Blaue Nacht von Simone Buchholz

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2016 bei Suhrkamp.

  • Berlin: Suhrkamp, 2016. ISBN: 978-3518466629. 280 Seiten.

'Blaue Nacht' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Weil sie einen Vorgesetzten der Korruption überführt und einem Gangster die Kronjuwelen weggeschossen hat, ist Staatsanwältin Chastity Riley jetzt Opferschutzbeauftragte und damit offiziell kaltgestellt. Privat gibt es auch keinen Trost: Ihr ehemaliger Lieblingskollege setzt vor lauter Midlife-Crisis zum großen Rachefeldzug an, während ihr treuester Verbündeter bei der Kripo knietief im Liebeskummer versinkt. Da ist es fast ein Glück, dass zu jedem Opfer ein Täter gehört. Das Opfer ist ein Mann ohne Namen, der übel zugerichtet in ein Krankenhaus im Hamburger Osten eingeliefert wird. Alles sehr professionell gemacht, der klassische Warnschuss. Riley gewinnt nach und nach sein Vertrauen. Bei zwei bis acht Bier auf der Krankenstation nennt er ihr schließ- lich einen Namen. Nicht seinen, aber es ist eine Spur, und die führt nach Leipzig. Dort findet Riley einen Verbündeten und viel zu viele synthetische Drogen. Als ihr klar wird, wer hinter der Sache steckt, sieht sie ihre Chance, endlich einen der ganz großen Fische dingfest zu machen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Erfrischende Alternative« 80°

Krimi-Rezension von Michael Hoch

»Nach zwei Wodka sitzt die Welt schon viele lockerer.«

Wer solche Sätze schreibt, verdient es, gelesen zu werden. Die »Übeltäterin« dieses Kriminalromans ist Simone Buchholz, freie Autorin. Seit 1996 wohnt sie in Hamburg. Sie kennt sich aus und weiß, wovon sie schreibt. Und so ist es natürlich kein Zufall, dass ihr Kriminalroman im Hamburger Milieu spielt. Ihre Figuren haben dabei manches Mal etwas von der Kauzigkeit eines Grabowski, auch wenn diese Figur des Schauspielers Ralf Richters im Ruhrgebiet angesiedelt ist. Aber Namen wie Klatsche und Calabretta á la »Bang,Boom,Bang – ein todsicheres Ding« machen Blaue Nacht zu einem wirklich unterhaltsamen Erlebnis.

Buchholz schreibt kurz und prägnant, in einer erfrischenden, wenn auch einfachen Sprache. Aber genau das macht Blaue Nacht so besonders. Es ist die klare Sprache ohne Schnörkel, wenn die Ich-Erzählerin im »Fucking nowhere zwischen Zarrentin und Schießmichtot« mit ihrem Auto festhängt.

Jedes Kapitel trägt eine eigene Überschrift. Oft steht jede Geschichte für sich. Zusammenhängend vollenden sie natürlich das Puzzle der kriminellen Leichtigkeit. Auch ihre Figuren kommen zu Wort wie Rocco Malutki, St. Pauli Urgestein, der von seinen Eltern erzählt. Und von einer wie Carla Velosa erfährt man unter anderem, dass ihre Oma Tintenfische gegen die Wand schlägt.

Blaue Nacht hebt sich ab von Einheitslektüren, die einfach nicht überzeugen wollen. Und so ist der Roman von Buchholz eine Mischung aus Poesie und Direktheit. Das findet auch Schauspieler Wotan Wilke Möhring, der Tatort-Kommissar aus dem hohen Norden, der den Roman von Simone Buchholz als »Immer nah und echt« beschreibt.

Blaue Nacht ist erfrischend anders. Blaue Nacht ist dabei einer der Spielorte mit einem Publikum aus »altgedienten Recken«, Hipstern und »freundlichen Menschen zwischen zwanzig und fünfzig«. Durch die speziellen Elemente des Buches (wie z.B. Figuren, die sich in eigenen Absätzen selbst vorstellen und Kapitelüberschriften) gerät das eigentliche Geschehen fast schon in den Hintergrund. Denn immerhin geht es für Staatsanwältin Chastity Riley auch noch darum, in einer Gemütlichkeit aus Bier und Steaks, einen Mord aufzuklären.

2008 erschien Simone Buchholz erster Roman Revolverherz. Man darf gespannt sein auf das, was noch folgen wird. Auch wenn Blaue Nacht in seiner Aufmachung zunächst einmal unauffällig daherkommt, sein Inhalt strotzt vor Überraschungen.

Michael Hoch, Mai 2016

Ihre Meinung zu »Simone Buchholz: Blaue Nacht«

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meier13 zu »Simone Buchholz: Blaue Nacht« 13.06.2016
Man sollte eigentlich keine Rezension schreiben, wenn man befangen ist.

Dies allerdings aus gutem Grunde, Simone Buchholz' erster Roman hat mich schon in den Bann gezogen; St. Pauli, Milieu, Sprache, Sätze, Typen, Humor - und Spannung.
Nichts davon ist über die Romane hinweg verloren gegangen und als Mensch aus dem Ruhrpott bekomme ich beim Lesen immer Fernweh nach Hamburg.

Großartige Unterhaltung, bei der ALLES stimmt. Freue mich wieder auf die nächste Story und hoffe, sie kann das Niveau halten.
Sagota zu »Simone Buchholz: Blaue Nacht« 25.05.2016
Der Hamburg Krimi "Blaue Nacht" von Simone Buchholz ist im Suhrkamp-Verlag (März 2016, broschiert) erschienen und mein erster Kriminalroman dieser Autorin - sicher aber nicht der letzte.

Nachdem Staatsanwältin Chastity Riley einen Vorgesetzten der Korruption überführt hat, wird sie jetzt Opferschutzbeauftragte und damit offiziell kaltgestellt. Da ist es fast ein Glück, dass zu jedem Opfer ein Täter gehört. Und so bringt ein Mann, dem fast alle Knochen gebrochen wurden, Riley auf die Spur eines Schurken, dem seit Jahrzehnten niemand auch nur eines seiner Verbrechen nachweisen konnte - diesmal aber könnte alles ganz anders werden. (Quelle: Buchrückentext)

Meine Meinung:

Von der ersten Seite an liest sich dieser Hamburg Krimi, der in St. Pauli auf dem Kiez verortet ist, spannend und besticht durch die gelungene Mischung aus Poesie und Direktheit; ist dabei wortgewaltig und herrlich schnoddrig. Tiefgang fehlt ihm keineswegs und der Aufbau der Krimihandlung ist durch die stilistische Ausgefallenheit und Sprache der Autorin (stakkatoartige Sätze, die jedoch immer ins Schwarze treffen, knapp und sachlich, dabei teils poetisch, teils spröde, sehr interessant, da sich die Figuren in eigenen Kapiteln selbst vorstellen... Der staubtrockene Humor von Riley, die auf den Fall des Mannes mit den gebrochenen Knochen angesetzt wird und ihm - sehr menschliche Züge aufweisend - einige Köstlichkeiten und Alkoholika ans Krankenbett bringt, in der Hoffnung, dass er dann eher plaudert, ist immer wieder spürbar: So beschreibt sie etwa einen 'knitterfaltigen März' oder auch prägnant in skurrilen Bildern, wie ihr Kopf das Erlebte verarbeitet:
" In meinem Kopf sind ein paar kleine Gabelstapler damit beschäftigt, die Bilder in geheime Regale zu sortieren, an die ich so schnell nicht mehr rankomme. In ein paar Tagen werden wir sehen, ob das geklappt hat" (Zitat S. 148)

Poetische Bilder in hartem Krimi-Kontext lassen diesen Krimi förmlich auf der Leserzunge zergehen - die Spannung hält bis zum Schluss und wird noch gesteigert, als sich die Kreise enger ziehen...
Simone Buchholz hat einen Schreibstil, der mir neu war und mich umgehauen, begeistert hat: Tough, straight - mit wenig Worten wird alles auf den Punkt gebracht, jedoch ist auch die Verletzlichkeit, Menschlichkeit und Emotion immer dahinter zu spüren. Letzteres hat mir außerordentlich gut gefallen, so dass ich gerne zu den Vorgängern greife, die ich noch nicht kenne.

Fazit:


"Blaue Nacht" ist in einem außergewöhnlichen Stil geschrieben, der sich stark von der Einheitslektüre abhebt; auch geht es inhaltlich um allzu Bekanntes aus dem kriminalistischen Milieu, das mir als Krimifan zu denken gibt und auch Gesellschaftskritik berührt - alle angeht, nicht nur Staatsanwälte und gute Cops: Für die gelungene Mischung des "ständigen Wechsels zwischen spröder Realität und poetischen Bildern" (O-Zitat Wotan Wilke Möhring), dem ich mich nur anschließen kann, gibt es 4 Krimisterne und 89° auf der Krimi-Couch von mir mit einer klaren Leseempfehlung, nicht nur für Hamburg-Fans!
Baerbel82 zu »Simone Buchholz: Blaue Nacht« 19.03.2016
Leben, Lieben und Leiden auf St. Pauli

Endlich ein neuer Fall für die unkonventionelle Hamburger Staatsanwältin Chastity Riley, Tochter eines US-Amerikaners und einer Deutschen. Es geht um synthetische Drogen, denn der sogenannte Albaner will expandieren.
Riley wurde degradiert und ist nun Opferschutzbeauftragte. Das Opfer heißt Joe, ist Österreicher und liegt übel zugerichtet in einem Hamburger Krankenhaus. Eine Warnung aus dem Milieu. Riley gewinnt sein Vertrauen und so nennt er ihr schließlich einen Namen. Die Spur führt zu einem Drogenfahnder beim LKA in Leipzig - und geradewegs in die Hölle.
Währenddessen kümmert sich der pensionierte Faller, Rileys ehemaliger Lieblingskollege, „der hat was von meinem Vater. Robert-Mitchum-Typ“, um Joe. Wie es scheint, haben beide einen gemeinsamen Feind und noch eine alte Rechnung mit ihm offen…
Auch Rileys Privatleben nimmt wieder einen breiten Raum ein: In der Ich-Form erzählt sie vom Leben, Lieben - und Leiden auf dem Kiez. Mal witzig: „Ich bin dein Vater, Luke.“ (röchelt Riley), mal poetisch: „Er (Rocco) hat die Gezeiten im Gang und die Große Freiheit im Gesicht.“ Wer ist Opfer, wer ist Täter? Wer wird sterben, wer wird überleben und zu welchem Preis?
Simone Buchholz hat „Blaue Nacht“ gewohnt schnoddrig mit viel Lokalkolorit und schrägen Typen Szene gesetzt. Mit dabei sind wieder der Faller und der Calabretta, ihr treuester Verbündeter bei der Kripo, ihre beste Freundin Carla und deren Ehemann Rocco sowie ihr Lover Klatsche, dem jetzt die „Blaue Nacht“, eine Kneipe auf dem Kiez gehört.
Durch Rückblenden in die Vergangenheit nimmt die Geschichte viele überraschende Wendungen, bis zum unerwarteten Ende. Nur schrittweise wird enthüllt, wohin das Ganze führen soll. Gekonnt wird Spannung aufgebaut. Schauplatz ist erneut Hamburg, der Hafen, die Elbe. Dennoch handelt es sich bei „Blaue Nacht“ um mehr als einen Regio-Krimi. Denn dazu ist die Story viel zu komplex.
Zum Schluss ist Riley zurück im Spiel und so freue ich mich schon heute auf die Fortsetzung.

Fazit: Kultiger Kiezkrimi. Spannend, humorvoll und voller skurriler Figuren. Bitte mehr davon!
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