Schwedenbitter von Simone Buchholz

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 bei Droemer Knaur.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Hamburg, 1990 - 2009.
Folge 3 der Chas-Riley-Serie.

  • München: Droemer Knaur, 2011. 250 Seiten.
  • München: Knaur, 2013. ISBN: 978-3-426-50039-2. 218 Seiten.

'Schwedenbitter' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Eine Villa im Hamburger Süden und darin zwei tote Amerikaner. Außerdem: ein schnüffelnder Ex-Kommissar, ein paar sehr höfliche Autonome, eine durchgeknallte Schwedin, Immobilienhaie, eine Freundin, die vielleicht ein Kind bekommt, ein schnöseliger Kollege  und überall der mafiose Behördensumpf. Mittendrin stapft Staatsanwältin Chas Riley durch den Novembernebel und braucht all ihre Kraft, um nicht darin unterzugehen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Leben und Sterben an der Elbe« 86°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Im Hamburger Problem-Stadtteil Wilhelmsburg wird ein amerikanisches Ehepaar tot in seiner Wohnung gefunden. Halb erschlagen, und dann zur Sicherheit auch noch mit dem eigenen Revolver erschossen. Staatsanwältin Chastity Riley und ihr Ermittlungsteam tappen zunächst völlig im Dunklen. Zu allem Überfluss  und wie gewohnt  hat Chas auch privat wieder einiges an Problemen zu wälzen. Ihre beste Freundin Carla ist schwanger. Und ihr Freund Klatsche will mit seinem besten Kumpel Rocco eine Szene-Bar im Rotlichtbezirk übernehmen, und rückt für ihren Geschmack dadurch wieder viel zu dicht an das kriminelle Milieu heran. Und dann ist da noch ein neuer, echt gut aussehender Kollege bei der Kripo, der Chas verdammt zu schaffen macht. Die Spuren in der Mordsache führen in das Immobiliengewerbe und zur schier allmächtigen Baubehörde  und prompt gibt es Ärger von ganz oben. Bis zum überraschenden und ungewöhnlichen Finale haben Leser und Ermittler einiges durchzustehen.

Es gibt nur wenige unter den zahlreichen Regional- oder Lokal-Krimis, die so authentisch sind wie die Chas-Riley-Reihe von Simone Buchholz. Man merkt an ihrer Art zu schreiben, dass sie mit ihrer Familie mitten in Hamburg lebt  und dadurch sind ihre Figuren und deren Sprache so echt, wie man es als Auswärtiger kaum hinbekommen würde. Für manchen Leser oder Kritiker dümpelt sie wohl auch zu viel in Sozialromantik herum, aber wer das Hamburger Viertel St. Pauli kennt, weiß ganz genau, dass man einen dort spielenden Roman gar nicht anders schreiben kann. Die Typen passen einfach in den Kiez, und der Kiez gehört zu Hamburg wie die Elbe.

Und dann ist da Chas selbst  amerikanischer Vater, Juristin, kann auch mal ein Auge zukneifen. Liebt ihr Viertel, die Stadt und vor allem den kultigen FC St. Pauli. Deshalb sind ihr die Kollegen am liebsten, die eine Totenkopf-Flagge auf dem Schreibtisch haben. Altona 93 wird irgendwie geduldet, HSV geht gar nicht. Aber sowas von. Und irgendwie nimmt man ihr als Leser alles ab, die ganze Haltung, die schnodderige Denke und Sprache – und das als Staatsanwältin. Und das eben untrennbar verknüpft mit immer wieder anklingender Gesellschaftskritik und persönlicher Sozialromantik.

Die derbe und klare Sprache ist dabei immer wieder von amerikanischem Slang durchsetzt  was diese Figur noch überzeugender macht. So sind die zwei toten Amerikaner für Chas einfach Rednecks. Und auch ihre persönlichen Probleme und die in ihrem Umfeld spricht sie stets klar und direkt an. Ihre Meinung über den Stadtteil Wilhelmsburg und die dazu gehörende Elbinsel Veddel zeigt der jungen Staatsanwältin unbewusst den Weg zur Lösung des Falles. Wilhelmsburg, südlich der Elbe gelegen, ist ein absoluter Problembezirk. Es gab sogar schon Überlegungen in der Hamburger Politik, das Wohnen auf der Veddel aufzugeben. Und nun ist auch im Hamburger Süden die so genannte Gentrifizierung in vollem Gange  wie überall auf der Welt in den großen Städten.

Simone Buchholz greift in ihrem Roman außerordentlich geschickt ein hochbrisantes gesellschaftspolitisches Thema auf, und verknüpft es mit ihrer spannenden Romanhandlung. Die Zusammenhänge sind im Behördenmief und angesichts der falschen Fährten, die von der Autorin gelegt werden, nicht einfach zu erkennen  und ich werde hier sicher nicht mehr verraten. Aber inhaltlich hat es dieser rotzig und frech Krimi daher kommenden Roman wirklich kräftig »auf den Rippen«. Dazu noch mit Chastity Riley eine Protagonistin, die in jeder Hinsicht aus dem Rahmen fällt. Und so ist das ganze Buch  wie die komplette Reihe – ein höchst spezielles Lesevergnügen. Abseits der eingetretenen Krimi-Pfade, nonkonformistisch im besten Sinne. Diese Art zu schreiben mag Leser und Kritiker durchaus in zwei Lager spalten  mir gefällt der Stil von Simone Buchholz jedenfalls ausnehmend gut.

Andreas Kurth, Dezember 2011

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trafik zu »Simone Buchholz: Schwedenbitter« 10.07.2017
Schwedenbitter war mein erstes Buch von Simone Buchholz. Irgendwie kam ich nicht wirklich hinein in diesen Krimi.
Für mich sehr zäher Schreibstil und viele Stellen im Buch äuserst seltsam.
Bei mir hat aber jeder Krimiautor noch eine zweite Chance. Deshalb werde ich mir den nächsten in dieser Reihe besorgen.
Schauma Mal!
meier13 zu »Simone Buchholz: Schwedenbitter« 11.12.2011
Dem Urteil von Andreas Kurth kann ich mich vorbehaltlos anschließen; auch das dritte Buch ist pures Lesevergnügen und wieder ein Volltreffer. Und manche Dialoge und Gedankengänge von Chastity Riley sind einfach zum Schreien komisch und haben außerdem Niveau. Ganz subjektiv und voller Überzeugung werte ich 90°.
Dagmar Remmers zu »Simone Buchholz: Schwedenbitter« 08.06.2011
Ich warte sehnsüchtig auf November, damit ich es endlich lesen kann.
Die anderen beiden Bücher mit Staatsanwältin Chas Riley habe ich schon sehr genossen und werde mich bestimmt auf dieses stürzen und nicht eher beiseite legen, bis ich die letzte Seite gelesen habe.

Mir gefällt das Umfeld St. Pauli, genauso wie die Figuren. Alles hebt sich super von meinem Alltag ab und ist spannend, unterhaltsam, und mitreißend.
Ich freu mich drauf :-)
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