Knastpralinen von Simone Buchholz

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 bei Droemer Knaur.
Ort & Zeit der Handlung: Hamburg, 1990 - 2009.
Folge 2 der Chas-Riley-Serie.

  • München: Droemer Knaur, 2010. ISBN: 978-3-426-19814-8. 246 Seiten.
  • München: Knaur, 2012. ISBN: 978-3-426-50038-5. 251 Seiten.

'Knastpralinen' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Es ist Sommer in Hamburg, Sankt Pauli leuchtet warm, alles könnte so schön sein doch plötzlich schwimmen auffällig viele Füße in der Elbe. Männerfüße und von den Körpern dazu keine Spur. Offenbar räumt hier jemand gründlich auf. Staatsanwältin Chas Riley ist derzeit damit beschäftigt, ihrer Freundin Carla beizustehen, die brutal vergewaltigt wurde. Und als sie in den Mordfällen ermitteln soll, hat sie schnell das Gefühl, dass die toten Männer von niemandem wirklich vermisst werden. Bald fragt sie sich, ob sie der Welt eigentlich einen Gefallen tut, wenn sie den Mörder dingfest macht.

Das meint Krimi-Couch.de: »Selbstjustiz  nicht frühstückskompatibel« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Leichenteile in Plastiksäcken

In Chastity Rileys zweitem Fall knüpft Simone Buchholz nahtlos da an, wo sie in ihrem ersten Buch über die toughe Hamburger Staatsanwältin aufgehört hat. In Ich-Form erzählt Chas von ihrem Leben, Leiden und Arbeiten in der Elb-Metropole. Es ist Sommer in Hamburg, Sankt Pauli leuchtet warm bis unerträglich heiß. Rileys neuer Chef-Ermittler Calabretta ist im Urlaub in Italien, der früh-pensionierte Vorgänger Faller sitzt im Hafen und angelt. Und ausgerechnet jetzt werden in der Billwerder Bucht beim Ausbaggern der Fahrrinne sorgfältig in Plastiksäcken verpackte Leichenteile von zwei Männern gefunden. Es sind immer nur die Hände, Füße und Köpfe der Leichen in dem jeweiligen Sack  der Rest fehlt.

Carla wird vergewaltigt

Die Laune der engagierten Staatsanwältin geht richtig in den Keller, als ihre beste Freundin Carla im Keller ihrer Kneipe von zwei zwielichtigen Typen eine Nacht lang vergewaltigt wird. Carla schläft zwei Tage lang, aufmerksam bewacht von Klatsche, Chastitys Nachbar und Teilzeit-Lover, der in letzter Zeit auch Carla näher gekommen war. Chas begleitet ihre Freundin ins Polizei-Präsidium, Phantom-Bilder werden angefertigt  aber Priorität haben die Leichenteile aus der Billwerder Bucht. Calabretta ist endlich aus dem Urlaub zurück, zumindest in dieser Hinsicht fällt Chas ein Stein vom Herzen. Und die neu gebildete Sonderkommission bekommt einen knackigen Namen: Soko Knochensäge. Denn die Köpfe der Toten wurden offenbar höchst professionell mit einer Knochensäge vom Rumpf getrennt.

Herrliches Erzählkino

»Knastpralinen« ist wunderbares Erzählkino. Durch die Ich-Form blickt der Leser nicht nur Chastity ständig über die Schulter, sondern bekommt auch ihren Blick auf die Stadt und deren Menschen vermittelt. Im Kino würde man sagen Chas spielt die anderen Figuren glatt an die Wand. Aber dennoch haben Faller, Carla und vor allem Klatsche ihre ganz eigene Funktion für die Geschichte. Der pensionierte Faller ist eine Art Rettungsanker für die junge Staatsanwältin, sie holt sich Tipps bei ihm, wenn sie nicht recht weiter weiß – auch gemeinsam mit Calabretta, als dieser wieder da ist. Carla kommt in ihrer Rolle als beste Freundin diesmal zu kurz, schließlich hat sie selbst genug eigene Probleme. Aber immerhin gelingt es Chastity am Ende doch, Carla vor einer großen Dummheit zu bewahren. Und Klatsche, ehemaliger Meistereinbrecher und jetzt Inhaber des besten Schlüsseldienstes der Stadt, ist immer dann zur Stelle, wenn Chas eine Schulter zum Anlehnen braucht.

Mittlerweile wird eine dritte, diesmal vollständige Leiche eines jungen Mannes gefunden. Dennoch finden die Ermittler trotz ihrer intensiven Suche keine Gemeinsamkeiten zwischen den Mordopfern.

Selbstjustiz gegen Vergewaltiger

Carla erholt sich erstaunlich schnell von der Vergewaltigung. Ihr bekommt offenbar die Rückkehr von Rocco Malutki. Der polnisch-italienische Unterweltler war ein Jahr in Berlin, und ist zurück in Hamburg. Die beiden sind viel zusammen, reden miteinander und gehen viel spazieren. Und als es Carla zu dumm wird, weil sie den Eindruck hat, die Polizei kümmere sich nicht genug um ihren Fall, hilft ihr Malutki. Innerhalb eines Tages treibt er die Vergewaltiger mit Hilfe seiner Kiez-Kontakte auf, und schon sitzen sie gefesselt in Carlas Kneipen-Keller. Chas kommt den beiden zufällig auf die Schliche, und muss sich eine unglaubliche Geschichte ausdenken, damit Carla nicht selbst in die Mühlen der Justiz gerät.

Leicht ekeliger Abschluss

Allerdings ist Carla nicht die einzige Frau, die angesichts von Anmache, Entwürdigung und Vergewaltigung auf Selbstjustiz setzt. Eher zufällig kommt Chas den Mördern schließlich auf die Spur. Das Finale ist ziemlich eklig, höchst ungewöhnlich und wird natürlich nicht verraten. Am Ende hat man als Leser das Gefühl, weiter umblättern zu wollen, um das Leben dieser sympathischen Menschen in dem Hamburger Kult-Stadtteil weiter zu begleiten. Chas, Klatsche und Carla sind ein Trio, das der Leser auch angesichts der witzigen Dialoge schnell schätzen lernt. Dass nebenbei noch brutale Morde und Vergewaltigungen aufgeklärt werden, macht die Story vollkommen  man freut sich auf die Fortsetzung.

Andreas Kurth, Juni 2010

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kianan zu »Simone Buchholz: Knastpralinen« 03.01.2013
Was soll ich sagen: Obwohl der Plot sehr, sehr schnell fast gänzlich durchschaubar ist und somit keine rechte Spannung rund um die Geschichte der gefundenen männlichen Leichen(-teile) aufkommt, hat mir das Buch dennoch gefallen.

Das liegt sicherlich in erster Linie an den sympathisch skurrilen Protagonisten, insbesondere Chas Riley, Klatsche und Carla. Zum anderen liegt es an dem Lokalkolorit von Hamburg - man spürt die Liebe der Autorin zu der Stadt und ihr Gespür für die kleinen Dinge im Leben der Stadt. Und an Humor fehlt es in diesem Buch auch nicht - wenn auch auf ein wenig schnodderige, aber sympathische Art.

Wer also einen actiongeladenen, super spannenden Krimi sucht, könnte meines Erachtens enttäuscht sein. Wer sich durch die Menschen, ihre Geschichten, der Stadt einfangen lassen kann, findet hier eine humorvolle und kurzweilige Geschichte, die auch einen Kriminalfall enthält.
tassieteufel zu »Simone Buchholz: Knastpralinen« 11.04.2011
Hamburg im Sommer, eine ungewöhnliche Hitzeperiode sucht die Stadt heim und aus der Elbe werden Pakete mit menschlichen Überresten gefischt, fein säuberlich abgetrennte Füße, Hände und der Kopf, vom Rest fehlt jede Spur. Eigentlich genau der richtige Fall für Staatsanwältin Chas Riley, doch die kann sich so gar nicht auf den Fall konzentrieren, denn ihre beste und einzige Freundin wurde brutal überfallen und was man über die Toten zu Tage fördert, ist auch nicht dazu angetan, sie für nette Menschen zu halten.
Der zweite Teil um Chas Riley hat mir eindeutig besser gefallen als der Erstling. Auch hier wird nicht wirklich viel ermittelt, das Hauptaugenmerk liegt auf den Figuren rund um die etwas schrullig wirkende Staatsanwältin, aber das Buch hat viel Atmosphäre und jede Menge Charm.
Die Personen kommen sympathisch rüber und ein leicht trockener Humor durchzieht das Buch. Spannung sucht man aber auch hier wieder vergebens. Die ab und an eingefügten Kapitel über das Vorleben des Mörders haben bei mir dazu geführt, das ich das Ganze recht
schnell durchschaut habe (vielleicht lese ich auch einfach zu viele Krimis) und auch was die "kulinarischen Eskapaden" anging, da war mir schon nach wenigen Kapiteln klar, was einen am Ende erwarten würde. So bot das Buch für mich nur wenig überraschendes, aber insgesamt war ich doch angenehm überrascht und hatte beim Lesen eigentlich immer das Gefühl, das ich wissen wollte wie`s weiter geht.

Fazit: obwohl auch hier erstaunlich wenig ermittelt wird, hat mir der 2. Teil wesentlich besser gefallen, nette Atmosphäre, die Personen kommen lebensnah und sympathisch rüber und das Ende war zwar für mich nicht überraschend aber originell und hat mir die etwas seltsam wirkende Chas Riley sympathischer gemacht.
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