Bullenpeitsche von Simone Buchholz

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2013 bei Droemer.
Folge 5 der Chas-Riley-Serie.

  • München: Droemer, 2013. ISBN: 978-3-426-22643-8. 224 Seiten.
  • München: Droemer, 2016. 223 Seiten.

'Bullenpeitsche' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Kein guter Sommer für Staatsanwältin Chas Riley: Regen, Regen, Regen  und ein brutaler Polizistenmord in den Elbvororten. Die Ermittlungen schieben Chas und ihre Kripokollegen in ein schmieriges Karussell aus Korruption, Gefälligkeiten und Männerfreundschaft. Am Ende ist ein weiterer Kollege am Ende, eine Frau verschwunden, eine Freundin verheiratet. Und der große Gangster lernt, dass gegen die große Einsamkeit keine Knarre gewachsen ist.

Das meint Krimi-Couch.de: »Das Böse geht verschlungene Wege« 80°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Staatsanwältin Chastity Riley muss sich mit ihrem Ermittlungsteam um einen brisanten Fall kümmern. Zwei Streifenpolizisten  eine junge Mutter und ein älterer Kollege kurz vor der Pensionierung  sind in einem Park in den Elbvororten mit einer automatischen Waffe erschossen worden. Zeugen haben Nobelkarossen gesehen, und deren Besitzer ist ein Immobilienlobbyist. Weil er in mancherlei Hinsicht illegal unterwegs ist, will er aussagen, um nicht in größere Probleme hineinzugeraten. Es dauert nicht lange, und Chas und ihren Mistreitern ist klar, dass ihr Erzfeind, der so genannte Albaner, bei der ganzen Angelegenheit seine Finger im schmutzigen Spiel hat. Der aussagewillige Zeuge verschwindet spurlos, es gibt einen Anschlag auf die Ermittlungsgruppe, und ein weiterer Zeuge und Beteiligter begeht scheinbar Selbstmord. Die Ermittler haben mehr als Schwierigkeiten dabei, in diesem Sumpf aus Korruption, illegalen Geschäften, Kinderprostitution und anderen Unappetitlichkeiten einigermaßen den Überblick zu behalten.

Die Truppe gehört in den Kiez

Es gibt Roman-Reihen, da ist man als Leser ab der ersten Seite der neuen Folge wieder voll im Geschehen. Weil man die Figuren kennt und schätzt, weil das Umfeld überschaubar und bekannt ist. Und man sich irgendwie wie bei alten Kumpeln fühlt. Die Bücher um die Hamburger-Staatsanwältin Chastity Riley gehören in diese Kategorie. Simone Buchholz hat hier eine überaus authentische Figur geschaffen, die zusammen mit ihrem Freundeskreis nirgendwo sonst ihre Kreise ziehen könnte. Chas, ihr Nachbar und Gelegenheitslover Klatsche, ihre Freundin Carla und deren frisch Angetrauter Rocco, aber auch die Polizisten Calabretta, Inceman und andere  die gesamte Truppe gehört einfach in den Kiez um die Reeperbahn. Viele deutsche Krimis haben auf dem Cover einen Aufdruck, um zu zeigen, wo die Handlung spielt. Eifel, Oberbayern, Ostfriesland – wo auch immer. Das ist bei den Werken von Simone Buchholz überflüssig. Auch wer Hamburg nicht kennt, kann hier ziemlich schnell feststellen, wo sich alles abspielt. Und wer schon in Hamburg gelebt hat, wird diese Hommage an den Kiez und die Hansestadt insgesamt genießen.

Eine sympathische Protagonistin

Ein kleines Problem ergibt sich allerdings. Simone Buchholz versteht es, ihre Reihe wirklich ausgezeichnet fortzusetzen. Mit der inzwischen fünften Folge wird es allerdings immer schwieriger, neu einzusteigen, ohne die vorherigen Romane gelesen zu haben. Es ist nicht unmöglich, aber der Lesegenuss wird deutlich geschmälert, wenn man die bisherigen Ereignisse und losen Fäden nicht kennt. Auch für Neueinsteiger ist Chastity Riley gleich eine sympathische Protagonistin. Die Tochter eines Amerikaners und einer Deutschen identifiziert sich mit ihrer Stadt und vor allem ihrem Viertel derart intensiv, dass man ihre entsprechenden Liebeserklärungen nur noch schmunzelnd zur Kenntnis nimmt. Offenbar steckt in Chas so einiges von Simone Buchholz, zumindest im Hinblick auf die Liebe zu St. Pauli. Das lässt die Autorin nicht nur in die Dialoge einfließen, sondern sie baut auch gleich noch zwei neue Polizisten in die Geschichte ein, die Namen von St.-Pauli-Bundesligaprofis tragen. Mehr geht fast nicht.

Doppelmord als Aufhänger

Der Doppelmord an zwei Polizisten dient der Autorin lediglich als Aufhänger, um den »ewigen« Kampf von Polizei und Justiz gegen das sich krakenartig ausbreitende Verbrechen in der Hansestadt zu schildern. Es geht mal wieder um den Erzfeind der Ermittlertruppe um Chastity Riley  den so genannten Albaner. Es sind zwar auch Immobilienschieber und korrupte Politiker mit am Set, aber letztlich geht es um die Jagd nach dem ganz großen Bösewicht, der den Kiez und damit wichtige Teile Hamburgs unter Kontrolle hat.

Wie immer in dieser Reihe geht es auch wieder um tiefe und verwirrende Gefühle. Aber Simone Buchholz lässt auch das Schicksal hart zuschlagen  wo genau wird natürlich noch nicht verraten. Aber damit setzt die Autorin ein kräftiges Ausrufezeichen. Der schnoddrige Schreib- und Dialogstil  machen das Buch und die Geschichte nicht nur authentisch und unterhaltsam, sondern wirken in der Gesamtsicht auch gewissermaßen unvermeidbar. Eine Protagonistin wie Chas muss in dieser Umgebung so sein, so denken und so reden. Alles andere wäre völlig deplatziert. Und deshalb ist mein Fazit eindeutig: Das Gesamtkunstwerk bietet feinste Unterhaltung.

Andreas Kurth, November 2013

Ihre Meinung zu »Simone Buchholz: Bullenpeitsche«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

goat zu »Simone Buchholz: Bullenpeitsche« 04.11.2016
Im Hamburger Elbvorort Groß Flottbek werden zwei Streifenpolizisten erschossen. So schnell sich erste Erfolge bei den Ermittlungen einstellen, so abrupt kommt plötzlich auch alles zum Stillstand. Staatsanwältin Chastity Riley wird hineingezogen in einen Strudel aus Macht und Korruption und gerät an ihre Grenzen …

„Bullenpeitsche“ ist bereits der fünfte Band aus der Chas Riley-Serie und war gleichzeitig mein erster Roman der Autorin. Ich liebe Krimis mit viel Lokalkolorit und davon ist in diesem reichlich vorhanden. Das verregnete Hamburg und sein St. Pauli bieten die perfekte Kulisse für die Handlung.

Der Sprachstil war etwas gewöhnungsbedürftig für mich. Ich mag zwar gerne Romane lesen, die ohne Schnörkel, kurz und bündig geschrieben sind, aber Simone Buchholz‘ Schreibstil hat mich eher an Steno für Fortgeschrittene erinnert. Passt aber zum Umfang des Buches, welches mit 220 Seiten nicht gerade zu den dicksten Wälzern gehört.

Protagonistin Chas Riley ist eine humorvolle Frau, manchmal etwas derb – was jedoch an der Hamburger Schnauze liegt – hat aber einen sehr guten Draht zu ihren Kollegen. Ihr Privatleben kam leider etwas kurz und so bin ich mir noch nicht ganz sicher, wie und wo ich sie einstufen soll. Ich habe schon das Gefühl, dass mir dadurch, dass ich die anderen Bände nicht gelesen habe, einiges an Vorwissen fehlt. Der Krimi ist aber ohne Probleme eigenständig zu lesen.

Positiv anzumerken ist, dass sich dieser Roman deutlich vom Einheitsbrei abhebt. Um mir ein besseres Bild von der Protagonistin zu machen und um zu sehen, ob ich die Reihe weiterverfolge, werde ich mir auf jeden Fall noch einen Band zu Gemüte führen. Von mir gibt es vier Sterne.
wendelin zu »Simone Buchholz: Bullenpeitsche« 08.05.2014
Ein Polizistendoppelmord dient als Aufhänger der Geschichte, in der eigentlich um ganz andere Dinge geht. Um Korruption und organisiertes Verbrechen, Kinderprostitution, oder kurz gesagt um die Jagd auf den „Albaner“- volles Programm!

Ja, es gibt auch noch Krimis, in denen nicht ständig die Perspektive zwischen Opfer, Ermittler und Täter gewechselt wird. Die einfach damit auskommen, dass die Protagonistin die Ereignisse aus ihrer ganz persönlichen Sicht schildert und das liest sich wirklich gut.

Staatsanwältin Chastity Riley, ständig am Limit, muss einen brutalen Fall aufklären. Langweilig ist Chas bestimmt nicht dafür sorgt schon ihr chaotisches Gefühlsleben. Und ihre schrillen, nonkonformistischen Freunde vom Kiez muss man einfach mögen. Mehr Vergnügen hätte man allerdings, wenn man die vorherigen Bücher der Serie kennen würde.

Die Sprache und den Stil von Simone Buchholz möchte ich als einzigartig beschreiben. Eine Mischung aus poetisch und schnoddrig, wie ich es so noch nicht gelesen habe. Kurze knappe Sätze, wie aus dem Maschinengewehr abgefeuert, peitschen den Fall voran. Schade, dass es kein befriedigendes Ende gibt. Aber so ist das wohl im richtigen Leben und manchmal auch im Roman.

Fazit: Ein Krimi, der aus dem Rahmen fällt – kurz, knackig und knallhart.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
TMN zu »Simone Buchholz: Bullenpeitsche« 11.01.2014
Ich habe dieses Buch wieder sehr genossen. Staatsanwältin Chastity Riley aus St. Pauli ist eine hochsensible freche Göre mit einer unglaublich guten hamburgischen Sprache und einer selbstbewussten Natürlichkeit. Ich habe bisher noch selten einen solchen Jagdinstinkt erlebt, mit dem sie jeden Verdächtigen - ganz besonders alle Personen, die in den schicken Uhlenhorster oder Harvestehuder Villen wohnen, verfolgt. Ein wirklich gutes Buch auch wenn sie die schöne HafenCity, das Konzerthaus und ihre Bewohner nicht mag. Gruß, T.
Carsten Kohlmeier-Beckmann zu »Simone Buchholz: Bullenpeitsche« 25.10.2013
Ach Frau Buchholz,

schade, dass Sie nicht so schnell schreiben können, wie man Chas Riley auf dem Fuße durch den Kiez folgen muss!

Nun muss ich den neuesten Fall nach zweieinhalb Abenden schon zu den Akten legen...

Immer wieder begeistert von der cool-sensiblen und manchmal erfrischend-norddeutschen Sprache (in Hamburg KUCKT man, man guckt nicht, richtig!) und den so schön spröden treffenden Beschreibungen der Orte, der Menschen und der Gefühle.

Wann kommt der nächste raus?

Gruß
CKB
Ihr Kommentar zu Bullenpeitsche

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: