur beruflich ist Fabian gefordert, auch sein privates Leben macht ihm sehr zu schaffen. Ehefrau Sonja, die künstlerische Erfolge feiert, Sohn Theodor, der noch immer traumatisiert ist, und Tochter Matilda, deren neue „Freundin“ anders ist. Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bringen, war für Fabian schon immer nicht einfach, doch nun droht es zu eskalieren.

Knapp zwei Jahre sind vergangen seit „Und morgen du“ und die Verhältnisse in Fabians Familie sind nicht besser geworden, eher im Gegenteil. Die Privatprobleme, nicht nur Fabians, nehmen einigen Raum ein und werden durch den Fall zusätzlich beeinflusst (und umgekehrt). Erstaunt hat mich auch Astrid Tuvesson, die mir im Vorgängerband als kompetente Vorgesetzte erschien und sich hier mit Alkoholproblemen hervortut. Finde ich persönlich etwas schade, aber letztlich wirkt sich das, zumindest in Maßen, spannend auf das Geschehen aus.

Auch Dunja Hougaard, die dänische Polizistin, ist wieder dabei, jedoch diesmal kaum mit dem schwedischen Fall verknüpft. Dennoch hat sie einigen Anteil an den Geschehnissen und zumindest ein Mitglied der Familie Risk bekommt mit ihr zu tun. Dunja muss mittlerweile wieder Streife gehen, doch ihr ehemaliger Vorgesetzter, Kim Sleizner, ist damit noch nicht zufrieden. Er nimmt weiter keinen guten Einfluss auf Dunjas Leben und dabei keine Rücksichten.

Auch Malin Rehnberg aus „Herzsammler“ ist dabei und darf mitermitteln, worüber ich mich gefreut habe.

Der Fall selbst ist kompliziert, es wird dem Leser jedoch die Möglichkeit geboten, mitzuraten. Die Erzählweise in verschiedenen Perspektiven, teilweise nahezu parallel, trägt zur Spannung bei, ich finde den Roman sehr spannend, auch wenn der Fall schon einige Zeit vor dem Ende gelöst zu sein scheint, sich dann aber doch noch einige – teilweise unerwartete und überraschende – Wendungen ergeben. Die Auflösung ist gelungen, plausibel und erschreckend – sowohl in Fabians wie auch in Dunjas Fall.

Mittlerweile ist es so, dass man die Bände der Reihe nach lesen sollte, gerade auch, weil nicht nur die Kriminalfälle thematisiert werden. Wenn man das Ende dieses Romans betrachtet, das mit mehreren offenen Enden abseits des aktuellen Falls aufwartet, scheint der nächste Fall noch mehr verzahnt zu sein und es wird sicher Sinn machen, Vorkenntnisse zu haben.

Für mich ist die Reihe mittlerweile ein Muss und ich bin sehr gespannt auf den nächsten Band, der schon jetzt Einiges verspricht. Um die Reihe zu mögen, muss man sich darauf einlassen können, dass auch das Privatleben der Ermittler eine große Rolle spielt und sich auf die Fälle auswirkt. Ich vergebe volle Punktzahl und eine Leseempfehlung.
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