Beton Rouge von Simone Buchholz

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2017 bei Suhrkamp.
Folge 7 der Chas-Riley-Serie.

  • Berlin: Suhrkamp, 2017. ISBN: 978-3518467855. 227 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Osterworld audio, 2017. Gesprochen von Sandra Borgmann. ISBN: 386952376X. 6 CDs.

'Beton Rouge' ist erschienen als TaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Ein ungewöhnlich warmer Septembermorgen auf St. Pauli. Der Regen der letzten Nacht ist noch nicht verdunstet, und vor dem Gebäude eines großen Zeitschriftenverlags steht ein Käfig, darin der Chef der Personalabteilung. Nackt, bewusstlos und offensichtlich misshandelt. Drei Tage später steht der nächste Käfig vorm Verlag, diesmal liegt der Geschäftsführer drin. Riley und ihr neuer, undurchsichtiger Kollege Stepanovic glauben zunächst an einen Racheakt der Verlagsmitarbeiter – seit Jahren werden Leute entlassen, während sich die Führungskräfte dicke Boni in die Taschen stopfen. Als dann ans Licht kommt, dass alle drei Opfer nicht nur ihr Status, sondern auch eine mehr als zweifelhafte Vergangenheit verbindet, verschwindet der Vorstandsvorsitzende.

Das meint Krimi-Couch.de: Chefetage wird spektakulär an den Pranger gestellt 87°Treffer

Krimi-Rezension von Ines Gehlert

»Beton Rouge« ist das siebte Buch aus einer Reihe der Autorin Simone Buchholz. Im Mittelpunkt der Reihe ermittelt die Staatsanwältin Chastity Riley, die wie ihre Erfinderin in Hamburg St. Pauli lebt und liebt. Den außergewöhnlichen Namen hat die Staatsanwältin von ihrem amerikanischen Vater, einem Soldaten, der sie allein großgezogen hat. Ihr neuer Fall kommt ziemlich spektakulär daher.

Vor dem Haupteingang des größten Verlagshauses der Stadt liegt ein Mann in einem Metallkäfig. Er ist nackt, misshandelt, bespuckt. Es handelt sich um den Personalchef. Das Auffinden des zweiten Käfigs ein paar Tage später mit dem Verlagsleiter als Opfer legt Riley und ihrem neu zur Seite gestellten Kollegen vom LKA den Verdacht nahe, jemand rächt sich für die Personalpolitik des Managements. Dann aber stellt sich heraus, dass noch ein Mitglied aus der Chefetage zu den beiden eine Verbindung hat. Und die führt lange zurück in die gemeinsame Internatszeit der drei im bayerischen Biesendorf.

»Der Regen stellt Wände in die Nacht. Wie Spiegel fallen sie vom Himmel, reflektieren und verzerren das Blaulicht des Streifenwagens.«

Mit diesen Worten beginnt »Beton Rouge«, und einer bedrückenden Szene, in der Chastity zufällig an einem Unfallort vorbei kommt. Eine junge Frau wurde überfahren, der Täter ist flüchtig. Obwohl nicht ihr Fall, lässt der Tod der Radfahrerin Chastity nicht los.

Simone Buchholz pflegt eine für einen Krimi ungewöhnliche Poesie

Die ersten beiden Sätze des Buches sind beispielhaft für den so besonderen Sound und die ganz eigene Poesie von Simone Buchholz. Sie schreibt kurz, prägnant und immer auf den Punkt. Sie findet wunderbare Beschreibungen wie diese: ein Mond, der aussieht, als wäre ihm schlecht, und Lügen, die aus dem Mund fallen und mit einem unschönen Geräusch zerplatzen. Der Roman ist voll solcher schönen Bilder und durch seinen Stil unverwechselbar. 

Doch etwas ist anders. Über dem Text liegt eine düstere, melancholische Grundstimmung, die von der Figur der Staatsanwältin ausgeht. Privat läuft es für Chastity alles andere als rund. Das Leben ihrer Freunde und der alten Kollegen ist in Veränderung. 

Da passen Lebensentwürfe plötzlich nicht mehr zusammen und Erwartungen bleiben unerfüllt. Es wird spannend, wie Chastity damit umgeht, dass ihre zuverlässige Ersatzfamilie nicht mehr bedingungslos zum Auffangen bereit steht.

Neuer LKA-Kollege bringt frischen Wind in Chastitys Leben

Für Neueinsteiger in die Reihe ist dies sicher kein Nachteil, aber wer von Anfang an dabei ist, der wird Rocco, Carla und die anderen ein bisschen vermissen. Ein mutiger Bruch, der dem Roman gut tut, er wirkt in gewisser Weise erwachsener. Mit der Einführung der Figur Ivo Stepanovic, dem neuen Kollegen vom LKA, schlägt die Autorin ein neues Kapitel auf.

Viel mehr als dass er auf alte Mercedes-Modelle steht und nachts in Kneipen Klavier spielt, erfährt man noch nicht über den Ermittler. Aber eines ist klar, man muss erfahren, wie die Geschichte weitergeht. Der Köder ist ausgelegt. Ein spannendes und unterhaltsames Buch – unbedingt lesenswert.

Ines Gehlert, September 2017

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Edith Sprunck zu »Simone Buchholz: Beton Rouge« 01.09.2017
Ich kann mir nur schwerlich vorstellen, dass jemand ohne Vorkenntnis der Vorgängerbände etwas mit diesem "Krimi" anfangen kann. Der Plot bietet absolut nichts Neues, bringt u.a. auch deshalb nichts, was einen vom Hocker reißt. Die Aufklärung der Fälle steht im Hintergrund des Geschehens. Aber die "Verpackung" der Krimihandlung hat's in sich. Der Krimi besticht -wie die vorherigen der Serie- durch seine sprachliche Brillanz. Hier werden selbst Gegenstände lebendig. Alltägliche Ereignisse erhalten Charakterzüge. So entsteht atmospärische Dichte, die mit dem Plot allerdings relativ wenig zu tun hat, um so mehr mit der Protagonistin, Staatsanwältin Chastity Riley und ihrem eingeschworenen Kreis. Action und Spannung bzgl. der Aufklärung der Fälle gibt es wenig bis gar keine. Dafür wird (zusammengerechnet) seitenweise geraucht und Alkohol in rauen Mengen verputzt. Was aber zur gesamten Atmosphäre passt, ja dazu gehört. Bedenkt man, dass man für 228 Seiten (viele davon nur halb beschrieben) plus zehn Leerseiten im Anhang, minus die mit Rauch- und Trinkgewohnheiten gefüllten Seiten, 14,99 Euro hinblättert, ist das schon ein starkes Stück. Dennoch: ich glaube nicht, dass ich mich der nächsten Folge entziehen kann. Dafür ist der Sprachstil zu ausgefallen und macht süchtig. Und Sucht hat halt ihren Preis.
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